Die vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich mit dem Film Touki Bouki (1973; Senegal) von Djibril Diop Mambéty. Der Regisseur thematisiert darin die post-koloniale Moderne, „die als politische, kulturelle und soziale Realität Senegals in einem starken Spannungsverhältnis zu den Traditionen des Landes steht“ . Er zeigt die Auswirkungen der verschiedenartigen Einflüsse am Beispiel eines jungen Paares, Mory und Anta, auf. In einem ersten theoretischen Teil der Arbeit soll dieses Spannungsgefüge, das Leben zwischen der afrikanischen Tradition und der europäischen Moderne, aufgezeigt werden. Dabei wird die allgemeine Situation veranschaulicht, denn die Gesamtheit der Aspekte des Kulturkonfliktes kann aufgrund ihres Umfanges nicht im Einzelnen dargelegt werden. Da die Hauptdarsteller ihre Zukunft in Paris sehen, wird in einem weiteren Komplex das Thema der Migration Betrachtung finden. Bei der Bearbeitung dieser Themen wurde ein besonderes Augenmerk auf die junge Generation gelegt, da diese auch in der darauffolgenden Filmanalyse den Haupt-untersuchungsgegenstand bilden. Dabei sollen in enger Anlehnung an den Film die Verhältnisse Morys und Antas zur bestehenden Gesellschaft untersucht werden: Welche Positionen nehmen sie dazu ein, welche Gründe haben sie für die Auswanderung nach Europa und welche Hoffnungen verbinden sie damit? In einem letzten Teil der Analyse soll das Filmende nähere Betrachtung finden. Dabei sollen die möglichen, vom Regisseur verfolgten, Intentionen herausgearbeitet und mit der afrikanischen Wirklichkeit in Bezug gesetzt werden. Touki Bouki ist ein sehr symbollastiger Film. Aufgrund des Umfanges der Arbeit wurden lediglich einige Szenen und deren Symbolik zur Untersuchung heran-gezogen. Die erzielten Ergebnisse basieren zudem primär auf eigener Interpretation, da eine Literaturbasis zum Film nur geringfügig vorhanden ist.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Afrika zwischen Tradition und Moderne
2.1. Gegenstandsbestimmung
2.2. Afrikanische Jugend im Kulturkonflikt
2.3. Migration
3. Filmanalyse Touki Bouki
3.1. Die Figuren
3.1.1. Mory
3.1.2. Anta
3.2. Der Traum von Paris
3.3. Migration – Ein Ausweg?
4. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen afrikanischer Tradition und europäisch geprägter Moderne am Beispiel des Films "Touki Bouki" von Djibril Diop Mambéty. Ziel ist es, die Identitätskonflikte der jungen Generation in Senegal sowie die Beweggründe und Konsequenzen der Migrationsbestrebungen nach Europa anhand der Hauptcharaktere Mory und Anta zu analysieren.
- Kulturkonflikt zwischen Tradition und Moderne
- Soziale und ökonomische Herausforderungen afrikanischer Jugendlicher
- Die Rolle der Migration als vermeintlicher Ausweg
- Symbolische Filmanalyse von "Touki Bouki"
- Identitätsfindung im postkolonialen Kontext
Auszug aus dem Buch
3.1. Die Figuren
Bereits in der Exposition erfährt der Zuschauer näheres über das Leben des jungen Senegalesen Mory: Eine Zebuherde bewegt sich langsam auf die Kamera zu, vorneweg reitet ein kleiner Junge auf einem der Tiere. Diese ruhige Szene wird durch leise Flötenmusik untermalt. Mit dem Herannähern der Herde wird die Musik immer lauter und wirkt fast bedrohlich. Nun wechselt die Szene in ein Schlachthaus. Die Geräuschkulisse besteht aus Rufen der schmerzleidenden Rinder und dem Stimmengewirr der Schlachter, welche die Tiere durch das Aufschneiden der Kehle töten. Ein erneuter Szenenwechsel zeigt den Jungen auf dem Rind allein in der Savanne. Ein immer lauter werdendes Motorengeräusch löst die im Hintergrund zu vernehmende Flötenmusik ab. Der Zuschauer blickt nun, als säße er selbst auf einem Motorrad, in Fahrrichtung auf dessen Lenker, der mit großen Zebuhörnern geschmückt ist. Erst die letzte Einstellung lässt Mory als Fahrer erkennen. Er fährt durch einen ärmlichen Vorort von Dakar auf eine Hauptstraße. Es wirkt, als ob die ihm nachlaufenden, schrill schreienden Kinder ihn ‚jagen’.
