In dieser Arbeit sollen die wesentlichen Entwicklungen des Verhältnisses Russland/USA der letzten anderthalb Jahrzehnte aufgezeigt und Fort- und Rückschritte herausgestellt werden. Die Beziehungen zwischen den beiden ehemaligen Supermächten sind von großer Bedeutung für Europa und die gesamte Welt, so dass diesem Thema auch heute große Aufmerksamkeit zukommen sollte. In einem ersten Schritt werde ich die Beziehungen unmittelbar nach dem Zerfall der Sowjetunion und die Strategien, die die jeweiligen Präsidenten verfolgten, darstellen (Kapitel 2). Anschließend wird hierzu eine Phase veränderter bilateraler Verhältnisse abgegrenzt, in der sich die Beziehungen stark verändert hatten (Kapitel 3). Im vierten Kapitel wird schließlich die Ära Bush/Putin betrachtet, wobei auch ein Blick auf das aktuelle Streitthema – das geplante Raketenabwehrsystem der USA – geworfen wird, bevor ein Ausblick und ein Fazit gewagt werden soll (Kapitel 5).
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Zwischen dualer Strategie und bedingungsloser Westorientierung – die Beziehungen von 1992 bis 1993
3. Überoptimismus? Vom Konsens zum Dissens nach 1993
4. Von Kooperation bis Konfrontation – Bush und Putin
4.1 Modernisierung durch Westorientierung und Bushs tough realism
4.2 Post 9/11: Gemeinsamer Feind – gemeinsame Interessen?
4.3 Limited Partnership? Interests vs. Interests im Irak
4.4 Kalter Frieden? Moskau und Washington heute
5. Fortschritt oder Rückschritt?
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Entwicklung der russisch-amerikanischen Beziehungen in der post-kommunistischen Ära, wobei der Fokus auf den sich wandelnden Zielen, Kooperationen und Konflikten zwischen beiden Mächten liegt. Die Forschungsfrage zielt darauf ab, die wesentlichen Entwicklungslinien und die treibenden Faktoren für die wechselhaften bilateralen Verhältnisse der letzten anderthalb Jahrzehnte zu identifizieren.
- Analyse der frühen Phase der russisch-amerikanischen Beziehungen nach 1992.
- Untersuchung der Ära unter Bill Clinton und Boris Jelzin.
- Evaluation des Verhältnisses unter den Präsidenten George W. Bush und Wladimir Putin.
- Einfluss der Terroranschläge vom 11. September 2001 auf die sicherheitspolitische Zusammenarbeit.
- Konfliktpotenziale wie der Irakkrieg und das geplante US-Raketenabwehrsystem.
Auszug aus dem Buch
4.2 Post 9/11: Gemeinsamer Feind – gemeinsame Interessen?
Zu einem richtigen Wendepunkt in dem Verhältnis zwischen Washington und Moskau kam es nach den Terroranschlägen in New York vom 11. September 2001, die eine Veränderung der weltpolitischen Konstellation nach sich zogen.
Nach den Terroranschlägen reagierte der russische Präsident Putin schnell und entschlossen. Er sagte den USA Hilfe im Kampf gegen den Terror zu und lies seinen Worten schnell Taten folgen: Putin „stellte russische Geheimdienstinformationen zur Verfügung und ließ eine Stationierung amerikanischer Truppen in Zentralasien zu“. Trotz fehlender Zustimmung seiner Berater entschloss er sich seine Entscheidung, die USA zu unterstützen, durchzusetzen. Für Russland stellte dies eine Chance dar, die Primakow-Doktrin abzuhaken und eine pragmatische Wende hin zu kooperativen, partnerschaftlichen Beziehungen mit den USA einzuleiten. Nach 9/11 veröffentlichte der Kreml einen Fünf-Punkte-Plan, der Russlands Kurs im Kampf gegen den Terror festlegen sollte.
