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Minnemartyrium oder Rollenspiel?

Ulrichs von Liechtenstein Mundoperation und Fingerverlust im Spannungsfeld zwischen gelebter Minne und Übertreibung

Titre: Minnemartyrium oder Rollenspiel?

Exposé Écrit pour un Séminaire / Cours , 2005 , 13 Pages , Note: 2,0

Autor:in: Katja Erben (Auteur)

Philologie Allemande - Littérature Allemande Ancienne, Littérature Médiévale
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Résumé Extrait Résumé des informations

Ulrichs von Liechtenstein pseudobiographischer Roman ‚Frauendienst’, der zeitlich um 1255 einzuordnen ist, ist der erste Ich-Roman in (mittelhoch)deutscher Sprache und erzählt von zwei Minnediensten, die die literarische Figur Ulrich erlebt.
Meine Arbeit beschäftigt sich mit einem wesentlichen Aspekt des ersten Dienstes, mit den Körperverstümmelungen, die Ulrich als Beweis seiner unbegrenzten Dienstbarkeit gegenüber seiner erwählten Minnedame über sich ergehen lässt. Diese Körpermanipulationen fügen sich innerhalb des ‚Frauendienstes’ in ein Minne- und Kommunikationskonzept ein, das sich aus drei miteinander verbundenen mittelalterlichen Gesellschaftskonstrukten zusammensetzt. Bei dieser Dreiteilung folge ich Sandra Linden , die zwischen Botenkommunikation, also der indirekten Auseinandersetzung zwischen Minnedame und Minneritter mittels eines Boten und der Wort- und Tat-Kommunikation, das heißt der Verbindung von körperlicher und geistiger (schriftlicher) Kommunikation im Minnedienst, unterscheidet. Als dritte Kategorie kommt der gesellschaftliche Aspekt des Minnens hinzu, der den Minnedienst als höfisches Spiel innerhalb (fester) Rollenmuster begreift.
Es wird zu untersuchen sein, inwieweit Ulrichs Verstümmelungen symptomatisch für die (fehlgeschlagene) Kommunikation zwischen ihm und seiner Dame sind.
Im Hauptteil meiner Arbeit werde ich dementsprechend auf die Kommunikationsformen und auf das „Ausdrucksdilemma“ eingehen und das Minnemartyrium Ulrichs beschreiben (unter II A), während unter B die Rollenhaftigkeit des ‚Minnespiels’ im Zentrum steht, in der die Fiktionalität des Dienstes hervorgehoben wird.
Innerhalb dieser Analyse werde ich versuchen die Nähe zum Text aufrechtzuerhalten und interpretiere daher punktiert die Szene der Mundoperation und des Fingerverlustes, wie es dazu kommt und wohin es führt. In meinem Fazit werde ich letztlich versuchen die im Titel der Arbeit gestellte Frage ‚Minnemartyrium oder Rollenspiel?’ zu beantworten.

Extrait


Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung und Themeneingrenzung

II. Hauptteil:

A. Die gestörte Kommunikation zwischen Ulrich und seiner ersten Dame und die Konsequenzen dieses ‚Ausdrucksdilemmas’

1. Die Mundoperation

2. Der Verlust des Fingers

B. Rollenspiel – Ulrichs übertriebene Minnehandlungen als Kritik an der Hohen Minne

III. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die Körperverstümmelungen der literarischen Figur Ulrich von Liechtenstein im pseudobiographischen Roman ‚Frauendienst’ als Ausdruck einer gestörten Kommunikation im höfischen Minnekonzept und hinterfragt, ob diese als Minnemartyrium oder als inszeniertes Rollenspiel zu verstehen sind.

  • Die Analyse der Botenkommunikation und der Wort- und Tat-Kommunikation.
  • Die Untersuchung der Mundoperation und des Fingerverlustes als Mittel der Leibeigenschaft.
  • Die kritische Auseinandersetzung mit der Fiktionalität des Minnedienstes.
  • Die Rolle des Körpers als textualisiertes Medium im höfischen Kontext.
  • Die Dekonstruktion der traditionellen Rollenmuster von Minnediener und Minnedame.

