Intertextuelle Bezüge des Parzival im "Willehalm" Wolframs von Eschenbach


Examensarbeit, 2008
101 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Gegenstandsbestimmung
2.1. Die Werke – Zeitgenössische Rezeption und Publikum
2.2. Intertextualität
2.2.1. Das zugrunde gelegte Intertextualitätskonzept
2.2.2. Funktionen intertextueller Bezüge
2.2.3. Exkurs: Zum Problem der Mündlichkeit in der mediävistischen Intertextualitätsforschung

3. Intertextuelle Bezüge des Parzival im Willehalm
3.1. Der Willehalm vor dem Hintergrund des Parzival
3.2. Intertextuelle Bezugnahmen auf Parzival -Figuren
3.2.1. Anfortas
3.2.2. Feirefiz und Secundille
3.2.3. Gahmuret
3.2.4. Parzival
3.2.4.1. Parallelen zwischen Rennewart und Parzival
3.2.4.2. Parzival als Folie für Rennewart?
3.2.5. Gawan
3.2.6. Die Besiegten im Kampf mit Feirefiz
3.2.7. Alîze
3.3. Intertextuelle Bezugnahmen auf nicht personenbezogene Parzival - Elemente
3.3.1. Artushof und Gralswelt
3.3.2. Der Wald Lignaloe
3.3.3. Die Lanzenschäfte aus Oraste Gentesîn
3.4. Bezugnahmen auf Themen und Handlungsmotive des Parzival

4. Funktionen der intertextuellen Bezüge des Parzival im Willehalm

5. Der Willehalm - Weiterführung oder Kontrastbildung
zum Frühwerk?

6. Schlussbetrachtungen

7. Anhang

8. Literaturverzeichnis

„Es gibt kein literarisches Werk, das nicht, in einem bestimmten Maß und

je nach Lektüre, an ein anderes erinnert. (...) Aber (...) manche [machen es] mehr (oder offensichtlicher, massiver und expliziter) als andere.“

(Gérard Genette; 1993)

1. Einleitung

Die vorliegende Examensarbeit befasst sich mit den beiden Werken Wolframs von Eschenbach, dem Parzival (~1200/10) und dem unvollendeten Willehalm (~1210/20). Doch nicht nur den Autor haben diese beiden Dichtungen gemeinsam, sondern Wolfram stellt im Verlauf der jüngeren Dichtung auch intertextuelle Bezüge zwischen ihnen her.

Dass sich mittelalterliche Texte auf andere beziehen, ist bekannt, seit sich die Forschung mit diesen Werken auseinandergesetzt hat. Doch zunächst zeigten eine Vielzahl von Untersuchungen lediglich die Quellen und die Einflüsse auf, welche den Übernahmen und Verweisen zu entnehmen waren. Erst in den achtziger Jahren des 20. Jahrhunderts - und damit relativ spät - hat die Frage nach dem Sinn der Anspielungen auf ein vorangegangenes Werk, und damit überhaupt erst der Intertextualitätsbegriff, Einzug in die mediävistische Forschung gefunden[1].

Eben dieser Frage nach dem Grund für die intertextuelle Bezugnahme seitens des Autors wird diese Arbeit nachgehen. Auf der Basis einer Analyse der Intertextualitäten wird sich vor allem mit der Frage nach deren Bedeutung und Funktion für die Texte und die Rezipientenschaft beschäftigt.

Doch vor einer interpretatorischen Auseinandersetzung mit diesem zentralen Untersuchungsgegenstand der Arbeit soll in einem ersten Teil die Frage nach der Rezeption der beiden Werke Wolframs relevant werden. Denn nur, wenn von der Kenntnis des älteren Werkes seitens der Rezipientenschaft auszugehen ist, können die Verweise innerhalb der neueren Dichtung verstanden werden.

Danach erscheint es sinnvoll, kurz den theoretischen Standort zu skizzieren, von dem diese Analyse ausgeht. Die Bandbreite der Veröffentlichungen, die sich mit dem Intertextualitätsbegriff auseinandersetzen, ist sehr groß und der Begriff selbst dementsprechend diffus geworden. Aus diesem Grund wird auf einen umfassenden Überblick über die Intertextualitätsforschung verzichtet, da es Aufgabe und Ziel dieser Arbeit sein wird, einen eigenen, spezifischen Intertextualitätsbegriff für die Beziehung zwischen den beiden Werken Wolframs zu erarbeiten. Nach einer kurzen Skizzierung der möglichen Funktionen von intertextuellen Bezügen wird das Hauptaugenmerk auf der eigentlichen Analyse der einzelnen Willehalm -Textstellen liegen. Mit Hilfe der darin erzielten Ergebnisse sollen die obigen Fragestellungen beantwortet und ein möglichst genaues Bild von den einzelnen Funktionen und der Intensität der intertextuellen Bezüge des Parzival im Willehalm Wolframs von Eschenbach erarbeitet werden.

Die Verweise zwischen den Werken werden innerhalb der Forschung durchaus zur Kenntnis genommen und nach ihrem Auftreten im Willehalm chronologisch aufgelistet[2]. Eine umfassende Darstellung und Analyse aller Bezüge ist bisher jedoch ausgeblieben. Um eine solche zu erarbeiten, wird neben den einschlägigen Monographien und Aufsätzen der Parzival - und Willehalm -Forschung vor allem eng mit den Texten Wolframs gearbeitet. Als Primärtexte dienen die Willehalm -Textausgabe von Werner Schröder (2003)[3] und die Parzival -Ausgabe von Karl Lachmann (2003)[4], die damit Ausgangspunkt der Analyse sein sollen.

2. Gegenstandsbestimmung

2.1. Die Werke – Zeitgenössische Rezeption und Publikum

Der Parzival ist ein Artus-Gral-Roman aus dem Stoffkreis der keltischen Sagen um König Artus und die Ritter der Tafelrunde. Der Autor erzählt in verwobenen Handlungssträngen die ritterlichen Aventiuren zweier Hauptfiguren: Einerseits die Entwicklung des Titelhelden Parzival vom unwissenden Jüngling zum Gralskönig und andererseits die abenteuerlichen Bewährungsproben für den Artusritter Gawan.

Das Werk ist vermutlich im ersten Jahrzehnt des 13. Jahrhunderts entstanden. Als französische Vorlage diente Wolfram der unvollendete Conte du Graal von Chrétien de Troyes, wobei er diesem gegenüber zahlreiche Veränderungen und Erweiterungen vorgenommen hat.

Konkrete Aussagen über den Wirkungsbereich der mittelalterlichen Autoren, deren Mäzene oder das Publikum, vor welchem die Romane mündlich vorgetragen wurden, lassen sich häufig überhaupt nicht oder nur mit großer Unsicherheit treffen. Die Tatsache, dass zur Entstehung eines solchen Werkes die Quellen beschafft werden mussten sowie gewisse materielle Arbeitsmittel notwendig waren, lassen „einen hochadligen Gönner voraussetzen“[5]. Im Fall des Parzival lässt sich der Auftraggeber jedoch nur vermuten, da Wolfram ihn an keiner Stelle nennt. Innerhalb der Forschung wird, wenn auch unsicher, Landgraf Hermann von Thüringen als einer der Mäzene angenommen, da der Autor ihn mit seinem Werk in Verbindung bringt (vgl. Pz. 297,16-23). Insgesamt wird von mehreren Gönnern im fränkisch-bayerischen Raum ausgegangen[6]. Als Vortragsort der mittelalterlichen Epen wird der Hof angenommen, da besonders an den großen Höfen ein reges Interesse an der französischen Gesellschaftskultur und deren Dichtung herrschte[7]. Eine etwas genauere Auskunft über den Rezipientenkreis ist nur über die Verweise, die der Autor selbst in sein Werk einfließen lässt, zu gewinnen. Es fallen dabei vor allem die zahlreichen innerliterarischen Hinweise auf Persönlichkeiten, Ereignisse oder Örtlichkeiten aus anderen Texten auf. Besonders häufig werden auf Hartmann von Aues Erec und Iwein sowie Dichterkollegen wie Heinrich von Veldeke und Walther von der Vogelweide angespielt. Selbstverständlich muss Wolfram selbst also deren Texte gekannt haben, zugleich aber davon ausgegangen sein, dass auch sein Publikum Kenntnisse über sie hat[8]. Wolfram trug seine Dichtung also mit aller Wahrscheinlichkeit einem höfischen und literarisch gebildeten Rezipientenkreis vor.

