Interkulturelle Beratung - Personenzentrierte Beratung


Hausarbeit, 2006

22 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung – allgemeine Definition: Was ist interkulturelle Beratung?

2. Begriffe
2.1. Der Kulturbegriff
2.2. Begriffserklärung: Migration
2.3. Begriffserklärung: Integration
2.4. „Multikulturell“ und „Interkulturell“

3. Psychosoziale Störungen bei Migranten

4. Gesellschaftliche Rahmenbedingungen - Interkulturelle Öffnung

5. Interkulturelle Ausrichtung in der Beratung

6. Die systemische Ausrichtung in der Beratung

7. Interkulturelles systemisches professionelles Handeln

8. Beratung und Intervention
8.1. Anmeldung
8.2. Die Aufwärmphase
8.3. Die Interviewphase
8.4. Die Erkenntnis- und Kontraktphase
8.5. Die Abschlussphase
8.6. Die Auswertung

Kommentar

Anhang: Beratungsstellen für Migranten in Düsseldorf

Literaturverzeichnis

1. Einleitung – allgemeine Definition: Was ist interkulturelle Beratung?

Moderne Gesellschaften sind heutzutage durch einen sehr hohen Grad an Mobilität gekennzeichnet und können daher als „Migrationsgesellschaften“ charakterisiert werden. Probleme der Migranten, und damit auch das Zusammenleben der verschiedenen Kulturen betreffen nicht nur eine Minderheit, sondern auf unterschiedlicher Weise die gesamte Bevölkerung.

Es gibt einerseits Menschen, die in ein fremdes Land ausgewandert sind, jedoch meistens in Sprache, Gewohnheiten und in ihrem Selbstverständnis dem Heimatland verhaftet bleiben und den Traum pflegen, eines Tages zu ihrem Heimatland zurück zu kehren, auch wenn dies in den meisten Fällen ziemlich unrealistisch erscheint. Dem stehen die Alteingesessenen gegenüber. Auch wenn die Zuwanderer ihnen manche wirtschaftlichen Vorteile verschaffen, bereitet ihnen deren Menge das Gefühl des Fremdwerdens in der einst vertrauten Welt.

Das größte Problem haben allerdings die sich zwischen beiden Polen befindenden Menschen. Diese sind von beiden Seiten geprägt und fühlen sich zu keiner voll zugehörig. Sie stammen aus dem Ausland, sind aber im neuen Land aufgewachsen und beherrschen dessen Sprache meist besser als die Eltern.

Bei den Problemen, die aufgrund der Migration zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen entstehen, handelt es sich um gesellschaftliche Probleme, die gesellschaftliche Lösungen verlangen, z.B. im Bereich von Schulwesen, Kommunalpolitik und Sozialfürsorge. Dabei geht es allerdings immer auch um individuelle und somit auch innere Schwierigkeiten und Konflikte. Dazu zählen u.a. psychische und soziale Störungen, die entsprechender psychotherapeutischer und sozialtherapeutischer Hilfe bedürfen. Hierbei handelt es sich um Behandlungsformen, die in besonderer Weise von der jeweiligen Kultur her bestimmt ist. Es wäre also unangemessen Menschen, die einer anderen Kultur entstammen, in das geläufige Schema „unserer“ psychotherapeutischen Methoden zu zwängen.

Zusammenfassend könnte man sagen: Es finden sich in Mitteleuropa immer mehr multikulturell bedingte Probleme, für die nicht nur politische, sondern auch fachliche Lösungen gefunden werden müssen. Dabei ist eine menschen- und somit auch kulturgerechte Versorgung von Migranten mit einer notwendigen und trainierbaren Sensibilisierung der Fachleute von großer Bedeutung.

In dieser Hausarbeit möchten wir nun konkret auf die Entstehung, Behandlung und Lösung solcher Probleme durch spezifische Beratung der Migranten eingehen.

Zunächst klären wir einige Begriffe die uns für dieses Thema als wichtig erscheinen, anschließend gehen wir auf die psychosozialen Probleme der Betroffenen ein, bevor wir uns näher mit den sozialen Einrichtungen sowie der Beratung der Zielgruppe beschäftigen.

