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Prävention von Burnout bei Lehrerinnen und Lehrern

Implikationen von Theorie und Forschung für die Individuums-, Organisations- und Schulsystemebene

Title: Prävention von Burnout bei Lehrerinnen und Lehrern

Master's Thesis , 2008 , 77 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Tobias Nahrwold (Author)

Pedagogy - Miscellaneous Topics
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Depressionen, häufig die letzte Stufe des Burnout-Syndroms als Folge übermäßiger Belastung, werden nach Einschätzungen von Experten bis zum Jahr 2020 das weltweit zweitgrößte Gesundheitsproblem nach Herzerkrankungen darstellen (vgl. WHO 2001, 7). Depressionen und Burnout sollten nicht nur entgegenwirkt werden, weil sie die zweitgrößte Ursache für Arbeitsausfälle und Frühpensionierungen sind, sondern auch, weil Wohlbefinden nach der WHO-Charta als Grundrecht und Entwicklungsziel für jedermann gilt (vgl. Sieland 2000, 35).
Mittlerweile wird angenommen, dass Burnout nicht nur in sozialen, sondern in allen Berufen auftreten kann. Immer mehr Arbeitgeber gestehen den Beschäftigten ein Sabbatical zu. Ist der Arbeitsplatz im Allgemeinen zu stressig, kommt nur noch Downshifting in Betracht. Ob sich hinter diesen Maßnahmen jedoch nur aktuelle Trends oder auch längerfristige Erholungsmöglichkeiten für einen Großteil der Bevölkerung verbergen, wird sich noch zeigen. Dabei ist Burnout – auch im Lehrerberuf – nichts Neues. Der Begriff wurde erstmals 1974 vom deutschamerikanischen Psychologen Herbert Freudenberger in einem psychologischen Kontext verwendet (vgl. Schmid 2003, 25). Doch bereits 1911 wurde in einem Artikel aus dem Oberpfälzer Schulanzeiger über eine Lehrerkrankheit namens Neurasthenie berichtet, deren Symptome wie Erschöpfung, verminderte Leistungsfähigkeit und Angstgefühle dem modernen Burnout-Syndrom stark ähneln (vgl. Barth 1992, 13-14 und Schmid 2003, 24).
Das nicht mehr steuerlich absetzbare häusliche Arbeitszimmer (vgl. Simon 2007), Zeitarbeitsverträge für junge Lehrer, die teilweise vor den Sommerferien entlassen und zum Beginn des neuen Schuljahres bei derselben Schule wieder eingestellt werden (vgl. Grüter 2008) sowie Überlegungen der niedersächsischen Kultusministerin Heister-Neumann zur Verschiebung des Überstunden-Ausgleiches (vgl. Berger 2008) stellen aktuelle in den Medien diskutierte Belastungen von Lehrern dar. Ebenso wird häufig über die hohe Burnout- und Frühpensionierungs-Quote im Lehrerberuf berichtet. Als Gründe werden oft destruktives Schülerverhalten und die zum Umgang hiermit fehlenden Ausbildungsangebote genannt, zugleich immer ‚schwierigere‘ Kinder und weniger intakte Familien (vgl. Tscharnke 2001, 16). Auch über die Prävention von Stress und Burnout im Allgemeinen existiert eine große Menge an populärwissenschaftlicher Literatur, vor allem über Entspannungstechniken.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Stress, Bewältigung und Burnout – Modelle und Definitionen