Das Werk selbst war ein großer Erfolg und wird in der Forschung als der beliebteste höfische Roman des Mittelalters gehandelt[9]. Im 13. Jahrhundert ist kein anderes Epos so häufig zitiert, abgeschrieben und bebildert worden. Seine literarische Rezeption setzte unmittelbar nach dem ‚Erscheinen’ des Parzival ein und reichte bis in den Beginn des 16. Jahrhunderts hinein. Dabei wurde zum Beispiel der von Wolfram ausgesparte Schluss im Jüngeren Titurel (um 1260-75) von Albrecht[10] weitergedichtet oder einzelne Figuren, Handlungsstränge sowie sprachliche Besonderheiten Wolframs sind zum Gegenstand anderer Werke geworden. Die vielen Wolframnennungen anderer zeitgenössischer Autoren lassen auf eine große Bekanntheit und Beliebtheit des Dichters und seiner Werke schließen. So bezeichnet beispielsweise Wirnt von Grafenberg in seinem Wigalois (1210-1215) Wolfram als einen weisen Mann mit großem Kunstsinn, dem gegenüber kein Laie je besser gedichtet habe[11]. Im Ganzen dürfte es „kaum einen späteren Verfasser höfischer Epen in Deutschland gegeben haben, der nicht mit dem Parzival vertraut war“[12].

Insgesamt sind 15 nahezu vollständige Handschriften sowie etwa 71 Fragmente überliefert. Davon fallen allein 44 in das 13. Jahrhundert. Stellt man diesen Zahlen etwa den Erec Hartmanns mit insgesamt vier handschriftlichen Überlieferungen, wovon nur zwei in das 13. Jahrhundert fallen, oder das Nibelungenlied mit elf für dasselbe Jahrhundert gegenüber, so erfuhr der Parzival im Vergleich zu anderen Werken derselben Entstehungszeit[13] in dominierender Weise Verbreitung[14].

Der Parzival wurde mehr als alle anderen Texte um 1200 rezipiert. Ausgehend von dieser Verbreitung kann man annehmen, dass das Frühwerk Wolframs nicht nur ein integraler Bestandteil der Literatur des 13. Jahrhunderts darstellte[15], sondern ihm besonders in dieser Zeit eine außerordentliche Bekanntheit zuteil wurde.

Das unvollendete Epos Willehalm ist nach dem Parzival, etwa 1210-1220, entstanden. Das Werk ist eine Bearbeitung der altfranzösischen Chanson de Geste La Bataille d’Aliscans aus dem Sagenkreis um Guillaume d’Orange. Das zentrale Thema stellt der Konflikt zwischen Orient und Okzident dar. Wolfram macht damit ein bereits seit der Antike beliebtes Thema zum Mittelpunkt[16]. In zwei Schlachten auf Alischanz kämpfen die Christen unter der Führung des Markgrafen Willehalm gegen die Heiden. Nachdem sie in ersterer vernichtend geschlagen werden, endet die Entscheidungsschlacht mit einem christlichen Sieg. Die Kämpfe sind nicht nur religiös und politisch, sondern auch durch persönliche Rache motiviert.

Wie bereits für den Parzival, so ist auch für den Willehalm wahrscheinlich, dass die Rezeption im Wesentlichen innerhalb einer adligen Publikumsschicht erfolgte[17] und der Hof als Vortragsort diente. Doch anders als bei seinem Frühwerk, bei dem der Rezipientenkreis, besonders durch den zeitgenössischen Erec und Iwein Hartmanns, mit der Gattung des Artusromans vertraut gewesen ist, verfasste Wolfram die Willehalm -Dichtung etwa 30 Jahre nach Aliscans, also für ein Publikum, dem der Chanson de Geste-Zyklus selbst nicht bekannt war[18]. Auch allgemeine Kenntnisse über den Islam oder muslimische Lebensweisen können bei dem - meist analphabetischen Publikum - nicht vorausgesetzt werden. Dessen Hauptinteresse galt wohl vor allem denjenigen Themen, zu denen sie Bezüge zu ihrer eigenen Lebenswelt herstellen konnten, wie Kampf, minne, Rittertugenden oder höfische Prachtentfaltung. Somit muss bei den Zuhörern von einem anderen Erwartungshorizont ausgegangen werden[19].

Die Wirkung des Willehalm war kaum geringer als die des Parzival. Dies bezeugen die große Anzahl der erhaltenen Handschriften (Vgl. Anh. 1) sowie zahlreiche Bezugnahmen späterer Texte auf die Dichtung. Anspielungen auf Wolframs Werk finden sich beispielsweise in der Österreichischen Reimchronik Ottokars von der Steiermark oder in der zweiten Fortsetzung der Kaiserchronik[20].

An dieser Stelle kann festgehalten werden, dass sowohl der Parzival, als auch der Willehalm im 13. Jahrhundert von großer Bekanntheit waren, da sie eine beträchtliche Verbreitung erfuhren. Beide Dichtungen wurden an großen Höfen und vermutlich einem literarisch gebildeten Rezipientenkreis vorgetragen, denn die vielen innerliterarischen Bezugnahmen lassen auf Kenntnisse der Zuhörer schließen. Ob dies tatsächlich auf jeden einzelnen Zuhörer zutrifft, kann die vorangegangene Darstellung der zeitgenössischen Rezeption sicher nicht beweisen. Zudem ist fraglich, ob eine Person beide Werke kannte. Da jedoch die außerliterarischen Anspielungen für den Parzival und den Willehalm oft dieselben sind, wie zum Beispiel der Raum um den Thüringer Hof, ließe sich dieser für beide als einer der Vortragsorte annehmen[21]. Ob gleicher Vortragsort gleiches personales Publikum verheißt, muss an dieser Stelle offenbleiben, wobei die geringe zeitliche Distanz zwischen der ‚Erscheinung’ beider Werke einen, zumindest zum Teil, identischen Rezipientenkreis möglich erscheinen lässt. Allein die Tatsache, dass der Parzival durch die intertextuellen Bezüge im Willehalm von Wolfram als bekannt vorausgesetzt wird, muss hier als Indiz für dessen Kenntnis seitens der Zuhörer genügen.

Insgesamt muss aber bei allen Hinweisen „auf den intendierten Wirkungs- und Hörerkreis und auf die literarischen Kenntnisse des Publikums“[22] ihre Scheinhaftigkeit betont werden, da weder die Intention des Autors, noch die Rezeptionsvoraussetzungen eindeutig rekonstruierbar sind[23].

2.2. Intertextualität

2.2.1. Das zugrunde gelegte Intertextualitätskonzept

Julia Kristeva erwähnte in ihrem Aufsatz von 1967 Bakhtine, le mot, le dialogue et le roman[24] erstmalig das Wort intertexte. Inhaltlich lässt sich das Phänomen der Intertextualität jedoch schon weit vor Kristeva, in Form von Zitaten, Anspielungen, Imitationen, Quellen, Parodien und anderen, finden. Das Neue in den 60er Jahren lag vor allem darin, dass sich nun mit dem Begriff der Intertextualität ein Globalbegriff etablierte, der all diese Formen in einem Wort zusammenfasste[25]. Doch Hermann Meyer sah durch diesen allgemeinen und weiten Begriff die Gefahr, „ins Uferlose [zu] geraten“[26]. Wenngleich also dieser Oberbegriff sicher nicht für all die unterschiedlichen Phänomene eingesetzt werden kann, so bilden diese doch die wichtigsten Bausteine der Intertextualität[27].

