Als zehnte oder elfte Stadt der Welt bekam Hamburg am 15. Februar 1912 eine elektrische
Untergrundbahn. An diesem Tag wurde der erste Streckenabschnitt des neuen
Verkehrsmittels zwischen den Haltestellen Rathaus und Barmbeck (damals noch mit c)
offiziell eröffnet, dessen Bauzeit nur sechs Jahre betrug und das in dieser Form noch heute die
Hauptlast der Verkehrsströme trägt.
Fast vier Jahre nach Eröffnung der ersten deutschen Untergrundbahn in der Hauptstadt Berlin
entschieden sich auch in Hamburg, das schon damals die zweitgrößte Stadt des Deutschen
Reiches war, die Verantwortlichen in Senat und Bürgerschaft für den Bau eines
Schnellbahnnetzes.
Aufgrund der geografischen Besonderheiten in der Stadt entschied man sich jedoch nach
langen Überlegungen gegen eine Schwebebahn, wie sie 1901 in den Städten Elberfeld und
Barmen, heute Wuppertal, eröffnet wurde, und für ein kombiniertes Modell aus Untergrund und
Hochbahn.
Dabei gab es bereits vor der Inbetriebnahme der elektrischen Untergrundbahn einen
öffentlichen Personennahverkehr, dessen Anfänge bis in das Jahr 1839 zurück reichten, als
die ersten Pferdeomnibusse Hamburg mit der damals dänischen Hafenstadt Altona verbanden.
Die Aufgabe der Pferdeomnibusse wurde in den Folgejahren von Straßenbahnen
übernommen, die 1902 bereits rund 121 Millionen Fahrgäste auf einem Streckennetz von 294
km über die städtischen Straßen Hamburgs zu befördern hatten.
Diese Hausarbeit zeigt die Entwicklung von den Anfängen des öffentlichen
Personennahverkehrs von der Straße auf die Schiene bis zur Entstehung der Hamburger
Hochbahn AG und Eröffnung der Hochbahn, die erst seit 1947 offiziell den Namen U-Bahn
trägt. Sie soll verdeutlichen, weswegen in Hamburg ein modernes Verkehrsmittel benötigt
und noch zu Zeiten des Deutschen Kaiserreichs gebaut wurde. Der Stadtverkehr auf der Alster
und die Entwicklung des Fernverkehrs sowie der Waldbahnen werden im Rahmen dieser
Hausarbeit nicht behandelt.
[...]
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Anfänge in Hamburg…
3. Pferdebahn und Dampf
4. Der Zollanschluss Hamburgs und seine Folgen
5. Die elektrische Straßenbahn in Hamburg
6. Das tägliche Verkehrschaos und Blick in die Zukunft
7. Die Planung für das 20. Jahrhundert
8. Die Hochbahn fährt
9. Die Architektur der Hochbahn
10. Der 1. Weltkrieg
11. Wie es weiterging….
Zielsetzung & Themen
Diese Hausarbeit untersucht die historische Entwicklung des öffentlichen Personennahverkehrs in Hamburg von den ersten Pferdeomnibussen im 19. Jahrhundert bis zur Entstehung und Inbetriebnahme der Hamburger Hochbahn im frühen 20. Jahrhundert. Dabei wird analysiert, welche infrastrukturellen, städtebaulichen und politischen Faktoren den Bedarf für ein modernes Schnellbahnnetz während der Zeit des Kaiserreichs erzeugten.
- Anfänge des öffentlichen Verkehrs mittels Pferdeomnibussen
- Einführung und technischer Fortschritt der Pferdebahn
- Einfluss des Hamburger Zollanschlusses auf Siedlungsstrukturen
- Elektrifizierung und Expansion des Straßenbahnnetzes
- Planung und Bau der Hamburger Hochbahn (U-Bahn)
Auszug aus dem Buch
7. Die Planung für das 20. Jahrhundert
Ein modernes Verkehrssystem in Hamburg musste sich mit den ungünstigen geografischen und politischen Verhältnissen arrangieren. Dort nämlich wo sich in anderen Städten das Zentrum befindet und sich im Regelfall die Stadtverkehre kreuzen, befindet sich in Hamburg eine große Fläche Wasser, die Alster. Zusätzlich erschwert wurde die Begrenzung der Stadt durch die Elbe im Süden und nach Norden und Westen durch die preußischen Gebiete. In einem Geschäftsbericht der HHA aus dem Jahre 1925 heißt er hierzu: „In den meisten Städten bildet die City oder die Geschäftsgegend das Zentrum der Stadt. In Hamburg ist jedoch die City nicht das Zentrum der Stadt, sondern sie liegt an der Peripherie und wird im Süden von der Elbe begrenzt.“40
Das erschwerte die Planungen für eine Streckenführung. Aber bereits 1901 entstand die Idee einer kreisförmigen Trassenführung, die der heutigen Streckenführung entsprach.41 Dieser “Ring“ sollte das Grundgerüst des Hochbahnnetzes bilden, auch wenn Ringlinien in der Regel zur Verbindung von in den Stadtkern führenden Radiallinien vorgesehen sind.42 In Hamburg würde das so nicht sein.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Darstellung des Forschungsgegenstands, der Eröffnung der Untergrundbahn 1912 sowie der Abgrenzung der Untersuchung auf den städtischen Verkehr.
2. Die Anfänge in Hamburg…: Beschreibung der Geburtsstunde des Hamburger Nahverkehrs durch Pferdeomnibusse ab 1839 und deren Expansion.
3. Pferdebahn und Dampf: Analyse der Einführung von Schienenverkehrsmitteln, technischer Innovationen wie dem fünften Rad und Versuchen mit Dampfstraßenbahnen.
4. Der Zollanschluss Hamburgs und seine Folgen: Erörterung der Auswirkungen des Zollanschlusses von 1888 auf die Wohnstruktur und den Arbeitsweg der Bevölkerung.
5. Die elektrische Straßenbahn in Hamburg: Untersuchung der Elektrifizierung des Straßenbahnnetzes ab 1894 und der Konsolidierung der Betreibergesellschaften.
6. Das tägliche Verkehrschaos und Blick in die Zukunft: Analyse der Kapazitätsgrenzen des Straßenbahnnetzes aufgrund von Bevölkerungswachstum und Stadtgebietsvergrößerung.
7. Die Planung für das 20. Jahrhundert: Erläuterung der infrastrukturellen Herausforderungen bei der Trassenplanung der Hochbahn durch geografische Besonderheiten.
8. Die Hochbahn fährt: Dokumentation der Betriebsaufnahme, der Tarife und der Akzeptanz des neuen Verkehrsmittels in der Bevölkerung.
9. Die Architektur der Hochbahn: Betrachtung der ästhetischen Gestaltung der Stationen unter dem Einfluss des Jugendstils.
10. Der 1. Weltkrieg: Darstellung der Auswirkungen des Krieges auf den Betrieb der Hochbahn und die personelle Besetzung der Stellen.
11. Wie es weiterging….: Zusammenfassung der langfristigen Entwicklung der Hochbahn und aktueller Modernisierungsvorhaben.
Schlüsselwörter
Hamburg, Hochbahn, Stadtverkehr, Pferdebahn, Pferdeomnibus, Straßenbahn, Kaiserreich, öffentliche Verkehrsmittel, Mobilität, Elektrifizierung, Stadtentwicklung, Nahverkehr, U-Bahn, Infrastruktur, Verkehrsgeschichte
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die geschichtliche Entwicklung des Hamburger öffentlichen Nahverkehrs von 1839 bis zur Inbetriebnahme der ersten Hochbahnstrecke im Jahr 1912.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Die Schwerpunkte liegen auf den eingesetzten Verkehrstechnologien, der städtebaulichen Expansion Hamburgs, den betriebswirtschaftlichen Aspekten der Betreibergesellschaften und der Architektur der Stationen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, die Notwendigkeit für ein leistungsfähiges, modernes Schnellbahnnetz im Hamburg des Kaiserreichs aufzuzeigen und die Planung sowie Umsetzung dieses Projekts darzulegen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine historisch-analytische Arbeit, die auf einer umfassenden Auswertung zeitgenössischer Quellen, Geschäftsberichte, Literatur und Bildmaterial der Hamburger Hochbahn basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in chronologische Abschnitte, die von den ersten Pferdeomnibussen über die elektrischen Straßenbahnen bis hin zum Bau und Betrieb der Hochbahn unter den schwierigen Bedingungen des Kaiserreichs und des Ersten Weltkriegs reichen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Zu den zentralen Begriffen zählen Hamburger Hochbahn, Stadtentwicklung, Infrastrukturplanung, Elektrifizierung und historischer Personennahverkehr.
Warum war der Bau der Hochbahn geografisch so schwierig?
Die Planung wurde durch die Alster als zentrales Wasserhindernis, die Elbe im Süden sowie preußische Gebietsgrenzen erheblich erschwert, was die City an die Peripherie rückte.
Welchen Einfluss hatte der 1. Weltkrieg auf den Betrieb?
Der Krieg führte zu massiven personellen Ausfällen durch Einberufungen, Kohlemangel und Materialknappheit, was die Instandhaltung behinderte und den Ausbau des Netzes verzögerte.
- Quote paper
- Marcus Grän (Author), 2007, Die Entwicklung des Stadtverkehrs in Hamburg , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/118058