Die Zeit als Einflussgröße und Strukturvariable in Gruppenprozessen und in der Gruppenentwicklung


Bachelorarbeit, 2008
55 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis und Quellen

Tabellen und Quellen

Symbolverzeichnis / Abkürzungen

1. Einführung: Gruppendynamik und die Bedeutung der Zeit
1.1 Forschungsfeld: Gruppe und Bedeutung der Zeit – Literaturbefunde
1.2 Forschungsfrage, Definition, Design: Zeit, Einflussgröße und Strukturvariable

2. Gruppenphasen – Gruppenprozesse und Gruppenentwicklung in der Zeitdimension
2.1 Gruppenexistenz in der Dimension Zeit
2.2 Gruppenentwicklung und Leistung im Zeitverlauf
2.3 Wichtige Gruppenphasenmodelle – Annahmen und Probleme
2.4 Zeitliche Gruppensozialisation eines Individuums

3. Die Zeitstrukturierung der Gruppenprozesse – Einflüsse und Wirkungen
3.1 Zeitfaktor kombinatorische Gruppenbildung
3.2 Die Basisinteraktionsstrukturen – Zeitvorteil und Zeitbedarf
3.3 Möglichkeiten zeitoptimierter Kommunikationsstrukturen
3.4 Gruppenstruktur und zeitliche Gruppenentwicklung

4. Systemanalyse der Gruppenprozesse und –entwicklung im Zeitbereich
4.1 Die Zeit als Variable und Einflussgröße
4.2 Feedback und Synchronisation des Gruppenverhaltens
4.3 Zeitdruck und Leerzeiten – einige Effekte und Befunde

5. Gruppenprozesse und Gruppenentwicklung – die Integration der Zeit
5.1 Kritische Diskussion und Zusammenfassung der Thematik
5.2 Resümee und Ausblick – Re-Integration der Zeit

6. Abstract

7. Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis und Quellen

Abbildung 1: Ablaufschema der Untersuchung : Die Zeit als Einflussgröße und Strukturvariable in Gruppenprozessen und in der Gruppenentwicklung

Quelle: Eigene Darstellung

Abbildung 2: Qualitative Darstellung der zeitbezogenen Gruppenarten

Quelle: Eigene Darstellung

Abbildung 3: Streudiagramm des Leistungsverlaufs von Projektgruppen. Die unabhängige Variable UV ist die mittlere Gruppenzugehörigkeit der Mitglieder

Quelle: Eigene Darstellung nach Katz und Allen (1982) aus Ulich (2005, S. 267)

Abbildung 4: Qualitativer Verlauf der Gruppenentwicklung nach dem 5-Phasenmodell

Quelle: Eigene Darstellung nach Lipnack und Stamps (1998, S. 177)

Abbildung 5: Das Punctuated-Equilibrium-Modell trennt die Gruppenentwicklung nach einer Halbzeit in 2 Phasen

Quelle: Robbins (2001, S. 269)

Abbildung 6: Die fünf Phasen der Entwicklung der Gruppenmitgliedschaft eines Individuums

Quelle: Darstellung nach Levine & Moreland & Hook-Seok Choi (2003. S. 88)

Abbildung 7: Matrixdarstellung der Grundkommunikationsstrukturen in binärer Form und Überlagerung von Stern- und Totalstruktur

Quelle: Darstellung nach Herkner (2004, S. 482) und eigene Berechnung

Abbildung 8: Stern- und Totalstruktur mit Knoten, durch Buchstaben analog dem Text bezeichnet

Quelle: Eigene Darstellung

Abbildung 9: Bei der Totalstruktur verändert sich die Effektivzeit, abhängig von der Gruppengröße, mit dem Parameter Informationszeit nichtlinear

Quelle: Eigene Darstellung, Tabelle aus Bäckmann (1994, S. 30),

Grafik aus Bäckmann (1974, S. 267)

Abbildung 10: Systemanalytische Darstellung von drei sozialpsychologischen Standardexperimenten

Quelle: Eigene Bearbeitung und Darstellung nach Hofstädter

(1993, S. 64, 1973, S. 116) / Bierhoff (2007, S. 311)

Abbildung 11: Sozialpsychologische Experimente unter Berücksichtigung der Zeit und der Gruppengröße als Input-Output-Modell

Quelle: Eigene Bearbeitung und Darstellung nach Mann (1999, S. 89) / Hofstädter (1993, S. 193)

Abbildung 12: Einführung eines Produktionsmanagementsystems auf Gruppenbasis mit Feedback durch Sprungfunktion, am Systemeingang realisiert

Quelle: Eigene Darstellung ergänzt mit eigenen Berechnungen (nach Kleinbeck & Schmidt, 2004, s. 480)

Abbildung 13: Systemcharakteristik der Feedback-Intervention bei Stationarität von Struktur und Prozessen der Arbeitsgruppe mit Timelag von einem Monat zwischen Feedback und Leistungsergebnis

Quelle: Eigene Darstellung und Berechnung nach Daten von Kleinbeck & Schmidt (2004, S. 480)

