Kommunikation im Unterricht – Theorie und Praxis


Seminararbeit, 2000
15 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Die Theorie
2.1 Kategorisierung in vier Typen
2.1.1 Strukturierende Äußerungen
2.1.2 Fortführende Äußerungen
2.1.3 Auffordernde Äußerungen
2.1.4 Reagierende Äußerungen

3 Die Praxis
3.1 Vorstellung eines Fallbeispiels: Das Lehrerschweigen
3.2 Auswertung

4 Schlußbemerkung

5 Literaturverzeichnis

6 Anhang
6.1 Geschichte zum Thema Freundschaft

1 Einleitung

In der Einleitung des Buches „Die Sprache im Klassenzimmer“ von Arno A. Bellack heißt es: „Es gibt nur wenige Aktivitäten im Unterricht, die sich ohne den Gebrauch von Sprache verwirklichen lassen“[1] – und in der Tat verhält es sich wohl so, dass Unterricht überwiegend auf der sprachlichen Ebene – sei es in geschriebener oder gesprochener Form – abläuft. Das Unterrichtsgeschehen wird dabei vornehmlich als Interaktion[2] zwischen den beiden innerhalb einer Klasse herrschenden Parteien beschrieben: Lehrer[3] stellen Behauptungen auf, fragen nach konkreten Sachverhalten und Detailwissen, strukturieren den Unterricht und bewerten Leistung. Schüler ihrerseits reagieren auf die Äußerungen des Lehrers und schaffen ebenfalls Kommunikatiossituationen. Die Untersuchung dieser Unterrichtssprache hat in den letzten Jahrzehnten zunehmende Aufmerksamkeit erhalten und wurde auf verschiedenen Ebenen analysiert, wobei nicht zuletzt die Untersuchungen und Kategorisierungen von Wissenschaftlern der Linguistik entscheidenden Einfluß gewonnen[4] haben. Auf der Grundlage linguistischer Forschungsgebiete wurden so in dieser Zeit Sprachmuster untersucht und Regeln formuliert, nach welchen Kriterien Sprache hinsichtlich bestimmter Ziele zu verwenden sei (präskriptiv und deskriptiv) . Die Bedeutung dieser Ergebnisse für den Unterricht kann dann entscheidend sein, wenn praktische Anleitungen gegeben werden können, welche Sprache (z.B. bezogen auf Wortschatz, Syntax...) zur Verwirklichung bestimmter Unterrichtsziele potentiell besser geeignet ist als andere und welche Interaktionsmuster die Kommunikationssituation im Unterricht positiv beeinflussen. Ob dies aber auf einer allgemeinen Bedeutungsebene tatsächlich geleistet werden kann, ist mindestens fragwürdig. Diese Fragwürdigkeit ergibt sich sowohl aus der Tatsache, dass nicht die Sprache allein für die Kommunikation im Unterricht von Bedeutung ist (Verhaltensweisen wie Gestik und Mimik spielen hier eine nicht zu unterschätzende Rolle) als auch durch die Bedeutung der Pragmatik. Bellack formuliert in diesem Sinne: „Es bestehen Zweifel über einen Zusammenhang zwischen der Form von Sprecheinheiten als einem Element der stilistischen Bedeutung und den voraussehbaren und/ oder nicht – voraussehbaren Ergebnissen des Unterrichtsvorgangs“[5].

Eben um diese These soll es in dieser Hausarbeit gehen. Dabei sei zunächst einmal erläutert, welche Sprechhandlungen generell im Unterrichtsgeschehen auftauchen. Zu diesem Zweck sei hauptsächlich auf die Untersuchung von Arno Bellack „Die Sprache im Klassenzimmer“ eingegangen, um die notwendigen begrifflichen und kognitiven Voraussetzungen zu schaffen, die zur Diskussion dieses Themas hilfreich erscheinen. Im Zusammenhang damit wird auch auf die Interaktionsformen des Unterrichts zurückzukommen sein, denn wenn Interaktionsformen wichtig für den Lernerfolg sind, „dann ist zu fragen, ob die etablierten unterrichtlichen Interaktionsformen dazu geeignet sind, optimale Lernbedingungen... herzustellen“[6].

Beide Frage seien anhand eines im zweiten Teil der Hausarbeit dargestellten Fallbeispiels aus meiner eigenen Praxiserfahrung diskutiert. Dabei kann aufgrund des begrenzten Umfangs keine umfassende und abschließende Untersuchung erfolgen. Dennoch sei am Beispiel der Lehrerfragen die Thematik ausschnitthaft beleuchtet. Im weiteren Verlauf der Hausarbeit sei gleichsam die Frage diskutiert, inwieweit Lehrer durch die Form der Fragen das Schülerverhalten (kurz und langfristig) verändern oder beeinflussen können. Dabei ist es unumgänglich, verschiedene Begrifflichkeiten aus dem Gebiet der Linguistik in die Untersuchungen miteinzubeziehen, was sich allein schon aus der Tatsache ihrer inhaltlichen Genauigkeit ergibt.