2.1 Stress als Reaktion und Reiz

2.2 Stress und Bewältigung als Transaktion

2.3 Burnout und (Über-)Belastung

3. Besondere Anforderungen in personenbezogenen Dienstleistungen und speziell im Lehrerberuf

3.1 Interaktionsstress und Kommunikationsdefizit

3.2 Lehrerpersönlichkeit und Lehrerbild

3.3 Veränderte gesellschaftliche Rahmenbedingungen

3.4 Besonderheiten des Lehrerberufs und der Institution Schule

4. Ausgewählte Befunde zu Stress, Burnout und Gesundheit bei Lehrern

4.1 Belastungssituation

4.1.1 Belastungen auf der Individuumsebene

4.1.2 Belastungen auf der Organisationsebene

4.1.3 Belastungen auf der Systemebene

4.2 Entlastungsmöglichkeiten

4.3 Überprüfung von Theorien

4.3.1 Transaktionales Stressmodell nach Lazarus et al.

4.3.2 Die sozial-kognitive Theorie: Selbstwirksamkeit nach Bandura

4.3.3 Entflammtsein als Ursache von Burnout?

5. Zusammenfassung und Perspektiven: Prävention und Intervention bei Stress und Burnout

5.1 Implikationen für die Systemebene

5.2 Implikationen für die Organisationsebene

5.3 Implikationen für die Individuumsebene

5.3.1 Ressourcen stärken, erholen und evaluieren

5.3.2 Disziplinförderung

5.3.3 Offener Unterricht und Methodenvielfalt

5.3.4 Arbeitsökonomie und Zeitmanagement

5.4 Perspektiven

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die theoretischen Grundlagen und empirischen Befunde zu Stress und Burnout bei Lehrkräften, um auf dieser Basis präventive und interventive Maßnahmen auf drei verschiedenen strukturellen Ebenen (Individuum, Organisation und Schulsystem) zu entwickeln.

  • Theoretische Modelle von Stress und Bewältigung sowie deren Bezug zum Burnout-Phänomen.
  • Spezifische Belastungsfaktoren im Lehrerberuf, insbesondere Interaktionsstress und die Rolle der Lehrerpersönlichkeit.
  • Empirische Erkenntnisse aus der Lehrerbelastungsforschung, speziell der Potsdamer Lehrerstudie.
  • Strategien zur Burnout-Prävention durch individuelle Ressourcenstärkung, Kooperation und Zeitmanagement.

Auszug aus dem Buch

3.1 Interaktionsstress und Kommunikationsdefizit

Eine Ursache für die Zunahme der weltweiten Stressbelastung (vgl. WHO 2001, 7) ist aus Sicht einer „Soziologie der Gefühlsregulierung“ nach BADURA (vgl.1990, 317) der Interaktionsstress in personenbezogenen Dienstleistungsberufen. Im direkten Kontakt von Mensch zu Mensch (face-to-face) kann man bekanntlich „nicht nicht kommunizieren“ (BADURA 1990, 318): Es ist die „tagtägliche ‚Bombardierung‘ mit mehr oder weniger intensiven Gefühlsäußerungen, bedingt durch permanenten Kommunikations- und Kontaktzwang nicht nur mit Arbeitskollegen und Vorgesetzten, sondern – und dies vor allem – mit Patienten, Schülern, Klienten usw.“ (ebd.) Dabei wird sich ganz den sozialen und emotionalen Bedürfnissen anderer Personen gewidmet, wobei die eigenen (vielleicht negativen bis feindseligen) Gefühle unterdrückt werden (vgl. ebd.).

BADURA definiert Stress im Sinne von LAZARUS et al. als Ungleichgewicht zwischen äußeren/inneren Anforderungen und den gegebenen Bewältigungsmöglichkeiten. Interaktionsstress ist nach BADURA (vgl. ebd., 320) ein Widerspruch zwischen den tatsächlichen Gefühlen gegenüber Personen (z.B. Angst, Feindseligkeit, Schuldgefühle) und der beruflich zwingend gebotenen emotionalen Zuwendung und sozialen Anerkennung. In Bildungseinrichtungen und Krankenhäusern tritt eine ‚Überdosis‘ an Interaktionsstress auf, da hier „permanent auf Kosten eigener auf Gefühle anderer eingegangen werden muß“ (ebd.).

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die steigende Relevanz von Burnout als gesundheitliches Problem, speziell im Lehrerberuf, und umreißt die Struktur der Arbeit.

2. Stress, Bewältigung und Burnout – Modelle und Definitionen: Dieses Kapitel erarbeitet theoretische Grundlagen zu Stress- und Burnout-Modellen, einschließlich des transaktionalen Stressmodells und des Konzepts der Selbstwirksamkeit.