Eine unumstrittene Feststellung innerhalb der Forschung ist also, dass die Theorie der Intertextualität eine Theorie der Beziehungen zwischen Texten ist. Umstritten ist dabei jedoch, welche Arten der Beziehungen darunter gefasst werden sollen: Die Skala reicht von der Ansicht, dass Intertextualität als Eigenschaft von Texten allgemein erscheint (Modell des Poststrukturalismus), bis hin zur Auffassung, dass sie eine spezifische Eigenschaft bestimmter Texte oder Textklassen sei (Modell des Strukturalismus). Die erste und weitere Konzeption fasst Intertextualität als prinzipielle Signatur von Texten, die in einem regressus ad infinitum[28] auf andere Texte verweisen, auf. Demzufolge bauen sich alle Texte als Mosaik von Zitaten auf[29], denn „[j]eder Text ist Reaktion auf vorausgegangene Texte, und diese wiederum sind Reaktionen auf andere“[30]. Ein solches allgemeines Konzept mit der Annahme eines „universalen Intertextes“[31] ist als konkrete Analyse- und Interpretationskategorie aber nur wenig geeignet, da damit die spezifische Form intertextueller Bezugnahme im Einzeltext nicht treffend zu erfassen ist. Aus diesem Grund erfolgten zahlreiche Versuche, die verschiedenen Formen der Intertextualität zu klassifizieren und den Begriff weiter einzuengen. So unterscheidet Renate Lachmann mit Bezug auf den verwandten Begriff der Dialogizität[32] zwischen einer textontologischen und einer textdeskriptiven Eingrenzung. Ersterer meint die oben bereits angesprochene „generelle Dimension von Texten überhaupt, [also den] Text als Bestandteil eines ‚Universums’ miteinander korrespondierender Texte“[33]. Der textdeskriptive Aspekt begreift Dialogizität „als spezifische Form der Sinnkonstitution von Texten“, das heißt „den Dialog mit fremden Texten (Intertextualität)“[34]. Da ein literarisches Werk kaum in der Lage ist, zu allen Texten in Beziehung zu treten, erscheint laut Wolfgang Preisendanz „Intertextualität nicht als universelles Prinzip ästhetischer Literatur bzw. Rezeption (...), sondern als eine Möglichkeit, eine Alternative, ein Verfahren des Bedeutungsaufbaus literarischer Werke“[35]. Damit wird Intertextualität also zum „Oberbegriff für jene Verfahren eines mehr oder weniger bewußten und im Text selbst auch in irgendeiner Weise konkret greifbaren Bezugs auf einzelne Prätexte [oder] Gruppen von Prätexten“[36].

In dieser Arbeit soll, wie es bereits die Themenstellung erwarten lässt, mit diesem engeren Begriff, welcher Intertextualität als werkspezifische Kategorie begreift, gearbeitet werden, wobei der konkrete Bezug auf einen Prätext, den Parzival, bereits festgelegt ist (Einzeltextreferenz[37] ).

Die intertextuellen Bezüge erfolgen, so viel sei an dieser Stelle bereits vorweggenommen, zumeist in Form der Anspielung oder des Zitats. Besonders diese beiden Formen werden in der Forschung stark diskutiert, da ihre Abgrenzung voneinander schwierig und der Übergang zum Teil fließend ist[38]. Unter der Anspielung, auch Allusion, wird hier deshalb „die indirekte Erwähnung als bekannt vorausgesetzter Gegebenheiten“[39] verstanden. Dabei werden im gegenwärtigen Text, hier dem Willehalm, Strukturen oder Teile des Parzival mittelbar wiedergegeben. Darüber hinaus können Objekte der Anspielung das Werk selbst sein oder Teile dessen, wie etwa Motive oder bestimmte Textstellen[40]. Unter dem Zitat wird hingegen die unveränderte und unmittelbare Übernahme des Prätextes, oder ein Teil desselben, in den Referenztext verstanden[41]. Der Umfang kann also vom einzelnen Wort bis zum vollständigen Text reichen[42]. Darunter fallen hier vor allem die Nennungen von Figuren- und Ortsnamen. Denn wie ein Zitat, so wiederholt auch ein wiederverwendeter Name „ein Sprachsegment des (...) Prätextes“[43]. Diese bestimmte Bezugsform wird auch als Interfiguralität bezeichnet[44]. Die unterschiedlichsten Figurenbeziehungen reichen dabei von der bloßen Namensähnlichkeit oder -gleichheit, bis hin zur Übernahme von Name samt Namensträger aus einem literarischen Werk in ein anderes[45].

Im Rahmen der Untersuchung soll die Markierung dieser intertextuellen Bezüge, beispielsweise durch die ausdrückliche Nennung der Quelle, jedoch nicht als unabdingbarer Bestandteil von Intertextualität aufgefasst werden, da bei entsprechender Bekanntheit von Texten (vgl. Kap. 2.1.) durchaus darauf verzichtet werden kann. Natürlich bleibt die Realisierung des Bezuges durch den Leser im Hinblick auf dessen Bedeutung und Funktion relevant[46].

Im Gegensatz zur gängigen Praxis in Teilen der Intertextualitätsforschung soll die Existenz eines Autors und damit auch einer Autorintention nicht in Frage gestellt werden. Denn an einigen Stellen, wie sich in der Analyse zeigen wird, erscheint der Bezug auf eine mögliche Intention Wolframs interessant und zum Teil sogar unumgänglich[47]. Hier wird also davon ausgegangen, dass der Autor bewusst einen Bezug zu seinem früheren Werk gewählt hat, der vom Rezipienten realisiert wird. „Intertextualität in diesem engen Sinne setzt also das Gelingen eines ganz bestimmten Kommunikationsprozesses [zwischen Autor und Publikum] voraus“[48].

Die hier formulierte Definition eines eingeschränkten Intertextualitätsbegriffs ist sicher nicht unproblematisch, da man damit Gefahr läuft, die traditionelle ‚sources and analogues’-Forschung der Moderne zu betreiben[49]. Aber, wie auch Manfred Pfister einlenkt, muss dem nicht so sein, „weil (...) hier Intertextualitätsforschung nicht einfach Spurensicherung bedeuten [soll], sondern die Integration der verschiedenen intertextuellen Verfahren und deren Funktionen als neuer Analysefokus wirksam werden [sollen]“[50].

2.2.2. Funktionen intertextueller Bezüge

Die Frage, was Autoren mit den verschiedensten Rückgriffen auf vorangegangene Texte bezwecken wollen, ist zentral und muss daher bei der Analyse jedes intertextuell-strukturierten Textes gestellt und beantwortet werden. Doch wie schon der Begriff der Intertextualität so sind auch die Funktionen sehr vielfältig und stark diskutiert[51]. Sie können, um nur einige zu nennen, von dem bloßen Spiel mit der Literatur, über die konkrete Figurencharakterisierung und -beschreibung und die Kommentierung der Erzählinhalte und Antizipation, bis hin zur Dramatisierung von Ereignissen und der Erzeugung von Komik reichen[52]. Des Weiteren können die Rückgriffe auf einen Prätext als Distanzierung von diesem funktionieren oder Kritik an ihm üben[53]. Häufig treten verschiedene Funktionen in einem Text gleichzeitig auf.

Für jeden einzelnen Text lässt sich ein solcher Katalog von Intertextualitätsfunktionen erstellen. Doch zunächst soll es Ziel und Zweck dieses Kapitels sein, eine Art systematisierende Grundlage für den hier zu untersuchenden Gegenstand zu erarbeiten. Dabei wird weitestgehend auf die umfassende Darstellung von Funktionstaxonomien und -modellen der Forschungsliteratur[54] verzichtet. Deren vorbehaltlose Anwendung könnte in der konkreten Textinterpretation zu Schwierigkeiten führen, da jedem Intertextualitätsbegriff ein eigener Funktionsbegriff zugrunde liegt. Die differenzierten funktionalen Aspekte sollen und können erst in der Analyse der einzelnen Textstellen herausgearbeitet werden.

Die Ausweitung des Intertextualitätsbegriffs von Julia Kristeva hat einen operationalisierbaren Funktionsbegriff weitgehend unmöglich gemacht. Ähnlich wie der Begriff, so wird auch dessen Funktion nahezu gegenstandslos[55]. Da sich im vorherigen Kapitel von der Definition Kristevas abgewandt wurde, muss folglich nach einem Funktionsbegriff für den eingegrenzten Intertextualitätsbegriff gesucht werden. Auch dabei ist es erneut Renate Lachmann, die eine erste Begrenzungsmöglichkeit liefert, indem sie dem Konzept der Intertextualität eine Doppelfunktion zuweist: Dabei wird zwischen einer Funktion für den Prätext, das heißt einer „Reinterpretation bekannter (...) Texte“[56] und einer Funktion für den neuen Text, der Erstinterpretation dessen, unterschieden. Um also die Funktion der Bezüge herausarbeiten zu können, müssen neben dem Folgetext auch die Prätexte explizit und vor allem separat benannt werden können. Eine Analyse von Einzeltexten wäre mit der Definition Kristevas, die von einem universalen Intertext ausgeht, nur bedingt möglich.

