Zu Beginn der Darstellung erfolgt eine Einführung in das Thema. Es werden Verfahren, mögliche Chancen und Risiken und der gegenwärtige Anbau transgener Pflanzen in den zwei Ländern erläutert. Im Hauptteil der Arbeit erfolgt die Darstellung des Verhaltens verschiedener Akteure, der sog. stakeholder. Darunter sind die an der neuen Technologie beteiligten und von ihr betroffenen Personen, Organisationen und Gruppen zu verstehen. Für die Auswahl der untersuchten stakeholder wurde auf Gruppierungen anderer Wissenschaftler zurückgegriffen, auf die an späterer Stelle noch näher eingegangen wird.
Dementsprechend wird im ersten Kapitel des Hauptteils das Verhalten der Regierungen und Wissenschaftler untersucht, die die Grüne Gentechnik objektiv bewerten sollen und aus dem Grund evaluators genannt werden. Im zweiten Kapitel erfolgt eine Darstellung der kritischen Beobachter der Gentechnik, der sog. watchdogs, wozu Medien und Umwelt- und Verbraucherorganisationen zählen. Diesen steht auch eine die Biotechnologie befürwortende Gruppe gegenüber, zu der die im dritten Kapitel des Hauptteils untersuchten Biotech-Firmen gehören, die sog. merchants. Da alle drei Gruppen zur Meinungsbildung bei Verbrauchern beitragen, soll im letzten Kapitel auf die consumers eingegangen werden. Hierzu wird auch ein Einblick in kulturwissenschaftliche Aspekte gegeben.
Die vier Kapitel betrachtend können vor dem Hintergrund der unterschiedlichen Anwendung der Grünen Gentechnik in den beiden Ländern folgende Hypothesen getroffen werden:
1. Die Grüne Gentechnik bei Pflanzen ist in Deutschland strenger reglementiert als in den USA.
2. Die Medienberichterstattung ist in den USA eher positiv, während in Deutschland negative Berichte über die Grüne Gentechnik die Medien beherrschen. Umwelt- und Verbrauchergruppen sind in Deutschland im Bereich der Grünen Gentechnik stärker im Einsatz.
3. Der Einfluss der Biotech-Firmen ist in den USA größer als in Deutschland.
4. Die US-Amerikaner sind technik- und risikofreundlich, die Deutschen technik- und risikofeindlich.
Anhand zumeist chronologischer Darstellungen des Verhaltens der stakeholder soll das gegenwärtig vorhandene unterschiedliche Ausmaß des Anbaus transgener Pflanzen in den USA und Deutschland erklärt werden. Die Hypothesen dienen dabei als Leitfaden für die einzelnen Kapitel. In den Schlussbetrachtungen erfolgt eine Auswertung dieser Hypothesen auf der Basis der Erkenntnisse des Hauptteils.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Die Thematik der Grünen Gentechnik bei Pflanzen
1. Gentechnologie - ein Teil der Biotechnologie
2. Die Grüne Gentechnik
2.1 Verfahren
2.2 Möglichkeiten und Chancen
2.3 Risiken
2.4 Verbreitung
III. Die stakeholder der Grünen Gentechnik
1. evaluators: Objektiv und unabhängig
1.1 Die Regulierung der Grünen Gentechnik durch Gesetze
1.1.1 Regulierung mittels unverbindlicher Richtlinen
1.1.2 Entstehung von Gesetzen
1.1.3 Handelsstreit zwischen der USA und der EU
1.1.4 Neuere Entwicklungen und aktuelle Diskussionen
1.2 Wissenschaftler und Experten
1.3 Zusammenfassung
2. watchdogs: Kritische Beobachter
2.1 Medien
2.1.1 Medientheorien in Bezug auf die Biotechnologie
2.1.2 Mediensystem Deutschland und USA im Vergleich
2.1.3 Berichterstattung in den USA
2.1.4 Berichterstattung in Deutschland
2.1.5 Meinungsmacher Medien? - Zusammenfassung
2.2 Umwelt- und Verbraucherverbände
3. merchants: Die Befürworter
3.1 Lobbyismus - Definition und Unterschiede zwischen USA und Deutschland
3.1.1 USA