Abbildung 14: Neuere Konzepte des 5-Phasenmodells gehen von flexiblen Übergängen aus, die sich in Form von situationsgesteuerten Regelkreisen darstellen lassen

Quelle: Eigene Darstellung nach Brodbeck (2007, S. 429)

Abbildung 15: Bei einem realistischen Ansatz kann man die formelle Sternstruktur mit einer informellen Totalstruktur überlagern, und eine formelle (g) und informelle (gi) Gruppenführung annehmen

Quelle: Eigene Darstellung (Bäckmann 1974, S. 267, 268)

Abbildung 16: Vorschlag für eine Integration der Systemtheorie und Gruppenpsychologie für realitätsnahe Betrachtung von Gruppenprozessen und Gruppenentwicklung

Quelle: Eigene Darstellung

Tabellen und Quellen:

Tabelle 1: Äußere Zeitstrukturierung eines Seminars mit Gruppenarbeit

Quelle: Tabelle nach Nellessen (2001, S. 266 – 267), ergänzt mit eigenen Berechnungen

Tabelle 2: Kombinationstabelle für N = 5 Gruppenmitglieder bei Auswahl einer Gruppe

Quelle: Eigene Darstellung

Tabelle 3: Topologie der Basiskommunikationsstrukturen mit Berechnung der Parameter

Quelle: Eigene Darstellung

Tabelle 4: Experiment zum sozialen Faulenzen mit virtueller Labyrinthdurchquerung am Computer

Quelle: Tabelle nach Daten von Aronsen & Wilson & Akert (2004, S.329)

Tabelle 5: Mögliche Folgen von Zeitüberschuss und Zeitdruck auf die Zeitwahrnehmung Quelle: Eigene Darstellung

Symbolverzeichnis / Abkürzungen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einführung: Gruppendynamik und die Bedeutung der Zeit

1.1 Forschungsfeld: Gruppe und Bedeutung der Zeit - Literaturbefunde

Eine vielfältige Rolle spielt die Zeit im Gruppengeschehen: Zum einen ist die Zeit in der Gruppendynamik, der Gruppenentwicklung und bei Gruppenprozessen als Zeitdimension neben der Raumdimension eine Grundvoraussetzung, da sich alles soziale Geschehen hierin abspielt. Zum anderen sind Zeitstrukturen Ordnung schaffende Rahmenbedingungen von Gruppenbildung, Gruppengestaltung und jeder Art von Einsatz und Anwendung von sozialpsychologischen Gruppenkonzepten. Man denke hier nur an Anfang, Lebensdauer und Ende einer Gruppe. Darüber hinaus braucht jeder soziale Prozess und Gruppeneffekt eine Prozesszeit oder zeigt ein Zeitverhalten, das charakteristisch sein kann für die momentane Dynamik des Gruppenprozesses und den Stand der Entwicklung und vielleicht auch für die sozialen Reifung oder den Niedergang der Gruppe. Auch die Elemente einer Gruppe, die in ihr agierenden Personen, also die Gruppenmitglieder und Gruppenführer, haben einen Zeitbedarf für ihre Kontakte, für Kommunikation und Interaktionen, ihre Verhaltenssequenzen, Entscheidungen und Handlungen, Störungs- und Konfliktbewältigungen und auch für Reaktionsverzögerungen und Inaktivitätsphasen. Hinzu kommen selbstverständlich auch in Gruppen Aspekte der Zeitwahrnehmung und des Zeitbewusstseins in Form von Gruppenprozessen unter Zeitdruck oder Zeitstress und Leerzeiten mit temporärer Über- und Unterforderung sowie Probleme der individuellen Zeitsynchronisation zur Gruppenzeit und der gesamten Zeitperspektive einer Gruppe in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.

Es wird aber der wichtigen Rolle der Zeit in der Gruppendynamik, der Gruppentheorie und Gruppenpraxis nur eine geringe Beachtung geschenkt, so dass sogar in der neueren Literatur entweder überhaupt nicht, nur am Rande oder nicht geschlossen darauf eingegangen wird. Dies lässt sich am Besten durch einige vorerst exemplarisch ausgewählte Textpassagen aufzeigen, die in wissenschaftlichen Lehrwerken der Psychologie, Sozialpsychologie, Gruppenpsychologie, Gruppendynamik und Gruppenprozessforschung zu finden sind.

Maderthaner (2008) weist darauf hin, dass die Psychologie einige kontroverse Grundannahmen diskutiert, z. B. Statik versus Dynamik: „ Grundsätzlich können sich Gesetzmäßigkeiten auf strukturelle oder auf zeitliche Abläufe beziehen. Deshalb müssen auch psychologische Probleme auf zweierlei Art umanalysiert werden. Zum einen können über verschiedene Sachverhalte zur gleichen Zeit Daten gesammelt werden oder Experimente durchgeführt werden, zum anderen werden gleiche Sachverhalte mehrmals zu verschiedenen Zeiten untersucht. Im ersten Fall – bei einer Querschnittsanalyse – erfährt man Näheres über das gesetzmäßige Nebeneinander von Phänomenen, und im zweiten Fall – bei Längsschnittanalysen – über das gesetzmäßige Nacheinander der Zustände von Phänomenen“. (vgl. Maderthaner 2008, S. 45 - 46). Er führt noch aus, dass in der Realität viele Abläufe und Prozesse auch zeitlich richtig eingeschätzt werden müssen. So sind Timelags, also Zeitverzögerungen und Totzeiten, schwierig zu durchschauen, aber in den komplexen sozialen Systemen unbedingt zu berücksichtigen (vgl. Maderthaner 2008, S. 263 - 264). Von Miller (1995) stammt die Aussage, „ dass Zeit in der Sozial-

psychologie wenig Beachtung gefunden hat...“ (vgl. Miller 1995, S. 124). Er führt dies auf die

