Die Arbeit geht auf eine rund einjährige praktische Tätigkeit im Case Management in vier Gemeinden im Kreis Lippe (NRW) zurück. Der Case Management-Prozess ist sehr komplex und herausfordernde Situationen treten vielfach auf. Spannungen sind zum Teil in den Erwartungshaltungen gegenüber dem CM begründet. In der vorliegenden Arbeit werden - mit hohem Praxisbezug - vor allem die Erwartungshaltung der Klienten sowie der ehrenamtlich Tätigen beleuchtet sowie - ebenfalls mit hohem Praxisbezug - Hinweise zum Umgang mit den Herausforderungen gegeben.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Rahmenbedingungen der Case Management Arbeit in den vier Kommunen
3 Bedürfnislagen der Neuzugewanderten und ehrenamtliche Arbeit
4 Spannungen und Konflikte im Beziehungsgefüge Klient-Hauptamt-Ehrenamt
4.1 Case Management und Klienten
4.2 Case Management und Ehrenamtliche
4.2.1 Erwartungen gegenüber der hauptamtlichen Institution
4.2.2 Erwartungen gegenüber dem Case Management-Ansatz
4.2.3 Steuerung der Fallarbeit
4.3 Perspektive der Hauptamtlichen
5 Resümee und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das komplexe Spannungsfeld zwischen Haupt- und Ehrenamt im Kontext des Case Managements für Neuzugewanderte in vier lippischen Kommunen. Ziel ist es, die strukturell bedingten Erwartungskollisionen zu konkretisieren, um die Kooperationsbeziehungen zwischen professionellen Akteuren und bürgerschaftlich Engagierten durch ein besseres Verständnis der jeweiligen Bedürfnisse und Handlungsmotive nachhaltig zu verbessern.
- Analyse der Erwartungshaltungen von Klienten und Ehrenamtlichen an das Case Management.
- Untersuchung der strukturellen Ursachen für Konflikte in der Zusammenarbeit zwischen Haupt- und Ehrenamt.
- Identifikation von Kooperationsmustern und Kommunikationsbarrieren im Einwanderungsmanagement.
- Entwicklung von Impulsen für eine professionelle Gestaltung der Schnittstellenarbeit.
Auszug aus dem Buch
4.2.2 Erwartungen gegenüber dem Case Management-Ansatz
Die kritische Frage "Reden Sie nur oder tun Sie auch etwas?" hätte auch aus dem Mund eines Ehrenamtlichen kommen können. Nachdem den Ehrenamtlichen der CM-Ansatz vorgestellt wurde bzw. sie sich selbstständig damit vertraut gemacht hatten, wurde ein zögerndes Abwarten und eine gewisse Skepsis gegenüber der anstehenden Arbeit spürbar.
Ein ehrenamtlicher Helfer betonte im Gespräch mit dem Verf., dass er als "Amateur" arbeite. Das Wort "Amateur" leite sich von "lieben" ab, er arbeite also aus Leidenschaft. Das Wort "Profi" habe hingegen seinen Ursprung beim "Profit", diese Arbeit erfolge also nur aufgrund des Geldes. Auf den etymologischen Fehler des Helfers soll hier nicht eingegangen werden, das Zitat ist aber kennzeichnend für die Auffassung einiger Ehrenamtlicher gegenüber dem Hauptamt. Ehrenamtliche sind oft von den hauptamtlich Arbeitenden enttäuscht und urteilen über sie z.B. wie folgt (zitiert nach STEINHILBER 2018, S. 586): "Die sind so abgebrüht, wenig engagiert und machen nichts."
Die Ehrenamtlichen gehen oft direkt auf die Klienten zu, knüpfen Beziehungen und bieten Unterstützung an. Sie kennen hervorragend die örtlichen Strukturen und wissen häufig, welche Problemlagen im Einzelfall bestehen. So werden zum Beispiel gezielt neu zugewanderte Menschen zu den vorgehaltenen Angeboten in persönlicher Ansprache eingeladen, z.B. zu einem Sprachtreff für Personen, die nicht über das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge mit Sprachkursen gefördert werden können. Zum Teil wünschen sich die Ehrenamtlichen eine ähnlich "anpackende" Herangehensweise sowie eine Ansprache mit geringer Distanz; aus ihrer Sicht warten hauptamtliche Mitarbeiter zu sehr ab, dass Klienten bei Schwierigkeiten selbst den Weg zur Unterstützungsinstanz finden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Der Autor erläutert die Ausgangssituation seiner Case Management-Arbeit im Kreis Lippe und definiert das Ziel der Untersuchung, Erwartungshaltungen von Klienten und Ehrenamtlichen zu beleuchten.
2 Rahmenbedingungen der Case Management Arbeit in den vier Kommunen: Es werden die infrastrukturellen Gegebenheiten sowie die methodischen Ansätze des Kommunalen Integrationsmanagements in den beteiligten Gemeinden beschrieben.