3.1.2 Deutschland
3.2 Public Relations
3.3 Monsanto - Der Weg zum Marktführer
3.3.1 Monsantos Einfluss auf die Politik
3.3.2 Die PR des Konzerns
3.3.3 Monsanto übt Druck auf die Medien aus
3.4 Reaktionen der Biotech-Industrie auf die Öffentliche Debatte
4. consumers: Verbraucher und Öffentlichkeit
4.1 Einstellung der Bevölkerung in Deutschland und den USA
4.1.1 Deutschland
4.1.2 USA
4.2 Vertrauen in die Akteure
4.2.1 Deutschland
4.2.2 USA
4.2.3 Vergleich USA und Deutschland
4.3 Kulturelle Unterschiede
IV. Schlussbetrachtungen
Zielsetzung & Themen
Die Diplomarbeit untersucht die unterschiedliche Verbreitung und Akzeptanz der Grünen Gentechnik in der Pflanzenproduktion in Deutschland und den USA. Ziel ist es, durch eine vergleichende Analyse des Verhaltens verschiedener Akteure (Stakeholder) – darunter Regierungen, Wissenschaftler, Medien, Verbände und Unternehmen – die Ursachen für die Divergenz zwischen dem forschungs- und anwendungsintensiven US-Markt und der restriktiveren deutschen Haltung aufzuklären.
- Vergleich der staatlichen Regulierungsansätze (Horizontales vs. Vertikales Verfahren).
- Analyse der Medienberichterstattung und deren Einfluss auf die öffentliche Meinung.
- Untersuchung von Lobbyismus und Public-Relations-Strategien der Biotech-Industrie.
- Bewertung des Einflusses kultureller Unterschiede auf das Vertrauen der Konsumenten in die Akteure.
Auszug aus dem Buch
3.3.1 Monsantos Einfluss auf die Politik
Die Konzerne haben grundsätzlich ein großes Interesse daran, dass es wenige staatliche Eingriffe in die Wirtschaft gibt, denn sie wollen frei - d.h. möglichst ohne Auflagen und Verbote - agieren können. Dies gäbe ihnen die Möglichkeit, ihre Gewinne zu maximieren. “Agribusiness corporations were wary that burdensome regulations would hinder new discoveries and therefore the technology’s commercial development“ (Ferrara 2001: 297). Gleichzeitig aber gibt es Gründe, weswegen auch die Unternehmen staatliche Regulierung befürworten. Einerseits ermöglicht ihnen diese, Verantwortung abzugeben und andererseits sind sich die Unternehmen bewusst, dass staatliche Regulierung öffentliche Akzeptanz hervorrufen kann, besonders wenn es um Risikotechnologien geht:
„In 1995 … Monsanto was fully aware that almost any EPA regulations for Bt plants would publicly sanction the genetically engineered products and possibly help difuse resistance from public interest environmental groups“ (Ferrara 2001: 299f).
Lobbyarbeit kann dazu verhelfen, dass Gesetze verfasst werden, die im Sinne der Unternehmen sind. Einen sehr detaillierten Einblick in die Lobbyarbeit Monsantos in den USA gibt Daniel Charles in seinem Buch „Lords of the Harvest“. Er beschreibt darin ausführlich, welche Strategien das Unternehmen anwendete, um die Regulierung der Grünen Gentechnik mitzubestimmen:
„The only way we’ll bring biotech products to the market is if the public is assured that they are safe, he [Will Carpenter, Mitarbeiter Monsantos, Anm. S.W.] argued. That means we need the government’s stamp of approval. So let’s not repeat the futile battles of the past. This time let’s ask for regulation! We’ll be on the inside, helping to shape those regulations so we can live with them“ (Charles, 2001a: 27, Herv. i. Orig.).
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Die Einleitung begründet die Relevanz des Themas im Kontext der Globalisierung und führt in die Fragestellung ein, warum sich Deutschland und die USA in der Nutzung der Grünen Gentechnik unterscheiden.
