Singles - Eine unbekannte Lebensform auf der Überholspur?


Seminararbeit, 2005
24 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Leben als Single
2.1 Singleanteil an der Gesellschaft
2.1.1 Begriffliche Abgrenzungen: verschiede Definitionen von Singles
2.1.2 Historischer Rückblick
2.1.3 Singleverbreitung in der Gesellschaft
2.1.3.1 Altersstrukturelle Verteilung
2.1.3.2 Geschlechts- und familienstandsspezifische Differenzierungen
2.1.3.3 Regionale Unterschiede
2.2 Lebenslage und soziale Merkmale von Singles
2.2.1 Soziale Charakterisierung der Singles
2.2.2 Berufliches und finanzielle Lage
2.2.3 Netzwerke und Kontakte
2.2.4 Determinanten, die ein Singleleben begünstigen
2.2.5 Bewertung durch Mitmenschen
2.3 Theorien
2.4 Wertewandel und Postmaterialisten

3 Fazit

4 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Sex and the City, Ally McBeal, Friends,.. die erfolgreichsten Serien im Fernsehen handeln von partnerlosen Singles, die verzweifelt auf der Suche nach Liebe sind. Dabei werden sie meistenteils als neurotische und egoistische Wesen dargestellt, die nicht bereit sind Kompromisse einzugehen.

Singles scheinen 7 Tage die Woche Partys zu feiern und ihre Sexual-Partner wie ihre Unterwäsche zu wechseln. Auf der Suche nach einer festen Partnerschaft sind sie jedoch nicht bereit Einschränkungen bezüglich ihres Freiheitsdranges in Kauf zu nehmen. Mit anderen Worten: sie wollen alles, aber weigern sich, sich auf etwas festzulegen.

Aufgrund dieser exzessiven Lebensführung ziehen sie so viel Aufmerksamkeit in den Medien aber auch bei privaten Diskussionen auf sich, wie keine andere Lebensform.

Auf der einen Seite beneidet um ihr aufregendes Leben und andererseits missachtet als egoistischer Sozialschmarotzer, spalten Singles die Nation.

Man kann sich dem Phänomen des einsamen Singles nicht mehr entziehen, denn überall wo man hinblickt, drängt sich einem die ganze Single-Maschinerie auf. Sie sind zu einer riesigen wirtschaftlichen Zielgruppe für Unternehmen geworden, die darauf abzielen, den Singles zu einer glücklichen Partnerschaft zu verhelfen (Single-Partys, Single-Foren,…).

Trifft denn das egoistische und selbstverwirklichende Bild auf diese Bevölkerungsgruppe zu? Haben sie sich bewußt für diese Lebensweise entschieden oder eher mit ihrer Situation unzufrieden? Sind wir auf dem Wege zu einer Single-Gesellschaft?

Obwohl Singles so viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen, gehen die Vorstellungen über ihre Lebensführung weit auseinander.

Wir wollen uns nun anschauen, wie es wirklich um die Singles bestellt ist und ob sie kurz davor stehen, die traditionelle Familie abzulösen.

2 Das Leben als Single

2.1 Singleanteil an der Gesellschaft

Der Forschungsstand bietet derzeit keine gute Basis, um das Phänomen der Singles ausführlich analysieren zu können. Es stehen nur Querschnittsstudien zur Verfügung und durch die fehlenden Lebensverlaufsanalysen bleibt einem ein näherer Zugang zu der Materie verwehrt. Folgend wird vor allem mit Hilfe der Daten der amtlichen Statistik versucht, zu klären, ob der Anteil der Alleinlebenden an der Gesellschaft wirklich so hoch ist und wie dieser bezüglich der Faktoren Alter, Geschlecht und Regionsverteilung bestimmt ist.

Ein weiteres Problem betrifft die Uneinigkeit darüber, was unter einem Single im definitorischen Sinne verstanden wird.

