Wo mineralische Ressourcen vorkommen, ist meistens auch viel Geld zu verdienen. Das ist schon lange bekannt und hat in der Geschichte zu etlichen Kriegen um die begehrten Rohstoffe geführt. Die größte Bedeutung haben nach wie vor die fossilen mineralischen Energieträger Erdöl, Erdgas und Kohle. Die Entdeckungen großer Lagerstätten haben schon vielen davor wirtschaftlich eher bedeutungslosen Ländern zu einem kometenhaften Aufstieg in der Hierarchie der globalen Wirtschaft verholfen.(...) Der riesige Energiebedarf der hoch industrialisierten Länder der Welt erzeugt für diejenigen ohne ausreichend eigenen Rohstoffen einen hohen Druck, den Bedarf auf möglichst lange Zeit zu sichern. Das bringt gewaltige Mengen an Kapital ins Spiel, mit dem die energieträchtigen Ressourcen eingekauft werden. Dabei ist mit dem Gewissen der Endkunden nicht weit her, wenn es darum geht unter welchen Bedingungen die gekauften Rohstoffe der Erde abgerungen wurden. Eine allzu ethische und ökologische Einkaufsmoral würde mit Sicherheit früher oder später zu einem Ansteigen der Preise führen, denn die Länder, in denen die begehrten Güter gewonnen werden, würden gezwungen, nachhaltigere Methoden im Abbau einzuführen. Da die Abnehmer so wenig wie möglich bezahlen wollen und die Produzenten von Rohstoffen soviel wie möglich verdienen wollen, ist der Zustand der Natur in den Förderregionen oftmals katastrophal. Landschaftsumgestaltung durch Tagebau, Austreten von Öl aus leckenden Pipelines und saurer Regen sind nur einige von vielen Problemen, die lokale Ökosysteme gefährden. In vielen Fördergebieten werden zudem beträchtliche Mengen an Treibhausgasen in die Atmosphäre emittiert und liefern demzufolge einen nicht unwesentlichen Beitrag zum globalen Klimawandel. Ein gänzlich umweltverträglicher Abbau von fossilen Ressourcen ist unmöglich. Anhand der drei folgenden Beispiele soll gezeigt, wie es um eine Annäherung an dieses unerreichbare Ideal in den ausgewählten Förderregionen der Erde bestellt ist. Die konventionelle Ölförderung im russischen Westsibirien und die Gewinnung nicht-konventionellen Öls aus Ölsanden im kanadischen Alberta zeigen, welche Probleme im subarktischen Bereich mit seinen empfindlichen und sich schwer regenerierenden Ökosystemen durch den Abbau des Öls entstehen können. Als letztes Beispiel folgt der Kohlebergbau in China, der ebenfalls erhebliche Auswirkungen auf Mensch und Umwelt hat.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Erdölförderung in Sibirien und daraus resultierende ökologische Probleme
2.1 Einleitung und geographischer Überblick über Westsibirien
2.2 Transport des Westsibirisches Öls durch Pipelines
2.2.1 Schäden durch intakte Pipelines
2.2.2 Marode Pipelines bergen ein hohes Gefahrenpotential
2.2.3 Der „Komi Oil Spill“
2.3 Indigene Völker leiden unter den Erdölreserven
2.4 Das Samotlor-Ölfeld
2.5 Abfackeln von Begleitgasen
2.6 Dämme und Plattformen aus Sand
2.7 Fazit und Ausblick
3. Ölsandförderung in Alberta, Kanada
3.1 Einleitung
3.2 Geographischer Überblick
3.3 Abbaumethoden (Tagebau und in-situ Verfahren)
3.4 Erschließung einer Lagerstätte im Athabaska-Gebiet
3.5 Ökologische Folgen der Ölsandförderung
3.6 Die 'First Nations' in Ölsandgebieten
3.7 Ausblick
4. Kohlebergbau in China
4.1 Überblick
4.2 Kohlevorkommen in China
4.3 Ökologische Probleme bei der Kohlengewinnung
4.3.1 Luftverschmutzung und Saurer Regen
4.3.2 Kohlefeuer
4.3.3 Landschaftsumgestaltung und Wasserverschmutzung durch Kohlenwaschung
4.4 Ausblick
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert den Zielkonflikt zwischen ökonomischer Gewinnmaximierung und ökologischer Nachhaltigkeit bei der Erschließung fossiler Rohstoffvorkommen in drei spezifischen Regionen der Erde.
- Konventionelle Erdölförderung im russischen Westsibirien
- Gewinnung nicht-konventionellen Öls aus Ölsanden in Alberta, Kanada
- Kohlebergbau in China und seine gravierenden Umweltfolgen
- Auswirkungen der Rohstoffförderung auf indigene Bevölkerungsgruppen
- Kritische Reflexion der ökologischen Verantwortung globaler Energiekonzerne
Auszug aus dem Buch
2.2.1 Schäden durch intakte Pipelines
Bevor auf die Schäden, die durch lecke Pipelines entstehen, näher eingegangen wird, soll zunächst veranschaulicht werden, welche Probleme auch intakte Pipelines mit sich bringen. Bereits die Verlegung der Röhren stellt einen Eingriff in die Natur dar, welcher die empfindliche Bodendecke beschädigt. Auch die entstehende Wärme ist ein Problem, da sie beim Transport des Öls zum Auftauen des umliegenden Permafrostbodens führt.