II. Die Thematik der Grünen Gentechnik bei Pflanzen: Dieses Kapitel erläutert die technischen Grundlagen, Züchtungsverfahren, Anwendungsgebiete sowie die Chancen und Risiken, die mit der Grünen Gentechnik verbunden sind.
III. Die stakeholder der Grünen Gentechnik: Hier werden die Rollen der Regierungen, Wissenschaftler, Medien, Umweltverbände und Unternehmen als zentrale Akteure (Stakeholder) analysiert, die die Meinungsbildung und Regulierung maßgeblich beeinflussen.
IV. Schlussbetrachtungen: Das abschließende Kapitel fasst die Erkenntnisse zusammen und bewertet die aufgestellten Hypothesen im Lichte der vorangegangenen Analysen.
Schlüsselwörter
Grüne Gentechnik, Biotechnologie, Stakeholder, Regulierung, USA, Deutschland, Lobbyismus, Öffentlichkeitsarbeit, Risikowahrnehmung, Monsanto, Medienberichterstattung, Verbrauchervertrauen, transgenes Saatgut, Vorsorgeprinzip, Agribusiness.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Unterschiede im Umgang mit der Grünen Gentechnik zwischen Deutschland und den USA, insbesondere warum die Technologie in den USA deutlich stärker verbreitet ist als in Deutschland.
Welche Akteure (Stakeholder) stehen im Fokus der Untersuchung?
Die Arbeit betrachtet vier Hauptgruppen: Regierungen und Wissenschaftler (evaluators), Medien und Umweltverbände (watchdogs), Biotech-Unternehmen (merchants) sowie die Verbraucher (consumers).
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, das unterschiedliche Ausmaß des Anbaus transgener Pflanzen zu erklären, indem das Verhalten und der Einfluss der beteiligten Stakeholder in beiden Ländern verglichen wird.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewandt?
Es handelt sich um eine vergleichende Analyse auf Basis existierender Literatur, Studien, Gesetze und Medienberichterstattung, um die Hypothesen zur Regulierung, Medienberichterstattung, Lobbyeinfluss und gesellschaftlichen Einstellung zu prüfen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich nach den Stakeholder-Gruppen, analysiert deren Einfluss auf die Gesetzgebung, die Rolle der Medien bei der Meinungsbildung, die Lobbyarbeit und PR-Strategien der Unternehmen sowie die Haltung der Bevölkerung.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit ist charakterisiert durch Begriffe wie Stakeholder-Analyse, Risiko-Kultur, Regulierungssysteme, Lobbyismus, sowie den soziologischen und kulturwissenschaftlichen Vergleich der Risikowahrnehmung zwischen den USA und Deutschland.
Welche Rolle spielt Monsanto in dieser Arbeit?
Monsanto dient als exemplarischer Fall für die Strategien der "merchants" (Biotech-Unternehmen), insbesondere im Hinblick auf Lobbyarbeit, PR-Methoden und den Einfluss auf die Gesetzgebung sowie die Medien.
Wie unterscheidet sich die Regulierung in den USA von der in Deutschland?
Während in den USA ein "vertikaler" Ansatz existiert, bei dem bestehende Gesetze auf die neue Technologie angewendet werden, hat Deutschland ein eigenes, umfassendes "horizontales" Gentechnikgesetz geschaffen, das auf dem Vorsorgeprinzip basiert.
Warum ist das Vertrauen der Verbraucher so wichtig für die Grüne Gentechnik?
Da die Technologie für den Laien nicht direkt wahrnehmbar ist, sind die Verbraucher auf die Informationen der verschiedenen Akteure angewiesen, deren konkurrierende Ziele und Strategien das Vertrauen in die Technologie maßgeblich beeinflussen.
- Quote paper
- Susan Waldow (Author), 2008, Grüne Gentechnik in der Pflanzenproduktion - Verhalten deutscher und US-amerikanischer stakeholder im Vergleich, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/117825