Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Texte veröffentlichen, Rundum-Service genießen
Zur Shop-Startseite › Pädagogik - Allgemein

Zur Legitimation von Disziplinierung in der Erziehung. Das Verhältnis von Freiheit und Zwang bei Immanuel Kant

Titel: Zur Legitimation von Disziplinierung in der Erziehung. Das Verhältnis von Freiheit und Zwang bei Immanuel Kant

Seminararbeit , 2019 , 20 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Jan Dissemond (Autor:in)

Pädagogik - Allgemein
Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

Diese Arbeit widmet sich dem vermeintlichen Widerspruch in der Erziehung, zur Freiheit zu führen unter gleichzeitiger Einschränkung selbiger. Es soll gezeigt werden, inwieweit der Eingriff in die Freiheit des Zöglings legitim ist und wo die Grenzen eines solchen Eingriffes gezogen werden. Oder bleibt die Anwendung von Zwang in der Erziehung ein unauflösbarer Widerspruch?

Solange der Gebrauch der eigenen Freiheit nicht zum erklärten Erziehungsziel wird, besteht auch keine Notwendigkeit zur Legitimation der Anwendung von Zwang in der Erziehung. In einer so verstandenen Pädagogik würde Disziplinierung zum Mittel, um den Willen des Kindes durch Zwang zu unterdrücken. Eine moderne Erziehung hingegen verfolgt, neben den Zielen den Zögling zur Selbstbestimmung und Mündigkeit zu erziehen, das Ziel den Gebrauch der eigenen Freiheit zu schulen. Die heutigen Erziehungsziele haben somit ihre ideengeschichtlichen Wurzeln in der Philosophie der Aufklärung.

In der Aufklärung wurde nach Freiheit, Mündigkeit und Unabhängigkeit gestrebt. Man strebte ein selbstbestimmtes Denken an, unabhängig von religiösen, gesellschaftlichen und politischen Traditionen. Es galt sich der eigenen Vernunft zu bedienen. Besonders die deutsche Aufklärung war dabei von der Allmacht der Erziehung überzeugt. Immanuel Kant formulierte in seiner Schrift Über Pädagogik: „Der Mensch kann nur Mensch werden durch Erziehung“. Das Ziel der aufklärerischen Erziehung war es, einen freien Menschen zu schaffen, der in der Lage war, sich seiner eigenen Vernunft zu bedienen.

In einer solchen Erziehung, welche Freiheit zum Ziel hat, stellt sich, anders als in der zu Beginn angeführten dominanten Erziehung, mit dem Ziel den Willen des Zöglings zu brechen, die Frage, ob die Anwendung von Zwang durch die Erziehung nicht im Widerspruch zum erklärten Erziehungsziel stehe. Denn Erziehung impliziert auch immer die Anwendung von Zwang, welche einen Eingriff in die Freiheit des Zöglings bedeutet. Dieses pädagogische Paradoxon beschrieb Immanuel Kant seinerseits als „eines der größten Probleme der Erziehung“. Gleichzeitig führt er an: „Zwang ist nötig!“.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. EINLEITUNG

2. ZUR LEGITIMATION VON ERZIEHUNG

3. ZUM ERZIEHUNGSBEGRIFF NACH IMMANUEL KANT

3.1 DIE PÄDAGOGIK DER AUFKLÄRUNG

3.2 DIE ERZIEHUNG ZUR FREIHEIT

3.3 DAS VERHÄLTNIS VON FREIHEIT UND ZWANG

4. DIE MITTEL DER GUTEN ABRICHTUNG NACH MICHEL FOUCAULT

5. RESÜMEE

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht den vermeintlichen Widerspruch in der Erziehung, Individuen zur Freiheit zu führen und dabei gleichzeitig deren Freiheit durch Zwang einzuschränken. Ziel ist es, die Legitimation pädagogischer Eingriffe anhand der aufklärerischen Philosophie Immanuel Kants zu analysieren und mit Michel Foucaults machttheoretischer Perspektive auf Disziplinierung zu kontrastieren.