2.1.1 Begriffliche Abgrenzungen: verschiedene Definitionen von Singles

Der Begriff Single umfasst eine große Anzahl verschiedenster definitorischer Zugänge.1 Aufgrund der Uneinigkeit bzgl. des Gegenstandsbereiches und der unterschiedlichen Bezugnahmegebiete von empirischen Forschungen über Singles, wird die Annäherung an dieses Phänomen erschwert.

In den meisten Untersuchungen werden unter Singles Alleinlebende verstanden und dabei wird auf Personen Bezug genommen, die einen eigenen Haushalt führen, alleine wohnen und wirtschaften. Diese Definition erleichtert eine Analyse, da Daten des statistischen Bundesamtes zur Hilfe genommen werden können und danach kann man aktuell 17% der Bevölkerung als Single bezeichnen.

Mit der üblichen Vorstellung von Singles, einem Menschen, der auf Dauer, freiwillig, ohne festen Partner oder einer Familie, alleine lebt, hat dies allerdings nichts mehr gemein.2

Um diesem Bild näher zu kommen, aber dennoch die Möglichkeit einer empirischen Erfassung dieser Bevölkerungsgruppe zu ermöglichen, entstanden weitere Definitionen.

Einen weiten Single-Begriff hat Hradil eingeführt, indem er zu dem Merkmal des Einpersonenhaushaltes noch das Definitionskriterium Alter mit einbezog: “Ihm zufolge gelten alle diejenigen als „Singles“, die 25 bis unter 55 Jahre alt sind und alleine leben und haushalten.“ (Hradil 1995:7)

Nach dieser Definition war im Jahr 2000 jeder 7. in Deutschland ein Single.

Durch diese altersbezogene Einschränkung will er gewährleisten, dass jüngere, die aus finanziellen Gründen noch keine Möglichkeit zum Alleinleben haben, und ältere Menschen, die durch Verwitwung oder Scheidung zur Führung eines Ein-Personenhaushaltes gezwungen sind, nicht unter der Definition des Single fallen.

Zweck dieser Eingrenzung ist es, die Personen zu erfassen, die sich freiwillig unter den Alternativen der Lebensführung für das Alleinleben entschieden haben und diese auch soziologisch abgrenzbar sind. Doch können auch in diesem Falle Personen per Definition zu den Singles gezählt oder ausgeschlossen werden, die nicht darunter fallen. Sind jedoch auch die Lebensweisen bei einer Untersuchung von Bedeutung, so sollte auf einen engeren Single-Begriff zurückgegriffen werden.

Nach Hradil gilt im engeren Sinne jede(r) als Single, „der bzw. die alleine in einem Einpersonenhaushalt lebt, 25 bis unter 55 Jahre alt ist, und angibt, keinen festen Partner zu haben sowie aus eigenem Willen und für längere Zeit alleinleben zu wollen.“ (Hradil 1995:9) Verwendet man einen so engen Single-Begriff, dann betrifft das Leben als Single weniger als 1% der Bevölkerung.

Die Freiheit und Dauerhaftigkeit ist hierbei ein wichtiges Kriterium um einen Single zu charakterisieren und diese Definition kommt der Vorstellung über Singles in der Gesellschaft wahrscheinlich am nächsten.3

In Bezug auf diesen 2 Komponenten, wurde folgendes Schema in den USA entwickelt: Typologie der Singles

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Shostak 1987:358, zitiert nach: Grözinger 1994:8

Singles im engeren Sinne würden nach dieser Typologie durch die Überzeugten gebildet werden, da sie sich freiwillig für ein unbefristetes Alleinleben als Lebensstil entschieden haben.4 Trotz der besseren Widerspiegelung der Singles durch eine engere Definition, werden aufgrund der schwierigen Erfassung dieser Kriterien und des ungeeigneten Charakters bzgl.

empirischer Forschungen weiterhin öfters die Daten der Alleinlebenden oder der Singles im weiteren Sinne als Grundlage dienen.

