Ein Ungleiches Paar? Gewinnmaximierung und ökologisch nachhaltiges Wirtschaften bei der Erschließung mineralischer Ressourcen

Erdöl in Sibirien, Ölsand in Kanada, Kohlebergbau in China


Hausarbeit (Hauptseminar), 2007

55 Seiten, Note: 2,2


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. Erdölförderung in Sibirien und daraus resultierende ökologische Probleme
2.1 Einleitung und geographischer Überblick über Westsibirien
2.2 Transport des Westsibirisches Öls durch Pipelines
2.2.1 Schäden durch intakte Pipelines
2.2.2 Marode Pipelines bergen ein hohes Gefahrenpotential
2.2.3 Der „Komi Oil Spill“
2.3 Indigene Völker leiden unter den Erdölreserven
2.4 Das Samotlor-Ölfeld
2.5 Abfackeln von Begleitgasen
2.6 Dämme und Plattformen aus Sand
2.7 Fazit und Ausblick

3. Ölsandförderung in Alberta, Kanada
3.1 Einleitung
3.2 Geographischer Überblick
3.3 Abbaumethoden (Tagebau und in-situ Verfahren)
3.4 Erschließung einer Lagerstätte im Athabaska-Gebiet
3.5 Ökologische Folgen der Ölsandförderung
3.6 Die 'First Nations' in Ölsandgebieten
3.7 Ausblick

4. Kohlebergbau in China
4.1 Überblick
4.2 Kohlevorkommen in China
4.3 Ökologische Probleme bei der Kohlengewinnung.
4.3.1 Luftverschmutzung und Saurer Regen
4.3.2 Kohlefeuer
4.3.3 Landschaftsumgestaltung und Wasserverschmutzung durch Kohlenwaschung
4.4 Ausblick

5. Fazit

Literatur

Abbildungsverzeichnis:

Abbildung auf dem Titelblatt: Ausgelaufenes Rohöl im Samotlor-Gebiet wird angezündet und verbrannt

Abbildung 1: Grobe Einordnung der Westsibirischen Ebene im Eurasischen Kontinent

Abbildung 2: Der Wirtschaftsraum Westsibiriens und die südliche Ausdehnung des Permafrostes

Abbildung 3: Russisches Pipelinenetzwerk, sowie Gebiete mit prospektiver bereits stattfindender Ölförderung

Abbildung 4: Der Dauerfrostboden in Russland verliert von Nord nach Süd an Mächtigkeit (schematische Darstellung)

Abbildung 5: Pipelinebau im Dauerfrostboden und Wandern der Röhre durch Auftauen des Bodens

Abbildung 6: Ausgelaufenes Öl aus gebrochenen Pipelines verschmutzt Wälder, Böden und Gewässer. Solche Unfälle sind nicht Ausnahme, sondern Alltag

Abbildung 7: Rentierhaltung in Sibirien.

Abbildung 8: Das westsibirische Erdölgebiet um Surgut und Nishnevartovsk mit dem Samotlor-See

Abbildung 9: Ausgelaufenes Erdöl im Samotlor-Gebiet

Abbildung 10: Ausgelaufenes Rohöl im Samotlor-Gebiet wird angezündet und verbrannt

Abbildung 11: Erdölförderung im Sumpfwaldgebiet nördlich von Surgut (nach Satellitenfoto)

Abbildung 12: Künstliche Bohrinsel im Samotlor-See.

Abbildung 13: Wassererosion an einer Straßenböschung in Nordsibirien.

Abbildung 14: Junges Sandsediment in einer Aue in Nordsibirien.

Abbildung 15: Junge 3 bis 5 m hohe Terrasse eines Flusses in Nordsibirien.

Abbildung 16: Sandentnahme im Norden Sibiriens.

Abbildung 17: In den vergangenen Jahrzehnten entstandene Düne in Nordsibirien

Abbildung 18: Die am stärksten wachsenden Klimasünder. Anstieg des CO2-Ausstoßes in Prozent von 1990 bis 2003 (Nur Kyoto-Länder berücksichtigt)

Abbildung 19: Förderentwicklung der flüssigen Kohlenwasserstoffe Albertas

Abbildung 20: Ölsandlagerstätten in Alberta.