Jörg Helbig schließt sich der von Lachmann vorgeschlagenen Funktionszuweisung an, erweitert sie aber, neben der am Referenztext und am Folgetext orientierten Funktion, um die produzentenorientierte Funktion[57]. Dabei soll die Aufmerksamkeit des Rezipienten weniger auf den vorliegenden Text oder den Referenztext gelenkt werden, sondern vielmehr auf den Autor selbst, dessen Bestreben es ist, sich in einem Dialog mit dem Hörer zu renommieren, sich mitzuteilen oder zu rechtfertigen[58]. „Die Argumentation verfolgt hierbei vor allem zwei Zielsetzungen: (Selbst-)Verteidigung und Selbstdarstellung“[59]. Insgesamt sieht Helbig aber die sogenannte Rezipientenorientiertheit als die übergeordnete Grundfunktion an, denn die intertextuellen Bezüge bilden ein kommunikatives Bindeglied, über das eine Verständnis- oder Interpretationshilfe seitens des Autors für den Rezipienten geschaffen wird: Zunächst dient dabei der Einsatz von Intertextualitäten, wenn sie als solche auszumachen sind, zur Aufmerksamkeitserregung, da der Rezeptionsverlauf durch die „Wahrnehmung eines Störfaktors“[60] irritiert ist. Wird dieser als Referenz zu einem konkreten Text identifiziert, kommt es seitens der Rezipienten zur Aktualisierung von Konnotationen, die durch die Verbindung zum Referenztext freigesetzt werden. Wird diese Konnotation nun auf den präsenten Text übertragen, kann es zu neuen sinnerweiternden oder sinnstützenden Schlussfolgerungen für dessen Interpretation kommen[61]. Peter Stocker spricht in diesem Zusammenhang von einem semantischen Mehrwert für den Folgetext, unter Umständen aber auch für den Referenztext[62]. Die übergeordnete Rezipientenorientiertheit bedeutet also, dass die Leserschaft durch die vom Autor gesetzten intertextuellen Bezüge durch den neuen und älteren Text (referenzorientiert, textorientiert) gelenkt wird und darüber hinaus mögliche weitere Aussagen des Autors (produzentenorientiert) übermittelt bekommt[63].

Diese oben aufgezeigten Grundfunktionen von Intertextualität ließen sich in Anlehnung an Helbig noch in weitere Unterfunktionen unterteilen, die hier jedoch keine weitere Betrachtung erfahren sollen. Der Funktionsbegriff würde dadurch zu speziell und somit für die hiesige anwendungsorientierte Untersuchung unbrauchbar. Bis hierhin kann meines Erachtens das Modell Helbigs eine Hilfestellung für die Analyse der Intertextualitäten im Willehalm darstellen, wobei diese allgemeinen Funktionsbündelungen nur als vorläufige Schwerpunktsetzung verstanden werden sollen, die im Licht der Interpretationsergebnisse noch nähere Differenzierung erfahren werden.

Welche konkreten Funktionen die intertextuellen Bezüge im einzelnen, aber auch in ihrer Gesamtheit haben, soll schlussendlich die Analyse im Hauptteil dieser Arbeit aufzeigen.

2.2.3. Exkurs: Zum Problem der Mündlichkeit in der mediävistischen Intertextualitätsforschung

Innerhalb der Forschung ist viel diskutiert, ob das vorangegangene Intertextualitätskonzept mit seinen modernen Fragestellungen auf den Bereich des Mittelalters anwendbar ist. Vor allem das Problem der Mündlichkeit beschäftigt die mediävistische Intertextualitätsforschung. Schließlich handelt es sich bei dem mittelalterlichen ‚Text’ nicht um ein statisches Konstrukt, sondern er erhält durch seine mündliche Vortragssituation einen dynamischen Charakter[64]. Die Rezeption einer solchen Dichtung ist für den Zuhörer immer ein „einmaliger, flüchtiger (...) und individueller“[65] interpretatorischer Akt. Dies gilt zwar in der Form auch für den Leser eines Buches, jedoch ist diesem in der Regel der Rückgriff auf das schriftliche Werk möglich. Eine einmalige mündliche Aufführungssituation kann hingegen so nicht wiederhergestellt werden, da in jedem Vortrag die Stimme und Gesten des Darstellers variieren. Zudem ist es eher unwahrscheinlich, dass eine Person eine Dichtung zweimal hört.

Bezogen auf die hier zu untersuchenden Intertextualitäten ist also ungewiss, ob der Rezipient während der Aufführung, wenn die Bezüge zum Parzival erkannt wurden, diese in der Kürze der Zeit in ihrer Funktion deuten konnte. Der Grundbestandteil der Rezeption mittelalterlicher Dichtung ist somit die Arbeit des Zuhörers selbst[66], die speziell im vorliegenden Fall das sofortige Abrufen und Übertragen von bereits Gehörtem erfordert. Auch die Art der Markierung der intertextuellen Bezüge kann nur auf intonatorischer oder gestikulierender Ebene erfolgen[67] und muss dort realisiert werden.

Wie bereits unter 2.2.1. festgelegt, wird hier die Markierung keinen unabdingbaren Bestandteil von Intertextualität darstellen. Dies vor allem deshalb, weil die Erzählerintonation und die unterstützende Gestik aus der Vortragssituation, die unter Umständen ein Erkennungszeichen von Intertextualitäten darstellen können, nicht mehr nachvollziehbar sind. In schriftlichen Werken hingegen können Fußnoten oder graphische Hervorhebungen als Markierung von intertextuellen Bezugnahmen dienen.

Wenn im Folgenden also von Bezügen zwischen den Werken die Rede ist, müssen diese immer vor dem Hintergrund der Mündlichkeit betrachtet werden.

In den meisten Untersuchungen und Analysen zur Intertextualität der mittelalterlichen Literatur dient der Begriff weniger als Theorie, sondern mehr als Handwerkszeug, um den Erwartungshorizont des Publikums, das Problem der Quellen, Zitate oder Anspielungen in neuer Perspektive zu zeigen[68]. Intertextualität soll auch hier nicht als theoretisches Konstrukt verstanden werden, sondern als analytisches Instrumentarium, welches in der Interpretation beider Wolfram-Texte seine praktische Anwendung finden soll. Vor allem der rezeptionsästhetische Aspekt der Intertextualität, also der Erwartungs- und Wissenshorizont sowie das Verständnis der Rezipienten bilden hier, neben der rein inhaltlich-interpretatorischen Bedeutung für die Werke, die zentralen Betrachtungsweisen der Analyse.

3. Intertextuelle Bezüge des Parzival im Willehalm

3.1. Der Willehalm vor dem Hintergrund des Parzival

Im Prolog des Willehalm stellt sich Wolfram dem Rezipienten als Parzival -Autor vor:[69]

ich Wolfram von Eschenbach,

swaz ich von Parzival gesprach,

des sin aventiure mich wiste,

etslich man daz priste. (Wh. 4,19-22)

Damit präsentiert er sich gleich zu Beginn vor dem Hintergrund des eigenen dichterischen Wirkens. Interessant an dieser Stelle ist die Art und Weise der wolframschen Vorstellung. Denn hieß es im Parzival noch „ich bin Wolfram von Eschenbach“ (Pz. 114,12), so tritt er in seinem Spätwerk als „eine mittlerweile bekannte Personalität, die sich nicht mehr vorstellen [und] die eigenen Fähigkeiten nicht mehr ausdrücklich betonen mu[ss]“[70], auf. Wolfram setzt hier folglich die Kenntnis seiner Person beim Zuhörer voraus.

An anderer Stelle wird dies explizit vom Autor formuliert: Als er beginnt, von der Gewalt und Erbarmungslosigkeit der ersten Kämpfe auf Alischanz zu berichten, verdeutlicht er dies, indem alles, was er e da von gesprach (Wh. 10,22), nicht mit den hiesigen Darstellungen zu vergleichen sei. Durch den scheinbar selbstverständlichen Verweis auf bereits Erzähltes kann das Publikum also mit den Werken Wolframs als vertraut vorausgesetzt werden[71]. Somit erfährt das unter 2.1. erzielte Ergebnis zur Bekanntheit des Parzival und Willehalm durch das Selbstverständnis ihres Dichters erneute Unterstützung.