Problematik zurück, dass eine umfassende Einbeziehung der Zeit schnell an praktische und methodische Grenzen stößt und verweist noch darauf, dass die Sozialpsychologie im Wesentlichen von zeitinvarianten Modellen ausgeht und damit das Prozesshafte ausklammert und in Theoriebildung und Forschung damit selten berücksichtigt (vgl. Miller 1995, S. 124 - 125). Tschacher (1997) meint dazu: „ Ich halte die Ergebnisse der statischen Psychologie für wichtig, aber unzureichend.“ Er meint weiter: „Die Dimension Zeit ist daher eine zu unrecht vernachlässigte Größe in der Psychologie.“ Er fragt aber auch: „ Wie kann die Zeit einbezogen werden?“ Und gibt eine Antwort: „ Gesucht sind Methoden, die das Studium der Evolution einzelner Systeme erlauben. Der Methodenkanon ist demnach zu ergänzen um Zeitreihenanalysen und um dynamische Modellierungstechniken.“ (vgl. Tschacher 1997, S. 6). Über den Umgang mit der Zeit schreibt auch Rechtien (2007): „ Zu den drängenden Fragen der Alltagsrealität gehört zweifellos auch, wie wir mit der Zeit umgehen, die wir immer häufiger nicht zu haben scheinen, unsere immer mehr an Erwerbsarbeit orientierten Zeitmodelle partiell außer Kraft zu setzen, schafft Raum für eine alternative Beziehung zur Zeit, in der ihre Verschwendung gelegentlich produktiv und notwendig erscheint.“ (vgl. Rechtien 2007, S. 104 -105).

Den Versuch eines instrumentellen und reflexiven Umgangs mit der Zeit in gruppendynamischen Veranstaltungen unternimmt Geißler (2001): „ Sichtet man die einschlägig relevante Literatur, so kommt man zu dem Ergebnis, dass die Gruppendynamik hinsichtlich des Themas ‚Zeit und der Umgang mit ihr’ problemgeschichtlich noch im Mittelalter lebt. ‚Zeit’ war damals ebenso kein Problem, kein Thema, wie sie es für die Gruppendynamik heute ist. Im gruppendynamischen Alltag stellt sich der Umgang mit der Zeit durchaus immer wieder als Handlungsproblem. Der Umgang mit der Zeit, die zeitlichen Bedingungen, werden zum zentralen Strukturmerkmal der Interaktion; über sie wird Zustimmung, Abhängigkeit, Widerstand, individuelle und kollektive Souveränität sichtbar und erfahrbar.“ (vgl. Geißler 2001, S. 183 - 198)

Sader (2002) hat weitere Argumente aus dem Bereich der Gruppenpsychologie zusammengefasst als Mangel im Prozessdenken in der Sozialpsychologie, und er sagt: „ In der sozialpsychologischen Forschung werden Prozesse von auch nur etwas ausgedehnterer zeitlicher Erstreckung ausgesprochen selten berücksichtigt. Die herkömmliche Experimentierpraxis betrifft fast ausschließlich ahistorische kurzeitige Experimente. Längere Prozesse kommen kaum vor.“ Er nennt auch die möglichen Konsequenzen anhand von vier ausgewählten Aspekten:

- „Ohne zeitlichen Kontext kann das Gruppengeschehen unverständlich und unerklärbar sein, da Gruppenmitglieder auch auf zurückliegende Ereignisse reagieren, die aus dem Jetzt nicht erkennbar sind.
- Bei häufigen Folgen von Interaktionen mit Feedback kann es zum Aufschaukeln kommen mit dramatischen Eskalationen und ohne Vorgeschichtskenntnis zu völlig falschen Schlussfolgerungen.
- Auch eine Step-by-Step-Technik führt eventuell dazu, dass durch die gesetzten Anfangsbedingungen ein Ausstieg bei negativen Gruppeneffekten erschwert wird. Letztendlich nur bei einer prozessualen Betrachtungsweise können Ursache und Wirkung von möglicher willkürlicher Zuordnung unterschieden werden.“ (vgl. Sader 2002, S. 112 – 114).

Zwar bezieht er seine Meinung nur auf Gruppenprozesse, aber er macht auch Vorschläge zur besseren Erforschung derselben, was nichts anderes heißt als eine stärkere Einbeziehung von Zeitdimension, Zeitstruktur, Zeitverhalten, Zeitperspektive und eben Zeitkontexten in die Gruppenpsychologie.