Abbildung 21: Albertas Ölsandregionen Peace River, Athabasca River und Cold Lake. Die Karte zeigt auch, wo Tagebau (mining) und in-situ Verfahren Anwendung finden

Abbildung 22: Schematisiertes geologisches Überblicksprofil durch die Ölsandgebiete Albertas

Abbildung 23: Geologisches Profil des Ölsandgebiets von Fort McMurray.

Abbildung 24: Explorationsbedingungen in Alberta an der Oberfläche.

Abbildung 25: Explorationsprobleme in Nord-Alberta in der frostfreien Zeit.

Abbildung 26: Tagebaugrube im Athabasca Gebiet

Abbildung 27: Satellitenaufnahme von Bohrlöchern und Zugangsstraßen am Long Lake

Abbildung 28: Schematische Darstellung der Bitumengewinnung in-situ aus tiefliegender Lagerstätte

Abbildung 29: Lage der Firma Syncrude im Athabasca Gebiet nördlich von Edmonton, sowie Verteilung von konventioneller Ölförderung und Athabasca Ölsanden

Abbildung 30: Athabasca Ölsandgebiet vor dem Projektbeginn der Firma Syncrude 1961 und die Flächen der Betriebsanlagen der Firma Syncrude mit dem geänderten Entwässerungssystem 1991

Abbildung 31: Zonen um Bohrlöcher und Zugangstraßen am Long Lake, die von Wildtieren gemieden werden

Abbildung 32: Veränderung der Population der East Side Athabasca River Caribou Herde

Abbildung 33: Wahrscheinlichkeit des Auftretens von Fischmardern, Luxen und Mardern in Ölsandabbaugebieten im Vergleich mit Gebieten ohne menschlichen Eingriff

Abbildung 34: Anteile der Energieträger am Primärenergieverbrauch 2003 In China

Abbildung 35: Chinas Vormachtstellung in der Kohleförderung weltweit im Jahr 1998

Abbildung 36: Kohlenregionen Chinas: Anteil an den Gesamt-Kohlereserven und an der stratigraphischen Position der Lagerstätte

Abbildung 37: Die bedeutendsten Kohlenlagerstätten Chinas (Bergwerke und Tagebaue)

Abbildung 38: Schematische Darstellung eines Kohleflözbrandes

Abbildung 39: Unterirdisch brennendes Flöz glüht wie Magma in den

Erdspalten. Risse, Brüche und Rauchfahnen im blaugrau verglosten Gestein verraten die Aushöhlung des Geländes. Nicht weit davon entfernt fahren Bergleute in eine Zeche ein

Abbildung 40: Kohleflözbrände in China mit Unterteilung in Provinzen.

Abbildung 41: Bulldozer decken gelöschte, aber immer noch rauchende Kohlenflöze im „Schwefeltal“ bei Ürümqi mit Erde ab

Abbildung 42: Ein entkräftetes Muli vor einem Karren mit 850 Kilo Kohle in Bingdong Shan. Ähnlich primitiv sind die Fördermethoden in allen meist illegalen Kleinstzechen in der Provinz Shanxi

Tabellenverzeichnis:

Tabelle 1: Erdölreserven und Ölverbrauch von 1995 bis 2005 unterteilt in übergeordnete geographische Einheiten und weltweit zusammengefasst.