Annette Volfing sieht in der ausdrücklichen Nennung des Werkes die Erinnerung an Wolframs fähige und kompetente Bearbeitung des unvollendeten Conte du Graal (1180/90) von Chrétien de Troyes. Den als „standard for comparisons“[72] geltenden Parzival gleich zu Beginn als gemeinsamen Bezugsrahmen für eine gebildete Rezipientenschaft einzuführen, erweist sich laut Volfing als eine Art Marketing-Strategie des Autors. Man könnte also annehmen, diese und folgende Anspielungen auf das erfolgreiche Frühwerk sollen das eigene Ansehen und das des neuen Werkes erhöhen[73]. Dieser Ansicht schließt sich Joachim Bumke an. Er bezieht aber, anders als Volfing, die kurz nach der Autorennennung folgende Kritik, die am Parzival geübt wurde, mit ein[74]:

ir was ouch vil, diez smæhten

unde baz ir rede wæhten. (Wh. 4,23-24)

Die negative Beurteilung wird von Wolfram nicht näher ausformuliert, aber die zeitgenössischen Reaktionen auf das Werk waren offensichtlich unterschiedlich. In der Forschung ist man sich einig, dass Wolfram hier vor allem an Gottfried von Straßburg (1180-1215) gedacht haben dürfte[75]. Dieser hatte im Literaturexkurs des Tristan (1210) Hartmann von Aue den höchsten Rang unter den Dichtern zuerkannt[76], wohingegen er „die Ansprüche anderer – wobei er Wolfram meint[e], ohne ihn zu nennen – zurückgewiesen hatte“[77]. Gottfrieds Kritik mündet in einem vernichtenden Gesamturteil über den Autor und sein Werk, wobei sich diese Art des deutlichen Angriffs als einmalig in der Wolfram-Rezeption erwiesen hat[78]. Dass der Autor hier sehr zurückhaltend und lediglich anspielend auf die Kritik reagiert, könnte darauf hindeuten, dass das Augenmerk nun auf die neue, aktuelle Geschichte gerichtet werden soll[79]:

gan mir got so vil der tage,

so sag ich minne und ander klage (Wh. 4,25-26)

(...)

unsanfte mac genozen

Diutscher rede deheine

dirre die ich nu meine,

ir letze und ir beginnen. (Wh. 4,30-5,3)

Die wenig später folgenden Zeilen stützen diese Annahme: daz süezer rede wart nie getan (Wh. 5,10).

Das Selbstbewusstsein des Autors im Hinblick auf das alte und neue Werk wird an weiterer Stelle unterstrichen, als Wolfram einen gewissen Cristjans (Wh. 125,20) als Verfasser seiner Quelle nennt. Die Vermutung liegt nahe, dass damit Chrétien de Troyes, Autor der Parzival -Hauptquelle Conte du Graal, gemeint ist[80]. Wolfram wirft ihm dichterische Ahnungslosigkeit (Wh. 125,22; tumpheit) vor: In Chrétiens Dichtung habe Willehalm in Laon einen alten Zwillich getragen. Wolfram kritisiert diese ungenaue Wiedergabe, da der Markgraf im Kampf mit dem Perser Arofel kostbaren Schmuck errungen hatte und diesen nun in Laon trägt (vgl. Wh. 125,20-27). Diese Verse können auch als Metapher verstanden werden: So armselig wie Chrétien Willehalm gekleidet hat, so armselig hat er ihn auch be- und geschrieben[81]. Doch warum kritisiert der Erzähler an dieser Stelle einen Autor, der nichts mit der Aliscans -Vorlage zu tun hat? Die Antwort ist laut Kiening im Parzival zu suchen, da die Begriffe tumpheit und wân zentrale Signale dafür seien, diesen Willehalm -Abschnitt mit dem im Frühwerk initiierten Diskurs zu lesen. Zudem wird direkt nach der Nennung Chrétiens ein Bezug zum Parzival hergestellt, indem die Figuren Feirefiz und Secundille (vgl. Wh. 125,28-29) angeführt werden[82]. Wolfram hatte bereits darin Chrétiens Autorität als Dichterperson untergraben. In dessen Epilog versicherte er dem Publikum, dass er nicht der fehlerhaften und fragmentarischen Fassung Chrétiens gefolgt sei, sondern berief sich auf die Ausführungen eines gewissen Kyots (vgl. Pz. 827,1-5). Diese Berufung auf den französischen Provenzalen wird in der Forschung zumeist als Quellenfiktion angesehen, denn der Vergleich zum Conte du Graal weist eine deutliche Textabhängigkeit auf[83].

Die gegen Chrétien gerichtete Polemik kann in erster Linie als „Unterordnung der Quelle unter das Erzählen und Erfinden des jeweils neu Gestalteten“[84] verstanden werden. Die Verse im Willehalm können ebenfalls in diesem Sinne begriffen werden, ausgehend davon, dass sich Wolfram „der gattungsmäßigen Anonymität der Chanson bewußt gewesen“ und die Stelle nicht als Irrtum, sondern „als bewußte Irreleitung zu verstehen“[85] ist. Diese Wiederaufnahme der Kritik erhöht die Autorität Wolframs als Dichter von Erneuerungen im Vergleich zur Quelle und ist ein deutlicher Ausdruck seines Selbstbewusstseins.

Die Nennung Chrétiens kann aber auch einem anderen funktionalen Zweck dienen: Um seinen Kritikern gezielt etwas entgegenzusetzen, betont er seine Autorenrolle als Übermittler von bereits Vorgegebenem: hat mirz diu aventiure gesaget, so sag ich iu durh wen er leit (Wh. 42,8-9). „[A]ls quellengerechter Erzähler“[86] wiederhole er also nur das von Chrétien Geschaffene. Wenn nun die geschätzten Werke des Meisters des französischen Artusromans[87] denen Wolframs ähnlich sind, so müssen auch diese gut sein. Dadurch erfahren sowohl der Parzival, als auch der Willehalm eine Aufwertung, denn die Beurteilungen der Gegner können durch den Hinweis auf seine Quelle als unberechtigt zurückgewiesen werden. Wenn sich Wolfram damit aber bewusst hinter Chrétien verstecken wollte, um jeglicher Kritik zu entgehen, zeugt das eher von fehlendem Selbstbewusstsein. Damit widerspricht dieser Ansatz den zuvor erzielten Ergebnissen einer ausgeprägten Autorensicherheit. Denen möchte ich mich hier allerdings anschließen, da sie mir besonders durch die sicheren Textstellenbelege schlüssiger wirken.

Es ist das erste Mal in einem mittelalterlichen Prolog, dass ein Autor auf die Kritik an einem seiner vorhergehenden Werke eingeht. Ingrid Ochs sieht darin die konkrete Funktion, einer möglichen Kritik am Willehalm vorzubeugen. Unterstützt wird dies, indem er das Publikum auffordert, dass derjenige, der (...) werdekeit wil minnen, der lat dise aventiure in sinem huse ze viure: diu vert hie mit den gesten (Wh. 5,4-7)[88].

Die von Volfing oben angeführte Funktion erweist sich folglich als plausibel. Wolfram stellt sich als Parzival -Autor vor und lenkt, das erfolgreiche Frühwerk im Rücken, den Blick des Publikums auf das nun folgende Werk. Vor allem seine insgesamt sehr selbstbewusste Stellung zur geübten Kritik am Parzival und der eigenen Bearbeitung beider Werke lässt auf eine ausgeprägte Selbstsicherheit des Autors zu seiner dichterischen Tätigkeit schließen[89].

Von Beginn an bezieht Wolfram seine ältere Dichtung also in den Willehalm mit ein und weist sie damit als gemeinsame Erfahrungswelt für sich und sein Publikum aus. Ob dies allerdings kontinuierlich für die gesamte Erzählhandlung des Willehalm gilt, soll die nachstehende Analyse zeigen.

Die nun im Folgenden untersuchten intertextuellen Anspielungen auf den Parzival werden nicht nach ihrem chronologischem Auftreten im Willehalm geordnet, sondern gleich nach figuralen und thematischen Gesichtspunkten zusammengefasst und analysiert.

3.2. Intertextuelle Bezugnahmen auf Parzival -Figuren

3.2.1. Anfortas

Anfortas war König der Gralsburg in Wolframs Parzival -Epos und der Onkel des gleichnamigen Titelhelden. Die Figur wurde im gesamten Handlungsverlauf nahezu ausschließlich in Verbindung mit der schmerzenden Wunde durch einen vergifteten Speer erwähnt.

