Die rechtlichen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen haben sich im Laufe der Zeit
als Folge der Globalisierung des Wirtschaftslebens beachtlich verändert, sodass
erfolgreiches Wirtschaften für die Unternehmer immer schwerer wird. Vor allem ist das
Finanzierungsverhalten der Banken erheblich restriktiver geworden. Daher wird die
Finanzierung von Unternehmen tendenziell problematischer, sodass künftig Unternehmen
wegen fehlender Liquidität zunehmend insolvent werden. Wesentliche
Gründe für die Kreditverknappung sind neben dem Basel II-Schock und der
Finanzmarktkrise auch die schlechten Erfahrungen und Verluste der Banken bei der
Finanzierung von Krisenunternehmen in der Vergangenheit. Des Weiteren finden sich
die Anteilseigner kaum bereit, in einer existenzbedrohenden Krise, eine dringend
erforderliche Eigenkapitalverbesserung durchzuführen, da deren Finanzkraft häufig
begrenzt bzw. durch die Krisenentwicklung ausgereizt ist.
Die Insolvenzstatistik kann als Indikator für Anzahl von notleidenden Unternehmen
eingesetzt werden. Die niedrigste Zahl von Unternehmensinsolvenzen wurde 1991 mit
8.837 Insolvenzfällen verzeichnet (Vgl. Abb. 1). Direkt nach der deutschen
Wiedervereinigung begannen die Zahlen kontinuierlich zu steigen bis sie 2003 einen
Rekordwert von 39.470 Insolvenzen erreicht haben.
Inhaltsverzeichnis
1. Ausgangssituation
2. Finanzinvestoren und Krisenunternehmen
2.1 Buyout- und Turnaround-Investoren
2.2 Vulture-Investoren
3. Unternehmensrestrukturierung durch Finanzinvestoren
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle von Finanzinvestoren bei der Restrukturierung notleidender Unternehmen, insbesondere unter dem Aspekt, welchen Beitrag sie zur Revitalisierung krisenbehafteter Betriebe leisten können und welche Maßnahmen sie hierbei ergreifen.
- Charakterisierung verschiedener Finanzinvestorentypen wie Buyout-, Turnaround- und Vulture-Investoren.
- Analyse der Strategien und Vorgehensweisen von Finanzinvestoren bei der Restrukturierung.
- Untersuchung der Bedeutung externer Finanzinvestoren für die Krisenbewältigung deutscher Unternehmen.
- Darstellung von Erfolgsfaktoren und Risiken einer aktiven Beteiligung durch Finanzinvestoren.
- Empirischer Überblick über Restrukturierungsleistungen und Markttrends im Bereich Distressed-Debt.
Auszug aus dem Buch
2.2 Vulture-Investoren
Neben Buyout- und Turnaround-Investoren treten bei sanierungsbedürftigen Unternehmen auch sog. Vulture-Investoren in Erscheinung, die i.d.R. als Hedge-Fonds organisiert sind.
Einige Vulture-Investoren verfolgen im Umgang mit Distressed-Debt passive Strategie, in dem sie als Distressed-Debt-Investoren unterbewertete Anleihen am Sekundärmarkt bzw. Kreditportfolios von den Banken erwerben, um Markteffizienzen auszunutzen, und damit regelmäßig allein auf eine Erholung der finanziellen Situation des Schuldners spekulieren, ohne dabei in das Management der notleidenden Unternehmen, in die sie investieren, einzugreifen. Andere streben dagegen die Kontrolle des Krisenunternehmens an, indem sie in einer ersten Runde Distressed Debt erwerben und zu einem späteren Zeitpunkt das sog. Debt-Equity-Swap durchführen, d.h. die erworbenen Forderungen in Eigenkapital des angeschlagenen Unternehmens wandeln, um anschließend durch Beteiligung am Restrukturierungsprozess als Mehrheitsaktionär eine effektive Verbesserung der Situation herbeizuführen bzw. ihren Anlageerfolg zu beeinflussen (Active-Control Investors/ aktive Turnaround-Strategie).