1. Einleitung

Wo mineralische Ressourcen vorkommen, ist meistens auch viel Geld zu verdienen. Das ist schon lange bekannt und hat in der Geschichte zu etlichen Kriegen um die begehrten Rohstoffe geführt. Die größte Bedeutung haben nach wie vor die fossilen mineralischen Energieträger Erdöl, Erdgas und Kohle. Die Entdeckungen großer Lagerstätten haben schon vielen davor wirtschaftlich eher bedeutungslosen Ländern zu einem kometenhaften Aufstieg in der Hierarchie der globalen Wirtschaft verholfen. Was wären Saudi-Arabien und die übrigen Golfstaaten ohne ihre reichlichen Erdölreserven? Wahrscheinlich wären sie nur Wüstengebiete, in denen die Bewohner einen täglichen Kampf gegen die Trockenheit und die Kargheit der Landschaft führen würden. Der riesige Energiebedarf der hoch industrialisierten Länder der Welt erzeugt für diejenigen ohne ausreichend eigenen Rohstoffen einen hohen Druck, den Bedarf auf möglichst lange Zeit zu sichern. Das bringt gewaltige Mengen an Kapital ins Spiel, mit dem die energieträchtigen Ressourcen eingekauft werden. Dabei ist mit dem Gewissen der Endkunden nicht weit her, wenn es darum geht unter welchen Bedingungen die gekauften Rohstoffe der Erde abgerungen wurden. Eine allzu ethische und ökologische Einkaufsmoral würde mit Sicherheit früher oder später zu einem Ansteigen der Preise führen, denn die Länder, in denen die begehrten Güter gewonnen werden, würden gezwungen, nachhaltigere Methoden im Abbau einzuführen. Da die Abnehmer so wenig wie möglich bezahlen wollen und die Produzenten von Rohstoffen soviel wie möglich verdienen wollen, ist der Zustand der Natur in den Förderregionen oftmals katastrophal. Landschaftsumgestaltung durch Tagebau, Austreten von Öl aus leckenden Pipelines und saurer Regen sind nur einige von vielen Problemen, die lokale Ökosysteme gefährden. In vielen Fördergebieten werden zudem beträchtliche Mengen an Treibhausgasen in die Atmosphäre emittiert und liefern demzufolge einen nicht unwesentlichen Beitrag zum globalen Klimawandel.

Ein gänzlich umweltverträglicher Abbau von fossilen Ressourcen ist unmöglich. Anhand der drei folgenden Beispiele soll gezeigt, wie es um eine Annäherung an dieses unerreichbare Ideal in den ausgewählten Förderregionen der Erde bestellt ist. Die konventionelle Ölförderung im russischen Westsibirien und die Gewinnung nicht- konventionellen Öls aus Ölsanden im kanadischen Alberta zeigen, welche Probleme im subarktischen Bereich mit seinen empfindlichen und sich schwer regenerierenden Ökosystemen durch den Abbau des Öls entstehen können. Als letztes Beispiel folgt der Kohlebergbau in China, der ebenfalls erhebliche Auswirkungen auf Mensch und Umwelt hat.

2. Erdölförderung in Sibirien und daraus resultierende ökologische Probleme

2.1 Einleitung und geographischer Üb]erblick über Westsibirien

Weltweit ist Erdöl nach wie vor die wichtigste Energiequelle. Im Jahr 2005 wurden laut EXXON (2006), global gesehen, insgesamt fast vier Milliarden Tonnen des Rohstoffs verbraucht (siehe Tabelle 1). Um die ständig wachsende Nachfrage befriedigen zu können und die Erdölversorgung auf lange Sicht zu sichern, werden immer neue Fördergebiete entdeckt, die erst durch moderne Verfahren erschließbar geworden sind. Im Vordergrund steht ungünstigerweise die Gewinnmaximierung der Ölkonzerne, die mit einer nachhaltigen und ökologisch verträglichen Behandlung der Landschaft bei der Erdölförderung unvereinbar ist. Ob der Abbau von Erdöl überhaupt ökologisch verträglich sein kann, darf bezweifelt werden. Es könnten aber viele Ölkatastrophen verhindert werden, würde man beispielsweise mehr in eine funktionierende, leckfreie Pipeline-Infrastruktur investieren.

In Regionen, in denen die Natur besonders empfindlich auf Störungen und

Schädigungen reagiert,

Tabelle 1: Erdölreserven und Ölverbrauch von 1995 bis 2005 unterteilt in übergeordnete geographische Ein- heiten und weltweit zusammengefasst.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(Quelle: Eigene Darstellung, zusammengestellt aus Zahlen von ExxonMobile Central Europe Holding GmbH 2006) herrschen durch die Öl- gewinnung katastrophale Zustände. Westsibirien zum Beispiel, ein Gebiet fast siebenmal so groß wie Deutschland, ist so ein Problemfall. Die reichlich vorhandenen mineralischen Ressour- cen sind der Natur und den dort lebenden indigenen Völkern zum Verhängnis geworden. Mittlerweile sind hier nämlich ungefähr 840.000 Hektar Land ölverseucht (SCHÄFER et al. 2006:36). Da in der Tundra und Taiga Westsibiriens natürliche Abbauprozesse von Rohöl langsamer ablaufen als in gemäßigten Regionen (vgl. WEIN 1996:383), verschlimmern sich die Auswirkungen von ausgetretenem Öl in der Landschaft.

