Diese Masterthesis soll das Risikobewertungsmodell des IFRS 9 auf seine praktische Umsetzbarkeit für Nicht-Finanzinstitute untersuchen. Zentrale Neuerungen sollen an ihren Zielen und Ansprüchen gemessen werden, welche als Folge der Finanz- und
Wirtschaftskrise und zur Ablösung des IAS 39 an den Standard gesetzt wurden, ohne hier zu sehr auf IAS 39 einzugehen und ohne dass zu sehr die Standards verglichen werden. Dabei wird neben dem Schwerpunkt der neuen Risikobewertungsmodelle und der Wertberichtigung für Finanzinstrumente auch auf die neue Klassifizierung von Finanzinstrumenten nach IFRS 9 eingegangen. Ein besonderes Augenmerk fällt dabei auf die in die Zukunft gerichtete Risikobewertung von Unternehmen und ihrer
Kreditwürdigkeit, den so genannten Expected-Credit-Loss-Modellen. Praxisnahe Beispiele sollen an dieser Stelle helfen, kritische Punkte aufzuzeigen und zur Diskussion zu stellen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Ziel dieser Thesis
3. IFRS 9: Finanzinstrumente
3.1. Chronologie
3.2. Zielsetzung des neuen IFRS 9
3.3. Abgrenzung zu in Bezug stehenden Standards
3.4. Anwendungsbereich
4. Klassifizierung und Bewertung von finanziellen Vermögenswerten nach IFRS 9
4.1. Klassifizierung von Finanzinstrumenten
4.2. Zugangsbewertung
4.3. Folgebewertung
4.2.1. Die Folgebewertung zu fortgeführten Anschaffungskosten
4.2.2. Die Folgebewertung zum beizulegenden Zeitwert
4.4. Wertberichtigung und Risikobewertung
4.4.1. Wertberichtigungsansätze
4.4.2. Das Expected Credit Loss Model
4.4.3. Effektivzins (EIR)
4.4.4. Die Berechnung von erwarteten Kreditausfällen
5. Kritische Beurteilung der operativen Risikobewertung
5.1. Operative Herausforderungen in Abhängigkeit der Klassifizierung
5.2. Operative Herausforderungen der Risikobewertung
5.2.1. Praktische Herausforderungen bei der Anwendung des allgemeinen Ansatzes
5.2.2. Herausforderungen bei der Anwendung des vereinfachten Ansatzes
5.2.3. Andere Herausforderungen der operativen Anwendung
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die praktische Umsetzbarkeit des Risikobewertungsmodells nach IFRS 9, insbesondere mit Fokus auf Nicht-Finanzinstitute. Dabei wird das Spannungsfeld zwischen den komplexen regulatorischen Anforderungen des Standards und dem Ziel einer transparenten sowie entscheidungsnützlichen Informationsvermittlung analysiert.
- Klassifizierung und Bewertung von finanziellen Vermögenswerten unter IFRS 9
- Analyse des Expected-Credit-Loss-Modells zur zukunftsorientierten Risikobewertung
- Herausforderungen der operativen Anwendung für Unternehmen außerhalb der Finanzbranche
- Diskussion von Vereinfachungsmöglichkeiten und Methodenvielfalt im Standard
Auszug aus dem Buch
4.4.2. Das Expected Credit Loss Model
Wie aus den beiden Wertberichtigungsansätzen des IFRS 9 hervorgeht, wird zwischen zwei ECL-Modellen unterschieden, zum einen dem 12-Monats-ECL und zum anderen dem Gesamtlaufzeit-ECL. Beide finden Anwendung im allgemeinen Ansatz, im vereinfachten Ansatz wird nur der Gesamtlaufzeit-ECL angewendet. Wann welche Art des ECL im allgemeinen Ansatz verwendet wird, bemisst sich an der Signifikanz und der erwarteten Wahrscheinlichkeit des Kreditausfalls (PD) über einen spezifischen Zeitraum. Auf die Beurteilung der erwarteten Wahrscheinlichkeit wird im Folgenden noch eingegangen werden. Zur Veranschaulichung der oben genannten Regularien lässt sich die Entscheidung zu welchem ECL-Verfahren ein Finanzinstrument kategorisiert wird vom folgenden Entscheidungsbaum ableiten.
