Einleitung
In dieser Diplomarbeit beschäftige ich mich mit dem Kinderspiel. Mein Interesse dafür entstand zu Anfang meines Pädagogikstudiums im Oktober 1996. Damals sah ich kurz vor Beginn meines ersten Semesters in der philosophischen Fakultät einen Aushang der Jugendförderung Kirchhain, die eine Honorarkraft für ihren „Spielepool“ suchten. Da ich neben dem Studium pädagogisch tätig sein wollte und mich die Ausschreibung der Jugendförderung ansprach, erkundigte ich mich dort hinsichtlich der Mitarbeit als Spielpool – Betreuer. Ich vereinbarte telefonisch einen Termin mit dem Stadtjugendpfleger und wurde von ihm einige Wochen später zu einem Treffen ins Jugendkulturzentrum in Kirchhain eingeladen. Bei diesem Treffen zeigte er mir den „Spielepool“, der aus einer Sammlung von über 150 Tisch-, Brett- und Kartenspielen bestand. Er erklärte mir, dass die Aufgabe des künftigen, nebenamtlichen Mitarbeiters darin bestand, mit den im Stadtjugendring angeschlossenen Jugendgruppen und den Jugendklubs Spielnachmittage, bzw. Spielabende zu veranstalten, sowie die Ausleihe der Spiele zu verwalten. Ich zeigte Interesse an dieser Arbeit und bekam die Zusage für den Job. In den folgenden Monaten stellte sich jedoch heraus, dass das Spielangebot bei den Jugendgruppen nur geringe Resonanz fand. Daher beschloss die Jugendförderung, Spielnachmittage für Kinder im Jugendkulturzentrum anzubieten. Es entstand der „Spieleladen“, der Spielenachmittag für Kinder von 6 bis 12 Jahren. Dieses Angebot hielt sich lange als Dauerprogramm des Spielepools, das ich insgesamt 3 ½ Jahre machte. Als Spielebetreuer führte ich im Laufe der Zeit auch verschiedene Sonderveranstaltungen durch, darunter die Siedler – Turniere und die Kirchhainer Kinderspielejury – Testtage. Die Idee zur Kinderspielejury kam mir, als ich bemerkte, dass einige neue, von Erwachsenen empfohlene Gesellschaftsspiele, die wir jährlich für den Spielepool anschafften, unseren Kindern keinen Spaß bereiteten. Deshalb luden wir Kinder aus Kirchhain und den Stadtteilen ein, neue Brett – und Kartenspiele selbst auszuprobieren und anschließend zu bewerten. Die benötigten Spiele liehen wir zunächst von einem Spielwarengeschäft aus. Anschließend kauften wir die beliebtesten Spiele ein. Die Kinderspielejury war zugleich der Vorläufer der im Jahr 2000 entstandenen Kinderspielecrew, in der Kinder an verschiedenen Orten im deutschsprachigen Raum zusammenkommen, um Gesellschaftsspiele zu testen.
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Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Theoretische Ansätze zum Kinderspiel
Vorüberlegungen zu den Ansätzen
1.1. Das Kinderspiel aus einer motivationspsychologischen Perspektive
1.2. Das Kinderspiel aus einer interaktionistischen Perspektive
1.3. Das Kinderspiel aus einer psychoanalytischen Perspektive
1.4. Das Kinderspiel aus einer ökopsychischen und sozialkulturellen Perspektive
Zusammenfassung
2. Die Entwicklung des Kinderspiels
Die Klassifikation der Kinderspiele nach Einsiedler
2.1. Die psychomotorischen Spiele
2.1.1. Beschreibung und Definition der psychomotorischen Spiele
2.1.2. Entwicklung des Spielverhaltens von Kindern bei psychomotorischen Spielen
2.1.2. Funktionen der psychomotorischen Spiele
2.2. Die Phantasie – und Rollenspiele
2.2.1. Beschreibung und Definition der Phantasie – und Rollenspiele
2.2.2. Entwicklung des Spielverhaltens von Kindern bei Phantasie – und Rollenspielen
2.2.3. Funktionen der Phantasie – und Rollenspiele
2.3. Die Bauspiele
2.3.1. Beschreibung und Definition der Bauspiele
2.3.2. Entwicklung des Spielverhaltens von Kindern bei Bauspielen
2.3.3. Funktionen der Bauspiele
2.4. Die Regelspiele
2.4.1. Beschreibung und Definition der Regelspiele
2.4.2. Entwicklung des Spielverhaltens von Kindern bei Regelspielen
2.4.3. Funktionen der Regelspiele
Fazit : Bedeutung des Kinderspiels aus entwicklungspsychologischer und sozialisationstheoretischer Sicht und aus der Perspektive von Kindern
3. Spielen pädagogisch fördern und initiieren
Einführung in die Spielpädagogik
3.1. Aufgabenbereiche der Spielpädagogik
3.2. Voraussetzung für das Kinderspiel
3.2.1. Schaffung und Belebung von ökologischen Spielräumen
3.2.2. Beurteilung und Empfehlung von Spielmitteln
3.3. Spielpädagogische Planung, Durchführung und Reflexion von Regelspielen in Gruppen
3.3.1. Spieldidaktik und Spielmethodik
3.3.2. Geländespiel „Outback“ – ein Beispiel
3.3.3. Spielpraxisbezogene Prinzipien bei der Leitung von Spielgruppen
Schlussgedanken
Zielsetzung & Themen
Die Diplomarbeit untersucht die zentralen Funktionen des Kinderspiels aus entwicklungspsychologischer und sozialisationstheoretischer Perspektive sowie die Möglichkeiten der spielpädagogischen Förderung und Initiierung, um die Kernfrage zu beantworten, wie das Kinderspiel als Sozialisationsfaktor und Lernfeld gestärkt werden kann.