2 Die Theorie

Wie in der Einleitung bereits angedeutet finden sich gemäß der gängigen Theorien im Unterricht Sprechhandlungen, die sich fast ausschließlich vier voneinander verschiedenen Kategorien zuordnen lassen. Kommunikation findet darauf aufbauend durch Auswahl und Verknüpfung einzelner Elemente dieser Kategorien statt und ist als solche ein komplexes Zusammenspiel (= Interaktion). Die Kommunikationssituation im Unterricht ist dabei – wie alle anderen Kommunikationssituationen auch – dadurch gekennzeichnet, dass durch die Äußerung von Sätzen einerseits und die (sprachliche) Reaktion andererseits ständig Veränderung stattfindet. Ganz in diesem Sinne formuliert Arno Bellack: „Die für das Sprachverhalten im Unterricht typischen sprachlichen Handlungen sind so beschaffen, dass sie die angesprochenen Personen zur Aufmerksamkeit oder zu einer anderen Reaktion ermutigen, auffordern und manchmal auch drängen“[7]. Um welche Arten sprachlicher Äußerungen handelt es sich hierbei?

2.1 Kategorisierung in vier Typen

2.1.1 Strukturierende Äußerungen

Strukturierende Äußerungen dienen dazu, eine bestimmte Ordnung innerhalb der Kommunikationssituation zu schaffen oder zu erhalten. Ihre Aufgabe besteht also darin, den „Kontext für das Sprachverhalten im Unterricht“[8] zu erzeugen. Äußerungen dieser Art finden sich z.B. bei der Vorgabe eines Unterrichtsziels und der Beendigung einer Stunde, aber auch in diskussionsstrukturierenden Äußerungen (z.B.: „Zunächst wollen wir über die Figur des Prinzen in dem Drama reden“). Die Anzahl und der Durchsetzungsmodus[9] strukturierender Äußerungen ist dabei von der Klassenstruktur und ihren allgemeinen Verhaltensweisen ebenso abhängig wie von der Beschaffenheit des Unterrichtsstoffes. Tendenziell wird es in undisziplinierten Klassen oder bei relativ hitzigen Diskussionen über inhaltlich schwierige Unterrichtsstoffe notwendiger sein, strukturierende Äußerungen mit einem verstärkten Durchsetzungsmodus zu äußern als in disziplinierten Klassen oder bei einfacher strukturierten Lernstoff. Auch wenn die strukturierenden Äußerungen nach den Untersuchungen von Bellack[10] nur einen relativ geringen Teil des Unterrichtsgesprächs ausmachen, so darf ihre Bedeutung doch nicht unterschätzt werden denn, wie jeder Lehrer weiß, ist eine geordnete Kommunikationssituation Voraussetzung für erfolgreiches Arbeiten und Lernen.

2.1.2 Fortführende Äußerungen

Die fortführenden Äußerungen sind bezugnehmende Äußerungen, wobei als Bezugspunkt jede der vier Arten sprachlicher Äußerungen dienen kann. Sie sind den strukturierenden Äußerungen in gewisser Weise ähnlich, unterscheiden sich aber von ihnen aufgrund ihrer Funktion, denn ihre Aufgabe ist es, „zu beurteilen (positiv oder negativ) und/ oder zu modifizieren (durch Erklären, Zusammenfassen oder Erweitern)“[11]. Demnach können sich die fortführenden Äußerungen entweder auf den Unterrichtsstoff beziehen ( sog. „sachbezogene“[12] Äußerungen, die z.B. in Form von Zusammenfassungen gemacht werden) oder auf den Unterricht (sog. „unterrichtsbezogene“[13] Äußerungen, beispielsweise Bewertungen). Dabei herrscht ein klares Übergewicht bezüglich der unterrichtsbezogenen Äußerungen auf Seiten der Lehrer, während Schüler mehr sachbezogene Äußerungen tätigen.

[...]


[1] A. Bellack, S. 10.

[2] Vgl. z.B.: W. J. Edmondson, In: K. – R. Bausch, S. 177.

[3] Aus Gründen der Vereinfachung wird in dieser Hausarbeit jeweils nur die maskuline Form benutzt. Gemeint sind aber selbstverständlich immer beide Geschlechter.

[4] Vgl. z.B.: Wittgenstein , Philosophical Investigations oder Austin, How to do things with words.

[5] A. Bellack, S. 100.

[6] W. J. Edmondson IN: K.-R. Bausch, S. 176.

[7] A. Bellack, S. 11.

[8] A. Bellack, S. 143.

[9] Der Durchsetzungsmodus bezeichnet (nach E. Rolf) die Art und Weise, wie der „illokutionäre Zweck durchzusetzen bzw. zu erreichen ist“ (ebd., S.32). Er trägt der Tatsache Rechnung, dass es verschiedene Möglichkeiten gibt, einen Sachverhalt zu äußern und die letztendlich gewählte Form einer Äußerung im Wesentlichen vom verfolgten Ziel abhängt. Denselben illokutionären Zweck (= Absicht) verfolgende - aber unterschiedliche Durchsetzungsmodi besitzende - Äußerungen wären z.B. eine Bitte und ein Befehl.

[10] Vgl.: A. Bellack, S. 163.

[11] Ebd., S. 178.

[12] Ebd., S 181.

[13] Ebd..

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Kommunikation im Unterricht – Theorie und Praxis
Hochschule
Universität Hamburg  (Didaktik Englisch)
Veranstaltung
Einführung in die Didaktik des Englischen und die Planung von Englischunterricht
Note
1,0
Autor
Jahr
2000
Seiten
15
Katalognummer
V11809
ISBN (eBook)
9783638178648
ISBN (Buch)
9783638932165
Dateigröße
563 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kommunikation im Unterricht – Theorie und Praxis
Arbeit zitieren
Hanno Frey (Autor), 2000, Kommunikation im Unterricht – Theorie und Praxis, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/11809

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