Pipelines werden entweder überirdisch auf Betonpfählen oder unterirdisch in Gräben verlegt. Da der Permafrostboden durch die ausstrahlende Wärme der Röhren auftaut, was wiederum zu einem Absinken und Verbiegen der Leitung führen würde, wird das Trägersystem im Bereich des immer gefrorenen Bodens verankert. Für die Errichtung einer unterirdischen Pipeline muss zunächst ein Graben ausgehoben werden, in dem die Röhren verlegt werden. Dies stellt jedoch in der sumpfigen Taiga ein Problem dar. Der Untergrund ist hier zumeist nicht fest genug, so dass die Rohrleitungen immer wieder nach oben gedrückt werden und sich dabei verziehen. Dies führt zu Rissen und Brüchen.
Auch in den Übergangsbereichen zur Taiga wurden Pipelines unterirdisch verlegt. Da der Permafrost nach Süden an Mächtigkeit aber verliert und vermehrt inselartig auftritt (siehe Abbildung 4), kann die Bauweise auf Betonpfählen, aufgrund des labilen Untergrundes hier nicht mehr angewendet werden. Der sommerliche Auftaubereich reicht somit tiefer in den Untergrund. Innerhalb weniger Jahre taut der gefrorene Untergrund um die Leitung immer mehr auf, und die Pipeline beginnt sich zu verlagern. Bei einem leichten Gefälle entfernte sie sich von ihrer ursprünglichen Position nicht nur horizontal um einige Meter, sondern auch vertikal. Dadurch traten Lecks und Brüche auf, die aufwendige Reinigungsarbeiten und teure Reparaturmaßnahmen nach sich zogen (siehe Abbildung 5).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik ein, dass bei der Ausbeutung fossiler Energieträger Gewinnmaximierung oft Vorrang vor ökologischer Verantwortung hat und katastrophale Folgen für die Natur in den Förderregionen nach sich zieht.
2. Erdölförderung in Sibirien und daraus resultierende ökologische Probleme: Das Kapitel beleuchtet die ökologische Katastrophe im westsibirischen Erdölgebiet, verursacht durch marode Pipeline-Infrastruktur, die Zerstörung der Lebensgrundlagen indigener Völker und die Zerstörung durch bauliche Eingriffe wie Sandaufschüttungen.
3. Ölsandförderung in Alberta, Kanada: Hier wird der Abbau von Bitumen in Alberta thematisiert, wobei sowohl der flächenintensive Tagebau als auch das energieintensive In-Situ-Verfahren sowie deren negative Auswirkungen auf die Treibhausgasbilanz und die First Nations analysiert werden.
4. Kohlebergbau in China: Dieses Kapitel behandelt die gravierenden Umweltprobleme des chinesischen Kohlebergbaus, darunter Luftverschmutzung, saurer Regen, unkontrollierte unterirdische Flözbrände und die massive Degradierung von Land und Wasserressourcen.
5. Fazit: Die abschließende Betrachtung stellt fest, dass menschen- und umweltverachtende Methoden bei der Rohstoffförderung systematisch praktiziert werden und ein ökologischer Wandel bisher an wirtschaftlichen Interessen und mangelndem politischen Willen scheitert.
Schlüsselwörter
Erdölförderung, Ölsand, Kohlebergbau, Westsibirien, Alberta, China, Umweltzerstörung, Pipeline-Lecks, Permafrostboden, First Nations, Treibhausgasemissionen, Kohleflözbrände, Nachhaltigkeit, Ressourcenausbeutung, ökologisches Gleichgewicht.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen ökonomischer Gewinnmaximierung der Förderindustrie und dem Schutz sensibler Ökosysteme in den drei Hauptregionen Westsibirien, Alberta und China.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Umweltschädigung durch fossile Energieträger, den Risiken von Transportinfrastrukturen wie Pipelines, den Auswirkungen auf indigene Bevölkerungsgruppen sowie den klimatischen Folgen der Förderung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, anhand dreier Praxisbeispiele aufzuzeigen, wie groß die Lücke zwischen der theoretischen Notwendigkeit eines umweltverträglichen Abbaus und der realen, oftmals katastrophalen Praxis in den Förderregionen ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Literatur- und Datenanalyse, die durch zahlreiche Fallbeispiele, Satellitenaufnahmen und Berichte von Umweltorganisationen untermauert wird.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert detailliert die spezifischen Fördertechniken, deren ökologische Folgen (z.B. Ölverschmutzung, Landschaftsumgestaltung, Emissionen) und die sozio-ökonomischen Auswirkungen auf die lokale Bevölkerung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den zentralen Begriffen zählen Erdölförderung, Ölsand, Kohlebergbau, Umweltzerstörung, Permafrostboden, Treibhausgase und Nachhaltigkeit.
Warum sind die untersuchten Gebiete ökologisch besonders anfällig?
Die Gebiete (z.B. Tundra und Taiga in Westsibirien) zeichnen sich durch sensible Ökosysteme aus, die aufgrund klimatischer Bedingungen extrem lange Regenerationszeiten bei Störungen benötigen.
Welche Rolle spielen die "First Nations" bei der Ölsandförderung?
Die indigenen Gruppen in Alberta sind durch die großflächige Zerstörung ihrer Lebensräume durch den Ölsandabbau in ihrer traditionellen Existenzgrundlage bedroht und kämpfen politisch um Anerkennung ihrer Landnutzungsrechte.
Warum sind Kohleflözbrände in China ein solches Problem?
Sie verursachen nicht nur gewaltige Emissionen von Treibhausgasen und Schadstoffen, sondern führen zu einer massiven Vernichtung wirtschaftlich nutzbarer Kohlereserven und gefährden durch Geländeabsenkungen die Sicherheit.
- Citar trabajo
- Julian Schatz (Autor), 2007, Ein Ungleiches Paar? Gewinnmaximierung und ökologisch nachhaltiges Wirtschaften bei der Erschließung mineralischer Ressourcen, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/118018