Betrachtet man die Autoren zeitgenössischer britischer Romane in den
letzten fünfzehn Jahren, so zeichnet sich Nick Hornby vielleicht nicht als
der einflussreichste Autor, aber zumindest als einer der kommerziell
erfolgreichsten Autoren aus. Doch nicht nur sein kommerzieller Erfolg,
sondern vor allem die Erzählweise in seinen Romanen, die D.J. Taylor als
"self-interrogative streams of an occasionally less than illuminating
consciousness“1 bezeichnet, scheint ein bemerkenswerter Aspekt von
Hornbys Werken zu sein. Taylor bezieht sich mit seinem Zitat vor allem auf
Hornbys Roman A long way down, der 2005 erschienen ist. Gilt diese
Beschreibung der Erzählweise Hornbys nur für diesen Roman, oder finden
sich Aspekte einer "hornbyesken" Erzählweise auch in seinen anderen
Romanen? Was macht die Struktur der erzählerischen Vermittlung in Nick
Hornbys Romanen aus? Im Folgenden soll anhand eines Vergleichs
zwischen Nick Hornbys Romanen A long way down und About a boy diese
Frage zwar nicht für Hornbys gesamtes Werk, aber zumindest für diese
beiden Romane beantwortet werden. Zum einen soll untersucht werden,
wie genau in beiden Romanen erzählt wird, zum anderen, welche
Gemeinsamkeiten und Unterschiede sich in der Erzählweise der beiden
Romane ergeben. Dazu muss zunächst dargelegt werden, welche Kriterien
zur Analyse der erzählerischen Vermittlung verwendet werden und auf
welchen theoretischen Grundlagen diese basieren. Anschließend soll
zunächst die Struktur der erzählerischen Vermittlung in A long way down,
dann in About a Boy anhand der gewählten Kriterien untersucht werden.
Abschließend kann dann ein Vergleich, der Gemeinsamkeiten und
Unterschiede in der Erzählweise beider Romane zutage bringen soll,
gezogen werden und eine Beschreibung von eventuell typischen Merkmalen
in der Erzählweise Nick Hornbys die beiden Romane betreffend erfolgen.
[...]
Inhaltsverzeichnis
1. Nick Hornbys Stimme
2. Kriterien zur Analyse der Erzählsituation
2.1. Gérard Genettes Erzähltheoretische Analysekategorien
2.2. Die Theorie multiperspektivischen Erzählens
3. Die Struktur der erzählerischen Vermittlung in a long way down
3.1. Die Ausgestaltung der Erzählinstanzen
3.2. Die Perspektivenstruktur in A long way down
4. Struktur der erzählerischen Vermittlung in About a Boy
4.1. Die Ausgestaltung der Reflektorfiguren in About a Boy
4.2. Die Perspektivenstruktur in ABout a Boy
5. How to be Hornby: Gibt es einen einheitlichen Erzählstil in A long way down und About a Boy?
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht und vergleicht die erzählerische Vermittlungsstruktur der Romane "A long way down" und "About a Boy" von Nick Hornby, um zu klären, ob sich ein einheitlicher "hornbyesker" Erzählstil identifizieren lässt oder ob die strukturelle Gestaltung der Erzählweise zwischen den Werken divergiert.
- Narratologische Analyse nach Gérard Genette
- Theorie des multiperspektivischen Erzählens
- Struktur der Erzählinstanzen und Perspektiven
- Vergleich von Erzählweise und sprachlichem Individualstil
Auszug aus dem Buch
3.1. DIE AUSGESTALTUNG DER ERZÄHLINSTANZEN
Die vier Hauptfiguren sind in jeweils 'ihrem' Kapitel die einzige Erzählinstanz. Es gibt keinen vermittelnden heterodiegetischen Erzähler so dass in A long way down nicht nur eine Erzählinstanz existiert, sondern vielmehr vier intradiegetisch-homodiegetische Erzähler, da die Erzähler gleichzeitig die Hauptfiguren des Romans sind.12 In Hinblick auf die Unterscheidung zwischen Figurenperspektive und Erzählerperspektive kann konstatiert werden, dass die Figurenperspektive der Erzählerperspektive in diesem Fall entspricht. Die Abfolge der einzelnen Erzähler alterniert regelmäßig, so dass dem Leser dasselbe Geschehen aus mehreren Perspektiven präsentiert wird.