Aber grundsätzlich werden die Definitionen, derer man sich bedient und die Zielgruppe auf die man Bezug nimmt, nach Forschungsziel ausgewählt. So wird man sich z.B. zur Einschätzung der Wohnlage der Definition der Einpersonenhaushalte und zur Analyse der Einsamkeit von Singles einer weit enger gefassten Definition bedienen.

Wie bereits durch diesen kleinen Einblick ersichtlich, sind die Anteile der Singles an der Gesellschaft wesentlich undramatischer als angenommen. Je enger man den Begriff fasst und somit dem wahren Single als Lebensweise näher kommt, desto kleiner fällt der Gegenstandsbereich aus.

2.1.2 Historischer Rückblick

Das Ansehen der Singles, ihre Lebenssituation, ihre Stellung in der Gesellschaft, ihre Verbreitung, sowie die Zusammensetzung der Singles haben über die Zeit hinweg einen starken Wandel vollzogen. Dies ist ohne Zweifel auch auf die Entwicklung der wirtschaftlichen und sozialen Situation eines Landes und auf die dadurch gesicherten Lebensbedingungen zurückzuführen.

Aufgrund deren Nichtgegebenheit in der Phase des Mittelalters und der frühen Neuzeit war es für Singles von Nöten, sich Hausgemeinschaften anzuschließen, da nur diese durch Arbeitsteilung fähig waren, genügend Schutz, materielle Sicherheit und Gesellschaftsangehörigkeit zu ermöglichen. Durch diese Umstände waren die Ledigen stets in einem Abhängigkeitsverhältnis gebunden und es blieb keinerlei Möglichkeit für die Selbstverwirklichung oder Individualität. Witwen und Witwer waren praktisch zur schnellen Wiederheirat aufgrund der wirtschaftlichen Belastung gezwungen.

Dies änderte sich zu Beginn des 19. Jahrhunderts durch die Einführung einer Witwenkasse, sowie die Veränderung der Einstellung der Familie zu einer Mehrfachheirat, die dies als Zeichen der Untreue gegenüber dem verstorbenen Ehepartner deutete.

Die Bedeutung der Familie und dessen Werte rückten zunehmend in den Vordergrund, welches entscheidende Auswirkungen der Lebens- und Wohnsituationen mit sich brachte:

Die Haushaltsgemeinschaften im früheren Sinne lösten sich nach und nach aufgrund der Bedürfnisse nach geschlossenem Familienleben und des Wunsches nach Selbstbestimmung der Bediensteten und Gesellen auf.

Vorraussetzung hierfür bestand in einer hochangesehenen Heirat, dem Leben zur Untermiete oder durch eine Diensteinstellung in einer Familie, denn das Alleinleben war weder gesellschaftlich akzeptiert, noch für die ärmeren Schichten wirtschaftlich möglich. Somit konnte auch nur eine Erhöhung der Einpersonenhaushalte von 1870 bis 1910 von 6,2 auf 7,3% aller Haushalte verzeichnet werden.

Die starken sozialen Kontrollen und Sanktionen gegenüber Alleinlebenden nahmen zu Beginn des 20. Jahrhunderts langsam durch die Verstädterung und die dadurch ermöglichte Anonymität ab.

Die Wohnungsknappheit und die wirtschaftliche Lage stellten allerdings noch viele Hindernisse dar. Den Verwitweten bot sich jedoch durch die Einführung eines Rentensystems und einer Hinterbliebenenversorgung die Möglichkeit ein Leben in einem eigenen Haushalt zu führen und sie nahmen damit den größten Anteil der Alleinlebenden ein. Hierunter führten zum Großteil Frauen die Einpersonenhaushalte und dies wurde hervorgerufen durch ihr niedrigeres Heiratsalter und der Verwitwungen, da viele Ehemänner zum Opfer des Krieges fielen. Durch die Haushaltsform erreichten 1939 die Alleinlebenden einen Anteil von 10 % aller Haushalte und davon verteilten sich 74,8% auf Frauen. (vgl. Kern 1998:20ff; Hradil 1995:12ff)