Da Gruppen in Organisationen eine besondere Rolle spielen, muss auch folgendes beachtet werden: „ Angesichts permanenter Veränderungen im Organisationskontext hat der Zeitaspekt kontinuierlich an Relevanz zugenommen. Im Kern geht es um die Notwendigkeit einer immer höheren Anpassungsgeschwindigkeit von Gruppen in Organisationen an die Änderungen ihrer Umwelt. Dabei ist die Erkenntnis trivial, dass ein System nur überleben kann, wenn seine Anpassungsgeschwindigkeit größer ist als die Änderungsgeschwindigkeit des Umfeldes.“ (vgl. Felfe und Liepmann 2008, S. 30). Hier stellt sich deutlich die Existenzfrage für soziale Gruppen und übergeordnete soziale Systeme als abgeleitetes Zeitproblem dar. Allerdings ist diese Auffassung durch den Hinweis zu ergänzen, dass es auch noch auf andere Systemzustände ankommt.

1.2 Forschungsfrage, Definition, Design: Zeit, Einflussgröße und Strukturvariable

Die Gruppe in der Sozialpsychologie umfasst im Allgemeinen mehr als zwei Menschen, manche sprechen von mindestens zwei Personen, die in Interaktion miteinander treten, gemeinsame Ziele, Rollen und Normen entwickeln, die das Verhalten der Gruppe und ihrer Mitglieder regulieren. Als weiteres Kriterium wird oft noch eine relative Dauerhaftigkeit und eine gewisse Stabilität herangezogen, die sich nach einem sich zeitlich erstreckenden Gruppenentwicklungsprozess einstellt. Bei der sozialpsychologischen Betrachtung steht u. a. das Erleben und Verhalten der Gruppenmitglieder im Blickpunkt, wobei zentrale Begriffe wie Kommunikation, Kohäsion, Normen und soziale Rollen und Gruppenerfolg dominieren, allerdings wie dokumentiert häufig ohne Zeitdimension, Zeitstrukturen und die zeitlichen Einflussgrößen ausreichend zu berücksichtigen, welche die Voraussetzung eines jeden Gruppenprozesses und jeder Gruppenentwicklung sind (vgl. Boos, 2005, S. 636 – 653). Dies ist jedenfalls die Grundannahme der vorliegenden Literaturuntersuchung und soll deshalb klären,

- welche Bedeutung die Zeit als Einflussgröße und Strukturvariable in Gruppenprozessen und für die Gruppenentwicklung hat.

Um diesen Denkansatz zu verallgemeinern, ist erst zu fragen:

- Welche Bedeutung hat die Zeit im Gruppengeschehen?
Der vorstehende Terminus wurde bewusst gewählt, um anderweitig definierte und teilweise vorbelastete Gruppenbegriffe vorerst zu vermeiden. Stärker differenziert ergibt sich ein Schwerpunktkomplex:
- Wie hängen Gruppenprozesse und Gruppenentwicklungen von der Zeit ab?
- Und dies im Besonderen von der Zeit als Strukturvariable und Einflussgröße?
Letztlich kann abrundend noch die Frage aufgeworfen werden,
- ob und wie die Zeit in Gruppenprozessen und in der Gruppenentwicklung stärker thematisiert werden muss.

Hier soll nicht nur die objektive Zeit, sondern auch die subjektive Zeit einbezogen werden, soweit diese bisher in der Literatur zur Gruppenforschung untersucht bzw. abgehandelt wurde. Eingeschlossen werden formelle und informelle Gruppen, also geplante und ungeplante Prozesse. Ziel ist vor allem, Forschungslücken aufzuzeigen und aus hinreichend relevanten Ergebnissen Verbesserungen für Gruppenprozesse und Gruppenentwicklungsmaßnahmen und Interventionen abzuleiten.

Ausgangspunkt der Untersuchung sind exploratorisch ausgewählte Veröffentlichungen, die sich

- mit Gruppenphasenmodellen befassen, um Gruppenprozesse und Gruppenentwicklungen im Zeitverlauf zu analysieren und zu charakterisieren,
- weiter mit den zeitlichen Wirkungen von Information und Kommunikation, also allgemein Interaktionen und deren Bedeutung für den Gruppenprozess und die Gruppenentwicklung,
- sowie mit den Fragen von Gruppenverhalten unter Zeiteinfluss; demnach dem Zeitverhalten einer Gruppe als soziales System.

