Die vorliegende Arbeit soll einen Überblick geben über den Themenkomplex 9/11 und Film und diesen im Kontext von Realität und Fiktion, speziell filmischer Realität, diskutieren. Zentrale Fragen sind dabei, wie das Medium Film das Thema 9/11 behandelt bzw. welchen Einfluss 9/11 auf das Medium Film hat. Wie verhalten sich tatsächliche und filmische Realität zueinander?
Der Begriff Fiktion ist in diesem Zusammenhang womöglich etwas irreführend, da es sich bei den zu behandelnden Filmen streng genommen nicht um fiktive, erfundene oder erdichtete Werke handelt, sondern um filmische Reflexionen zum Thema 9/11. Der Begriff "filmische Realität" scheint daher zutreffender, auch weil sich unter ihm verschiedene Gattungen, wie beispielsweise Dokumentation oder Spielfilm, zusammenfassen lassen.
Neben dem Kapitel "9/11: Der 11. September 2001", in dem grundsätzliche Gedanken zum Thema dargestellt werden, ist der Arbeit das Kapitel "Realität und Fiktion – ein Differenzierungsproblem" vorangestellt. Hier werden zunächst die Schwierigkeiten bei der Definition von Realität diskutiert. Anschließend werden unterschiedliche Betrachtungen zum Verhältnis von Film und Realität vorgestellt, ein Thema, welches unmittelbar nach den Anschlägen von 9/11 breit diskutiert wurde.
Der Hauptteil der vorliegenden Arbeit gliedert sich in vier Teile:
Der erste Teil, "Filmische Antizipationen von 9/11", beschäftigt sich mit Filmen, die vor dem 11. September erschienen sind und deren Handlungen in der Nachbetrachtung, sei es inhaltlich oder durch bestimmte Bilder, die Ereignisse des 11. September vorwegnehmen. Die Ähnlichkeit von Filmen dieser Art mit den Ereignissen des 11. September 2001 ist eine häufig geschilderte Beobachtung. Nach der Vorstellung einiger Beispiele wird versucht, die Ursachen dieser Ähnlichkeit zu erklären.
Der zweite Teil behandelt Filme, die sich direkt mit 9/11 beschäftigen. Fünf Jahre nach den Terrorakten existiert eine Reihe von Filmen, die sich auf unterschiedliche Weise unterschiedlichen Aspekten des Themas nähern. Aufgabe dieses Kapitels ist es, einen Überblick über diese Filme zu geben und somit einen Einblick in die Bandbreite des Themas einerseits und die verschiedenen filmischen Herangehensweisen andererseits zu ermöglichen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 9/11: Der 11. September 2001
1.2 Realität und Fiktion – ein Differenzierungsproblem
2. Filmische Antizipationen von 9/11
2.1 Beispiel: The Siege
2.2 Erklärungsversuche
3. Filme zu 9/11
3.1 Dokumentation des Dramas: 9-11
3.2 Metaphorische Reflexionen: 11´09´´01
3.3 Ursachen und Folgen: Fahrenheit 9/11
3.4 Verschwörungstheorie: Loose Change
3.5 Filmische Rekonstruktion I: United 93
3.6 Filmische Rekonstruktion II: World Trade Center
3.7 Vergleich
3.8 Sinnstiftung im Katastrophenfilm
3.9 Exkurs: Film als paranoide Struktur
4. Filme vor dem Hintergrund 9/11
4.1 Tiger Cruise
4.2 25th Hour
4.3 Fremder Freund
4.4 Zusammenfassung
5. Indirekte Auswirkungen von 9/11
5.1 Programmpolitik
5.2 Adaption der Fiktion an die veränderte Realität
5.3 Re-Interpretation von Filmen
6. Abschlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Themenkomplex 9/11 und dessen Darstellung im Medium Film. Ziel ist es, das Verhältnis zwischen den realen Ereignissen und der filmischen Aufarbeitung zu analysieren und zu hinterfragen, wie Filme zur Konstruktion oder Rekonstruktion dieser Realität beitragen.
- Filmische Antizipationen der Anschläge in fiktiven Werken vor 2001
- Direkte filmische Auseinandersetzung und Dokumentation der Ereignisse
- Einsatz von 9/11 als bloßer Hintergrund in zeitgenössischen Spielfilmen
- Sekundäre Auswirkungen auf Filmproduktion, Programmpolitik und Interpretation
- Kritische Analyse filmwissenschaftlicher Konzepte wie "filmische Realität" und Sinnstiftung
Auszug aus dem Buch
Beispiel: The Siege
Ein Film, der sehr oft genannt wird, wenn es um die filmische Vorwegnahme von 9/11 geht, und der daher im Folgenden genauer analysiert werden soll, ist The Siege.