Auch die US-amerikanische Regierung hatte Interesse an Unterstützung und Beteiligung Russlands, da Russland unzweifelhaft eine militärische Schlüsselrolle in Zentralasien einnimmt. Im Gegenzug verschwanden Vorwürfe bezüglich dem russischen Vorgehen in Tschetschenien oder Rückschritte in der demokratischen Entwicklung nun fast völlig, so dass sich für Russland neue Freiräume ergaben. Dies war der Preis, den die Bush-Administration für die Kooperation zahlen musste.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die post-kommunistische Ära der russisch-amerikanischen Beziehungen ein und formuliert die Forschungsfrage bezüglich der Ziele und Entwicklungen der letzten anderthalb Jahrzehnte.
2. Zwischen dualer Strategie und bedingungsloser Westorientierung – die Beziehungen von 1992 bis 1993: Das Kapitel beleuchtet die Phase unmittelbar nach dem Zerfall der Sowjetunion, in der Russland sich zunächst stark dem Westen zuwandte und die USA eine duale Strategie der Integration verfolgten.
3. Überoptimismus? Vom Konsens zum Dissens nach 1993: Hier wird der außenpolitische Schwenk Russlands nach 1993 beschrieben, der durch innenpolitische Machtverschiebungen und wachsende Skepsis gegenüber der bisherigen prowestlichen Politik gekennzeichnet war.
4. Von Kooperation bis Konfrontation – Bush und Putin: Das umfangreiche Kapitel analysiert den Wandel unter Bush und Putin, von der anfänglichen neuen Partnerschaft über die Kooperation nach 9/11 bis hin zu neuen Spannungen durch den Irakkrieg und Raketenabwehrpläne.
5. Fortschritt oder Rückschritt?: Das abschließende Kapitel zieht eine Bilanz der bilateralen Beziehungen und diskutiert die Notwendigkeit, Russland weiter in euroatlantische Strukturen zu integrieren, trotz bestehender Spannungen und einer noch ausstehenden Identitätsfindung des Landes.
Schlüsselwörter
Russland, USA, Außenpolitik, Post-Kommunismus, Transformation, Jelzin, Clinton, Putin, Bush, Terrorismus, Raketenabwehrsystem, Geopolitik, Internationale Beziehungen, Westorientierung, Sicherheitspolitik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die russisch-amerikanischen Beziehungen von 1992 bis heute und untersucht den ständigen Wechsel zwischen Phasen der Kooperation und Divergenz.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Felder umfassen den Transformationsprozess nach dem Ende des Kalten Krieges, die Ära der Präsidenten Jelzin und Clinton, die Ära Bush und Putin sowie sicherheitspolitische Streitpunkte wie das Raketenabwehrsystem.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, die wesentlichen Entwicklungen des russisch-amerikanischen Verhältnisses aufzuzeigen und die Fort- sowie Rückschritte in der bilateralen Partnerschaft zu bewerten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine vergleichende Analyse der Außenpolitik unter Berücksichtigung historischer Entwicklungen und aktueller politischer Konstellationen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in chronologische Phasen, die den Wandel von der bedingungslosen Westorientierung unter Jelzin bis hin zur pragmatischen Konfrontation und Kooperation in der Ära Putin/Bush nachzeichnen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Transformation, Sicherheitsdilemma, Globalisierung, strategische Partnerschaft und Großmachtanspruch charakterisiert.
Wie haben die Terroranschläge vom 11. September 2001 das Verhältnis beeinflusst?
Der 11. September fungierte als Wendepunkt, der Russland und die USA vorübergehend zu engen Partnern im Kampf gegen den Terrorismus machte und den sicherheitspolitischen Diskurs dominierte.
Warum wird das Raketenabwehrsystem als Belastungsprobe bezeichnet?
Das System wird von russischer Seite als Bedrohung und als Versuch der USA wahrgenommen, strategische Interessen in Osteuropa zu Lasten Russlands durchzusetzen, was zu neuen diplomatischen Spannungen führt.
Wie bewertet der Autor die langfristige Entwicklung der Beziehungen?
Der Autor bewertet die post-sowjetische Zeit insgesamt als eher positiv, warnt aber vor einer negativen Tendenz durch aktuelle Konflikte wie im Kaukasus.
- Citar trabajo
- Christopher Schappert (Autor), 2008, Zwischen Kongruenzen und Divergenzen – Russland und die USA in der post-kommunistischen Ära, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/117860