Die gesamte Untersuchung basiert auf einem systemtheoretischen Ansatz, da die Systemtheorie für die Analyse und Optimierung von Gruppenprozessen und Gruppenentwicklung geeignete Instrumente und Verfahren liefert, die auch in die Sozialpsychologie Eingang gefunden haben (vgl. Glaser 2005, S. 68 – 96).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Ablaufschema der Untersuchung : Die Zeit als Einflussgröße und Strukturvariable in

Gruppenprozessen und in der Gruppenentwicklung

Quelle: Eigene Darstellung

Nachdem die Forschungsfrage operationalisiert wurde, sollen einige Definitionen gegeben werden zur Abgrenzung:

Gruppenprozess und Gruppenentwicklung können unter verschiedensten Blickwinkeln betrachtet werden, je nach dem Kontext der Untersuchungen. Der Gruppenprozess kann allerdings kaum nur alleine betrachtet werden, denn die Forschung ist sich darüber einig, dass sich Prozess und Struktur gegenseitig bedingen: zum einen werden drei verschiedene Ebenen des Gruppenprozesses unterschieden:

-nämlich Inhalte, Relationen und Funktionen,
- des Weiteren zwei verschiedene Betrachtungen der Gruppenkonstitution aus Gruppenstruktur und Gruppenprozess.

Neben der Makrostruktur gibt es allerdings viele Mikrostrukturen, wie Kommunikations-, Konflikt- und Machtstrukturen u.a.. Die Interaktionen zwischen Gruppenmitgliedern werden dann Gruppenprozesse genannt. Gruppenstruktur und Gruppenprozess sind als Rekursion wechselseitig voneinander abhängig, da ein Gruppenprozess nur aus Gruppenstruktur entstehen kann und diese wiederum von dem Gruppenprozess beeinflusst und moderiert wird (vgl. von Rosenstiel 2007. S. 288 – 289 / Brauner 1998, S. 192 – 193). Durch die Reihenfolgebeziehung wird deutlich, dass dieses Wechselspiel in der Zeit ablaufen muss. Früher schon hat Mayrhofer (2003) dazu

- eine Zeitvariable eingeführt (vgl. Mayrhofer 2003, S. 213 – 214).

Bei Becker-Beck (1997) wird an dieser Stelle noch eine

- Mikro- und Makroebene des Gruppenprozesses unterschieden durch den zeitlichen Auflösungsgrad des Prozesses.

Es werden bei der Mikroanalyse die in kleinen Zeiteinheiten ablaufenden Schritte des Gruppengeschehens dabei in den Fokus gestellt, um z. B. Verhaltensmuster herauszufiltern (vgl. Becker-Beck 1997, S. 26).

Die Makroanalyse befasst sich nun mit längerfristigen Prozessen, etwa mit dem Problem, welche Phasen eine Gruppe von ihrer Entstehung bis zu ihrer Beendigung durchläuft – also die Gruppenentwicklung. Dieser Begriff hat aber zwei Bedeutungen, denn Gruppen entwickeln sich bei Selbstorganisation von der Situation abhängig über die Zeit hinweg – die Gruppe entwickelt sich selbst.

Im Weiteren umfasst Gruppenentwicklung eine geplante und systematische Veränderung von Gruppen in der Zeit, um Anpassungs- und Lernfähigkeit sowie Steigerung der Leistungsfähigkeit der Gruppe und der Gruppenmitglieder zu optimieren. Dabei werden die Gruppenmitglieder einbezogen. Der Begriff sollte nur angewandt werden, wenn es sich um gesamthafte Veränderungen der Gruppenprozesse und Gruppenstrukturen handelt – also wird die Gruppe entwickelt.

Vorstehend wurde die Zeit als Variable eingeführt: Von Variablen spricht man, wenn bestimmten Größen eine Menge möglicher Werte zugeordnet werden können, dabei muss eine Variable keineswegs eine metrische oder topologische Struktur aufweisen. Die unabhängige Variable (UV) bei empirischen Sachverhalten wirkt auf eine andere Größe oder einen Vorgang oder Zustand ein, die man dann abhängige Variable (AV) nennt. Die Zeit kann nun sowohl als abhängige als auch unabhängige Variable auftreten (vgl. Miller 1995, S. 51 - 52). In den meisten sozialpsychologischen Experimenten oder Realuntersuchungen taucht die Zeit als Variable direkt, häufiger indirekt als abgeleitete Größe auf, wie Geschwindigkeit eines sozialen Vorgangs usw. Auch kann die Zeit UV und AV gleichzeitig sein, allerdings vermittelt über eine Moderatorenvariable oder einen Parameter.

Die Gruppe ist in ihrer Minimalstruktur als dynamisches System zu sehen, das aus einer

- Personenmehrzahl
- Interaktionen
- Zeitdauer
- Sinn und Zweck
- Umweltbeziehungen

besteht. Diese Basisvariablen einer Gruppe sind systemanalytisch definiert als Strukturvariablen. Die Zeit als spezielle Strukturvariable kommt in uni- und multivariaten Modellen nicht nur als Zeitdimension, sondern als Zeitdauer, Zeitstruktur, Präsenzzeit, Periodizität u.a. oder auch als abgeleitete Zeitgröße vor, oft kombiniert mit anderen Variablen. Eine Variable oder Strukturvariable, beispielsweise die Zeit, wird dann auch zur Einflussgröße, wenn zwischen UV und AV eine kausale Beziehung empirisch oder analytisch nachgewiesen werden kann. Der empirische Nachweis stellt statistisch höhere Anforderungen, und nicht immer lassen die Modelle klare Aussagen zu (vgl. Bortz und Döring, 2005, S. 519 – 520)

Das einleitende Kapitel 1 gibt Grundlegungen zum Forschungsfeld Gruppe und Zeit und beschreibt die Forschungsfragen, gibt Definitionen vor für Gruppenprozess, Gruppenentwicklung und Zeit als Strukturvariable und Einflussgröße, beschreibt das Design und gibt Abgrenzungen und Ziele der Untersuchung vor.

