Die folgende Arbeit beschäftigt sich mit Sexualstraftätern, die zum Schutz der Allgemeinheit und zur Besserung im Maßregelvollzug untergebracht sind. Sie ist auf männliche Patienten ausgerichtet, da nur ca. 5% der Untergebrachten weiblich sind und sexuelle Delinquenz unter Frauen eher die Ausnahme bildet. Es wird die Vielschichtigkeit der Problematik von Sexualstraftätern beschrieben und soll eventuelle Vorurteile abbauen oder zumindest relativieren.
Diese Arbeit soll über mögliche Ursachen, die zu solchen Delikten führen und über die Behandlungsformen, die bei dieser Tätergruppe angedacht sind, informieren. Die Unterbringungsform des Maßregelvollzugs wurde ausgewählt, um die Tätergruppe einzugrenzen.
Der erste Teil der Arbeit befasst sich mit der öffentlichen Debatte über Sexualstraftäter, mit statistischen Zahlen von sexual delinquenten Verhalten und den Sanktions- sowie Besserungsmöglichkeiten auf solch ein Verhalten. Das dritte Kapitel stellt die Institution des Maßregelvollzugs, die Unterbringungsgründe sowie die untergebrachten Sexualstraftäter dar. Im darauf folgenden Kapitel sollen die Ursachen von sexueller Devianz am Beispiel der Perversion beschrieben werden. Kapitel fünf erklärt unter welchen Bedingungen, für Patient und Therapeut, eine Therapie im Maßregelvollzug stattfindet und welches die Ziele sind. Die therapeutischen Verfahren, die unmittelbar mit einem Therapeuten zusammen hängen werden unter Punkt sechs erläutert. Anschließend wird über die medizinischen Verfahren in Bezug auf sexuell abweichendes Verhalten in Form von Medikamenten und dem chirurgischen Eingriff berichtet. Die institutionellen therapeutischen Rahmenbedingungen, in denen eine effiziente Therapie an psychisch Kranken durchgeführt werden soll, stellt das Kapitel acht dar. Welche Bedeutung die Behandlung von Sexualstraftätern im Maßregelvollzug, in Bezug auf die Rückfallquote hat, erläutert der neunte Punkt. Der Schlussteil bietet einen Rückblick über die Arbeit und stellt den Standpunkt des Autors dar.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2 Sexualstraftaten
2.1 Öffentliche Diskussion
2.2 Zahlen über Sexualdelikte
2.3 Sanktionsmöglichkeiten auf delinquentes sexualverhalten
2.4 Bester schutz der Allgemeinheit durch Behandlung
3 Maßregelvollzug
3.1 Institution
3.2 UnterbringungsGründe
3.2.1 Krankhafte seelische Störung
3.2.2 Tiefgreifende Bewusstseinsstörung
3.2.3 Schwachsinn
3.2.4 Schwere andere seelische Abartigkeit
3.3 Sexualstraftäter im Maßregelvollzug
4. Delinquentes Sexualverhalten
4.1 Sexuelle Pperversion
4.1.1 Verhaltenstheoretische Erklärung
4.1.2 Tiefenpsychologische Erklärung
4.1.3 Biologische Erklärung
5 Therapie im maßregelvollzug
5.1 Therapie unter geschlossenen Bedingungen
5.2 Therapiemotivation
5.3 Therapie – kontrakt
5.4 Der Therapeut
5.5 Ziele der Therapie
6. Therapeutische Verfahren
6.1 Psychotherapien
6.1.1 Psychoanalyse
6.1.2 Gruppentherapie
6.1.3 Verhaltenstherapie
6.1.4 psychodrama
7. Medizinische Therapie
7.1 Medikamentöse Therapie
7.1.1 Serotonin – Reuptake - Hemmer
7.1.2 Antiandrogene
7.1.3 LHRH- bzw. GnRH - Agonisten
7.2 Chirurgische Kastration
8. Sozialtherapie
8.1 Milieutherapie
8.2 Rehabilitative Maßnahmen
8.3 Arbeits- & Beschäftigungstherapie
9 Rückfallquoten
10. Schluss
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die therapeutische Behandlung von Sexualstraftätern im Maßregelvollzug mit dem Ziel, die Komplexität dieser Tätergruppe zu verdeutlichen, Vorurteile abzubauen und die Möglichkeiten sowie Grenzen einer erfolgreichen Resozialisierung aufzuzeigen.
- Analyse der öffentlichen Wahrnehmung von Sexualstraftaten im Vergleich zur kriminalistischen Realität.
- Darstellung der rechtlichen und institutionellen Grundlagen des Maßregelvollzugs.
- Erörterung psychologischer Erklärungsansätze für delinquentes Sexualverhalten.
- Vergleich verschiedener therapeutischer Interventionsmöglichkeiten (psychotherapeutisch, medizinisch, sozialtherapeutisch).
- Bewertung der Bedeutung von Therapiekonzepten im Hinblick auf die Rückfallprävention.
Auszug aus dem Buch
4.1 Sexuelle Pperversion
Die sexuelle Perversion ist, nach Marneros, eine oft zuerst gestellte Diagnose der begutachtenden Psychiater. Er gibt an, dass die Beurteilung welches Verhalten als pervers (aus dem lateinischen: verkehrt) eingestuft wird, kulturell und zeitlich variiert. So war z.B. die Homosexualität zu Zeiten der Griechen und Römer toleriert oder wurde sogar gefördert. Diese Einstellung änderte sich zu Beginn des Christentums. Auch war der Umgang mit der Sexualität und die sexuellen Praktiken, vor allem in Verbindung der jeweiligen Religion, bei allen Kulturvölkern unterschiedlich.