Das Austreten von Erdöl ist aufgrund von Nachlässigkeiten bei der Erschließung, dem Abbau und der Instandhaltung des wertvollen Rohstoffes in Russland an der Tagesordnung. Dies geschieht durch unzureichende Umweltschutzmaßnahmen seitens der Ölkonzerne und durch laxe Umweltauflagen des Staates sowohl beim Abbau als auch beim Transport durch Pipelines. Das empfindliche Ökosystem der Taiga und Tundra Westsibiriens, das Jahrzehnte braucht, um sich von Schäden zu erholen, wird dadurch massiv in Mitleidenschaft gezogen, und die Natur muss unter ihren reichen Bodenschätzen leiden. Beispielsweise wird eine wichtige Lebensgrundlage der traditionellen Bevölkerung, die Rentierzucht, immer weiter durch die Erdölförderung zerstört. Anhand dieser negativen Auswirkungen wird deutlich, dass der Gewinn, der mit dem reichlich vorhandenen Erdöl in Westsibirien zu erzielen ist, einem ökologisches Bewusstsein nur bedingt zur Ausprägung verholfen hat.

Um dieses nun mit Beispielen zu verdeutlichen, soll im Folgenden auf die Erschließung und den Abbau der Erdölvorkommen im Samotlor-Ölfeld bei Surgut und Nishnevartovsk, sowie auf die daraus resultierenden ökologischen Folgen in der Umgebung des Ölfeldes eingegangen werden. Des Weiteren wird der Fokus auf das Gefahrenpotential von Pipelines für die Umwelt gelegt, die das Öl zu den Absatzmärkten in Russland und Europa transportieren. Von einer Umweltmoral in den Verbraucherländern Europas kann keine Rede sein, da für diese lediglich der Preis des Erdöls von Interesse ist, nicht aber, mit welchen Methoden und ökologischen Folgen der Abbau und Transport bewerkstelligt wird.

Um einen besseren Überblick von der geographischen Einordnung Westsibiriens in seine Umgebung zu erhalten, ist es sinnvoll, auch die diese Region umgebenden räumlichen und tektonischen Einheiten sowie die dort vorherrschenden Vegetationszonen kurz zu beleuchten. In ihrem Buch „Ökonomische Geographie der Sowjetunion“ unterteilen GERLOFF und ZIMM (1978) Russland in vier große tektonische Einheiten: Die Russische Tafel, die Sibirische Tafel, die Uralisch-sibirische Tafel mit der Turanplatte und der ferne Osten und Nordosten. Während die Russische und die Sibirische Tafel ein präkambrisches, kristallines Grundgebirge aufweisen, befindet sich im fernen Osten und Nordosten ein Gebiet der mesozoischen Faltungsära. Westsibirien, beziehungsweise die Westsibirische Platte, gehört zur tektonischen Einheit der Uralisch-sibirischen Tafel und liegt im Zentrum Russlands, östlich des Urals. Die Westsibirische Platte, deren geomorphologisches Pendant die

Westsibirische Ebene (siehe Abbildung 1) genannt wird, ist eine junge Tafel, weist aber ähnliche Strukturen im tektonischen Aufbau auf, wie sie bei den alten Tafeln vorkommen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Grobe Einordnung der Westsibirischen Ebene im Eurasischen Kontinent.

(Quelle: leicht verändert nach: BIOLOGIE.DE 2006)

Auf dem paläozoisch gefalteten Fundament liegen mesozoische und kanäozoische Schichten, die bis zu 4000 Meter Mächtigkeit erreichen und reich an Rohstoffen sind, davon insbesondere an Erdöl und Erdgas. Diese Deckschichten konnten sich ungestört ablagern und verhelfen der Westsibirischen Ebene zu ihrer Ebenheit der Oberfläche.