3. Besondere Anforderungen in personenbezogenen Dienstleistungen und speziell im Lehrerberuf: Hier werden die spezifischen beruflichen Belastungen, wie Interaktionsstress, veränderte Rahmenbedingungen und die Rolle der Lehrerpersönlichkeit, analysiert.

4. Ausgewählte Befunde zu Stress, Burnout und Gesundheit bei Lehrern: Dieses Kapitel stellt empirische Studienergebnisse, insbesondere aus der Potsdamer Lehrerstudie, zur Belastungssituation und Wirksamkeit von Theorien vor.

5. Zusammenfassung und Perspektiven: Prävention und Intervention bei Stress und Burnout: Der Schlussteil leitet konkrete Handlungsempfehlungen für die System-, Organisations- und Individuumsebene ab, um Burnout wirksam entgegenzuwirken.

Schlüsselwörter

Lehrerberuf, Burnout, Stress, Bewältigung, Stressprävention, Arbeitsbelastung, Potsdamer Lehrerstudie, Lehrerpersönlichkeit, Selbstwirksamkeit, Interaktionsstress, Arbeitsökonomie, Zeitmanagement, Schule, Intervention, Gesundheit.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die Entstehung von Burnout im Lehrerberuf unter theoretischen und empirischen Gesichtspunkten und entwickelt daraus Ansätze zur Prävention.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Im Zentrum stehen die Belastungssituation von Lehrkräften, theoretische Stressmodelle, empirische Daten zu Bewältigungsmustern und konkrete Entlastungsstrategien.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, auf Basis wissenschaftlicher Theorien und empirischer Befunde Interventionsmöglichkeiten auf den Ebenen des Individuums, der Organisation und des Schulsystems aufzuzeigen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf einer umfassenden Literaturanalyse und der Auswertung bestehender empirischer Studien, insbesondere der Potsdamer Lehrerstudie, basiert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung (Stress, Bewältigung, Burnout), die Analyse der spezifischen Anforderungen im Lehrerberuf sowie die Darstellung und Überprüfung empirischer Befunde.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Lehrerberuf, Burnout-Prävention, Belastungsforschung, Arbeitsbezogene Verhaltens- und Erlebensmuster (AVEM) und Stressmanagement.

Warum ist laut der Potsdamer Lehrerstudie das Risikomuster A besonders kritisch?

Das Risikomuster A ist durch übersteigertes berufliches Engagement und Selbstüberforderung bei gleichzeitig mangelnder Widerstandsfähigkeit gekennzeichnet, was zu einem erhöhten Gesundheitsrisiko führt.

Welche Rolle spielt die Schulleitung bei der Burnout-Prävention?

Die Schulleitung ist ein zentraler Faktor: Soziale Unterstützung durch Vorgesetzte wirkt entlastend und trägt signifikant zur Verbesserung des kollegialen Klimas und der allgemeinen Arbeitsbedingungen bei.

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Details

Title
Prävention von Burnout bei Lehrerinnen und Lehrern
Subtitle
Implikationen von Theorie und Forschung für die Individuums-, Organisations- und Schulsystemebene
College
Bielefeld University
Grade
1,7
Author
Tobias Nahrwold (Author)
Publication Year
2008
Pages
77
Catalog Number
V117947
ISBN (eBook)
9783640214198
ISBN (Book)
9783640214358
Language
German
Tags
Prävention Burnout Lehrerinnen Lehrern Theorie Forschung Individuum Individuumsebene Organisation Organisationsebene Schule Schulsystem Schulsystemebene Stress Intervention Gegenmaßnahmen Ressourcen Disziplin Lehrer Lazarus Bandura Transaktionales Stressmodell Systemebene Selbstwirksamkeit Entflammtsein Sozial-kognitive Theorie Offener Unterricht Methodenvielfalt Arbeitsökonomie Zeitmanagement Persönlichkeit Lehrerpersönlichkeit Belastung Schaarschmidt Potsdamer Lehrerstudie Risikomuster
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Tobias Nahrwold (Author), 2008, Prävention von Burnout bei Lehrerinnen und Lehrern, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/117947
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