3 Bedürfnislagen der Neuzugewanderten und ehrenamtliche Arbeit: Dieses Kapitel skizziert die Problemlagen der Klienten sowie die heterogenen Motivationen und Rollenprofile der ehrenamtlich tätigen Helfer.
4 Spannungen und Konflikte im Beziehungsgefüge Klient-Hauptamt-Ehrenamt: Das Kernstück der Arbeit untersucht kritisch die Interaktionen und Erwartungskollisionen zwischen den drei Akteursgruppen.
4.1 Case Management und Klienten: Analyse der Integrationsmotivation und der spezifischen Anforderungen, die Neuzugewanderte an professionelle Beratungsinstanzen stellen.
4.2 Case Management und Ehrenamtliche: Untersuchung der Zusammenarbeit zwischen Ehrenamt und Hauptamt, geprägt durch unterschiedliche professionelle Selbstverständnisse.
4.2.1 Erwartungen gegenüber der hauptamtlichen Institution: Beleuchtung der anfänglichen Skepsis der Ehrenamtlichen gegenüber der Servicestelle Einwanderungsmanagement.
4.2.2 Erwartungen gegenüber dem Case Management-Ansatz: Analyse der kritischen Haltung gegenüber der Arbeitsweise und der wahrgenommenen Distanz professioneller Ansätze.
4.2.3 Steuerung der Fallarbeit: Diskussion über Autonomie im Ehrenamt versus systemische Einbindung in produktive Netzwerke.
4.3 Perspektive der Hauptamtlichen: Darstellung der Sichtweise professioneller Mitarbeiter auf ehrenamtliches Engagement, inklusive kritischer Rückmeldungen.
5 Resümee und Ausblick: Der Autor plädiert für eine intensivere Kommunikation und eine wertschätzende Kooperation auf Augenhöhe als Basis für den Integrationserfolg.
Schlüsselwörter
Case Management, Einwanderungsmanagement, Ehrenamt, Hauptamt, Kooperation, Integration, Neuzugewanderte, Erwartungsmanagement, Kreis Lippe, Soziale Arbeit, Kommunales Integrationsmanagement, professionelle Distanz, Netzwerkarbeit, Freiwilligenarbeit, Schnittstellenmanagement
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse der Zusammenarbeit zwischen hauptamtlichen Case Managern und ehrenamtlichen Helfern im Kontext der Unterstützung von Neuzugewanderten in vier lippischen Kommunen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Bedürfnisse der Neuzugewanderten, die unterschiedlichen Rollenprofile von Ehrenamtlichen sowie die daraus resultierenden Spannungsfelder in der Kooperation mit professionellen Strukturen.
Welches Ziel verfolgt die Forschungsarbeit?
Ziel ist es, die Ursachen für strukturelle Konflikte in der Kooperation zu identifizieren und Ansätze für eine verbesserte, sachbezogene Zusammenarbeit zu entwickeln.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert primär auf den praktischen Arbeitserfahrungen des Verfassers, die durch eine fundierte Reflexion auf Basis aktueller Fachliteratur und theoretischer Konzepte wissenschaftlich eingeordnet werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert detailliert die Erwartungshaltungen der Klienten, die Perspektiven der Ehrenamtlichen sowie die kritische Sichtweise des Hauptamts, um die Dynamik der Beziehungsgefüge aufzuzeigen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Case Management, Einwanderungsmanagement, ehrenamtliches Engagement, Kooperation, Schnittstellenarbeit und Integration definiert.
Warum entstehen zwischen Ehrenamtlichen und Hauptamtlichen oft Spannungen?
Spannungen entstehen oft durch unterschiedliche Arbeitslogiken: Während Ehrenamtliche oft intuitiv, persönlich und schnell handeln („anpackend“), sind professionelle Hauptamtliche stärker an administrative Prozesse und Zielvorgaben gebunden.
Wie lässt sich die Zusammenarbeit nach Einschätzung des Autors verbessern?
Der Autor empfiehlt eine Intensivierung der Kommunikation auf Augenhöhe, regelmäßige Austauschformate, anonymisierte Fallbesprechungen und eine gegenseitige Anerkennung der jeweiligen Stärken und Kompetenzen.
Welche Rolle spielen die Kommunen im untersuchten Modell?
Die Kommunen bilden den konkreten Lebensraum für die Integrationsarbeit, in dem sowohl die Servicestelle Einwanderungsmanagement als auch vielfältige ehrenamtliche Initiativen operativ tätig sind.
- Arbeit zitieren
- Gerhard Platt (Autor:in), 2021, Case Management im Spannungsfeld unterschiedlicher Erwartungen. Dargestellt am Einwanderungsmanagement in vier lippischen Kommunen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1176525