Arlie Russell Hochschild schreibt in ihrem Buch „Keine Zeit“ von einem vom Pech verfolgten Fließbandarbeiter, der hoffnungslos zurückfällt, wenn er nur für einen Moment stoppt, um sich die Nase zu putzen. Er wird von den unmenschlichen Ausmaßen der Arbeitswelt zum Zwerg gemacht und von dem erbarmungslosen Tempo des Fließbandes getrieben. Zu guter letzt verliert der Arbeiter den Verstand, klettert in die Ma-schine und wird selbst ein Maschinenteil. So stellt Charlie Chaplin in seiner Satire „Moderne Zeit“ die heutige Arbeitswelt dar (vgl. RUSSELL HOCHSCHILD, S. 46, 2002).
Unser heutiges Leben wird immer mehr von der Arbeit bestimmt. Menschen, die voll im Geschäftsleben stehen, haben immer weniger Freizeit und wenden immer mehr Zeit für ihr Arbeitsleben auf. Die Problematik der Vereinbarkeit von Familie und Beruf liegt vor allem in den Arbeitsbedingungen und auch in den öffentlichen bzw. staatlichen Rahmenbedingungen. Zu den Arbeitsbedingungen ist vorwiegend zu sagen, dass hohe und unflexible Arbeitszeiten häufig für große Schwierigkeiten sorgen. Mütter und auch Väter haben häufig keine oder nur sehr geringe Möglichkeiten sich ihre Arbeitszeit, den Arbeitsort oder auch den Arbeitsrhythmus selbst einzuteilen. Auch ist es häufig schwierig für Eltern ihre Kinder in Kinderkrippen oder -gärten unterzubringen, da beispielsweise nur begrenzte Plätze vorhanden sind. Besonders schwer haben es hierbei die alleinerziehenden Eltern, da sie meist zur Existenzsicherung gezwungen sind, einer Erwerbstätigkeit nachzugehen. Gerade diese Personengruppe ist auf die „öffentliche Infrastruktur der Kinderbetreuung“ angewiesen (vgl. MAIHOFER, S. 31, 2001). Viele Alleinerziehende müssen häufig unter ihrem Qualifikationsniveau arbeiten und werden häufig nur in befristeten und schlecht bezahlten Jobs eingestellt, da qualifizierte und gut bezahlte Arbeitsplätze zeitlich und räumlich flexible Mitarbeiter voraussetzen. Rechtliche Regelungen werden somit immer notwendiger sowie Forderungen an die Arbeitgeber familienfreundlichere Arbeitsbedingungen einzuführen. Denn nur durch familienunterstützende Maßnahmen kann die demographische Entwicklung in Deutschland und die Problematik des Generationenvertrages gelöst werden (vgl. MAIHOFER, S. 9-10, 2001). Denn gerade immer länger andauernde Ausbildungszeiten und die Schwierigkeit seinen Beruf und den Wunsch nach Kindern zu vereinbaren, stellen Paare vor das Problem das gemeinsame Leben zu planen und sind die Hauptursache der Kinderlosigkeit.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Begriffsklärung
2.1 Der Arbeitsbegriff
2.2 Der Freizeitbegriff
2.3 Work-Life-Balance
2.4 Die Globalisierung
3. Die Problemdarstellung
3.1 Die Grundlagen und Notwendigkeiten von Arbeit
3.2 Work-Life-Balance - ein Vorteil für alle Akteure?
4. Work-Life-Balance - als Herausforderung
4.1 Ein Erfolgsfaktor für Mitarbeiter, Unternehmen und Gesellschaft
4.2 Teilzeitjobs und Zeitarbeit ersetzen Vollzeitstellen
4.3 „Familie als Herstellungsleistung“ in Zeiten der Entgrenzung
5. Work-Life-Balance Maßnahmen und ihre Wirkungen
5.1 Der wirtschaftliche Nutzen auf Unternehmensebene
5.2 Die Spielräume auf Mitarbeiterebene
6. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Spannungsverhältnis zwischen Arbeitsanforderungen und Privatleben in einer zunehmend globalisierten Gesellschaft. Zentral ist dabei die Frage, inwiefern Konzepte der "Work-Life-Balance" tatsächlich einen Nutzen für die verschiedenen gesellschaftlichen Akteure bieten oder lediglich unternehmerische Strategien zur Gewinnmaximierung unter dem Deckmantel der Familienfreundlichkeit darstellen.
- Grundlagen von Arbeit, Freizeit und Globalisierung
- Die Herausforderung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf
- Strukturwandel durch atypische Beschäftigungsformen
- Wirtschaftlicher Nutzen und gesellschaftliche Auswirkungen von Work-Life-Balance
- Kritische Reflexion der "Familie als Herstellungsleistung"
Auszug aus dem Buch
3.1 Die Grundlagen und Notwendigkeiten von Arbeit
„Ob man die zunehmende Arbeitszeitflexibilisierung wie Richard Sennett kritisiert oder in ihr wie Peter Gross eine Chance auf neue Optionen sieht - über eines sind sich sicherlich alle einig: kaum etwas bestimmt den Aufbau einer Gesellschaft und die Lebenslagen der Menschen stärker als die Arbeitszeitstrukturen. Ein wichtiges Thema der soziologischen Klassiker von Marx bis Weber ist folgerichtig gerade die Herausbildung einer neuen Arbeitszeitdisziplin als Wesenselement des modernen Kapitalismus.“ (HÖFFLIN, Peter, S. 13, 2002) Schon von Anbeginn der Geschichte war es für die Menschen notwendig zu arbeiten. In erster Linie haben sie gearbeitet, um sich und die Familie ernähren zu können. Früher musste man noch einen langfristigeren Blick beim Arbeiten haben, da man auch für den Lebensunterhalt sorgen musste, der in die Zeit fiel, in der man nicht mehr arbeiten konnte. Dies war notwendig, da es früher noch keine sozialen Absicherungssysteme wie eine Rentenversicherung gab.
Die Arbeitsgesellschaft hat einen starken Wandel vollzogen. Im Vergleich zu früher haben sich nicht nur die Technologien verändert, sondern auch die kompletten Arbeitsverhältnisse für den einzelnen Arbeitnehmer. Nicht zu verachten ist dabei die Arbeitslosigkeit, die als Problematik auf unsere Gesellschaft zugekommen ist. Mehr und mehr wird sie zu einem akuten Problem unserer Gesellschaft. Auch sie hat sich, nahezu parallel zur Arbeit verändert. Die sozialen Werte, auf denen sich unsere gesellschaftlichen Strukturen gegründet haben, sind vor neue Herausforderungen gestellt. Mobilität, Flexibilität, aber auch die Position der Frau in der Arbeitswelt oder das oben angesprochene Problem der Arbeitslosigkeit sind Aspekte dieser Herausforderung, die an die Gesellschaft und damit an jeden von uns herangetragen werden. Heutzutage wird der Beruf als Herausforderung und als Feld der Selbstverwirklichung des Einzelnen gesehen. Aber trifft das wirklich auf den Großteil unserer Gesellschaft zu?
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit thematisiert die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben und führt in die theoretischen Grundlagen der Begriffe Arbeit, Freizeit und Globalisierung ein.
2. Begriffsklärung: Dieser Abschnitt definiert die zentralen Begrifflichkeiten Arbeit, Freizeit, Work-Life-Balance und Globalisierung, um eine gemeinsame Basis für die anschließende Analyse zu schaffen.
3. Die Problemdarstellung: Hier werden die historische Notwendigkeit von Arbeit sowie das aktuelle Spannungsverhältnis zwischen globalem Wettbewerbsdruck und dem Wunsch nach Work-Life-Balance erörtert.
4. Work-Life-Balance - als Herausforderung: Das Kapitel beleuchtet den Nutzen von Work-Life-Balance für Unternehmen und Mitarbeiter, problematisiert jedoch gleichzeitig die Zunahme atypischer Beschäftigungsverhältnisse wie Teilzeit und Zeitarbeit.
5. Work-Life-Balance Maßnahmen und ihre Wirkungen: Hier wird der wirtschaftliche Nutzen für Unternehmen diskutiert und die individuellen Spielräume sowie die Bedeutung von Work-Life-Balance für die Mitarbeiter untersucht.
6. Zusammenfassung: Der abschließende Teil fasst die Ergebnisse zusammen und beinhaltet eine kritische persönliche Reflexion über die gesellschaftlichen Entwicklungen.
Schlüsselwörter
Work-Life-Balance, Globalisierung, Arbeitswelt, Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Erwerbsarbeit, Flexibilisierung, atypische Beschäftigung, Arbeitszeitstrukturen, Unternehmenspolitik, Familienfreundlichkeit, Soziale Sicherheit, Wirtschaftsstandort, Selbstverwirklichung, demographischer Wandel, Personalmanagement.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die moderne Arbeitswelt unter dem Einfluss der Globalisierung und untersucht, ob das Konzept der Work-Life-Balance tatsächlich einen Mehrwert für Arbeitnehmer bietet oder primär ökonomischen Interessen der Unternehmen dient.
Welche Themenfelder stehen dabei besonders im Fokus?
Im Zentrum stehen die Vereinbarkeit von Berufs- und Familienleben, der Wandel von Erwerbsbiografien durch atypische Beschäftigung sowie die Rolle des Staates und der Unternehmen bei der Gestaltung familienfreundlicher Rahmenbedingungen.
Was ist die primäre Forschungsfrage des Autors?
Die Arbeit hinterfragt das Spannungsverhältnis zwischen Arbeit und Freizeit und prüft, ob die als "Work-Life-Balance" deklarierten Maßnahmen wirklich zwei unvereinbare Gegensätze versöhnen können.
Welche wissenschaftliche Methodik wurde in der Arbeit angewandt?
Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse sowie die Auswertung soziologischer und wirtschaftswissenschaftlicher Daten, um den Wandel der Arbeitsgesellschaft zu begründen und zu bewerten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit detailliert behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Notwendigkeit von Arbeit, die Auswirkungen der Globalisierung auf Arbeitsmärkte, die Konsequenzen von Teilzeit- und Zeitarbeitsmodellen sowie den Nutzen und die Grenzen von Work-Life-Balance-Programmen auf Unternehmens- und Mitarbeiterebene.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich der Kern der Arbeit zusammenfassen?
Wichtige Begriffe sind Work-Life-Balance, Globalisierung, Flexibilisierung, Erwerbsarbeit und atypische Beschäftigung.
Wie bewertet der Autor den Begriff "Familie als Herstellungsleistung"?
Der Autor ordnet diesen Begriff in den Kontext der Entgrenzung von Arbeit und Privatleben ein und fordert eine stärkere staatliche und gesellschaftliche Anerkennung der unbezahlten Leistungen, die insbesondere von Eltern erbracht werden.
Welchen kritischen Blick wirft der Autor auf die Unternehmensseite?
Der Autor stellt fest, dass "gute Taten" im Rahmen von Work-Life-Balance oft als Berechnung zur Gewinnmaximierung und Imagepflege zu betrachten sind, wobei diese Konzepte zudem häufig nur in großen Unternehmen oder dem öffentlichen Dienst verfügbar sind.
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- Daniel Werner (Author), 2008, Arbeit und Freizeit in Zeiten der Globalisierung - wirklich zwei unvereinbare Gegensätze?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/117863