Umso interessanter und aufschlussreicher ist demnach die Sicht, die der Rezipient nun durch die folgende Bezugnahme auf Anfortas im Willehalm erhält:

do der milte Anfortas

in Orgelusen dienste was,

e daz er von vreuden schiet,

und der gral im sin volc beriet;

(...) (Wh. 279,13-16)

Auffallend ist hier, dass sich die Verweise auf den jungen Gralskönig nicht auf etwas beziehen, was direkt im Parzival geschehen ist. Nur durch kurze Anspielungen von Trevrizent in dem Gespräch mit Parzival könnte der Rezipient von dessen Zeit als Minneritter wissen:

sîn jugent unt sîn rîcheit

der werlde an im fuogte leit,

unt daz er gerte minne

ûzerhalp der kiusche sinne. (Pz. 472,27-30)

Amor was sîn krîe. (Pz. 478,30)

Aus dem Parzival selbst war später nur noch zu entnehmen, dass Anfortas seine harte Strafe wegen Orgeluse erhalten hatte.

Der Zuhörer wird hier also mit einem Verweis konfrontiert, dessen Inhalt im Parzival im Grunde fehlte. Die Lebensfreude und das unbeschwerte Leben des Anfortas’ werden erst jetzt im Willehalm angedeutet, wodurch die Beschreibung der Figur aus dem Parzival vervollständigt wird. Wolfram gibt an dieser Stelle folglich seinem Publikum Zusatzinformationen, indem er das ausarbeitet, was er in seinem Frühwerk nicht angesprochen hatte[90].

Willehalm, nachdem er der Erkennungsforderung Gyburcs, mit den fünfzehn Heidenkönigen zu kämpfen und ihr die Narbe an der Nase zu zeigen, nachgekommen war, ist endlich auf der heimischen Burg in Oransche angekommen. Gyburc pflegt liebevoll die Wunden des verletzten Markgrafen. Mit geblautem Diptam in Essig und Bohnenblüten verbindet sie ihn so, (...) daz Anfortas mit bezzerem willen nie genas (Wh. 99,29-30). Im Anschluss an diese Szene gewährt Gyburc Willehalm ihre Liebe.

Kiening sieht in diesem Vergleich eine raffinierte Umdeutung der Geschehnisse stattfinden[91]: Anfortas’ Leiden im Parzival war eine von Gott verhängte Sündenstrafe. Sein Vergehen bestand darin, (...) daz er gerte minne ûzerhalp der kiusche sinne (Pz. 472,29-30) gesucht hatte, obwohl einem Gralskönig die Ehefrau ausschließlich durch Gott bestimmt werden durfte[92]. Er erhielt seine Wunde, einen Speerhieb durch die Hoden, während er als Orgeluses Minneritter auf Abenteuer ausgeritten war. Das heißt, Anfortas hatte eben wegen der Liebesbegierde zu einer Frau seine Wunde erhalten. Im Willehalm hingegen mündet die Wundenpflege in einem erotischen Spiel der Liebenden - der Markgraf erfährt wegen der Minne zu seiner Frau die Wundheilung. Allerdings weist diese Stelle auch eine deutliche Parallele zwischen den beiden Charakteren auf, denn auch Willehalm steht eben wegen der Liebe zu Gyburc im Kampf, in welchem er seine Wunden erleidet. Bereits im Prolog stellt Wolfram die minne und ander klage (Wh. 4,26) als das zentrale Thema der Dichtung vor. Durch den intertextuellen Bezug zum Parzival und den wegen des Minnedienstes schmerzvoll leidenden Gralskönig wird der Zusammenhang zwischen Liebe und Leid im Willehalm erneut deutlich.

Das Paar wird hier mit der heiligen Gralswelt in Verbindung gebracht: Die Heilung Willehalms ist mit der des Anfortas zu vergleichen und Gyburcs fürsorgliche Art wird mit dem Wunderbaren, das die Heilung Anfortas’ umgab (vgl. Pz. 795,30-796,16), verglichen. Durch den Bezug zur Welt des lapsit exillis erfahren beide Figuren, aber besonders ihre eheliche Minne, eine Erweiterung um die heiligen und wunderbaren Gralseigenschaften (Pz. 469,3-4; (...) einem steine: des geslähte ist vil reine.). Die süeze minne erscheint hier am geeignetsten, um auch Anfortas zu heilen, den kein ärztliches Mittel von seinen Qualen hatte erlösen können. Gyburc erhält hier „Züge der Heilsbringerin, ihre Liebesvereinigung mit Willehalm wird zur Oase des Heils inmitten von Unheil und Bedrohung“[93] des vorangegangenen und erneut bevorstehenden Kriegsgeschehens auf Alischanz.

In einer weiteren Textpassage tritt Alyze, die Tochter des französischen Königs Loys, vor die versammelte Hofgesellschaft in Laon. Allein ihr Anblick besänftigt Willehalm, der aufgrund des Streits mit seiner Schwester und französischen Königin außer sich vor Wut ist (vgl. Wh. 154,4-5), da sie ihm die Unterstützung für den erneuten Kampf gegen die Heiden verweigert. Der Erzähler kommentiert die Situation wie folgt:

Alyse diu sældenbære,

man möht uf eine wunden

ir kiusche han gebunden,

da daz ungenante wære bi:

belibe diu niht vor schaden vri,

si müese engelten wunders. (Wh. 154,20-25)

Alyzes Reinheit ist so heilbringend, dass sie allein die Wunden der Kränkung des Markgrafen heilt. Zudem bringt ihre kiusche auch die Königin zur Einsicht ihrer Verfehlung. Schlussendlich wird also der Eklat zwischen Willehalm und seiner Schwester erst durch den Auftritt Alyzes bereinigt und der Königshof sichert Willehalm seinen Beistand im Kampf mit den Heiden zu[94].

Der Hinweis auf eine unheilbare Verletzung legt an dieser Stelle den Gedanken an den leidenden Anfortas nahe, vor allem deshalb, da das Wunden-Motiv selbst keine bedeutende Thematik im Willehalm ist. Durch den Bezug auf den Gralskönig erscheint der Satz damit zunächst als „obszöne Komik“[95]: Alyzes kiusche kann auf die verwundeten Schamteile von Anfortas aufgebunden werden und so zu dessen Heilung führen. Da er die Verletzung eben aufgrund seiner Liebesgier erhielt, wirkt die indirekte Bezugnahme hier anstößig. Die Behauptung der ausschließlichen Rolle Alyzes, als das junge, unschuldige und liebliche Mädchen (Wh. 154,9) mit reinem Wesen, erscheint meines Erachtens nun zweifelhaft. Kiening vermag diesen Gedanken jedoch ins Positive zu wenden, indem „die Buße für eine wunderliche Wunde (...) Alyze zu einer Art Märtyrerin der Minne“[96] macht. Mir erscheint dieser Gedanke durchaus nachvollziehbar, doch, wie auch Kiening einlenkt, wird der zeitgenössische Rezipient dieser Gedankenfolge in der flüchtigen Vortragssituation nur schwerlich gefolgt sein können.

[...]


[1] Vgl. Wolfzettel, Friedrich: Zum Stand und Problem der Intertextualitätsforschung im Mittelalter (aus romanistischer Sicht), in: Artusroman und Intertextualität (= Beiträge der Deutschen Sektionstagung der Internationalen Artusgesellschaft vom 16. bis 19. November 1989 an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt a.M.), hrsg. von Friedrich Wolfzettel, Giessen 1990, S. 1ff.

[2] Vgl. Singer, Samuel: Wolframs Willehalm, Bern 1918, S. 21.; Vgl. Schirok, Bernd: Parzivalrezeption im Mittelalter (= Erträge der Forschung, Bd. 174), Darmstadt 1982, S. 65.; Vgl. Kiening, Christian: Reflexion - Narration, Wege zum ‚Willehalm’ Wolframs von Eschenbach (= Hermaea, Germanistische Forschungen, Bd. 83), Tübingen 1991, S. 94-102. u.a.

[3] Eschenbach, Wolfram v.: Willehalm, 3. durchgesehene Aufl., Text der Ausgabe von Werner Schröder, Übersetzung, Vorwort und Register von Dieter Kartschoke, Berlin/New York 2003.; Im Folgenden nur noch durch Werkskürzel (Wh.), Dreißigereinheit und Zeilenangabe gekennzeichnet.