In dem Film wird New York durch eine Reihe von Terrorakten erschüttert: Ein Linienbus explodiert, eine Schulklasse wird als Geisel genommen, ein ausverkauftes Theater und die FBI-Zentrale in New York werden Ziele von Bombenattentaten. Als Grund für die Anschläge vermuten die Ermittler die Entführung von Sheik Ahmed bin Talal, eines früheren Verbündeten der USA im Kampf gegen Saddam Hussein, dessen Leute von US-Spezialisten ausgebildet wurden. Als Folge der Anschläge bricht in New York Panik aus. Der Ausnahmezustand wird erklärt und die Stadt wird unter Militärkontrolle gestellt. Unter der Führung von General Devereaux werden tausende Muslime bzw. arabisch sprechende Menschen in einem Stadion interniert. Die Analogie zur Internierung japanischstämmiger Bürger nach dem Angriff auf Pearl Harbor wird dabei ausdrücklich erwähnt. Auch vor der Folter arabischer Verdächtiger schreckt Devereaux nicht zurück: "Wir haben hier einen Mann, der leiden muss, damit Hunderte gerettet werden."
Devereaux’ Militärapparat stehen der FBI-Agent Anthony Hubbard und die CIA-Agentin Elise Kraft gegenüber. Hubbard versucht die Terrorakte mit rechtsstaatlichen Mitteln aufzuklären und befürchtet, das martialische Vorgehen des Militärs könnte das eigentliche Ziel der Terroristen sein: "Pfeift auf das Gesetz und zerfleddert die Verfassung ein bisschen. Wenn wir diesen Mann foltern, General, ist alles, wofür wir mal bluten und kämpfen und sterben mussten, zum Teufel. Und sie (die Terroristen) gewinnen. Sie haben schon gewonnen!"
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung definiert den Themenkomplex 9/11 und Film und legt das wissenschaftliche Interesse am Verhältnis von Realität und filmischer Fiktion dar.
2. Filmische Antizipationen von 9/11: Dieses Kapitel analysiert fiktive Filme, die vor 2001 entstanden sind und deren Inhalte oder Bilder in der Nachbetrachtung als Vorwegnahme der Anschläge interpretiert werden.
3. Filme zu 9/11: Hier werden sechs Produktionen untersucht, die sich direkt mit den Ereignissen des 11. September beschäftigen, von Dokumentationen bis zu Spielfilmen.
4. Filme vor dem Hintergrund 9/11: Dieses Kapitel betrachtet Filme, die das Ereignis lediglich als narrativen Hintergrund nutzen, ohne es explizit zu thematisieren.
5. Indirekte Auswirkungen von 9/11: Hier geht es um sekundäre Effekte, wie die Veränderung der Programmpolitik, nachträgliche Anpassungen an Filmen und neue Interpretationsansätze.
6. Abschlussbetrachtung: Das Schlusskapitel fasst die Resultate der Analyse zusammen und diskutiert die gesellschaftliche und medienwissenschaftliche Relevanz der filmischen Auseinandersetzung mit dem Terror.
Schlüsselwörter
9/11, Film, Realität, Fiktion, Katastrophenfilm, Dokumentation, Terrorismus, Medieninszenierung, Sinnstiftung, Paranoia, Politische Propaganda, Simulation, Hollywood, Ground Zero, Re-Fiktionalisierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht das Verhältnis von Film und der Realität der Terroranschläge vom 11. September 2001, insbesondere wie Filme diese Ereignisse darstellen, verarbeiten oder instrumentalisieren.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Themen umfassen die filmische Antizipation von 9/11, den direkten Umgang mit dem Thema in Dokumentationen und Spielfilmen sowie die indirekten Auswirkungen auf die Filmindustrie.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist eine filmwissenschaftliche Einordnung, wie das Medium Film die Grenze zwischen Realität und Fiktion verschiebt und welche Sinnstiftungsmechanismen dabei zum Einsatz kommen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?
Die Arbeit nutzt eine inhaltliche und formale Analyse ausgewählter Filmbeispiele, ergänzt durch filmtheoretische und medienpsychologische Perspektiven.
Was wird im Hauptteil der Arbeit analysiert?
Im Hauptteil werden Filme in Kategorien wie Antizipation, direkte Auseinandersetzung und "Hintergrund-Nutzung" eingeteilt und auf ihre jeweilige Konstruktion von Realität geprüft.
Welche Schlagworte charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie 9/11, Medieninszenierung, filmische Realität, Katastrophenfilm, Simulation und politische Instrumentalisierung beschreiben.
Welche besondere Rolle spielt der Film "The Siege" im Kontext von 9/11?
Der Film wird oft als Paradebeispiel für eine filmische "Vorwegnahme" angeführt, da er bereits vor 2001 viele Aspekte, wie die Reaktion der Regierung und die gesellschaftliche Panik, vorzeichnete.
Wie unterscheidet sich die Dokumentation "9-11" von einer rein objektiven Darstellung?
Die Dokumentation ist stark subjektiv geprägt, da sie die Filmemacher selbst in den Mittelpunkt stellt und die Ereignisse eher wie ein Heldenepos als wie eine distanzierte Analyse strukturiert.
Welche Kritik üben die Autoren an Verschwörungstheorien wie in "Loose Change"?
Kritisiert wird nicht nur der Inhalt, sondern der selektive Umgang mit Fakten (Eklektizismus), um eine in sich geschlossene, aber manipulative Realität zu erzeugen.
- Quote paper
- Philipp von Buttlar (Author), 2007, Der 11. September 2001. Filmische Antizipation von 9/11 und Verarbeitung der Ereignisse im Film, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/117998