Ein Beispiel hierfür ist die Szene, in der Jess als Figur in der Geschichte auftaucht:
MARTIN And I was just to let Maureen jump in peace when this fucking lunatic came roaring at us. JESS I shouldn't have made the noise. [...] I yelled something like, 'Out of the way, losers!' and made this Red Indian war-whoop noise, as if it were all a game [...] 13
Man kann also von einem multiperspektivisch erzähltem Text sprechen – genauer von einem polyperspektivisch erzähltem Text, weil das Geschehen von mehr als zwei Erzählinstanzen wiedergegeben wird.14
Die Erzähler beschreiben jedoch nicht nur die ihnen gemeinsamen Ereignisse, die die Handlung der fiktiven Welt konstituieren, sondern machen immer wieder Kommentare, die sich auf ihr Leben, bis zum Zeitpunkt des Treffens mit den anderen beziehen. So erfährt der Leser immer wieder Teile der Vorgeschichten der Protagonisten durch sie selbst, wie man am folgenden Beispiel sehen kann:
[...] two years ago Martin Sharp was a different person. I still had my job. I still had a wife. I hadn't slept with a fifteen-year-old. I hadn't been to prison. I hadn't had to talk to my young daughters about a front-page tabloid newspaper article, an article headlined with the word 'SLEAZEBAG!' and illustrated with a picture of me lying on the pavement outside a well-known London nightspot. (8)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Nick Hornbys Stimme: Einführung in die Rezeption von Nick Hornbys Werken und Darlegung der Fragestellung zur Erzählstruktur in "A long way down" und "About a Boy".
2. Kriterien zur Analyse der Erzählsituation: Erläuterung der theoretischen Grundlagen basierend auf Gérard Genettes narratologischer Taxonomie und der Theorie des multiperspektivischen Erzählens.
3. Die Struktur der erzählerischen Vermittlung in a long way down: Analyse der Erzählinstanzen und der Perspektivenstruktur in Hornbys Roman über die vier Protagonisten, die sich in der Silvesternacht treffen.
4. Struktur der erzählerischen Vermittlung in About a Boy: Untersuchung der Perspektiven von Will und Marcus sowie der Rolle des heterodiegetischen Erzählers.
5. How to be Hornby: Gibt es einen einheitlichen Erzählstil in A long way down und About a Boy?: Synthese der Ergebnisse, wobei Gemeinsamkeiten wie der Einsatz erlebter Rede gegen Unterschiede in der narrativen Struktur abgewogen werden.
Schlüsselwörter
Nick Hornby, A long way down, About a Boy, Erzähltheorie, Gérard Genette, multiperspektivisches Erzählen, Erzählinstanz, Perspektivenstruktur, erlebte Rede, narratologische Analyse, Literaturwissenschaft, Romananalyse, Erzählstil, Fokalisierung, heterodiegetisch.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die erzählerische Vermittlungsstruktur in zwei ausgewählten Romanen von Nick Hornby, um die Erzählweisen methodisch zu vergleichen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Schwerpunkte liegen auf der narratologischen Analyse von Erzählinstanzen, der Anwendung von Genettes Kategorien und der Untersuchung multiperspektivischer Erzählformen.
Was ist das primäre Ziel der wissenschaftlichen Arbeit?
Das Ziel ist es, herauszufinden, ob ein einheitlicher, für Hornby typischer Erzählstil existiert oder ob sich die Struktur der erzählerischen Vermittlung zwischen den Romanen signifikant unterscheidet.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Autorin verwendet eine strukturalistische Narratologie (nach Genette) sowie die Theorie des multiperspektivischen Erzählens, um die Erzählstruktur präzise zu beschreiben.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der detaillierten Untersuchung der Perspektiven und Erzählinstanzen in "A long way down" sowie "About a Boy" und deren jeweiliger Leseransprache.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Narratologie, multiperspektivisches Erzählen, Erzählinstanz, erlebte Rede und die literaturwissenschaftliche Analyse von Hornbys Romanen.
Warum wird Jess in "A long way down" als unzuverlässige Erzählerin charakterisiert?
Aufgrund ihrer spezifischen Art der Dialogwiedergabe, die weniger direkt wirkt als bei den anderen Charakteren, sowie ihres Idiolekts erscheint sie in der Vermittlung weniger unmittelbar.
Wie unterscheidet sich die Leseransprache zwischen den beiden Romanen?
Während in "A long way down" die Figuren den Leser teilweise direkt ansprechen, bleibt die Leserperspektive in "About a Boy" verborgen, da hier ein heterodiegetischer Erzähler das Geschehen vermittelt.
- Quote paper
- Eva-Maria Griese (Author), 2008, How to be Hornby - Die Struktur der erzählerischen Vermittlung in "A Long Way Down" und "About a Boy", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/118079