Einen weiteren Überblick zur Untersuchung gibt Kapitel 2; konzeptionell wird zuerst das in vielen Forschungen implizierte

- Kriterium der Existenzdauer einer Gruppe in der Zeitdimension abgehandelt, da dies fundamental notwendig ist.

Es schließt sich die Intervallisierung der Zeit an, also eine äußere Zeitstrukturierung für die gesamte Gruppe, auch aus individueller Sicht. Ebenfalls wichtig ist die Frage der Gruppenleistung im Zeitverlauf, als Existenzkriterium, und es werden einige Gruppenphasenmodelle diskutiert und hinterfragt, wie weit diese verallgemeinerungsfähig sind. Es folgt wiederum die Individuumsebene der Gruppensozialisation aus zeitlicher Sicht mit Schlussfolgerung für das System Gruppe. Letztendlich ist eine Makroanalyse dafür Konzept leitend mit dem Tenor auf Gruppe in der Zeit.

Kapitel 3 betrachtet nun in einer Mikroanalyse die Zeit in der Gruppe, um die Gruppenbildungsvorgänge und Kommunikationsabläufe, - strukturen und –zeiten zu analysieren und daraus die kumulierten Makroprozesse aus Einflüssen der Mikroprozesse resultierend abzuleiten. Dies erfolgt anhand von Graphen und Matrixmodellen. Auch wird die Gruppengröße eingeführt und die Überlagerung von formeller und informeller Gruppe, um Optimierungsmöglichkeiten aufzuzeigen, wiederum aus Gruppen- und Individuumsperspektive.

Kapitel 4 erstellt nun aus der systemanalytischen Betrachtung den Übergang von der Zeitstruktur zur Zeitvariablen als Prozessergebnis, als Einflussgröße und Kombinationen daraus durch Untersuchung von Befunden aus der Literatur. Erreicht werden soll die Vernetzung von Mikro- und Makrozeitstrukturen mit der Zeitcharakteristik von Gruppen als System. Damit ergibt sich eine möglichst geschlossene Darstellung des Themas.

In Kapitel 5 werden die Ergebnisse noch einmal zusammengefasst und kritisch diskutiert als Feedback für die Zielerreichung. Der Ausblick zeigt dann auf, wie die Integration der Zeit in die Gruppenprozesse und Gruppenentwicklung die Gruppendynamik aus der Zeitlosigkeit führen soll.

2. Gruppenphasen – Gruppenprozesse und Gruppenentwicklung in der Zeitdimension

2.1 Gruppenexistenz in der Dimension Zeit

Wie schon definiert umfasst eine Gruppe eine Mehrzahl von Personen

- die in direkter Interaktion
- in einer längeren Zeitspanne

mit Rollendifferenzierung agieren, wobei gemeinsame Normen und ein Gruppengefühl entstehen (vgl. von Rosenstiel 2007, S. 288). Aus der Literatur kann man eine ganze Reihe von Gruppeneffekten herausfiltern, die in irgendeiner Weise von der Zeit, Zeitstrukturen und Zeitvariablen abhängen. Diese sollen nun nicht erschöpfend aufgezählt werden, sondern exemplarisch ausgewählt, soweit sie für die vorliegende Untersuchung von Bedeutung sind.

Sicherlich ist die Zeitdimension zuerst zu nennen, denn wie schon erwähnt spielen sich im Raum-Zeit-Bereich alle sozialen Vorgänge ab. Bei Gruppen findet sich dies schon in entsprechenden Bezeichnungen wie

- temporäre Gruppen
- spontane Gruppen
- Marathongruppen
- Therapiegruppen
- Trainingsgruppen
- Projektgruppen
- permanente Gruppen usw. (vgl. Keiser 2002, S. 54)

Nichts anderes ist hier umschrieben als diese irgendwie zeitlich bestimmten sozialen Gruppen in ihrer Existenz einer Zeitachse, der Zeitdimension, zuzuordnen. Drei Grundfälle sind zu unterscheiden in der zeitlichen Zuordnung von Gruppengeschehen oder Gruppenexistenz, je nach dem, wie sie in die Zeitdimension eingestellt sind. Fälle:

- Die Gruppe I hat einen definierten Anfangs- und Endzeitpunkt tA → tE und ein dazwischen liegendes kontinuierliches zeitliches Existenzintervall

tA < TGI < tE;

- bei der nächsten Gruppe II sind Anfangs- und Endzeitpunkt zufällig τα→τε und ebenso das dazwischen liegende Existenzintervall τα < TGII < τε.