Abschließend informieren wir über spezielle Beratungsstellen für Menschen mit Migrationshintergrund in Düsseldorf.

2. Begriffe

In diesem Teil unserer Hausarbeit möchten wir zunächst auf einige Begriffe eingehen, deren Bedeutung man unserer Meinung nach bei der Arbeit mit Migranten bzw. Beratung von Migranten kennen sollte, zumindest sollte man einige Definitionen dieser Begriffe kennen. Dabei erscheinen uns Begriffe wie „Migration“, „Kultur“, „interkulturell“, „multikulturell“, „transkulturell“ vor allem aber auch „Integration“ als besonders wichtig. Aufgrund dessen haben wir uns für Definitionen aus verschiedenen Büchern entschieden, wobei uns aufgefallen ist, dass es selbst heute noch weder eine einheitliche Regelung für deren Gebrauch gibt, noch für die Bezeichnung der betroffenen Personen, an die z.B. Integrationsmaßnahmen gerichtet sind, die „Migranten“, „Ausländer“ oder „Einwanderer“.

2.1. Der Kulturbegriff

Die zahlreichen Versuche, den Kulturbegriff zu definieren, kreisen um das Bemühen, Theorien über Kultur und menschliches Handeln zu entwickeln.

Von einigen Forschern wird die „Kultur“ als ein Produkt menschlichen Denkens und Handelns verstanden, das von Generation zu Generation weitergereicht und verändert wird (Linton 1956 zit. in Thomas 1993, S.107), während andere die „Kultur“ als unabhängige Variable - als Einflussgröße, die die menschliche Entwicklung bestimmt, sehen (Mead 1928 zit. in Thomas 1993, S.107). Andere wiederum (z.B. Gergen 1985) sehen das Kulturkonzept jedoch anders. Demnach existiert die Kultur nicht nur als Einflussgröße außerhalb der Person, sondern alles menschliche Handeln ist ein Teil der Kultur, in der der Mensch aufwächst.

Die zahlreichen Versuche „Kultur“ zu definieren, haben gezeigt, dass die „Kultur“ ein Komplex von Phänomenen ist, z.B. von Sprache, Geschichte, Mythen, Ritualen etc.

Die Kultur wird im Allgemeinen also als ein Komplex verstanden, der die Entwicklung und das Handeln des Menschen unter anderem mit beeinflusst, sowie auch selbst vom Handeln des Menschen mit beeinflusst wird (Thomas 1993, S.107-108).

2.2. Begriffserklärung: Migration

Migration oder Wanderung ist bisher unterschiedlich definiert worden. Wir haben und anhand eines Buches für einige darin aufgeführter bekannter Definitionen entschieden.

Migration bzw. Wanderung ist oder betrifft:

„Menschen, die dauerhaft oder für längere Zeit außerhalb ihres Herkunftslandes leben“ (Castels 1993, S.1 zit. in Treibel 1999, S.19)

„die Ausführung einer räumlichen Bewegung, die einen vorübergehenden oder Permanenten Wechsel des Wohnsitzes bedingt, eine Veränderung der Position also im sozialen Raum“ (Albrecht 1972, S.23 zit. in Treibel 1999, S.19)

„dass Individuen aus einem Gesellschaftssystem in ein anderes überwechseln, wodurch direkt oder indirekt in beiden Systemen interne und externe Beziehungs- und Strukturveränderungen induziert werden“ (Ronzani 1980, S.17 zit. in Treibel 1999, S.19)

„der Übergang eines Individuums oder einer Gruppe von einer Gesellschaft zur anderen“ (Eisenstadt 1954, S.1 zit. in Treibel 1999, S.19)

Zentral sind für alle diese Definitionen die Aspekte des Wechsels und der Bewegung. Allerdings stellt die Migration eine äußerst auffällige Form der Bewegung dar.

Um den oftmals sehr allgemein gehaltenen Migrationsbegriff zu konkretisieren und zu definieren, wurden mehrere Typologien entwickelt die Treibel (1999, S.19) in seinem Buch aufzeigt.

