Aktuell beobachtete Tendenzen der Umstrukturierung und Reorganisation innerhalb der gesamten, automotiven Wertschöpfungskette sowie der Erweiterung der Europäischen Union (EU) mit der daraus resultierenden Rolle Österreichs als Tor zwischen West und Ost sind nur einige der Gründe für grundlegende Veränderungen in der österreichischen Zulieferindustrie. Des Weiteren prognostizieren diverse Studien, dass durch die eintretende Verringerung der Fertigungstiefe der Original Equipment Manufacturer die Zulieferunternehmen große Teile an Entwicklungs- und Produktionsarbeit übernehmen werden, und somit bis 2015 um bis zu 70% wachsen können. In diesem Zusammenhang stellte sich die Frage, ob bzw. welche Auswirkungen die oben genannten Veränderungen auf die österreichische Zulieferindustrie haben.
Nach näherer Betrachtung der treibenden Wirtschaftskräfte Österreichs kristallisierte sich die maßgebliche Bedeutung der Automobil- bzw Automobilzulieferindustrie für die österreichische Wirtschaft heraus. Die Automobilindustrie und die damit verbundenen Zulieferungen gelten als eine der wichtigsten Zukunftsbranchen in den neu beigetretenen Mitgliedsstaaten der Europäischen Union, in Mittel- und Osteuropa. Somit entstand der Grundgedanke zu erforschen, wie groß der Einfluss der EU-Beitrittsländer in Bezug auf die Produktion von Teilen für die Automobil-Erstausrüstung in Österreich ist.
Da in der Automobilindustrie die Standortwahl einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil darstellt, soll erläutert werden welche Vorteile Österreich international agierenden Unternehmen der Automobilindustrie bietet. Es soll erläutert werden wie sich die Ist-Situation der österreichischen Zulieferindustrie zum derzeitigen Zeitpunkt darstellt und ob die geographische Nähe zu den boomenden Automobilproduktionsstaaten Mittel- und Osteuropas für die zukünftige Bedeutung Österreichs in dieser Industrie essentiell ist.
Ziel dieser Arbeit ist die Analyse der Bedeutung Österreichs als Zuliefernation, vor allem für die Automobilindustrie im neuen Europa. In weiterer Folge soll eine Analyse strategischer Allianzen zur Stärkung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit mit abschließenden Trendaussagen in Bezug auf die Zukunft österreichischer Zulieferunternehmen entwickelt werden.
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
1.1 PROBLEMSTELLUNG UND FORSCHUNGSINTERESSE
1.2 FRAGESTELLUNG UND ZIEL DER ARBEIT
1.3 AUFBAU DER ARBEIT
2 DIE AUTOMOBILZULIEFERINDUSTRIE
2.1 DEFINITION
2.2 OPTIMIERTE ZULIEFERFORMEN
2.2.1 Just-In-Time
2.2.2 Just-In-Sequence
2.3 GRÜNDE FÜR ZULIEFERBEZIEHUNGEN
2.4 INDUSTRIE- UND BRANCHENABGRENZUNG
2.4.1 Industriestrukturabgrenzung
2.4.1.1 Original Equipment Manufacturer
2.4.1.2 Tier 1
2.4.1.3 Tier 2
2.4.1.4 Tier 3
2.4.2 Branchen- und Marktabgrenzung nach NAICS
2.4.3 Systeme und Komponenten zur Neuwagenproduktion
2.5 HISTORISCHE ENTWICKLUNGEN
2.5.1 Erste Revolution und Fordismus
2.5.2 Zweite Revolution
2.6 GLOBALE TRENDS DER DRITTEN REVOLUTION
2.6.1 Emerging Markets
2.6.2 Veränderung der Beziehung zwischen Zulieferunternehmen und OEM
2.6.2.1 Globalisierung
2.6.2.2 Verringerung der Fertigungstiefe für OEM
3 AUTOMOBILZULIEFERINDUSTRIE IN EUROPA
3.1 DEUTSCHLAND – DIE ZULIEFERNATION IN EUROPA
3.2 DIE AUTOMOBIL(-ZULIEFER)INDUSTRIE IN DEN NEUEN EU-LÄNDERN
3.2.1 EU-Osterweiterung
3.2.2 Fahrzeugindustrie in den CEE Ländern
3.2.2.1 Slowakei
3.2.2.2 Ungarn
3.2.2.3 Tschechische Republik
3.2.2.4 Polen
3.2.3 Fahrzeugindustrie in Russland
4 ANALYSE DER ÖSTERREICHISCHEN AUTOMOBIL- UND AUTOMOBILZULIEFERINDUSTRIE
4.1 ENTWICKLUNG DER ÖSTERREICHISCHEN FAHRZEUGINDUSTRIE
4.2 DIE ÖSTERREICHISCHE AUTOMOBILZULIEFERINDUSTRIE
4.2.1 Industrieanalyse nach Porter
4.2.1.1 Eintrittsbarrieren
4.2.1.2 Verhandlungsstärke der Abnehmer (OEM)
4.2.1.3 Verhandlungsstärke der Lieferanten
4.2.1.4 Rivalität unter bestehenden Unternehmen
4.2.1.5 Gefahr durch Ersatzprodukte
4.2.1.6 Abgeleitete Strategieformulierung
4.2.1.7 Schaffung von Wettbewerbsvorteilen
4.2.1.7.1 Differenzierung
4.2.1.7.2 Kostenführerschaft
4.3 MERKMALE DES WIRTSCHAFTSTANDORTES ÖSTERREICHS
4.3.1 Stabilität und Sicherheit
4.3.2 Zentrale Lage und Infrastruktur
4.3.3 Verfügbarkeit hoch qualifizierter Arbeitskräfte, Motivation und Produktivität
4.4 AUTOMOBIL-CLUSTER
4.4.1 Definition
4.4.2 Gründe zur Bildung von Clustern
4.4.3 Merkmale von Clustern
4.4.3.1 Größe des Clusters
4.4.3.2 Geographische Konzentration
4.4.3.3 Hoher Spezialisierungsgrad der Unternehmen
4.4.4 Cluster in Österreich
4.4.4.1 AC Styria
4.4.4.2 AC Oberösterreich
4.4.4.3 AC Vienna Region
5 EMPIRISCHER TEIL
5.1 METHODIK DER DATENERHEBUNG
5.1.1 Primärdatenerhebung
5.1.1.1 Fragebogen
5.1.1.2 Experteninterview
5.1.2 Die 5 Wettbewerbskräfte nach Porter
5.1.2.1 Eintrittsbarrieren
5.1.2.2 Verhandlungsstärke der OEM
5.1.2.3 Verhandlungsstärke der Lieferanten
5.1.2.4 Rivalität unter bestehenden Unternehmen
5.1.2.5 Gefahr der Substitution
5.2 FRAGESTELLUNGEN
5.3 AUSWERTUNG DER DATEN
5.3.1 Fragebogen
5.3.2 Experteninterview
6 ZUSAMMENFASSUNG UND AUSBLICK
6.1 ZUSAMMENFASSUNG
6.2 FAZIT
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert die Bedeutung der österreichischen Automobilzulieferindustrie im Kontext der EU-Osterweiterung und der globalen Trends der Branche. Dabei steht die Forschungsfrage im Fokus, inwieweit Österreichs geographische Lage und seine Rolle als Zuliefernation im neuen Europa zukunftsfähig sind und durch welche Maßnahmen diese Bedeutung gesteigert werden kann.
- Strukturelle Veränderungen der automotiven Wertschöpfungskette
- Wettbewerbsanalyse der Zulieferindustrie nach Michael E. Porter
- Die Rolle von Automobil-Clustern für den Standort Österreich
- Wirkung der EU-Osterweiterung auf österreichische Zulieferer
- Optimierungsmöglichkeiten in Produktion und Logistik
Auszug aus dem Buch
2.2.1 Just-In-Time
Unter der Beschaffungsvariante Just-In-Time werden sämtliche Bestände direkt am Produktions- bzw. Verbrauchsort soweit reduziert, dass nur mehr für Stunden ausreichende Minimalbestände existieren. Durch diese Reduktion der Bestände werden Lagerkosten sowie Kapitalbindungskosten im Unternehmen eingespart und innerbetriebliche Transportkosten fallen weg. Weiterführend kommt es zur Verringerung der Prozesskosten sowie einer deutlichen Minimierung der Durchlaufzeiten. Um Just-In-Time effektiv durchführen zu können, ist die geographische Nähe der Lieferanten zu ihren Kunden von Vorteil. Des Weiteren müssen Kunde und Lieferant informationstechnisch und organisatorisch gut verbunden und koordiniert sein. Zu beachten sind jedoch die etwaigen Risiken der JIT-Produktion, wie z.B. Transportprobleme, da im Falle einer Verzögerung, wegen der nicht vorhandenen Reservebestände, die Produktion sofort zum Stillstand kommt und somit erhebliche Folgekosten verursacht werden. Des Weiteren ist JIT-Produktion nur dann effizient, wenn die Transportkapazitäten der zur Verfügung stehenden Lastkraftwagen voll ausgeschöpft sind, da dies sonst zu erhöhten Transportkosten führt.
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Darstellung der Problemstellung hinsichtlich der Umstrukturierung der automotiven Wertschöpfungskette und Definition der Zielsetzung sowie der Hypothesen dieser Arbeit.
2 DIE AUTOMOBILZULIEFERINDUSTRIE: Theoretische Grundlagen zur Definition der Zulieferindustrie, den optimierten Zulieferformen sowie den historischen Entwicklungen und globalen Trends.
3 AUTOMOBILZULIEFERINDUSTRIE IN EUROPA: Analyse der Zuliefernationen in Europa mit Fokus auf Deutschland und den neuen EU-Beitrittsländern sowie einem Ausblick auf Russland.
4 ANALYSE DER ÖSTERREICHISCHEN AUTOMOBIL- UND AUTOMOBILZULIEFERINDUSTRIE: Untersuchung des Wirtschaftsstandortes Österreich, Anwendung der Wettbewerbskräfte nach Porter und Bedeutung der Automobilcluster.
5 EMPIRISCHER TEIL: Praktische Analyse der Bedeutung der österreichischen Zulieferindustrie mittels Primärdatenerhebung durch Fragebögen und Experteninterviews.
6 ZUSAMMENFASSUNG UND AUSBLICK: Synthese der Forschungsergebnisse, Beantwortung der Forschungsfragen und Formulierung eines Fazits für den Standort Österreich.
Schlüsselwörter
Automobilzulieferindustrie, Österreich, Wertschöpfungskette, EU-Osterweiterung, Just-In-Time, Just-In-Sequence, Wettbewerbskräfte, Porter, Automobilcluster, Emerging Markets, Innovationspotential, Zulieferpark, Standortsicherung, Fertigungstiefe, Globalisierung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Diplomarbeit befasst sich mit der Bedeutung der österreichischen Automobilzulieferindustrie im Kontext der zunehmenden Globalisierung und der EU-Osterweiterung.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zentrale Aspekte sind die strukturelle Umorganisation der Automobil-Wertschöpfungskette, die Bedeutung von Just-In-Time-Prozessen sowie die Analyse des österreichischen Standorts im Wettbewerb mit osteuropäischen Märkten.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Hauptziel ist die Analyse der aktuellen Situation und zukünftigen Wettbewerbsfähigkeit österreichischer Zulieferunternehmen sowie die Ableitung von Handlungsempfehlungen zur Standortsicherung.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine empirische Untersuchung, die sowohl eine fundierte theoretische Literaturanalyse umfasst als auch Primärdaten durch eine schriftliche Befragung (Fragebögen) und ein Experteninterview auswertet.
Welche Inhalte dominieren den Hauptteil?
Der Hauptteil gliedert sich in eine fundierte Branchenanalyse (inklusive Porters 5 Wettbewerbskräfte), einen Vergleich europäischer Zuliefermärkte und eine detaillierte Auswertung der eigenen empirischen Erhebung.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Analyse?
Die Arbeit fokussiert auf Begriffe wie Wertschöpfungsverlagerung, Automobilcluster, Tier-Struktur, Kosteneffizienz, Innovationskraft und Standortvorteile.
Welche Rolle spielen die osteuropäischen Staaten für Österreich?
Die Arbeit identifiziert diese Länder als "Detroit des Ostens" und zentrale Wachstumsregionen, die einerseits als Konkurrenten auftreten, andererseits aber durch Österreichs geographische Lage auch Chancen für Kooperationen eröffnen.
Wie bewerten die befragten Unternehmen die Rolle von Automobil-Clustern?
Die Untersuchung zeigt, dass obwohl viele Unternehmen Mitglied in Clustern sind, die direkte Auswirkung auf den Unternehmenserfolg von den Betrieben aktuell eher neutral bewertet wird.
- Quote paper
- Mag. (FH) Michaela Fuchs (Author), 2008, Die Bedeutung der österreichischen Automobil-Zulieferindustrie in der Neuwagenproduktion, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/118040