[4] Eschenbach, Wolfram v.: Parzival, Studienausgabe, 2. Aufl., Mhd. Text nach der 6. Ausgabe von Karl Lachmann, Übersetzung von Peter Knecht, Mit Einführungen zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der ‚Parzival’-Interpretation von Bernd Schirok, Berlin/ New York 2003. Im Folgenden nur noch durch Werkskürzel (Pz.), Dreißigereinheit und Zeilenangabe gekennzeichnet.

[5] Schirok: Parzivalrezeption im Mittelalter, S. 7.

[6] Vgl. Bumke, Joachim: Wolfram von Eschenbach, (= Sammlung Metzler, Bd. 36), 8. völlig neu bearb. Aufl., Stuttgart 2004, S. 14ff.

[7] Vgl. ebenda, S. 12.

[8] Vgl. Bumke: Wolfram von Eschenbach, S. 10f.

[9] Vgl. Mertens, Volker: Der deutsche Artusroman (= Reclams Universal-Bibliothek, Nr. 17609), Stuttgart 1998, S. 101.

[10] Inzwischen ist man weitgehend davon abgekommen in Albrecht von Scharfenberg den Verfasser des Jüngeren Titurel zu sehen. Aus diesem Grund nennt die Forschung den Verfasser meist Albrecht.

[11] Vgl. Schirok: Parzivalrezeption im Mittelalter, S. 68.

[12] Bumke: Wolfram von Eschenbach, S. 255.

[13] Siehe hierzu die Tabelle in Anhang -1- ‚Handschriftliche Überlieferung mittelalterlicher Werke um 1200’.

[14] Vgl. Schirok: Parzivalrezeption im Mittelalter, S. 57f.

[15] Vgl. Schirok: Parzivalrezeption im Mittelalter, S. 173.

[16] Vgl. Bumke: Wolfram von Eschenbach, S. 322.

[17] Vgl. Kleinschmidt, Erich: Literarische Rezeption und Geschichte, Zur Wirkungsgeschichte von Wolframs Willehalm im Spätmittelalter, in: DVjs 48 (1974), S. 647.; Vgl. Bumke: Wolfram von Eschenbach, S. 395.

[18] Vgl. Greenfield, John/ Miklautsch, Lydia: Der ‚Willehalm’ Wolframs von Eschenbach, Eine Einführung, Berlin/New York 1998, S. 53.

[19] Vgl. Bumke, Joachim: Geschichte der deutschen Literatur im hohen Mittelalter (= Geschichte der deutschen Literatur im Mittelalter, Bd. 2), München 1990, S. 162.

[20] Vgl. Bumke: Wolfram von Eschenbach, S. 396.

[21] Vgl. Schirok: Parzivalrezeption im Mittelalter, S. 9f.

[22] Ebenda, S. 8.

[23] Vgl. Kiening: Reflexion - Narration, Wege zum ‚Willehalm’ Wolframs von Eschenbach, S. 162.

[24] Vgl. Kristeva, Julia: Bachtin, das Wort, der Dialog und der Roman, in: Literaturwissenschaft und Linguistik, Ergebnisse und Perspektiven, Bd. 3, hrsg. von Jens Ihwe, Frankfurt a.M. 1972, S. 345-375.

[25] Vgl. Stocker, Peter: Theorie der intertextuellen Lektüre, Modelle und Fallstudien, Paderborn 1998, S. 17f.

[26] Meyer, Hermann: Das Zitat in der Erzählkunst, Zur Geschichte und Poetik des europäischen Romans, 2. Aufl., Frankfurt a.M. 1967, S. 15.

[27] Vgl. Stocker: Theorie der intertextuellen Lektüre, S. 20f.

[28] Vgl. Pfister, Manfred: Konzepte der Intertextualität, in: Intertextualität, Formen, Funktionen, anglistische Fallstudien (= Konzepte der Sprach- und Literaturwissenschaft, Bd. 35), hrsg. von Ulrich Broich und Manfred Pfister, Tübingen 1985, S. 9.; Als regressus ad infinitum skizziert Pfister treffend die Konzeption Julia Kristevas und ihrer Anhänger.; Vgl. hierzu: Kristeva: Bachtin, das Wort, der Dialog und der Roman, S. 345-375.

[29] Vgl. Kristeva: Bachtin, das Wort, der Dialog und der Roman, S. 348.

[30] Pfister: Konzepte der Intertextualität, S. 11.

[31] Ebenda, S. 12.

[32] Dialogizität ist ein auf Michail Bachtin zurückgehendes Konzept. Im Gegensatz zum äußeren, von zwei Sprechpartnern gestalteten Dialog meint Dialogizität die ‚innere’ Dimension einer Aussage als deren Mehrstimmigkeit. Der Begriff wurde schließlich auch auf ‚äußerlich’ dialogische Textbeziehungen erweitert und Bachtins Konzept der Dialogizität wurde zur Grundlage, wenn auch in wesentlich veränderter Form, von Julia Kristevas Theorie der Intertextualität.

[33] Lachmann, Renate (Hrsg.): Dialogizität, Theorie und Geschichte der Literatur und der schönen Künste, Reihe A, Bd. 1, München 1982, S. 8.

[34] Ebenda, S. 8.

[35] Preisendanz, Wolfgang: Zum Beitrag von R. Lachmann ‚Dialogizität und poetische Sprache’, in: Dialogizität, Theorie und Geschichte der Literatur und der schönen Künste, Reihe A, Bd. 1, hrsg. von Renate Lachmann, München 1982, S. 26f.

[36] Pfister: Konzepte der Intertextualität, S. 15.

[37] Im Gegensatz zur Einzeltextreferenz bezieht sich die sogenannte Systemreferenz auf allgemeine Textsysteme, wie z.B. auf komplexe Gattungsmuster, also nicht, wie erstere auf individuelle Prätexte.

[38] Vgl. Draesner, Ulrike: Wege durch erzählte Welten, Intertextuelle Verweise als Mittel der Bedeutungskonstitution in Wolframs ‚Parzival’ (= Mikrokosmos, Beiträge zur Literaturwissenschaft und Bedeutungsforschung, Bd. 36), Frankfurt a.M. u.a. 1993, S. 26ff.

[39] Stenzel, Jürgen: Anspielung, in: Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft, hrsg. von Klaus Weimar, Bd. 1, 3. neubearb. Aufl., Berlin/ New York 1997, S. 93.

[40] Vgl. Stenzel: Anspielung, S. 93f.

[41] Vgl. Holthuis, Susanne: Intertextualität, Aspekte einer rezeptionsorientierten Konzeption, Tübingen 1993, S. 92.

[42] Vgl. Helmstetter, Rudolf: Zitat, in: Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft, Neubearbeitung des Reallexikons der deutschen Literaturgeschichte, hrsg. von Jan-Dirk Müller, Bd. 3, Berlin/ New York 2003, S. 896.

[43] Plett, Heinrich F.: Sprachliche Konstituenten einer intertextuellen Poetik, in: Intertextualität, Formen, Funktionen, anglistische Fallstudien (= Konzepte der Sprach- und Literaturwissenschaft, Bd. 35), hrsg. von Ulrich Broich und Manfred Pfister, Tübingen 1985, S. 81.

[44] Vgl. Müller, Wolfgang G.: Interfigurality, A Study on the Interdependence of Literary Figures, in: Intertextuality, hrsg. von Heinrich F. Plett, Berlin/ New York 1991, S. 101ff.

[45] Vgl. Müller, Wolfgang G.: Namen als intertextuelle Elemente, in: Poetica 23 (1991), S. 146.

[46] Vgl. Broich, Ulrich: Formen der Markierung von Intertextualität, in: Intertextualität, Formen, Funktionen, anglistische Fallstudien (= Konzepte der Sprach- und Literaturwissenschaft, Bd. 35), hrsg. von Ulrich Broich und Manfred Pfister, Tübingen 1985, S. 32.

[47] Siehe hierzu besonders das Kapitel 3.1. ‚Der Willehalm vor dem Hintergrund des Parzival ’; Die Forschung hat noch nicht mit Sicherheit zeigen können, inwieweit zwischen dem Dichter Wolfram und dem Erzähler Wolfram zu unterscheiden ist. Aus diesem Grund ist hier, wenn im Folgenden von Erzähler, Autor oder Dichter die Rede sein wird, nicht eine fiktionale Gestalt oder eine poetische Erfindung des Autors gemeint, sondern Wolfram von Eschenbach selbst.