Im Folgenden lässt sich, sofern der Gesamtlaufzeit-ECL zu wählen ist, weiter differenzieren, ob und welcher Effektivzinssatz (EIR) zu wählen ist und was der Basiswert für die Zinseinnahmen ist. Darauf soll im Abschnitt 4.4.3 Effektivzins (EIR) weiter eingegangen werden.
Was ein Ausfallereignis (Default) ist, sagt der Standard an dieser Stelle nicht konkret. Jedenfalls ist davon auszugehen, dass ein Default mehr ist als das bloße Wegfallen der Zahlung.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit erläutert die Ursprünge der IFRS 9-Reform als Reaktion auf die globale Finanzkrise und die Kritik an der unzureichenden Verlustantizipation unter IAS 39.
2. Ziel dieser Thesis: Das Ziel ist die Untersuchung der praktischen Umsetzbarkeit der neuen Risikobewertungsmodelle des IFRS 9 für Unternehmen abseits des Finanzsektors.
3. IFRS 9: Finanzinstrumente: Dieses Kapitel betrachtet die Entstehungsgeschichte des Standards, seine Zielsetzungen und die Abgrenzung zu anderen Rechnungslegungsvorschriften.
4. Klassifizierung und Bewertung von finanziellen Vermögenswerten nach IFRS 9: Hier werden die neuen Kriterien für die Klassifizierung sowie die Methoden zur Erst- und Folgebewertung detailliert dargelegt.
5. Kritische Beurteilung der operativen Risikobewertung: Dieses Kapitel hinterfragt die praktische Anwendbarkeit des Standards und beleuchtet die komplexen Herausforderungen für Nicht-Finanzinstitute bei der Implementierung.
6. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass IFRS 9 zwar theoretisch richtungsweisende Anforderungen stellt, in der Praxis jedoch eine erhebliche Belastung für Unternehmen ohne spezialisiertes Risikomanagement darstellt.
Schlüsselwörter
IFRS 9, Finanzinstrumente, Risikobewertung, Expected Credit Loss Model, ECL, Wertberichtigung, Klassifizierung, Geschäftsmodell, SPPI-Test, Impairment, Bilanzierung, Finanzrisiko, Fair Value, Risikomanagement, Nicht-Finanzinstitute
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der kritischen Untersuchung des Risikobewertungsmodells nach IFRS 9 und dessen Auswirkungen auf die operative Rechnungslegung von Nicht-Finanzinstituten.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zentrale Felder sind die neue Klassifizierung von Finanzinstrumenten, die Wertberichtigungsvorschriften mittels Expected Credit Loss Model sowie die praktischen Implementierungshürden.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Hauptziel ist zu klären, ob der IFRS 9 als komplexer Standard für Nicht-Finanzinstitute praktisch sinnvoll und ohne unverhältnismäßigen Aufwand umsetzbar ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit kombiniert eine fundierte theoretische Analyse des Standard-Regelwerks mit praxisnahen Beispielen, um die operativen Herausforderungen bei der Anwendung zu demonstrieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert detailliert die Bewertungskategorien, die Mechanismen zur Risikovorsorge und die spezifischen Anforderungen an die Berechnung erwarteter Kreditausfälle.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie IFRS 9, Expected Credit Loss Model, Wertberichtigung, Risikomanagement und Klassifizierung von Finanzinstrumenten geprägt.
Warum stellt der SPPI-Test eine solche Hürde dar?
Der SPPI-Test (Solely Payments of Principal and Interest) erfordert ein tiefgreifendes Verständnis der vertraglichen Zahlungsströme, was in komplexen Verträgen sehr arbeitsaufwendig und interpretationsbedürftig sein kann.
Was ist die Kritik der Arbeit am "Bucket Approach"?
Die Arbeit kritisiert, dass der symmetrische Wechsel zwischen den Risikostufen eine hohe Bewertungsvolatilität erzeugt, die für Bilanzersteller schwer zu steuern und für Adressaten schwer nachvollziehbar ist.
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- Daniel Brand (Author), 2018, Kritische Beurteilung der operativen Risikobewertung von finanziellen Vermögenswerten nach IFRS 9, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1181495