Auszug aus dem Buch

Die Mundoperation

Die Episode der Mundoperation ereignet sich direkt zu Beginn des ersten Dienstes. Ulrich vertraut seiner Niftel (Nichte oder Tante) an, wer seine Minnedame ist (Strophe 62) und diese Niftel soll dann für ihn die ‚Liebesbotin’ spielen: ‚[…] sô soltu ir von mir des swern, / daz sî mir gar âne argen list / diu liebest in mînem herzen ist.’ ([…] so sollst du ihr von mir das schwören, dass sie mir ohne Falschheit die Liebste in meinem Herzen ist.; 63,6-63,8). Am Beginn des Dienstes und auch im weiteren Verlauf ist die Kommunikation über einen Boten kennzeichnend für die verbale Auseinandersetzung zwischen Ulrich und seiner Dame. Seine Niftel übernimmt dabei die Rolle der Botin, die die Botschaften der beiden eigentlich Handelnden überbringt. Sie bleibt dabei jedoch nicht nur passiv, sondern kommentiert die Nachrichten auch. Der externe Zuhörer beziehungsweise Leser des Romans ist anwesend, wenn Ulrich ihr den Auftrag gibt, einen Brief und das Geständnis des Minnedienstes an die Dame zu überbringen und dann erst wieder, wenn die Niftel Ulrich von ihrem Botendienst berichtet. Das Gespräch zwischen Botin und Dame bleibt sowohl Ulrich, als auch dem Publikum unbekannt. Ulrich (und auch der Zuhörer) muss sich also darauf verlassen, was die Botin berichtet.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Einleitung und Themeneingrenzung: Einführung in das Werk ‚Frauendienst’ und Darlegung der zentralen Fragestellung bezüglich der Körperverstümmelungen als Kommunikationsmittel.

II. Hauptteil: Analyse der Episoden um die Mundoperation und den Fingerverlust sowie deren Funktion als Rollenspiel zur Kritik am höfischen Minnekonzept.

III. Fazit: Zusammenfassende Bewertung, dass Ulrichs Handlungen sowohl Martyrium als auch ein bewusster Akt der Rolleninszenierung sind, um die Absurdität der Minnekonventionen aufzuzeigen.

Schlüsselwörter

Frauendienst, Ulrich von Liechtenstein, Minne, Minnemartyrium, Rollenspiel, Körperverstümmelung, Kommunikation, Botenkommunikation, Höfische Gesellschaft, Mittelalter, Literaturwissenschaft, Ausdrucksdilemma, Minneritter, Textualisierter Körper, Minnedame.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die extremen körperlichen Verstümmelungen Ulrichs von Liechtenstein in seinem Roman ‚Frauendienst’ im Kontext mittelalterlicher Minnekonzepte.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Felder sind die gestörte Kommunikation, die Symbolik des Körpers im höfischen Kontext und die kritische Distanz zur Hohen Minne durch eine übersteigerte Rollenperformanz.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es zu beantworten, ob die Handlungen der Figur als aufrichtiges Minnemartyrium oder als kalkuliertes Rollenspiel zu interpretieren sind.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine textnahe Analyse unter Einbeziehung literaturwissenschaftlicher Konzepte zur höfischen Kommunikation und Leiblichkeit angewendet.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Mundoperation und des Fingerverlustes sowie in die Analyse der Rollenhaftigkeit der Minnehandlungen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Frauendienst, Minne, Ausdrucksdilemma, Rollenspiel und Körperbetonung.

Wie reagiert die Minnedame auf die Mundoperation?

Die Dame reagiert mit Ablehnung und führt Ulrich sogar vor, da die körperliche Tat nicht die verbale Kommunikation ersetzen kann, die sie eigentlich fordert.

Warum amputiert sich Ulrich den Finger?

Er führt die Amputation durch, um den Vorwurf des Lügens zu entkräften und seiner Herrin ein physisches Beweisstück seiner Treue zukommen zu lassen.

Was bedeutet der Begriff „textualisierter Körper“ im Text?

Damit ist gemeint, dass Ulrich seinen eigenen Körper als Kommunikationsmedium und Zeichen benutzt, das denselben Rang einnimmt wie ein schriftlicher Text oder ein Lied.

Zu welchem Schluss kommt die Autorin im Fazit?

Die Autorin schließt, dass beides untrennbar verbunden ist: Das Minnemartyrium dient Ulrich als Darstellungsmedium für sein Rollenspiel.

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Résumé des informations

Titre
Minnemartyrium oder Rollenspiel?
Sous-titre
Ulrichs von Liechtenstein Mundoperation und Fingerverlust im Spannungsfeld zwischen gelebter Minne und Übertreibung
Université
Free University of Berlin  (Fachbereich für Ältere Deutsche Literatur )
Cours
„Ulrich von Liechtenstein: Frauendienst“
Note
2,0
Auteur
Katja Erben (Auteur)
Année de publication
2005
Pages
13
N° de catalogue
V117876
ISBN (ebook)
9783640209996
Langue
allemand
mots-clé
Minnemartyrium Rollenspiel Liechtenstein Frauendienst“
Sécurité des produits
GRIN Publishing GmbH
Citation du texte
Katja Erben (Auteur), 2005, Minnemartyrium oder Rollenspiel?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/117876
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Extrait de  13  pages
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