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Die dunkle Seite des Mondes - Repression und Terror im sozialistischen Jugoslawien (1944-46)

Title: Die dunkle Seite des Mondes - Repression und Terror im sozialistischen Jugoslawien (1944-46)

Term Paper (Advanced seminar) , 2007 , 22 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Martina Pataca (Author)

History of Germany - Postwar Period, Cold War
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Summary Excerpt Details

Der US-Botschafter John C. Cabot trat sein Amt 1946 in der jugoslawischen Hauptstadt Belgrad
an und hielt seine Erlebnisse im noch jungen sozialistischen Staat in Berichten an seine
amerikanischen Kollegen im Foreign Service fest. Jugoslawien erschien ihm als den Vereinigten
Staaten überaus feindlich gesinnt („a cold yielding hatred“) und er betrachtete mit Sorge die
Durchführung von Aktionen der regierenden jugoslawischen Kommunisten gegen die
amerikanische Botschaft: „Belgrade is about as difficult and exasperating a post as I have ever
had and I must confess it is a depressing experience to be here. (..) At the Moment the Jugs are
conducting a charming campaign to harass, humiliate and intimidate the Embassy by pinching
Jug employees, giving officers the runaround, etc. Give me, oh Lord, a long temper!”
Sein Kollege John C. Campbell formulierte die damalige amerikanische Einschätzung des
Regimes unter Josip Broz Tito: “We regarded the Yugoslavs as being the toughest pro-Soviets of
all the Eastern European governments.” Die in außenpolitischen Belangen prosowjetische Einstellung der jugoslawischen Führung ging
einher mit einer entsprechenden Innenpolitik. Die Kommunistische Partei Jugoslawiens (KPJ)
ging gerade in den ersten Jahren des Bestehens des sozialistischen Staates hart gegen vermutete
und tatsächliche Gegner vor und verbreitete wohl kalkuliert Angst und Schrecken in der
Bevölkerung. Repression und Terror waren dabei Charakteristika und als legitim betrachtete
Mittel der kommunistischen Herrschaftsausübung.
„Angst“, so beschrieb der slowenische Schriftsteller und spätere Dissident Edvard Kocbek die
damalige Atmosphäre in der jugoslawischen Gesellschaft in seiner Novelle ‚Die dunkle Seite des
Mondes‘, "zeugt Unglück auf Unglück. Wer Angst hat, wird blind und gefährlich, und seine
Gefährlichkeit zeugt neue Angst." In dieser Arbeit sollen unter Herstellung des historischen Kontexts die Strategien und Motive des
ausgeübten Terrors dargelegt werden. Es soll herausgestellt werden, daß der Terror der
Nachkriegsjahre ebenso Ausdruck einer stalinistischen Ideologie ist und dem sich aus den spezifischen Umständen der jugoslawischen Revolution speisenden Vergeltungsbedürfnis war.
Seine machtpolitische Bedeutung lag in der temporären oder endgültigen Entfernung möglicher
oder tatsächlicher Gegner, die dem neuen Staat Widerstand entgegenbringen konnten.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Revolution und Selbstsowjetisierung

2.1 Der Partisanenkrieg zwischen Aufstand und Revolution

2.2. Selbstsowjetisierung

3. Strategien des Terrors

3.1. Liquidationen

3.2 Die Inhaftierung und Vertreibung der Volksdeutschen

3.3. Prozesse

4. Motive

5. Anmerkungen zur Forschungslage

6. Conclusio

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht die Mechanismen, Strategien und ideologischen Motive des staatlich gelenkten Terrors im sozialistischen Jugoslawien unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg. Die zentrale Forschungsfrage zielt darauf ab, wie das kommunistische Regime durch Repression, Säuberungen und die Ausschaltung politischer Gegner seine Macht konsolidierte und den Staat nach stalinistischem Vorbild transformierte.

  • Historische Einordnung der Machtübernahme der Kommunistischen Partei Jugoslawiens
  • Analyse der verschiedenen Repressionsstrategien, inklusive Massenliquidationen und Schauprozessen
  • Untersuchung der Rolle der Geheimpolizei OZNA bei der Etablierung einer Diktatur
  • Bewertung der ideologischen Rechtfertigung des Terrors durch die jugoslawische Führung
  • Darstellung der Problematik der historischen Aufarbeitung und der Forschungslage

Auszug aus dem Buch

3.1. Liquidationen

Die Entscheidung zu einer harten Vorgehensweise gegenüber den militärischen Gegnern läßt sich bereits einer Fristsetzung im Januar 1945 entnehmen, in der letztmalig der Übertritt in die Reihen der Partisanen ermöglicht wurde. Vom 21. Januar datiert ein Befehl Titos an die KNOJ, der vorsah „gegenüber bewaffneten Banden (..) entschlossen vorzugehen, ohne Nachzulassen bis zu ihrer vollständigen Vernichtung oder bedingungslosen Kapitulation.“ Konkretisiert wird die weitere Handlungsweise unmittelbar vor Kriegsende: vom 09. April datiert ein geheimer Befehl Rankovićs zur endgültigen Vernichtung des Feindes.

Aufgrund der zugänglichen Quellen soll bei der folgenden Skizzierung der Ereignisse ein Schwerpunkt auf die Angehörigen der Streitkräfte des NDH-Staates gelegt werden. Prinzipiell erfuhren die Soldaten anderer militärischer Formationen ähnliche Schicksale, mit der Einschränkung, daß durch die Anerkennung der Partisanen durch den jugoslawischen König eben jener die serbischen Četniks zum Übertritt in die Reihen der Partisanen aufforderte, was so auch geschah. Diejenigen, die dieser Aufforderung nicht folgten, erfuhren dasselbe Schicksal wie die Angehörigen der kroatischen Streitkräfte der NDH.