Das Gebiet Westsibiriens, in dem hauptsächlich Erdöl gefördert wird ist in zwei Vegetationszonen aufgeteilt, die Tundra und die Taiga. Die Tundra erstreckt sich über das Gebiet nördlich des 66. Breitengrads, was in etwa dem Nördlichen Polarkreis entspricht. Südlich davon reicht die Taiga bis auf ungefähr 62° nördlicher Breite (siehe Abbildung 2 und 4). Diese Zonen, vor allem die Tundra, sind durch Permafrostboden gekennzeichnet, der nach Süden hin, aufgrund von höherer Einstrahlung und wärmeren Sommern, an Mächtigkeit verliert. Der Permafrostboden reagiert durch die langsam ablaufenden Regenerationsprozesse sehr empfindlich auf Störungen, wie sie beispielsweise (lecke) Pipelines mit sich bringen. Er braucht Jahrzehnte um sich von Beschädigungen zu regenerieren. Aber auch die Taiga, gekennzeichnet durch den Borealen Nadelwald, der von Sümpfen und Mooren durchzogen ist, hat ein sehr empfindliches Gewässersystem, das durch Ölverschmutzung bereits schwere Schäden erlitten hat.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Der Wirtschaftsraum Westsibiriens und die südliche Ausdehnung des Permafrostes. (Quelle: BENDER WEBER 1990:41)

2.2 Transport des Westsibirisches Öls durch Pipelines

Die riesigen Fördermengen aus den westsibirischen Ölfeldern werden über ein Pipelinenetzwerk (siehe Abbildung 2 und 3) zu den Absatzmärkten, beziehungsweise den Raffinerien, in Europa und den dichter besiedelten Westen Russlands transportiert. Neben den Eingriffen in die Natur, die bereits durch den Bau und später durch die Wärmeabgabe der Pipelines an den Boden erfolgen, liegt das Hauptproblem in der Wartung der kilometerlangen Pipelines. Grobe Nachlässigkeiten seitens der Ölfirmen werden scheinbar billigend in Kauf genommen. Bei den permanent auftretenden Lecks kann bei weitem nicht mehr von Unfällen oder einzelnen Schadensereignissen die Rede sein. Viel mehr muss der marode Zustand vieler Pipelines wirtschaftlichen Berechnungen zu Grunde liegen, die den entstehenden Ölverlust und die daraus resultierende Ölverschmutzung mit Einsparungen bei der Instandhaltung aufwiegen. Die Schäden, die dabei für Mensch und Umwelt entstehen, scheinen nur von sekundärem Interesse zu sein. Ein Umweltgewissen tritt lediglich dann zu Tage, wenn einzelne Schäden, wie beispielsweise der Bruch eines Ölrückhaltebeckens bei Usinsk im Jahre 1994, extreme Ausmaße annehmen und das mediale Interesse geweckt wird. Die entstandenen Umweltschäden werden dann eifrig mit modernster Technik und hohem Kostenaufwand medienwirksam bekämpft.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Russisches Pipelinenetzwerk, sowie Gebiete mit prospektiver und bereits stattfindender Ölförderung. (Quelle: PRIDDLE 1994:124)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Der Dauerfrostboden verliert von Nord nach Süd an Mächtigkeit (schematische Darstellung). (Quelle: DIETERLE 2006:22)

2.2.1 Schäden durch intakte Pipelines

Bevor auf die Schäden, die durch lecke Pipelines entstehen, näher eingegangen wird, soll zunächst veranschaulicht werden, welche Probleme auch intakte Pipelines mit sich bringen. Bereits die Verlegung der Röhren stellt einen Eingriff in die Natur dar, welcher die empfindliche Bodendecke beschädigt. Auch die entstehende Wärme ist ein Problem, da sie beim Transport des Öls zum Auftauen des umliegenden Permafrostbodens führt.

Pipelines werden entweder überirdisch auf Betonpfählen oder unterirdisch in Gräben verlegt. Da der Permafrostboden durch die ausstrahlende Wärme der Röhren auftaut, was wiederum zu einem Absinken und Verbiegen der Leitung führen würde, wird das Trägersystem im Bereich des immer gefrorenen Bodens verankert. Für die Errichtung einer unterirdischen Pipeline muss zunächst ein Graben ausgehoben werden, in dem die Röhren verlegt werden. Dies stellt jedoch in der sumpfigen Taiga ein Problem dar. Der Untergrund ist hier zumeist nicht fest genug, so dass die Rohrleitungen immer wieder nach oben gedrückt werden und sich dabei verziehen. Dies führt zu Rissen und Brüchen.