2.1.3 Singleverbreitung in der Gesellschaft

Die Ergebnisse der amtlichen Statistik bieten die Möglichkeit mit erhobenen Daten zur gesamten Bevölkerung arbeiten zu können. Der Nachteil bei der Erhebung bezüglich Einpersonenhaushalte liegt darin, daß Mitglieder von Wohngemeinschaften und Partner von nichtehelichen Lebensgemeinschaften mit in diese Kategorisierung aufgenommen werden. Dadurch erhöht sich der Anteil der Einpersonenhaushalte wesentlich.

Zur Orientierung der Entwicklung der Einpersonenhaushalte können die erhobenen Daten trotzdem nützlich sein.

14,4 Mio. Haushalte sind Einpersonenhaushalte. Damit war im Jahr 2003 ungefähr jeder dritte Haushalt in Deutschland ein Einpersonenhaushalt.

Tabelle 1: Entwicklung der Einpersonenhaushalte in Deutschland

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Statistische Jahrbücher bis 2003 (eigene Prozentuierungen)5

Nach dem 2. Weltkrieg war ein großer Anstieg der Zahl der Alleinwohnenden zu verzeichnen. Dies ist eine Folge der Verwitwungen von Frauen, die ihre Männer als Kriegsopfer verloren hatten. Wurde 1939 jeder 10. deutsche Haushalt von nur einer Person geführt, war es 1950 schon jeder 5. und 1970 schon jeder 4.

Seitdem ist die Zahl der Alleinlebenden weiter angestiegen und sie erreichte 1979 erstmals die 30%- Marke.

Durch die Vereinigung der neuen und der alten Länder nahm der Anteil der Einpersonenhaus-

halte an den Haushalten einige Prozentpunkte ab, erreichte 1996 aufgrund der gleichen tendenziellen Entwicklung in den östlichen Ländern Deutschlands aber wieder seinen 35%-Anteil.

[...]


1 R. Bachmann führte 21 verschiedene Definitionen des Begriffs „Single“ auf. (vgl. Bachmann 1992:238ff)

2 „Der Begriff „Single“ war ursprünglich ein US-Import der 1970iger Jahre und bedeutet eigentlich nichts anderes als das Gegenteil von „Married“, also einzeln, unverheiratet, ledig. In der Alltagssprache waren damit schnell Personen gemeint, die auch freiwillig allein lebten.“ (Schneider, Rosenkranz, Limmer 1998:41)

3 Die Kriterien der Freiwilligkeit und Dauerhaftigkeit weisen Probleme bzgl. der Forschungspraxis auf: „Die „Freiwilligkeit“ des Singledaseins ist objektiv unbestimmbar und subjektiv, als Bekundung durch den einzelnen ermittelt, oft so sehr von Rationalisierungen, Bekundungen mit Blick auf die Erwartungen der Gesellschaft etc. durchtränkt“ (Hradil 1995:8). Auch die Dauer des Single-Seins ist schwer zu bestimmen, da keine exakten Aussagen über die Zukunft und sein Single-Dasein gemacht werden können.

4 Die Grenzen zwischen den Typen sind fließend und es sind im Verlaufe des Lebens Wechsel zwischen den einzelnen Typen möglich.

5 Bis 1939, 1950, 1961 und 1970 Ergebnis der Volkszählung, sonst Ergebnis des Mikrozensus

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Singles - Eine unbekannte Lebensform auf der Überholspur?
Hochschule
Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen
Note
1,7
Autor
Jahr
2005
Seiten
24
Katalognummer
V117990
ISBN (eBook)
9783640201839
Dateigröße
486 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Singles, Lebensform, Single, Geschlecht, Männer, Frauen, Familie, Singleleben, Gesellschaft, sex
Arbeit zitieren
Diana Schuett (Autor), 2005, Singles - Eine unbekannte Lebensform auf der Überholspur?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/117990

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