Unter räumlichen Aspekten, d.h. also die Zielrichtung bzw. die zurückgelegte Distanz bei der Wanderung, wird zwischen Binnen- oder interner Wanderung (z.B. vom Land in die Stadt) und internationaler, also externer Wanderung unterschieden. Bei der externen Wanderung gibt es noch die kontinentale und interkontinentale Form von Wanderung.

Bei den zeitlichen Aspekten ist der Unterschied zwischen begrenzter / temporärer Wanderung (z.B. Saisonarbeit) und dauerhafter / permanenter Wanderung (z.B. Ein-, Auswanderung) zu beachten.

Bezüglich der Wanderungsentscheidung oder Wanderungsursache unterscheidet man freiwillige (z.B. Arbeitsmigration) von der erzwungenen (Fluchtmigration, Vertreibung) Wanderung.

Bei dem Umfang der Migration wird zwischen Einzel- bzw. Individualwanderung, Gruppen- oder Kollektivwanderung und Massenwanderung unterschieden, wobei auch hier die Übergänge fließend sind.

(Treibel 1999, S.20)

Laut Treibel (1999, S.21) ist Migration im Allgemeinen „der auf Dauer angelegte bzw. dauerhaft werdende Wechsel in eine andere Gesellschaft bzw. in eine andere Region von einzelnen oder mehreren Menschen“ und die beiden Hauptursachen für Migration sind ihrer Meinung nach „die Suche nach arbeit und der Schutz vor Verfolgung“.

2.3. Begriffserklärung: Integration

Die Diskussionen um die „Integration“ begannen 1979, als die ausländische Wohnbevölkerung auf 4,1 Millionen anwuchs während die Zahl der ausländischen Beschäftigten auf ca. 1,9 Millionen zurückging.

Der Integrationsbegriff war und ist seit dem das zentrale Schlagwort in der Politik und in der Wissenschaft bezüglich der Migranten in der Bundesrepublik Deutschland. Dieser wurde, je nach wissenschaftlicher und politisch-ideologischer Zielsetzung mehrmals definiert oder missbraucht (Treibel 1999, S.60).

Unter Integration verstehen staatliche und bürokratische Stellen die Förderung und Eingliederung der ausländischen Familien durch politisch-administrative Maßnahmen wie z.B. Maßnahmen zur beruflichen und sozialen Eingliederung. Mit den Instrumenten einer Integrationspolitik sollen die „befürchteten gesellschaftlichen und individuellen Konflikte“, besonders der ausländischen Jugendlichen, verhindert werden.

Die Kirchen, Verbände und Initiativen, die sich mit den ausländischen Familien befassen, verstehen unter Integration die Gleichberechtigung der Migranten mit den Einheimischen. Demnach soll für das Leben der Ausländer in der Bundesrepublik Deutschland folgende Devise gelten: „Verschiedene Kulturen – Gleiche Rechte!“ (Lüderwaldt 1984, S.179 zit. in Treibel 1999, S.61). Dadurch entstand auch der Begriff des „ausländischen Mitbürgers“, der laut Thränhardt (1984 zit. in Treibel 1999, S.61) „eher integrativ-humanitär gemeint war, gleichwohl in seiner Anwendung eupheministisch (beschönigend) benutzt wurde und zugleich erneut das ausländische Anderssein hervorhob“.

Sowohl in politischen Verlautbarungen als auch in den Medien ist mit Integration ausschließlich die Anpassungsleistung der Zugewanderten gemeint. Hier beurteilt man die Ausländer nach ihrer individuellen Integrationsbereitschaft, während man die verschiedenen Nationalitäten nach ihrer kulturell-herkunftsbedingten Integrationsfähigkeit beurteilt (Treibel 1999, S.64).

[...]

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Interkulturelle Beratung - Personenzentrierte Beratung
Hochschule
Fachhochschule Düsseldorf
Note
1,3
Autor
Jahr
2006
Seiten
22
Katalognummer
V118020
ISBN (eBook)
9783640201952
Dateigröße
389 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Interkulturelle, Beratung, Personenzentrierte, Beratung
Arbeit zitieren
Esra Poyraz (Autor), 2006, Interkulturelle Beratung - Personenzentrierte Beratung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/118020

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