Im Zusammenhang mit Vulture-Investoren wird oft von „aggressiven“ Finanzinvestoren gesprochen. Vermutlich könnte die Bezeichnung „aggressive“ auf diejenige Strategie zurückgeführt werden, bei der die Vulture-Investoren, im ersten Schritt die erworbenen Forderungen sofort fällig stellen und dadurch das Drohpotenzial schaffen, und im zweiten Schritt mit der Umwandlung der Forderungstitel in Eigenkapital (Debt-Equity-Swap), nicht die Turnaround-Absichten verfolgen, sondern das Ziel im Rahmen einer Abwicklung Anteil an den Erlösen der gesamten Unternehmensassets, und nicht nur der ursprünglichen Sicherheiten für die erworbene Forderungen des angeschlagenen Unternehmens, zu erzielen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Ausgangssituation: Das Kapitel erläutert die verschlechterten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und die restriktivere Kreditvergabe der Banken, die zu einer steigenden Anzahl von Unternehmensinsolvenzen führen.
2. Finanzinvestoren und Krisenunternehmen: Es wird dargelegt, wie sich Finanzinvestoren bei Krisenunternehmen engagieren, wobei zwischen Buyout-, Turnaround- und Vulture-Investoren differenziert wird.
3. Unternehmensrestrukturierung durch Finanzinvestoren: Hier werden die konkreten Maßnahmen der Restrukturierung, wie Kapitalschnitte und Debt-Equity-Swaps, sowie die Bedeutung von Managementkapazitäten analysiert.
4. Fazit: Das abschließende Kapitel bewertet die Rolle aktiver Investoren als Chancen für Sanierungen, weist aber auch auf die Risiken und die begrenzte Haltedauer von Beteiligungen hin.
Schlüsselwörter
Finanzinvestoren, Unternehmensrestrukturierung, Krisenunternehmen, Private Equity, Turnaround-Investitionen, Vulture-Investoren, Distressed-Debt, Insolvenz, Kapitalschnitt, Debt-Equity-Swap, Restrukturierungs-Know-how, Eigenkapital, Krisenbewältigung, Sanierung, Hedge-Fonds
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Rolle und die Handlungsweisen von Finanzinvestoren bei der Restrukturierung von Unternehmen, die sich in einer finanziellen Krise befinden.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Fokus stehen die verschiedenen Typen von Finanzinvestoren, ihre spezifischen Restrukturierungsstrategien und der Beitrag, den sie zur Sanierung notleidender Unternehmen leisten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, darzustellen, wie Finanzinvestoren Krisenunternehmen durch Kapital und Know-how unterstützen und welche Mechanismen (z.B. Debt-Equity-Swaps) dabei zum Einsatz kommen.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Aufarbeitung der Literatur sowie der Analyse empirischer Studien zur Restrukturierungspraxis von Finanzinvestoren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung der Investorentypen, die Darstellung konkreter Restrukturierungsmaßnahmen und die Untersuchung von Erfolgsfaktoren bei Turnaround-Prozessen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die vorliegende Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Unternehmensrestrukturierung, Private Equity, Distressed-Debt, Krisenbewältigung und Finanzinvestoren charakterisiert.
Welchen Unterschied machen Vulture-Investoren zu klassischen Finanzinvestoren?
Vulture-Investoren, oft als Hedge-Fonds organisiert, spekulieren teilweise rein passiv auf Markteffizienzen oder fordern durch aggressive Strategien, wie das sofortige Fälligstellen von Forderungen, eine Kontrolle über das Unternehmen ein.
Warum ist die Wahl des Investors bei einer Restrukturierung entscheidend?
Die Wirksamkeit der Sanierung hängt stark davon ab, wie aktiv der Investor in die operativen Prozesse eingreift und ob er über spezifisches Branchen-Know-how verfügt.
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- Andriy Bershadsky (Author), 2008, Unternehmensrestrukturierung mit Hilfe von Finanzinvestoren, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/117563