In der vorliegenden Arbeit werde ich zunächst das situativ-funktionale Profil der Textsorte Horoskop erarbeiten. Zu klären ist in diesem Zusammenhang die funktionale Bestimmung von Pressehoroskopen, die Rolle der Horoskopproduzenten und -rezipienten, die Besonderheiten der äußeren Textpräsentation von Zeitungs- und Zeitschriftenhoroskopen und welche typischen Themen und Inhalte in dieser Textsorte behandelt werden. Der zweite Teil wird sich mit den sprachlichen Merkmalen von Zeitungs- und Zeitschriftenhoroskopen auseinandersetzen. Es wird der Frage nachgegangen welche lexikalisch-semantischen und stilistisch-rhetorischen Mittel in Horoskopen eingesetzt werden, die typisch für diese Textsorte sind. Als Basis dient das Vorgehen Bachmann-Steins, die die zentralen Komponenten des sprachlichen omniscopus nach Aphek/Tobins (1989) als Kategorien für ihre Analyse übernimmt. Am Ende der Arbeit wird noch auf eine wesentliche Charaktereigenschaft von Horoskopen eingegangen, die in dem Modell von Aphek/Tobin keine Berücksichtigung findet: Phraseologien und Metaphern.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Das Zeitungs- und Zeitschriftenhoroskop
2.1 Situativ-funktionales Profil
2.1.1 Funktionalität
2.1.2 Horoskopproduzenten und -rezipienten
2.1.3 Äußere Textpräsentation
2.1.4 Themen und Inhalte
2.2 Sprachliche Charakteristika
2.2.1 Die erschöpfende Themenpräsentation
2.2.2 Allgemeinheit durch „umbrella terms“
2.2.3 Die Skala der Relativität
2.2.4 Das Prinzip universeller Wahrheit
2.2.5 Horoskope und Bildlichkeit
2.2.5.1 Phraseologismen
2.2.5.2 Metaphern
3 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht Zeitungs- und Zeitschriftenhoroskope als linguistischen Untersuchungsgegenstand, um die textexternen und internen Bestandteile dieser Textsorte zu analysieren und zu klären, mit welchen sprachlichen Mitteln Horoskopverfasser sicherstellen, dass ihre Aussagen auf eine möglichst große Anzahl potenzieller Leser zutreffen.
- Situativ-funktionales Profil von Pressehoroskopen
- Rolle von Horoskopproduzenten und -rezipienten
- Sprachliche Merkmale (z.B. "umbrella terms", "scale of relativity")
- Bedeutung von Bildlichkeit, Phraseologismen und Metaphern
- Reflexive Beziehung zwischen Unterhaltungsfunktion und Erwartungshaltung der Leser
Auszug aus dem Buch
2.2.5.2 Metaphern
Metaphern sind sprachliche Bilder, basierend auf ähnlichen Bedeutungsmerkmalen zweier Ausdrücke. Nach Lakoff und Johnson (1981), die das Metaphernverständnis wesentlich beeinflussten, beruhen alltägliche metaphorische Redewendungen auf kognitive Strukturen. Baldauf (2000) betont die wichtige Rolle, die Metaphern bei der Einordnung von Inputs zukommt. „Durch metaphorische Projektion erhalten hochabstrakte Zielbereiche die Struktur der jeweiligen konkreten Herkunftsbereiche“ (Baldauf 1997:269). Etwas Neues oder Abstraktes wird für den Rezipienten erfahrbarer, wenn von etwas Bekanntem übertragen wird. Gerade dieses charakteristische Merkmal sorgt dafür, dass Metaphern in Zeitungs- und Zeitschriftenhoroskopen einen wesentlichen Aspekt einnehmen, denn durch metaphorische Realisierungen können dem Leser abstrakte Entitäten wie Gefühle, menschliche Beziehungen, Einstellung, Leben, u. a. vermittelt werden.
Durch die Analyse des vorliegenden Korpusmaterials konnten mehrere Konzeptbereiche herausgearbeitet werden, aus denen die meisten der in Pressehoroskopen verwendeten Metaphern stammen. Folgend werden diese Ergebnisse dargestellt.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik der Zeitungs- und Zeitschriftenhoroskope ein und erläutert die Zielsetzung, anhand einer linguistischen Analyse die Bestandteile und sprachlichen Strategien dieser Textsorte zu untersuchen.
2 Das Zeitungs- und Zeitschriftenhoroskop: Dieses Kapitel widmet sich dem situativ-funktionalen Profil, den Rahmenbedingungen der Produktion und den sprachlichen Charakteristika, die es Horoskopverfassern ermöglichen, Aussagen vage und damit auf viele Leser anwendbar zu gestalten.
2.1 Situativ-funktionales Profil: Hier werden die Funktion von Horoskopen, die Akteure (Produzenten/Rezipienten), die Textpräsentation sowie die typischen Themenbereiche der Textsorte analysiert.
2.1.1 Funktionalität: Untersucht wird, ob Horoskope primär informierende, appellative oder kontaktorientierte Textsorten darstellen und inwiefern sie eine polyfunktionale Rolle einnehmen.
2.1.2 Horoskopproduzenten und -rezipienten: Analysiert wird die oft anonyme Rolle der Produzenten und die reflexive Beziehung zwischen deren Gestaltung der Texte und den Erwartungen der Leser.
2.1.3 Äußere Textpräsentation: Dieses Kapitel betrachtet, wie optische Gestaltung, Titelwahl und Gliederung dazu beitragen, Horoskope als eigenständige Rubrik erkennbar zu machen.