- Häufiger als angenommen gibt es auch die Gruppe III, deren Anfang tA(-) den Gruppenmitgliedern nur in historischer Zeitperspektive bekannt ist und deren zeitlicher Endpunkt tE(+) in der ferneren Zukunft liegt als eine Art überdauernder Gruppe mit dem Existenzintervall

tA(-) < TGIII < tE(+). Die Lebensdauer dieser Gruppe ist demnach wesentlich größer als die zeitliche Zugehörigkeit TM der einzelnen Gruppenmitglieder, also TGIII>>TM, wobei TG auch Jahrzehnte betragen kann. Beispiele hierfür sind politische Gremien und Aufsichtsratsgruppen von Banken und Konzernen.

Abbildung 2: Qualitative Darstellung der zeitbezogenen Gruppenarten

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung

Unterscheidbar sind also

- Kurzzeitgruppen mit exakt definiertem
- oder zufälligem Lebensdauerintervall
- und Langzeitgruppen mit überdauernder Zeithistorie und -perspektive.

Diese lassen sich aber noch miteinander kombinieren, so dass weitere Unterfälle entstehen können und auch zweckmäßig sind. Unschwer lassen sich nun die aufgeführten Gruppen, aber auch noch andere den vorstehenden Modellen in der Zeitdimension zuordnen. Nun sind soziale Gruppen in ihrer Zeitexistenz meist nur unter Laborbedingungen zeitkontinuierlich, wie beim Sensitivity-Training, wo ein relativ enges Zusammenleben über einen Zeitraum von ein bis zwei Wochen erforderlich ist, oder den so genannten Marathongruppen mit einem Non-Stop-Training, das nur von wenigen und kurzen Pausen unterbrochen ist (vgl. Rechtien, 2007, S. 58 - 67). Bei Arbeitsgruppen, Projektgruppen, Therapiegruppen u.a. werden die zeitlichen Zusammenhänge

- meist nach einem Zeitplan stündlich, täglich, wöchentlich oder länger unterbrochen, oft auch vollkommen unstrukturiert oder zufällig bis chaotisch, ohne dass die Gruppe an sich formell aufgelöst wird. Es wechseln sich also entweder in regelmäßigen oder unregelmäßigen Zeitintervallen Vorbereitungszeiten, Aktivitätszeiten mit Passivzeiten, Latenzzeiten, Ruhezeiten und Nachbereitungszeiten ab. Diese Betrachtung gilt für die Gruppe als Ganzheit und System. Die einzelnen Individuen können davon abweichende Zeitstrukturen haben.

Die Zeitdimensionsachse ist demnach

- noch zusätzlich mit einer Zeitstruktur, also Zeitintervallen ti >> TG unterlegt, die selbst- oder fremd organisiert sein können, die man mit äußerer Zeitstruktur bezeichnen kann.

Weiter kann die Lage des Existenzintervalls auf der Zeitachse variabel sein. Die einzelnen Gruppenmitglieder können außerhalb der Aktivitätsintervalle mit ihrer Gruppe

- überhaupt nicht, nur formell oder informell und sogar auch virtuell verbunden sein (vgl. Döring 2003, S- 501 – 504)

Aber auch eine Mitgliedschaft in anderen Gruppen ist denkbar und normalerweise auch üblich, da sich Menschen oft in verschiedenen Gruppenzugehörigkeiten gleichzeitig, alternierend oder kombiniert befinden. Jeder Mensch hat in letzter Konsequenz eine individuelle Gruppenbiografie und über seine Lebensjahre Gruppenerfahrungen, die vom Kindergarten über Schule, Studium, Arbeit und Beruf, Freizeit und Sport bis Krankheit und Alter reichen.

Tabelle 1: Äußere Zeitstrukturierung eines Seminars mit Gruppenarbeit

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Tabelle nach Nellessen (2001, S. 266 – 267), ergänzt mit eigenen Berechnungen

2.2 Gruppenbildung und Leistung im Zeitverlauf

Es genügt nicht, eine Zahl verschiedener Menschen in einer Gruppierung einfach zusammenzubringen, sondern es müssen durch Kontaktmöglichkeiten und Verringerung sozialer Distanzen sowie Kommunikation und Interaktion entweder selbst- oder fremd organisiert im Zeitverlauf die sozialen Prozesse in Gang gebracht werden, die im Idealfall in Gruppenprozesse einmünden und die Gruppe erst entstehen lassen (vgl. Rechtien 1997, S. 123 - 125). Kontakte und Interaktionen sind damit die Kristallisationskerne der Gruppenbildung, also nach Kombination,