[48] Broich: Formen der Markierung von Intertextualität, S. 31.

[49] Vgl. Broich, Ulrich: Intertextualität, in: Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft, Neubearbeitung des Reallexikons der deutschen Literaturgeschichte, hrsg. von Harald Fricke, Bd. 2, 3. neubearb. Aufl., Berlin/ New York 2000, S. 179.

[50] Vgl. Pfister: Konzepte der Intertextualität, S. 19.

[51] Vgl. Schulte-Middelich, Bernd: Funktionen intertextueller Textkonstitutionen, in: Intertextualität, Formen, Funktionen, anglistische Fallstudien (= Konzepte der Sprach-und Literaturwissenschaft, Bd. 35), hrsg. von Ulrich Broich und Manfred Pfister, Tübingen 1985, S. 198f.

[52] Vgl. Stocker: Theorie der intertextuellen Lektüre, S. 73ff.

[53] Vgl. Lindner, Monika: Integrationsformen der Intertextualität, in: Intertextualität, Formen, Funktionen, anglistische Fallstudien (= Konzepte der Sprach- und Literaturwissenschaft, Bd. 35), hrsg. von Ulrich Broich und Manfred Pfister, Tübingen 1985, S. 133.

[54] Siehe hierzu vor allem: Vgl. Schulte-Middelich: Funktionen intertextueller Textkonstitutionen, S. 197ff.; Vgl. Pfister: Konzepte der Intertextualität, S. 73.; Vgl. Helbig, Jörg: Intertextualität und Markierung, Untersuchungen zur Systematik und Funktion der Signalisierung von Intertextualität (= Beiträge zur neueren Literaturgeschichte, Folge 3, Bd. 141), Heidelberg 1996, S. 143ff.

[55] Vgl. Schulte-Middelich: Funktionen intertextueller Textkonstitutionen, S. 202.

[56] Vgl. Lachmann: Intertextualität als Sinnkonstitution, S. 68.

[57] Vgl. Helbig: Intertextualität und Markierung, S. 143ff.

[58] Vgl. ebenda, S. 181.

[59] Ebenda, S. 181.

[60] Helbig: Intertextualität und Markierung, S. 162.

[61] Vgl. ebenda, S. 161f.

[62] Vgl. Stocker: Theorie der intertextuellen Lektüre, S. 80.

[63] Vgl. Helbig: Intertextualität und Markierung, S. 143ff.

[64] Vgl. Wolfzettel: Zum Stand und Problem der Intertextualitätsforschung im Mittelalter, S. 4.

[65] Zumthor, Paul: Einführung in die mündliche Dichtung, Berlin 1990, S. 203.

[66] Vgl. ebenda, S. 203.

[67] Vgl. Helmstetter: Zitat, S. 896.

[68] Vgl. Wolfzettel: Zum Stand und Problem der Intertextualitätsforschung im Mittelalter, S. 6.

[69] Um ein besseres Textverständnis zu erreichen, werden im Folgenden alle Textstellen, die sich inhaltlich auf das Frühwerk Parzival beziehen, im Präteritum und Inhalte des Willehalm im Präsens verfasst.

[70] Kiening: Reflexion - Narration, Wege zum ‚Willehalm’ Wolframs von Eschenbach, S. 54.

[71] Vgl. Kiening: Reflexion - Narration, Wege zum ‚Willehalm’ Wolframs von Eschenbach, S. 71.

[72] Volfing, Annette: Parzival and Willehalm: Narrative Continuity?, in: Wolframs ‚Willehalm’, Fifteen Essays, hrsg. von Martin H. Jones und Timothy McFarland, Rochester u.a. 2002, S. 50.

[73] Vgl. ebenda, S. 50.

[74] Vgl. Bumke: Wolfram von Eschenbach, S. 359.

[75] Vgl. Schröder, Werner: Der tragische Roman von Willehalm und Gyburc, Zur Gattungsbestimmung des Spätwerks Wolframs von Eschenbach (= Akademie der Wissenschaften und der Literatur, Abhandlungen der Geistes- und Sozialwissenschaftlichen Klasse, Jhg. 1979, Nr. 5), Mainz/ Wiesbaden 1979, S. 3.

[76] Vgl. Straßburg, Gottfried v.: Tristan, 2. durchges. Aufl., Bd. 1, Verse 1-9982, Nach dem Text von Friedrich Ranke, Übersetzung, Stellenkommentar und Nachwort von Rüdiger Krohn, Stuttgart 1981; swer guote rede zu guote / und ouch ze rehte kan verstân / der mouz dem Ouwaere lân / sîn schapel und sîn lôrzwî (Tr. 4634-4637)

[77] Schirok: Parzivalrezeption im Mittelalter, S. 66.

[78] Vgl. ebenda, S. 67.

[79] Vgl. Kiening: Reflexion - Narration, Wege zum ‚Willehalm’ Wolframs von Eschenbach, S. 54.; Vgl. Greenfield/ Miklautsch: Der ‚Willehalm’ Wolframs von Eschenbach, S. 232.

[80] Vgl. Decke-Cornill, Renate: Stellenkommentar zum III. Buch des Willehalm Wolframs von Eschenbach (= Marburger Studien zur Germanistik, Bd. 7), Marburg 1985, S. 103f.

[81] Vgl. Volfing: Parzival and Willehalm: Narrative Continuity?, S. 49.

[82] Vgl. Kiening: Reflexion - Narration, Wege zum ‚Willehalm’ Wolframs von Eschenbach, S. 107.; Näheres zu dieser Textstelle siehe Kapitel 3.2.2. ‚Feirefiz und Secundille’.

[83] Vgl. Bumke: Wolfram von Eschenbach, S. 245f.

[84] Young, Christopher: Narrativische Perspektiven in Wolframs ‚Willehalm’, Figuren, Erzähler, Sinngebungsprozess (= Untersuchungen zur deutschen Literaturgeschichte, Bd. 104), Tübingen 2000, S. 135.

[85] Decke-Cornill: Stellenkommentar zum III. Buch des Willehalm, S. 103.

[86] Ebenda, S. 103.

[87] Vgl. Volfing: Parzival and Willehalm: Narrative Continuity?, S. 50.

[88] Ochs, Ingrid: Wolframs ‚Willehalm’-Eingang im Lichte der frühmittelhochdeutschen geistlichen Dichtung (Medium Aevum, Bd. 14), München 1968, S. 93.

[89] Vgl. Young: Narrativische Perspektiven in Wolframs ‚Willehalm’, S. 107f.

[90] Vgl. Volfing: Parzival and Willehalm: Narrative Continuity?, S. 53.

[91] Vgl. Kiening: Reflexion - Narration, Wege zum ‚Willehalm’ Wolframs von Eschenbach, S. 96.

[92] Anfortas hatte sich nur einer Gedankensünde schuldig gemacht, denn zu einer Erfüllung seiner Liebe war es laut Orgeluse nicht gekommen (vgl. Pz. 616,21-23).

[93] Kiening: Reflexion - Narration, Wege zum ‚Willehalm’ Wolframs von Eschenbach, S. 172.

[94] Vgl. Bumke: Wolfram von Eschenbach, S. 291.

[95] Kiening: Reflexion - Narration, Wege zum ‚Willehalm’ Wolframs von Eschenbach, S. 97.

[96] Vgl. ebenda, S. 97.

Ende der Leseprobe aus 101 Seiten

Details

Titel
Intertextuelle Bezüge des Parzival im "Willehalm" Wolframs von Eschenbach
Hochschule
Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover  (Institut für Germanistik)
Note
1,0
Autor
Jahr
2008
Seiten
101
Katalognummer
V117959
ISBN (eBook)
9783640209200
ISBN (Buch)
9783640209774
Dateigröße
780 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Intertextuelle, Bezüge, Parzival, Willehalm, Wolframs, Eschenbach, Thema Parzival
Arbeit zitieren
Nina Hollstein (Autor), 2008, Intertextuelle Bezüge des Parzival im "Willehalm" Wolframs von Eschenbach, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/117959

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Intertextuelle Bezüge des Parzival im "Willehalm" Wolframs von Eschenbach


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden