(...) Bei der Besprechung des Romans von Michael Ende im KKJL bleibt Kümmerling-Meibauer allerdings eine Bestimmung der „literarischen Merkmale“ schuldig, die diese Qualität erfüllen. Am ehesten ist sie wohl in der von ihr angesprochenen „Verbindung von Märchenmotiven und Technik“, von Phantastik und vermeint-lich naturwissenschaftlicher Erklärung, zu suchen. Wir wollen hier dieser Frage aber nicht weiter nachgehen, bleibt doch auf jeden Fall, auch jenseits einer literaturwissenschaftlichen Bewertung der Kanonzugehörigkeit, die Beobachtung, dass im öffentlichen Raum der Medien jedenfalls der Klassi-ker-Status von Jim Knopf anhaltend unterstellt wird. Immer wieder beginnen Rezensionen und Be-sprechungen mit der Formulierung „Wer kennt sie nicht?“ und immer wieder fällt der Begriff „Klassi-ker“. Immer neue Auflagen folgen - nun schon seit 48 Jahren. Und längst werden die Geschichten nicht mehr nur gelesen: Sie können gesehen, gehört, gespielt und gesungen werden. Von der Augsbur-ger Puppenkiste, über Kinder- und Jugendtheater bis Musical und Zeichentrickfilm im Fernsehen, aber auch Hörspiel und Hörbuch reichen die Adaptionen. Vom T-Shirt-Aufdruck oder von Werbeplakaten in den Straßen (z.B. für eine Theateraufführung oder den Kinostart) schauen einem Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer entgegen. Wer bei Google den Namen Jim Knopf eingibt, erhält über 52 000 Bilder. Gesellschafts- und Computerspiele lassen uns sogar interaktiv den Figuren begegnen. Es scheint fast kein Entrinnen zu geben. Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer werden so zu Ikonen der Popkultur. Und zuletzt kann fast jeder ein Lied darauf singen: „Eine Insel mit zwei Bergen .....“.
So viele Bilder in so vielen Köpfen und nun sollen auch noch die Kleinsten viele neue Bilder zu sehen bekommen – geht das gut? Oder zumindest: was passiert, wenn ein Kinderbuchklassiker zum Bilder-buch wird? Hierzu will die folgende Arbeit einige Anmerkungen machen
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Editionsgeschichte
3. Die Bilderbücher
3.1 Erzähltext – Vergleich von Roman und Bilderbuch
3.1.1 Bilderbuchreihe und Kapitelfolge
3.1.2. Kürzung und Vereinfachung
4. Die bildliche Erzählung
4.1 Visueller Prolog
Das Coverbild
Eine Insel im weiten Meer
Die Bilder im Bild
Titelblatt
4.2 Monoszenische Bildreihe und visuelle Narration
Text im Bild
Bilder erzählen
Eine Lokomotivfahrt und eine Bergbesteigung
Parallelerzählung und Illustration
Erste Sätze und anschaulicher Kern
4.3 Varianten bildnerischer Dramaturgie
Mediales Erzählen: Einstellungsgröße, Perspektivwechsel und Zoom
Auf den Kopf geschaut
Gezoomt oder das intime Bild einer Familie
Umkreisungen eines Trugbildes oder Einzelbilder einer Kamerafahrt
Zeitdehnung – Vom Scheinriesen zum kleinen Riesen
4.4 Das Bilderbuch als Theaterinszenierung
Lummerland – Bühnenbild und Puppenlandschaft
Physiognomie – Punkt, Punkt, Komma, Strich
Gestik und Mimik – nur bedingt ein gemaltes Marionettentheater
4.5 Thematische Konfigurationen und Bildliche Beziehungsgefüge
5. Zusammenfassung und Bewertung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Adaption der "Jim Knopf"-Romane von Michael Ende in eine neue Bilderbuchreihe. Im Fokus steht dabei die Analyse der narrativen und bildnerischen Gestaltung durch Beate Dölling und Mathias Weber, insbesondere im Hinblick auf das Zusammenspiel von Textreduktion, visueller Erzählstruktur und deren Eignung für eine junge Zielgruppe.
