Die hohe Arbeitslosigkeit sowie der seit Mitte der 1990er Jahre kontinuierlich wachsende
Niedriglohnsektor in Deutschland drängt die Bundesregierung zum Handeln. Verschiedenste
Möglichkeiten zum Abbau der Arbeitslosigkeit werden derzeit diskutiert, unter anderem auch
die Einführung eines Mindestlohns, wobei dieser eher zur Erhaltung momentaner
Arbeitsplätze sowie zur Existenzsicherung dienen soll, anstatt zum Abbau von
Arbeitslosigkeit.
Ich möchte die Problematik des Mindestlohns in meiner Arbeit aus ökonomischer Sicht
betrachten. Dazu habe ich die Basismodelle der Neoklassik und des Keynesianismus
herangezogen. Diese beiden Arbeitsmarkttheorien haben jeweils andere Annahmen bezüglich
der Auswirkungen nach einer Einführung des Mindestlohns. Grund dafür ist die differenzierte
Vorstellung in Bezug auf das Zustandekommen eines Vollbeschäftigungsgleichgewichts im
jeweiligen Wirtschaftsmodell.
Ziel ist es, diese beiden Modelle und ihre theoretisch fundierten Annahmen bezüglich der
Mindestlohnproblematik darzustellen und zu erläutern. Die Weiterentwicklungen der
klassischen keynesianischen und neoklassischen Theorien kann ich nicht berücksichtigen, da
dies den Rahmen meiner Arbeit sprengen würde.
Einleitend werde ich kurz die Arbeitsmarktsituation Deutschlands mit Hilfe von empirischen
Daten der OECD erläutern und die Erfahrungen, welche bereits andere Länder mit der
Einführung eines Mindestlohns gemacht haben, skizzieren. Abschließend werde ich die
Kernaussagen meiner Ausführungen nochmals zusammenfassen und ein Fazit formulieren.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der gesetzliche Mindestlohn
2.1. Fakten zur Arbeitslosigkeit in Deutschland
2.2. Internationale Erfahrungen mit dem gesetzlichen Mindestlohn
3. Neoklassische Arbeitsmarkttheorie
4. Der Keynesianismus
5. Schluss
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Problematik der Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns in Deutschland aus der theoretischen Perspektive der Neoklassik sowie des Keynesianismus, um deren gegensätzliche ökonomische Schlussfolgerungen hinsichtlich Beschäftigung und Arbeitsmarkt darzustellen.
- Analyse der Arbeitsmarktsituation in Deutschland
- Vergleichende Betrachtung internationaler Mindestlohnmodelle
- Darstellung der neoklassischen Beschäftigungstheorie
- Erörterung des keynesianischen Ansatzes zur Nachfragesteuerung
- Kritische Diskussion der Auswirkungen von Mindestlöhnen
Auszug aus dem Buch
3. Neoklassische Arbeitsmarkttheorie
Bei der Neoklassik handelt es sich um ein statistisches Gleichgewichtsmodell, welches die Arbeitsmarkttheorie als Unterfall der allgemeinen Preistheorie ansieht. Danach ist der Arbeitsmarkt also ein Markt wie jeder andere, der durch den Markt-Preis-Mechanismus gelenkt wird. Der Höhe des Lohns kommt eine allgemeine Indikations- und Lenkungsfunktion zu. Aufgrund der Wirksamkeit des Preismechanismus wird eine allgemeine Tendenz zum Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage angenommen.
Weitere generelle Annahmen, welche auch als Voraussetzungen für das Funktionieren dieser Theorie gelten, sind: 1. homogene Arbeitskräfte und Arbeitsplätze, 2. vollständige Informationen und Markttransparenz, 3. vollständige Mobilität aller Produktionsfaktoren, 4. vollständige Konkurrenz auf allen Märkten, 5. Elastizität der Arbeitsbedingungen, 6. ökonomisch rationales Verhalten aller Marktteilnehmer, 7. Gültigkeit des Grenzproduktivitäts- und Grenznutzenprinzips für die Nachfrage nach beziehungsweise das Angebot an Arbeit.