  • Legitimation pädagogischen Handelns
  • Das Spannungsfeld zwischen Freiheit und Zwang
  • Kants Konzept der Disziplinierung im Kontext der Aufklärung
  • Michel Foucaults Analyse von Überwachung und Macht
  • Das Paradoxon der Erziehung zur Mündigkeit

Auszug aus dem Buch

3.3 Das Verhältnis von Freiheit und Zwang

Bereits aus Immanuel Kants Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung? geht hervor, dass eine Einschränkung der Freiheit nicht zwangsläufig dem aufklärerischen Charakter widersprechen muss. Hier schreibt er, dass, solange eine Einschränkung nicht den öffentlichen Gebrauch der Freiheit betreffe, dürfe selbige sogar „sehr enge eingeschränkt werden“ (Kant 1784, S. 55).

Kant geht also nicht so weit, wie andere Philosophen der Aufklärung, welche, wie Rousseau, die bis dato etablierten pädagogischen Mittel, wie Zwang, Strafen oder Drohungen, gänzlich ablehnen (vgl. Schmid 2003, S. 21). Zwang im Sinne einer „Obervormundschaft“ (Kant 1784, S. 57) wird von Kant jedoch gänzlich ausgeschlossen. Eine solche Auffassung von Zwang würde eine freie und aufgeklärte Gesellschaft regelrecht verunmöglichen (vgl. ebd.). Kant will die Menschheit also nicht zur Freiheit unter Zuhilfenahme von Zwangsmaßnahmen zwingen (vgl. Kauder 1999, S. 125), sondern sie vielmehr durch selbige „zur Freiheit [...] führen“ (ebd.). Wie also soll das Verhältnis zwischen Freiheit und Zwang in der Erziehung aussehen? Diesem pädagogischen Spannungsverhältnis widmet sich Immanuel Kant in seiner Schrift Über Pädagogik:

Eines der größten Probleme der Erziehung ist, wie man die Unterwerfung unter den gesetzlichen Zwang mit der Fähigkeit, sich seiner Freiheit zu bedienen, vereinigen könne. Denn Zwang ist nötig! Wie kultiviere ich die Freiheit bei dem Zwange? [Hervorhebung des Verfassers] Ich soll meinen Zögling gewöhnen, einen Zwang seiner Freiheit zu dulden, und soll ihn selbst zugleich anführen, seine Freiheit gut zu gebrauchen. Ohne dies ist alles bloßer Mechanism, und der der Erziehung Entlassene weiß sich seiner Freiheit nicht zu bedienen. Er muß[sic] früh den unvermeidlichen Widerstand der Gesellschaft fühlen, um die Schwierigkeit, sich selbst zu erhalten, zu entbehren, um zu erwerben, um unabhängig zu sein, kennen zu lernen. (Kant 1803, S. 711)

Zusammenfassung der Kapitel

1. EINLEITUNG: Einführung in das pädagogische Paradoxon der Erziehung zur Freiheit durch Zwang und Darstellung der Forschungsfrage.

2. ZUR LEGITIMATION VON ERZIEHUNG: Untersuchung der Notwendigkeit einer innerweltlichen Begründung von Erziehung nach dem Wegfall göttlicher Legitimationen.

3. ZUM ERZIEHUNGSBEGRIFF NACH IMMANUEL KANT: Analyse von Kants pädagogischem Denken, welches als wegweisend für die Legitimation von Disziplinierung gilt.

3.1 DIE PÄDAGOGIK DER AUFKLÄRUNG: Einordnung der pädagogischen Ideen Kants in den zeitgeschichtlichen Kontext des Wandels der Ständegesellschaft.

3.2 DIE ERZIEHUNG ZUR FREIHEIT: Erläuterung der kantischen Stufenfolge der Erziehung mit Fokus auf die Notwendigkeit von Disziplinierung.