Auch in den Übergangsbereichen zur Taiga wurden Pipelines unterirdisch verlegt. Da der Permafrost nach Süden an Mächtigkeit aber verliert und vermehrt inselartig auftritt (siehe Abbildung 4), kann die Bauweise auf Betonpfählen, aufgrund des labilen Untergrundes hier

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten nicht mehr angewendet werden. Der sommerliche Auftaubereich reicht somit tiefer in den Untergrund. Innerhalb weniger Jahre taut der gefrorene Untergrund um die Leitung immer mehr auf, und die Pipeline beginnt sich zu verlagern. Bei einem leichten Gefälle entfernte sie sich von ihrer ursprünglichen Position nicht nur horizontal um einige Meter, sondern auch vertikal. Dadurch traten Lecks und Brüche auf, die aufwendige

Reinigungsarbeiten und teure

Abbildung 5: Pipelinebau im Dauerfrostboden und Wandern der Röhre durch Auftauen des Bodens. (Quelle: DIETERLE 2006:22)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Reparaturmaßnahmen nach sich zogen (siehe Abbildung 5).

2.2.2 Marode Pipelines bergen ein hohes Gefahrenpotential

Im Jahre 1999 schätzte die norwegische Umweltorganisation „Bellona“ den Anteil des pro Jahr ausgetretenen Öls aus russischen Pipelines, sowie aus Ölsammel- und Rückhaltebecken auf circa 7 bis 16 Prozent. Bei einer jährlichen Gesamtfördermenge von rund 300 Millionen Tonnen sind das 20 bis 50 Millionen Tonnen Öl, die im Boden der Taiga und Tundra verschwinden (PREUSS 1999). Anderen Berichten zufolge belaufen sich die heutigen Verlustraten beim Öltransport durch Pipelines und Tankerunfällen auf 3 bis 7 Prozent (REUTTER 2006). Scheinbar haben die Sicherheitsmaßnahmen in den letzten Jahren zugenommen, jedoch treten laut „Greenpeace“ jährlich immer noch etwa 5.000 Brüche an Pipelines auf (GAVRILOV 2002:10). In einem Tagesschau-Online Artikel beziffert Thomas Reutter die Anzahl der neuen Lecks pro Jahr sogar auf 20.000 (REUTTER 2006). Es ist jedoch unmöglich, überhaupt objektive Zahlen zu erfahren, da Umweltorganisationen möglichst drastische Szenarien darstellen wollen, um Aufmerksamkeit auf die Thematik zu ziehen. Von Ölfirmen hingegen werden Daten solcherart als übertrieben und aus der Luft gegriffen abgetan oder schlichtweg totgeschwiegen. Offizielle Zahlen über die Pipelinelecks gibt es nicht. Aber in welcher genauen Größenordnung auch immer, die Schäden, die das austretende Öl fraglos zuhauf anrichtet, sind katastrophal für Mensch und Umwelt. Die vielerorts bis zu 30 Jahre alten Leitungen sind marode und werden, wenn überhaupt, nur notdürftig geflickt.

[...]

Ende der Leseprobe aus 55 Seiten

Details

Titel
Ein Ungleiches Paar? Gewinnmaximierung und ökologisch nachhaltiges Wirtschaften bei der Erschließung mineralischer Ressourcen
Untertitel
Erdöl in Sibirien, Ölsand in Kanada, Kohlebergbau in China
Hochschule
Universität Stuttgart  (Institut für Geographie)
Veranstaltung
Aktuelle Fragen zur Physischen Geographie
Note
2,2
Autor
Jahr
2007
Seiten
55
Katalognummer
V118018
ISBN (eBook)
9783640201938
ISBN (Buch)
9783640206810
Dateigröße
10355 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Ungleiches, Paar, Gewinnmaximierung, Wirtschaften, Erschließung, Ressourcen, Aktuelle, Fragen, Physischen, Geographie, Kanada, Alberta, Sibirien, Ob, China, Kohle, Ölsand, Kohlenbrand, Erdöl, Pipeline, Komi Oil Spill, Erdgas
Arbeit zitieren
Julian Schatz (Autor), 2007, Ein Ungleiches Paar? Gewinnmaximierung und ökologisch nachhaltiges Wirtschaften bei der Erschließung mineralischer Ressourcen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/118018

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