- Vergleich zwischen der Original-Romanvorlage und der Bilderbuchadaption
- Analyse der visuellen Erzählmittel (Perspektive, Einstellungsgrößen, Kameraführung)
- Untersuchung der "Bilderbuch-Dramaturgie" als theaterähnliche Inszenierung
- Bedeutung der kindgerechten Vereinfachung bei gleichzeitiger Wahrung der inhaltlichen Substanz
Auszug aus dem Buch
4.2 Monoszenische Bildreihe und visuelle Narration
Grundsätzlich lässt sich das Text-Bild-Verhältnis in den Bilderbüchern zu Jim Knopf als „Text im Bild“ beschreiben: „Wer nun von Illustration spricht, meint [...] ein großes, doppelseitiges Gemälde, in dem der Text Teil des Ganzen geworden ist. Man blickt zuerst in ein Bild. Wer darin den Text fokussiert, hat in seinem Augenfeld immer auch das ganze Bild.“
Der Text befindet sich bis auf wenige Ausnahmen jeweils nur auf einer der beiden Seiten und zwar als Textebene über die eigentlichen Bildebenen gesetzt. Zu einer Überlagerung der Bildgegenstände kommt es dabei allerdings nicht, da in den Textbereichen auf der Bildebene die Deutlichkeit und Dichte der bildlichen Darstellung zu einer ungegenständlichen, farbigen Schraffur übergeht oder bei den Bildern mit Darstellungen des bewölkten oder unbewölkten Himmels dieser als Hintergrund für den Text genommen wird.
Als graphisches Element nimmt der Text auf der Buchseite im Verhältnis zu den bildnerischen Elementen eine deutlich kleinere Fläche in Anspruch, zwischen einer drittel oder achtel Doppelseite. Aber auch bei größeren Textteilen bleibt durch die Einbindung in das Bild, dieses visuell der bestimmende Teil.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den Status der "Jim Knopf"-Romane als Kinderbuchklassiker und führt in das Thema der neuen Bilderbuchreihe ein, die den Stoff für eine jüngere Lesergruppe aufbereitet.
2. Editionsgeschichte: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über die Publikationsgeschichte der Werke, angefangen bei der Erstausgabe 1960 bis hin zu den verschiedenen Neuauflagen und der Entstehung der aktuellen Bilderbuchreihe.
3. Die Bilderbücher: Es wird analysiert, wie der ursprüngliche Roman in die Bilderbuchform übertragen wurde, wobei der Fokus auf inhaltlichen Kürzungen, Vereinfachungen und der Beibehaltung der Kapitelstruktur liegt.
4. Die bildliche Erzählung: Der Hauptteil untersucht detailliert die visuelle Gestaltung der Bücher, von den visuellen Prologen über die dramaturgische Umsetzung bis hin zur Inszenierung als "Bühnenbild" und der physiognomischen Charakterisierung der Figuren.
5. Zusammenfassung und Bewertung: Abschließend werden die zentralen Erkenntnisse hinsichtlich der "Dehnung" von Erzählzeit und des Zusammenspiels von Text und Bild sowie die Eignung der Bücher im Sinne des "Cross-Writing" bewertet.
Schlüsselwörter
Jim Knopf, Michael Ende, Bilderbuchadaption, Literaturwissenschaft, Bild-Text-Verhältnis, Visuelle Narration, Kindgerechte Literatur, Erzählstruktur, Dramaturgie, Illustration, Mathias Weber, Beate Dölling, Klassiker, Didaktik, Bildanalyse
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert, wie Michael Endes bekannte "Jim Knopf"-Romane in das Format von Bilderbüchern für Kleinkinder übertragen wurden.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Zentrum stehen die Textbearbeitung durch Beate Dölling, die künstlerische Gestaltung durch den Illustrator Mathias Weber sowie das Verhältnis von Bild und Text.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Autorin untersucht, ob und wie durch die bildliche Erzählweise ein eigenständiger literarischer Wert entsteht, der über eine einfache Illustration der Romanhandlung hinausgeht.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine werkimmanente, komparatistische Erzählforschung und analysiert die bildnerischen Mittel anhand filmtheoretischer und narratologischer Ansätze.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil widmet sich intensiv der visuellen Narration, der Dramaturgie der Bilderbuchseiten, der Kulissenhaftigkeit der Darstellung sowie der physiognomischen Reduktion der Figuren.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Bild-Text-Verhältnis, visuelle Narration, Erzählstruktur, Adaption und Kindgemäßheit.
Wie spielt die "Augsburger Puppenkiste" eine Rolle in der Analyse?
Die Arbeit vergleicht die Art und Weise, wie sowohl die Puppenkiste als auch die Bilderbücher mit räumlichen Kulissen und der Inszenierung von Handlungen umgehen.
Warum spielt die Figur des "Scheinriesen Tur Tur" eine besondere Rolle?
Der Scheinriese dient als Fallbeispiel für die komplexe visuelle Dehnung der Erzählzeit und die Vermittlung abstrakter Phänomene in einem für Kleinkinder geeigneten Format.
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- Mag.Art. Winfried Konerding (Autor), 2008, Kinderbuchklassiker als Bilderbuch, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/117731