2.1.4 Themen und Inhalte: Untersucht werden die dominierenden Themenbereiche wie Liebe, Gesundheit und Erfolg und deren Funktion für die Leseransprache.
2.2 Sprachliche Charakteristika: Hier wird der Fokus auf die sprachlichen Mittel gelegt, die eine allgemeine und vage Formulierung der Horoskope ermöglichen.
2.2.1 Die erschöpfende Themenpräsentation: Erläutert wird, wie durch die Aneinanderreihung von Alternativen oder Qualifikatoren die Wahrscheinlichkeit für ein zutreffendes Leserurteil erhöht wird.
2.2.2 Allgemeinheit durch „umbrella terms“: Beschreibt die Nutzung von Rahmenwörtern, die der Rezipient durch eigene Erfahrungen individuell mit Bedeutung füllt.
2.2.3 Die Skala der Relativität: Analysiert den Einsatz von Adjektiven und Zeitbezügen, deren Bedeutungskontext vom Leser selbst bestimmt werden muss.
2.2.4 Das Prinzip universeller Wahrheit: Untersucht den Einsatz allgemein gültiger Formulierungen, die kaum falsifizierbar sind und Glaubwürdigkeit suggerieren.
2.2.5 Horoskope und Bildlichkeit: Diskutiert, wie bildliche Sprache genutzt wird, um trotz hoher Abstraktion eine Schein-Präzisierung zu erzeugen.
2.2.5.1 Phraseologismen: Erläutert die Verwendung von festen Wendungen, die aufgrund ihrer semantischen Dehnbarkeit auf viele Lebenssituationen übertragbar sind.
2.2.5.2 Metaphern: Analysiert metaphorische Konzeptbereiche wie Weg, Krieg oder Feuer, die dazu dienen, abstrakte Gefühle und Beziehungen anschaulich darzustellen.
3 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse der Untersuchung zusammen und bestätigt, dass die identifizierten sprachlichen Merkmale wesentlich dazu beitragen, das Bedürfnis der Leser nach Unterhaltung und persönlicher Ansprache zu befriedigen.
Schlüsselwörter
Horoskop, Textanalyse, Linguistik, Textsorte, Informationsfunktion, Kontaktfunktion, Appellfunktion, Omniscopus, Umbrella terms, Skala der Relativität, Phraseologismen, Metaphern, Pressehoroskop, Rezipient, Unterhaltung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die linguistischen Eigenschaften von Zeitungs- und Zeitschriftenhoroskopen, um zu verstehen, wie diese Texte konstruiert sind, damit sich möglichst viele Leser davon angesprochen fühlen.
Welche zentralen Themenfelder behandelt die Untersuchung?
Im Zentrum stehen das situativ-funktionale Profil, die äußere Präsentation und vor allem die sprachlichen Mittel, mit denen Horoskopverfasser eine universelle Anwendbarkeit ihrer Texte erreichen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist die Erarbeitung und Analyse der textexternen und internen Bestandteile von Pressehoroskopen und die Identifikation der sprachlichen Strategien, die ein zutreffendes Leseerlebnis für das Massenpublikum sicherstellen.
Welche wissenschaftliche Methode wird für die Analyse verwendet?
Die Verfasserin nutzt ein Korpus von 240 Einzelhoroskopen aus 12 verschiedenen Publikationen und wendet als theoretische Basis den Ansatz von Aphek und Tobin zur "omniskopischen Sprachverwendung" an, ergänzt um semantische Konzepte von Pinkal und Ansätze von Bachmann-Stein.
Was wird schwerpunktmäßig im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert detailliert, wie durch Mechanismen wie die "erschöpfende Themenpräsentation", "umbrella terms", die "Skala der Relativität" sowie den gezielten Einsatz von Metaphern und Phraseologismen eine vage, aber für den Leser subjektiv präzise wirkende Textsprache erzeugt wird.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit lässt sich am besten durch Begriffe wie "Pressehoroskop", "omniskopische Sprachverwendung", "Textfunktion", "Metaphern" und "Rezipientenorientierung" charakterisieren.
Wie unterscheidet sich die äußere Gestaltung der Horoskope in verschiedenen Medientypen?
Die Arbeit stellt fest, dass unterhaltungsbetonte Medien wie Frauen- oder Jugendzeitschriften ihre Horoskope grafisch aufwendiger und inhaltlich umfangreicher gestalten, während weniger auflagenstarke Medien oft sparsamere und eher standardisierte Formulierungen wählen.
Welche Bedeutung haben Metaphern für die Funktion von Horoskopen?
Metaphern dienen dazu, abstrakte Lebensbereiche oder Gefühle durch bekannte Konzepte wie "Weg", "Krieg" oder "Spiel" anschaulicher zu machen, ohne dabei den Interpretationsspielraum für den Leser einzuschränken, da sie als "leerformelhafte" Bildspender fungieren.
Warum nehmen Leser Horoskope als zutreffend wahr, obwohl sie wissenschaftlich nicht haltbar sind?
Die Arbeit zeigt, dass dies durch den gezielten Einsatz von linguistischen Mitteln erreicht wird, die den Leser dazu verleiten, die Aussagen aufgrund ihrer Unbestimmtheit oder ihres hohen Allgemeinheitsgrades auf die eigene, individuelle Lebenssituation zu übertragen.
- Quote paper
- Diana Schuett (Author), 2008, Das Zeitungs- und Zeitschriftenhoroskop - eine Analyse der Textsorte, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/117974