Allgemein bedeutet Freiheit „Unabhängigkeit von äußerem […] oder innerem Zwang; auch das Vermögen des Willens, sich Handlungsziele frei setzen bzw. nach bestimmten (eth.) Normen zu handeln“2. Es sind moralische Normen, die dem Menschen innerhalb der bürgerlichen Gesellschaft ein Recht auf diese Freiheit gewähren. Ziel vorliegender Arbeit ist es deshalb das Freiheitsverständnis der einzelnen in Goethes Werk auftauchenden Stände unter den Aspekten Recht und Gerechtigkeit näher zu beleuchten. Auf diese Weise soll Antwort auf die Fragen gegeben werden, was Recht ist, was als gerecht empfunden wird und worauf sich letztlich Freiheit in den einzelnen Ständevorstellungen gründet. Um eine Basis für die Bewerkstelligung dessen zu schaffen, wird zunächst in einem allgemeinen Teil Entstehung und Form des Dramas beschrieben, sowie außerdem auf die Intention des Autors eingegangen, es dergestalt verfasst zu haben. Im zweiten Abschnitt des Hauptteils erfahren dann die Begriffe Recht und Gerechtigkeit ihre definitorische Ausarbeitung. Im weiteren Verlauf sollen schließlich die Rechts- und Gerechtigkeitsvorstellungen der sich entgegenstehenden Parteien und ihrer Figuren erläutert werden, um daraus Rückschlüsse für das jeweilige Freiheitsempfinden der Stände ziehen zu können.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Hauptteil
1. Allgemeine Hinführung zum Thema
1.1 Entstehung des Dramas
1.2 Form des Dramas
1.3 Intention des Autors
2. Freiheit durch Recht und Gerechtigkeit
2.1 Recht und Gerechtigkeit: Definition
2.2 Recht und Gerechtigkeit im Drama
2.2.1 Figuren der alten Ordnung
2.2.2 Figuren der neuen Ordnung
III. Schluss
Zielsetzung & Themen
Das Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, das Freiheitsverständnis der verschiedenen in Goethes „Götz von Berlichingen“ auftretenden Stände unter Berücksichtigung der Begriffe Recht und Gerechtigkeit zu untersuchen und in den Kontext der gesellschaftlichen Umbrüche der damaligen Zeit zu setzen.
- Analyse der Rechts- und Gerechtigkeitsvorstellungen des Rittertums
- Gegenüberstellung von mittelalterlichen Werten und der bürgerlichen Ordnung
- Untersuchung des Freiheitsbegriffs als zentraler Konfliktfaktor
- Beleuchtung der Rolle des Individuums in Zeiten gesellschaftlicher Transformation
Auszug aus dem Buch
Götz
Inbegriff des Verfechters der alten Ordnung ist selbstverständlich Götz von Berlichingen, der „rauflustige Ritter vom alte Schlage, ein patriarchalisch-feudaler Nachzügler der spätmittelalterlichen Ständegesellschaft, der sich gegen den Prozeß der Geschichte wehrt“. Diesen Prozess, in Form der sich vollziehenden Zeitenwende, spricht Götz indirekt bereits in seiner ersten Aussage an, wenn er in seinem Monolog unter der Linde bemängelt, dass einem „das bisschen Leben und Freiheit“ sauer gemacht werde. Der bis dato freie Ritterstand scheint in Gefahr und damit verbunden auch die Rechte desselben. Offensichtlicher wird dies schließlich kurz darauf in Götzens Begegnung mit Bruder Martin, der, nachdem er weiß mit wem er es zu tun hat, dem Rezipienten die Situation erläutert, die zu dem Verlust der rechten Hand Berlichingens geführt hat: sie wurde ihm „abgeschossen“.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Einführung in das Drama, den historischen Kontext und die Forschungsfrage bezüglich des Freiheitsverständnisses der Stände.
II. Hauptteil: Detaillierte Analyse der Entstehungsgeschichte, der Form und Intention des Dramas sowie der Begriffsdefinitionen von Recht und Gerechtigkeit im Kontext der verschiedenen Figuren.
1. Allgemeine Hinführung zum Thema: Historische Verortung des Dramas und Einordnung von Goethes Intention als Kritik an der Gegenwart.