- Theoretische Fundierung des Kinderspiels durch verschiedene wissenschaftliche Ansätze.
- Klassifikation und Entwicklungsverlauf verschiedener Spieltypen wie psychomotorische Spiele, Phantasie- und Rollenspiele, Bauspiele und Regelspiele.
- Analyse der spielpädagogischen Aufgabenbereiche und Rahmenbedingungen für gelingendes Spielen.
- Praktische Umsetzung spielpädagogischer Konzepte, illustriert am Beispiel des Geländespiels „Outback“.
- Untersuchung der Bedeutung von Spielraum, Spielmitteln und der Rolle der Spielleitung.
Auszug aus dem Buch
1.1. Das Kinderspiel aus einer motivationspsychologischen Perspektive
Heckhausen ist ein Vertreter der Motivationsforschung und hat eine Psychologie des Spiels entwickelt, die motivationelle Aspekte des Spielverhaltens erklärt und Faktoren ergründet, die Spannung im Spiel erzeugen. Anhand von fünf Merkmalen charakterisiert er das Kinderspiel (Heckhausen 1976, S. 135 ff.) :
Erstens ist Zweckfreiheit für das (Kinder-)Spiel bezeichnend, weil Menschen ungezwungen und freiwillig spielen, wobei sie ein wohltuendes Gefühl erfahren.
Zweitens wird das (Kinder-)Spiel durch einen sogenannten Aktivierungszirkel ausgelöst. Menschen suchen im Spiel eine lustvolle, psychische Spannung auf, die nach einer bestimmten Zeit plötzlich absinkt, dann wieder aufsteigt und erneut abfällt. Mit der Bezeichnung „Aktivierungszirkel“ möchte Heckhausen deutlich machen, dass sich die Spannungsfolge permanent wiederholt und sich ihr Verlauf „zackenförmig, im Sinne einer Kippschwingung, mit langsamem Anstieg und schnellem Abfall oder auch mit schnellem Anstieg und langsamem Abfall (vorzustellen ist)“ (Heckhausen 1976, S. 136).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Theoretische Ansätze zum Kinderspiel: Dieses Kapitel erläutert verschiedene psychologische und interaktionistische Theorien, die erklären, warum Kinder spielen und welche Rolle das Spiel bei der psychischen Anregung spielt.
2. Die Entwicklung des Kinderspiels: Der Autor kategorisiert Kinderspiele in vier Hauptgruppen – psychomotorische Spiele, Phantasie- und Rollenspiele, Bauspiele und Regelspiele – und beschreibt deren Bedeutung für die kindliche Entwicklung.
3. Spielen pädagogisch fördern und initiieren: Dieses Kapitel widmet sich der Spielpädagogik und bietet praxisnahe Ansätze, wie Pädagogen Spielräume gestalten, Spielmittel auswählen und Gruppen bei Regelspielen didaktisch anleiten können.
Schlüsselwörter
Kinderspiel, Sozialisation, Spielpädagogik, Regelspiele, Rollenspiele, Bauspiele, psychomotorische Spiele, Spielmaterial, Entwicklung, Spielraum, Spielleitung, Spielmobilarbeit, Motivationspsychologie, Interaktion, Erziehung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Kinderspiel als ein komplexes Lernfeld und zentralen Faktor für die Sozialisation von Kindern im Alter von etwa 6 bis 12 Jahren.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Schwerpunkte liegen auf der theoretischen Einbettung, der Analyse verschiedener Spieltypen, der Bedeutung der ökologischen Umwelt sowie der konkreten spielpädagogischen Praxis.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Forschungsleitfrage lautet: „Welche Funktionen hat das Kinderspiel, und wie kann es spielpädagogisch gefördert und initiiert werden?“
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor stützt sich auf eine tiefgehende Literaturanalyse und Synthese etablierter psychologischer Theorien sowie auf seine eigene langjährige Erfahrung in der Kinder- und Jugendarbeit.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst theoretische Ansätze beleuchtet, gefolgt von einer detaillierten entwicklungspsychologischen Einordnung verschiedener Spielformen und schließlich die pädagogische Planung von Spielprozessen diskutiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Kinderspiel, Sozialisation, Spielpädagogik, Regelspiele, Spielmittel und pädagogische Förderung.
Welche Rolle spielt die Spielmobilarbeit in der Diplomarbeit?
Die Spielmobilarbeit dient als konkretes Praxisbeispiel für die spielpädagogische Gestaltung von ökologischen Spielräumen und die aktive Einbindung von Kindern in die Stadtteilgestaltung.
Welches spezielle Geländespiel wird als Beispiel angeführt?
Der Autor stellt das von ihm entworfene Geländespiel „Outback“ vor, das als kooperative Spielkette didaktische Prinzipien der Spielpädagogik veranschaulicht.
- Quote paper
- Sascha Lock (Author), 2002, Kinderspiel als Sozialisationsfaktor und Lernfeld, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/11793