Als Symbol für die nun folgende Vergeltung an den militärischen Gegnern gelten die Massaker von Bleiburg, die im Folgenden skizziert werden sollen, da diese exemplarisch für das Schicksal der ehemaligen Soldaten stehen. Der sich abzeichnende Sieg der Partisanen und die Furcht vor den Konsequenzen der militärischen Niederlage setzte eine Fluchtbewegung von Soldaten – in der Mehrzahl kroatische Domobrani und Ustaša-Angehörigen sowie slowenische Domobranci (Landwehr), serbische Četniks - und Zivilisten in Richtung Österreich in Gang, die sich dem Rückzug der deutschen Besatzungsmacht nach dem Zusammenbruch des Dritten Reiches anschloß. Ziel der Flüchtenden war der britisch besetzte Teil Österreichs, namentlich der Ortes Bleiburg. Kapitulieren wollte man nach der Ankunft am 13. Mai vor den dortigen Truppen. General Patrick Scott verweigerte sich diesem Vorhaben und bestand auf Verhandlungen mit Vertretern der Partisanen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die angespannte außen- und innenpolitische Lage Jugoslawiens nach 1945 und führt in die Thematik der systematischen Repression als Mittel der kommunistischen Herrschaftssicherung ein.

2. Revolution und Selbstsowjetisierung: Dieses Kapitel skizziert den Aufstieg der Kommunistischen Partei Jugoslawiens, den Partisanenkrieg sowie die anschließende Transformation des Landes in einen stalinistisch geprägten Einparteienstaat.

3. Strategien des Terrors: Es werden die zentralen Instrumente der Repression, namentlich Massenliquidationen, die Verfolgung von Volksdeutschen und politische Schauprozesse, sowie die Rolle des Geheimdienstes OZNA analysiert.

4. Motive: Dieses Kapitel untersucht die ideologischen Begründungen der Gewalt und die kommunikative Funktion des Terrors zur Einschüchterung der Bevölkerung sowie zur Sicherung der Macht.

5. Anmerkungen zur Forschungslage: Die Schwierigkeiten der historischen Aufarbeitung aufgrund des Mythos um die Partisanen und des erschwerten Zugangs zu Archiven werden hier diskutiert.

6. Conclusio: Das Fazit fasst das bisherige Schweigen über die Verbrechen zusammen und betont die langwierige, notwendige Auseinandersetzung mit der dunklen Vergangenheit des totalitären Regimes.

Schlüsselwörter

Jugoslawien, Kommunistische Partei, Tito, Terror, Repression, Partisanen, OZNA, Stalinismus, Massenliquidationen, Schauprozesse, Volksdeutsche, Geschichtspolitik, Widerstand, Totalitarismus, Nachkriegsgeschichte.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der Etablierung des kommunistischen Regimes in Jugoslawien zwischen 1944 und 1946 und den dabei angewandten Methoden des staatlichen Terrors und der Repression.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die Schwerpunkte liegen auf der Konsolidierung der Macht durch die KPJ, den verschiedenen Formen der Gewalt gegen tatsächliche und vermeintliche Gegner sowie den ideologischen Motiven hinter diesen Handlungen.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Ziel ist es, den historischen Kontext und die Systematik des Nachkriegsterrors aufzuzeigen und zu belegen, dass dieser ein integraler Bestandteil der stalinistisch geprägten Ideologie der jugoslawischen Führung war.

Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?

Die Autorin verwendet eine historisch-analytische Methode, die sich auf die Auswertung zeitgenössischer Dokumente, Berichte von Geheimdiensten, Memoiren und die Aufarbeitung wissenschaftlicher Sekundärliteratur stützt.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil analysiert detailliert die Strategien des Terrors, inklusive der Liquidierungen (z.B. Bleiburg), der Lagerhaft für Volksdeutsche und der propagandistischen Nutzung von Schauprozessen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zentrale Begriffe sind Kommunismus, Terror, Repression, Jugoslawien, OZNA, Stalinismus und die Aufarbeitung dieser dunklen Kapitel der Geschichte.

Welche Rolle spielte die Geheimpolizei OZNA?

Die OZNA fungierte als zentrales, omnipräsentes Kontrollorgan, das durch ein Spitzelsystem und spezielle Einheiten die Gesellschaft durchdrang und über das Schicksal politischer Gegner entschied.

Warum war der Zugang zu Archiven so schwierig?

Viele Dokumente wurden nach dem Bruch zwischen Tito und Stalin 1948 systematisch vernichtet; zudem sperren aktuelle politische Eliten in Nachfolgestaaten aus Sorge vor Entlarvungen eigener Verflechtungen weiterhin relevante Bestände.

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Details

Title
Die dunkle Seite des Mondes - Repression und Terror im sozialistischen Jugoslawien (1944-46)
College
University of Hannover
Course
Gewalt und Terror im Stalinismus
Grade
1,0
Author
Martina Pataca (Author)
Publication Year
2007
Pages
22
Catalog Number
V117695
ISBN (eBook)
9783640200665
ISBN (Book)
9783640206216
Language
German
Tags
Seite Mondes Repression Terror Jugoslawien Gewalt Terror Stalinismus
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Martina Pataca (Author), 2007, Die dunkle Seite des Mondes - Repression und Terror im sozialistischen Jugoslawien (1944-46), Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/117695
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