1.1 Entstehung des Dramas: Beschreibung der Entstehungsbedingungen der Zweitfassung des Dramas unter dem Einfluss des „Dreigestirns“ Shakespeare, Herder und Möser.
1.2 Form des Dramas: Analyse der dramatischen Form als Vereinigung von Charakter- und Gesellschaftsdrama im Kontext des Umbruchs vom 15. zum 16. Jahrhundert.
1.3 Intention des Autors: Reflexion über die historische Verschiebung und das im Protagonisten verkörperte Selbsthelferideal als Protest gegen absolutistische Strukturen.
2. Freiheit durch Recht und Gerechtigkeit: Philosophische Fundierung und Übertragung der Begriffe Recht und Gerechtigkeit auf die dramatische Handlung.
2.1 Recht und Gerechtigkeit: Definition: Differenzierung zwischen Legalität (Gesetz) und Legitimität (sittliche Motivation) sowie die Bedeutung von Naturrecht versus positivem Recht.
2.2 Recht und Gerechtigkeit im Drama: Untersuchung der divergierenden Rechtsauffassungen zwischen der alten ständischen und der neuen absolutistischen Ordnung.
2.2.1 Figuren der alten Ordnung: Analyse von Götz, seinen Anhängern, dem Kaiser, den Bauern und dem Femegericht als Vertreter eines überholten Rechtsverständnisses.
2.2.2 Figuren der neuen Ordnung: Untersuchung der Vertreter des Römischen Rechts, des Hofes von Bamberg und von Opportunisten wie Weislingen.
III. Schluss: Zusammenfassende Beantwortung der Forschungsfrage und Einordnung des Scheiterns von Götz von Berlichingen in den unumgänglichen Zeitenwandel.
Schlüsselwörter
Götz von Berlichingen, Johann Wolfgang Goethe, Sturm und Drang, Freiheit, Recht, Gerechtigkeit, Ständegesellschaft, Rittertum, Römische Recht, Rechtsauffassung, Legitimität, Zeitenwende, Historisches Drama, Gesellschaftsdrama, Freiheitsempfinden.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Freiheitsverständnis verschiedener gesellschaftlicher Stände im Drama „Götz von Berlichingen“ von J.W. Goethe unter den Aspekten von Recht und Gerechtigkeit.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind der Konflikt zwischen feudalen Traditionen und absolutistischer Rechtsordnung, der Wandel des Rittertums sowie die Frage nach der moralischen Legitimität von Selbsthilfe.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, durch die Analyse der Rechtsvorstellungen der verschiedenen Figuren Rückschlüsse auf ihr jeweiliges Freiheitsempfinden zu ziehen und die tragische Position des Protagonisten zu erklären.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die Analyse von Primär- und Sekundärliteratur, um Begriffe definitorisch zu klären und diese auf die Handlung des Dramas anzuwenden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst Entstehung und Form des Dramas erläutert, bevor eine begriffliche Klärung von Recht und Gerechtigkeit erfolgt. Abschließend werden die Rechtsvorstellungen der alten und neuen Ordnung anhand der jeweiligen Figuren gegenübergestellt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist charakterisiert durch Begriffe wie Freiheit, Recht, Gerechtigkeit, Ständegesellschaft, Rittertum und das historische Spannungsfeld zwischen traditioneller Selbsthilfe und moderner Rechtsordnung.
Warum wird Götz von Berlichingen als „Rebell aus Konservatismus“ bezeichnet?
Götz kämpft für den Erhalt ritterlicher Freiheit und autonomer Selbstbestimmung, die jedoch in der aufkommenden Zeit des Absolutismus und des Römischen Rechts als nicht mehr legitim angesehen werden.
Inwiefern spielt der Rechtswandel eine Rolle für das Scheitern des Protagonisten?
Der Übergang zum Römischen Recht und die Zentralisierung staatlicher Macht entziehen Götz die Grundlage für seine ritterliche Selbsthilfe, was ihn letztlich isoliert und in den Untergang führt.
- Citar trabajo
- Sebastian Schoener (Autor), 2006, Freiheit durch Recht und Gerechtigkeit - Die Begründung von Legitimität in Goethes "Götz von Berlichingen", Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/117681