Mambéty verdeutlicht hier das Spannungsverhältnis zwischen der postkolonialen Moderne und der Tradition, indem er zum einen ein traditionelles Afrikabild durch die Herde der Zebus und zum anderen die industrielle Wirklichkeit der Schlachthöfe präsentiert - Natur und Technik stehen sich gegenüber. Der Bereich der Viehwirtschaft musste in postkolonialer Zeit immer mehr dem Modernisierungsprozess weichen. Auch musikalisch wird der Gegensatz dieser beiden Seiten unterstützt. In diesem Spannungsgefüge steht Mory selbst, denn das Kind ist er als Viehhirte, dessen Tiere zum Schlachthof geführt werden. Er scheint sich keiner der beiden Seiten fest zugehörig zu fühlen, wie sein Motorrad stellvertretend symbolisiert: Das Fahrzeug selbst steht für den Fortschritt, für die europäische Moderne, die das einfache Vieh als Fortbewegungsmittel abgelöst hat.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Thematik des Films "Touki Bouki" und Darstellung der zentralen Fragestellung bezüglich des Lebens im postkolonialen Spannungsfeld.
2. Afrika zwischen Tradition und Moderne: Theoretische Grundlegung des Kulturkonflikts, der Situation afrikanischer Jugendlicher und der Motive für Migration.
3. Filmanalyse Touki Bouki: Detaillierte Untersuchung der Hauptfiguren, ihres Traums von Paris und der Symbolik des Filmendes.
4. Schlussbetrachtung: Synthese der Analyseergebnisse mit dem Fazit, dass die Zukunft Senegals im Land selbst und in der Selbstbestimmung liegt.
Schlüsselwörter
Touki Bouki, Djibril Diop Mambéty, Senegal, Postkolonialismus, Tradition, Moderne, Identitätskrise, Migration, Kulturkonflikt, Jugend, Selbstfindung, Paris, Afrika, Gesellschaftswandel, Filmanalyse.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die postkoloniale Realität Senegals und den daraus resultierenden Kulturkonflikt am Beispiel des Films "Touki Bouki" von Djibril Diop Mambéty.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zu den Schwerpunkten gehören das Leben im Spannungsfeld zwischen Tradition und Moderne, die Identitätsfindung der jungen Generation sowie die Ursachen und Auswirkungen der Migration.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Die Arbeit untersucht, wie der Regisseur den Kulturkonflikt filmisch umsetzt, welche Positionen die Hauptfiguren Mory und Anta einnehmen und wie das Filmende in diesem Kontext zu bewerten ist.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine Filmanalyse, die durch theoretische soziologische und ethnologische Konzepte zum kulturellen Wandel in Afrika gestützt wird.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in einen theoretischen Teil zur soziokulturellen Situation in Afrika und einen analytischen Teil, in dem die Figuren Mory und Anta sowie die symbolische Bedeutung des Traums von Paris interpretiert werden.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Zentrale Begriffe sind Identitätsfindung, Postkolonialismus, Migration, Kulturkonflikt und das Spannungsverhältnis zwischen Tradition und Moderne.
Welche Rolle spielt das Motorrad im Film laut der Analyse?
Das Motorrad symbolisiert den Zwiespalt Morys: Es steht als technisches Fahrzeug für die europäische Moderne, während die geschmückten Zebuhörner seine tiefe Verbundenheit mit der Tradition andeuten.
Warum gelangt die Autorin zu dem Schluss, dass Migration kein Ausweg ist?
Die Analyse zeigt, dass sowohl die Protagonisten als auch die Realität der Migration von Idealvorstellungen geprägt sind, die in der harten Wirklichkeit und der Fremdwahrnehmung in Europa zerschellen.
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- Nina Hollstein (Author), 2007, Afrikanische Jugendliche in einem Leben zwischen Tradition und Moderne, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/117957