Wie der jeweilige Mensch mit sexuellen Perversionen umgeht, hängt von dem Umgang mit der Sexualität überhaupt ab. Dass die Sexualität ein sehr komplexer Bereich menschlichen Verhaltens ist, weil sie biologische, soziologische und psychologische Faktoren hat, wurde von Kinsey, einem amerikanischen Pioneer der Sexualforschung, festgestellt. Als der Mensch die Sexualität nicht mehr nur als Fortpflanzungsmittel ansah, begann die Diskussion um: Was ist normal oder nicht normal? Was ist pervers, verwerflich oder abstoßend? Was ist verboten? Aber auch die Frage: Was ist krankhaft und was ist nicht krankhaft? Zu unterschiedlichen Zeiten gab es unterschiedliche Antworten auf diese Fragen. Vor über hundert Jahren fing die Wissenschaft an diese Frage zu beantworten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit erläutert die Beweggründe des Verfassers und führt in die Thematik der Behandlung von Sexualstraftätern im Maßregelvollzug ein.
2 Sexualstraftaten: Es wird die Diskrepanz zwischen medialer Darstellung und tatsächlicher Kriminalitätsstatistik analysiert sowie die aktuelle Rechtslage diskutiert.
3 Maßregelvollzug: Das Kapitel beschreibt die forensische Institution, die rechtlichen Unterbringungsgründe nach StGB und die spezifische Situation der Patienten.
4. Delinquentes Sexualverhalten: Hier werden theoretische Erklärungsmodelle für sexuelle Perversionen aus verhaltenstheoretischer, tiefenpsychologischer und biologischer Sicht beleuchtet.
5 Therapie im maßregelvollzug: Dieses Kapitel thematisiert die Rahmenbedingungen der Behandlung, inklusive Therapiemotivation, Beziehungsvertrag und der Rolle des Therapeuten.
6. Therapeutische Verfahren: Eine detaillierte Übersicht verschiedener psychotherapeutischer Ansätze, von der Psychoanalyse bis zur Verhaltenstherapie und dem Psychodrama.
7. Medizinische Therapie: Die medizinischen Möglichkeiten zur Dämpfung sexueller Impulse durch Medikamente oder chirurgische Eingriffe werden kritisch dargestellt.
8. Sozialtherapie: Fokus auf das therapeutische Milieu sowie rehabilitative Maßnahmen zur sozialen Wiedereingliederung und Arbeitsförderung.
9 Rückfallquoten: Auswertung aktueller Studien und Erkenntnisse zur Wirksamkeit therapeutischer Maßnahmen bei der Senkung des Rückfallrisikos.
10. Schluss: Ein persönliches Resümee zur Notwendigkeit einer differenzierten Therapie und der Komplexität des Arbeitsfeldes.
Schlüsselwörter
Sexualstraftäter, Maßregelvollzug, forensische Psychiatrie, Therapie, Rückfallprävention, Delinquenz, Sexualdelikte, Psychotherapie, Verhaltenstherapie, Resozialisierung, Schuldfähigkeit, Patientenbehandlung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Therapie von männlichen Sexualstraftätern, die im Maßregelvollzug untergebracht sind, und untersucht Ansätze zur Senkung der Rückfallquote.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Schwerpunkten gehören die öffentliche Debatte über Sexualstraftaten, die rechtlichen Unterbringungsvoraussetzungen, die Ursachenforschung bei deviantem Verhalten sowie diverse therapeutische Interventionsformen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Hauptziel ist die Darstellung und kritische Auseinandersetzung mit der Vielschichtigkeit der Thematik, um Vorurteile abzubauen und die Notwendigkeit fachgerechter Therapiekonzepte aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf einer umfassenden Literaturanalyse wissenschaftlicher Fachliteratur zur forensischen Psychiatrie und Sexualforschung basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Analyse der rechtlichen Grundlagen des Maßregelvollzugs, eine theoretische Einordnung von sexuellem Fehlverhalten sowie eine detaillierte Erläuterung psychotherapeutischer, medizinischer und sozialtherapeutischer Behandlungsverfahren.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Sexualstraftäter, Maßregelvollzug, Therapie, Rückfallprävention und Forensik definiert.
Welche Rolle spielt die Differenzierung bei den Gruppen in der Gruppentherapie?
Der Autor betont, dass für den Erfolg einer Gruppentherapie eine größtmögliche Homogenität der Teilnehmer in Bezug auf Alter, Delikt und Reflexionsfähigkeit entscheidend ist, um das notwendige Vertrauen aufzubauen.
Warum ist die „freiwillige“ Kastration in der Fachwelt umstritten?
Die Kritik richtet sich primär gegen die Unwiderruflichkeit des Eingriffs sowie gegen die Zweifel an der Freiwilligkeit der Entscheidung, wenn sich der Betroffene in einer Zwangslage wie der Unterbringung befindet.
Welche Bedeutung kommt dem „Therapievertrag“ zu?
Der Therapievertrag dient dazu, das Behandlungssetting zu klären, den Anlass aufzuarbeiten und die Erwartungen sowie Grenzen zwischen Therapeut und Patient festzulegen, was als Grundvoraussetzung für jede Behandlung angesehen wird.
- Quote paper
- Dipl. Sozialarbeiter / Solzialpädagoge Marcel Kolb (Author), 2003, Therapie von Sexualstraftätern im Maßregelvollzug, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/11791