Das Saysche Theorem ist Grundlage der Gleichgewichtsanalyse. Nach ihm schafft sich jedes Angebot seine eigene Nachfrage im erforderlichen Umfang. Dadurch kommt es zum Gleichgewicht auf allen Märkten. Die Annahme von flexiblen Preisen und Löhnen führt zu dem zum Ausgleich zwischen Angebot und Nachfrage in Richtung eines Gleichgewichts bei Vollbeschäftigung. Demzufolge wird klar, dass es keine „unfreiwillige Arbeitslosigkeit“ geben kann, zumindest nicht als dauerhafter Zustand. Reale Arbeitslosigkeit wäre dann insofern freiwillig, wenn der Arbeitnehmer aufgrund eines seiner Meinung nach zu niedrigen Lohns die Arbeit ablehnt. Das heißt also, dass jeder, der zum gegebenen Lohnsatz arbeiten will, auch eine Beschäftigung bekommt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit führt in die Problematik des wachsenden Niedriglohnsektors in Deutschland ein und stellt das Ziel der theoretischen Untersuchung aus neoklassischer und keynesianischer Sicht vor.
2. Der gesetzliche Mindestlohn: Dieses Kapitel skizziert den Status quo der Mindestlohnregelung, liefert Fakten zur deutschen Arbeitslosigkeit und gibt einen Überblick über internationale Erfahrungen.
3. Neoklassische Arbeitsmarkttheorie: Es wird das neoklassische Modell als Gleichgewichtsanalyse erläutert, in dem Mindestlöhne als marktfremde Eingriffe kritisch bewertet werden.
4. Der Keynesianismus: Das Kapitel behandelt die makroökonomische Perspektive von Keynes, in der die Nachfrageseite im Zentrum steht und staatliche Interventionen zur Beschäftigungsförderung als positiv erachtet werden.
5. Schluss: Die Arbeit fasst die zentralen Argumente beider Schulen zusammen und formuliert ein persönliches Fazit, das eine kritische Haltung gegenüber flächendeckenden Mindestlöhnen einnimmt.
Schlüsselwörter
Mindestlohn, Neoklassik, Keynesianismus, Arbeitslosigkeit, Arbeitsmarkt, Beschäftigung, Lohnhöhe, Grenzproduktivität, Gesamtnachfrage, Niedriglohnsektor, Vollbeschäftigung, Wirtschaftspolitik, Arbeitsmarkttheorie, Angebot und Nachfrage, Reallohn
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der ökonomischen Debatte um die Einführung gesetzlicher Mindestlöhne in Deutschland.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit thematisiert die Arbeitsmarktsituation, internationale Mindestlohn-Erfahrungen sowie die ökonomischen Theorien der Neoklassik und des Keynesianismus.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, die theoretisch fundierten Annahmen beider Modelle hinsichtlich der Wirkungsweise von Mindestlöhnen vergleichend darzustellen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin stützt sich auf eine theoretische Literaturanalyse und eine Auswertung empirischer Daten der OECD.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der theoretischen Basismodelle und deren spezifische Bewertung der Mindestlohnproblematik.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Mindestlohn, Neoklassik, Keynesianismus, Arbeitsmarkt und Beschäftigung definiert.
Warum lehnt die Autorin persönlich Mindestlöhne ab?
Die Autorin argumentiert, dass Mindestlöhne insbesondere für kleine Unternehmen existenzbedrohend wirken können und somit Arbeitsplätze gefährden könnten.
Welche Rolle spielt das "Saysche Theorem" im Text?
Es dient als Grundlage der neoklassischen Gleichgewichtsanalyse, wonach sich jedes Angebot seine eigene Nachfrage schafft.
Warum werden internationale Erfahrungen betrachtet?
Die Beispiele aus Ländern wie Frankreich oder den USA dienen dazu, die verschiedenen Ausgestaltungsmöglichkeiten und Auswirkungen von Mindestlohnsystemen zu illustrieren.
- Citar trabajo
- Katrin Schrimpf (Autor), 2007, Gesetzliche Mindestlöhne aus der Sicht der Neoklassik und des Keynesianismus, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/117912