3.3 DAS VERHÄLTNIS VON FREIHEIT UND ZWANG: Darstellung der drei Maximen Kants zur Auflösung des Widerspruchs zwischen Freiheit und Zwang.

4. DIE MITTEL DER GUTEN ABRICHTUNG NACH MICHEL FOUCAULT: Analyse von Foucaults Fokus auf Überwachung und Macht als Instrumente der Disziplinierung.

5. RESÜMEE: Synthese der Ergebnisse und abschließende Bewertung der Legitimation von Zwang in der Erziehung.

Schlüsselwörter

Erziehung, Freiheit, Zwang, Immanuel Kant, Aufklärung, Mündigkeit, Disziplinierung, Michel Foucault, Legitimation, pädagogisches Paradoxon, Überwachung, Subjektivierung, Erziehungsziele, Menschheitsfortschritt, Macht

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der Frage, wie pädagogische Eingriffe legitimiert werden können, wenn das Erziehungsziel die Freiheit des Kindes ist, die Erziehung selbst aber notwendigerweise Zwang beinhaltet.

Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?

Die zentralen Themenfelder sind die aufklärerische Pädagogik, das Verhältnis von Freiheit und Zwang im Erziehungsprozess sowie die machttheoretische Perspektive auf Disziplinierung.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das primäre Ziel ist es, das pädagogische Paradoxon – zur Freiheit zu erziehen unter gleichzeitiger Einschränkung selbiger – zu analysieren und die Grenzen der Legitimation von Zwang in der Erziehung aufzuzeigen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine philosophisch-pädagogische Literaturanalyse, wobei schwerpunktmäßig die Schriften Immanuel Kants und die machtanalytischen Ansätze von Michel Foucault herangezogen werden.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil behandelt die Legitimation von Erziehung, den Erziehungsbegriff nach Immanuel Kant inklusive seiner vier Erziehungsstufen sowie Foucaults Konzepte der hierarchischen Überwachung, normierenden Sanktion und Prüfung.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Freiheit, Zwang, Aufklärung, Mündigkeit, Disziplinierung, Legitimation und Macht bestimmt.

Wie unterscheidet Kant die "Disziplinierung" von der "Kultivierung"?

Für Kant ist Disziplinierung die erste Stufe der Erziehung, die zur Bezähmung der kindlichen Wildheit dient, während die Kultivierung das Erlangen von Geschicklichkeiten und Kulturtechniken in einem späteren Stadium meint.

Inwiefern ergänzt Michel Foucault die kantische Sichtweise?

Foucault erweitert die Perspektive, indem er Disziplinierung nicht nur in der Kindererziehung, sondern als ein umfassendes machttheoretisches Instrument (z.B. in Gefängnissen) zur Formung des zweckdienlichen Subjekts beschreibt.

Welches Fazit zieht die Arbeit bezüglich des pädagogischen Widerspruchs?

Das Resümee hält fest, dass Erziehung keine Interaktion auf Augenhöhe ist, sondern ein notwendiger Prozess von Mündigen gegenüber Unmündigen, bei dem Zwang ein legitimes, wenn auch kritisch zu reflektierendes Mittel zur Förderung der Mündigkeit bleibt.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Zur Legitimation von Disziplinierung in der Erziehung. Das Verhältnis von Freiheit und Zwang bei Immanuel Kant
Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg
Note
1,0
Autor
Jan Dissemond (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2019
Seiten
20
Katalognummer
V1176510
ISBN (PDF)
9783346596314
ISBN (Buch)
9783346596321
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Pädagogik Erziehung Disziplinierung Freiheit Zwang Immanuel Kant Michel Foucault Aufklärung
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Jan Dissemond (Autor:in), 2019, Zur Legitimation von Disziplinierung in der Erziehung. Das Verhältnis von Freiheit und Zwang bei Immanuel Kant, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1176510
Blick ins Buch
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
Leseprobe aus  20  Seiten
Grin logo
  • Grin.com
  • Versand
  • Kontakt
  • Datenschutz
  • AGB
  • Impressum