Häufigkeit, Direktionalität, Zeitdauer und Zeitstrukturierung. Bekannt ist, dass in einer Gruppe mehr In-Kontakte als Out-Kontakte stattfinden. Nach Homanns (1961) steigt die Sympathie mit

der Zahl der Kontakte, dies wurde auch schon in den Hawthorne-Studien festgestellt (vgl. Kern 1994, S. 222 – 233). Auch schließen sich häufiger Menschen zu Gruppen zusammen, die untereinander Ähnlichkeiten in wichtigen Aspekten haben und dadurch die Sympathie verstärkt wird. „Das ist der Grund, warum so genannte virtuelle Gruppen, in denen Mitglieder über Computer miteinander kommunizieren und sich selten oder nie von Angesicht zu Angesicht begegnen, zu echten Gruppen entwickeln können...“ „Die Vielzahl computervermittelter Kontakte und die gemeinsame Aufgabe lassen Sympathie entstehen, allerdings dauert die Entwicklung eines Gruppengefühls in diesen Fällen sehr viel länger,“ dies stellt Nerdinger (2003) fest und bezieht sich dabei auf Studien von Döring (1999) und Walther (1999) (vgl. Nerdinger, 2003, S. 166). Die Gruppenbildung ist damit schon als Prozess gekennzeichnet, bei dem das Gruppengefühl mehr oder weniger schnell entsteht durch die Art, Häufigkeit und Dauer der Kontakte und Kommunikation und Interaktion, und dadurch auch die Gruppenbildungszeit beeinflusst wird. Etwas Anderes ist noch wichtig, nämlich die Gruppenleistung oder der Gruppenerfolg, denn wenn Gruppen Bestand haben sollen, wird dies zum Existenzkriterium (vgl. Bäckmann, 1994 S. 3). Früher schon haben Katz und Allen (1982) bei Projektgruppen im Unternehmensbereich Forschung und Entwicklung festgestellt, dass es rund drei Jahre mittlerer Gruppenzugehörigkeit der Mitarbeiter dauert, bis die höchste Leistung entfaltet wurde. Danach fällt die Leistung wieder ab: die Gruppen haben offenbar relativ starre Normen entwickelt, bestrafen Abweichungen von den Normen immer stärker und massiver und sind nicht mehr offen für Anregungen von außen. Aufgrund einer zunehmenden Abkapselung findet die Kommunikation vor allem zwischen den Gruppenmitgliedern statt und von außerhalb kommende Kommunikation und Interaktion werden abgelehnt (vgl. Katz und Allen, 1982, S. 7 – 19). In der Folge kommt die Gruppe immer weniger zur Leistungsabgabe nach außen, und was die Gruppe hier tun soll, nämlich Forschungs- und Entwicklungsergebnisse liefern, bleibt weitgehend aus. Die Gruppe hat demnach ihre Existenzberechtigung verloren und das Gruppenende ist abzusehen. Die Zeit tritt in diesen Beispielen nur mittelbar auf als Gruppenlebenszeit oder durchschnittliche Gruppenzugehörigkeit der Gruppenmitglieder in Jahren. Man nimmt nun an, dass solche Vorgänge

- zeitinvariant sind und sich der Verlauf des Entwicklungsprozesses oder der Outputgröße bei Verschiebung auf der Achse der Zeitdimension nicht oder nur unwesentlich verändert.

Abbildung 3: Streudiagramm des Leistungsverlaufs von Projektgruppen. Die unabhängige Variable UV ist die mittlere Gruppenzugehörigkeit der Mitglieder

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung nach Katz und Allen (1982), aus Ulich (2005, S. 267)

Verfolgt man diesen Ansatz weiter, kommt man zu den Gruppenphasenmodellen, die allgemein erklären sollen, wie Gruppenbildung und Gruppenentwicklung in der Zeit und bei weiteren Einflussgrößen ablaufen (vgl. Gollwitzer und Schmitt 2006, S. 196).

Gruppen entstehen nicht einfach und plötzlich in einer bestimmten Form, so dass Strukturen, Rollen und Gruppenführung auftauchen, in dieser Form eine Zeit lang bestehen und irgendwann wieder verschwinden. Gruppen bilden sich, verändern sich im Zeitablauf, und dieser Vorgang ist für jede Gruppe ein spezifischer durch die Art der Organisation und der formellen und informellen Beziehungen. „Dennoch stellt sich die Frage, ob sich bei aller Verschiedenheit der Gruppenentwicklung nicht doch gewisse Gemeinsamkeiten finden lassen, die alle sozialen Gruppen in mehr oder weniger ausgeprägter Form ausweisen“. (vgl. Rechtien, 1997, S. 139 ff). Es wurde eine Reihe von Modellen entwickelt, welche die Entwicklung von Gruppen und die zu verschiedenen Zeitpunkte zu erwartenden Gruppenprozesse beschreiben sollen. Die Modelle haben Unterschiede, da das Konzeptionsinteresse oft auf bestimmte Aspekte des Gruppengeschehens bei bestimmten Gruppen gerichtet war und auf Daten und Quasiexperimenten aufbauen, häufig aus Unternehmen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 55 Seiten

Details

Titel
Die Zeit als Einflussgröße und Strukturvariable in Gruppenprozessen und in der Gruppenentwicklung
Hochschule
FernUniversität Hagen
Note
1,3
Autor
Jahr
2008
Seiten
55
Katalognummer
V118151
ISBN (eBook)
9783640220403
ISBN (Buch)
9783640222742
Dateigröße
1748 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Zeit, Einflussgröße, Strukturvariable, Gruppenprozessen, Gruppenentwicklung
Arbeit zitieren
Dipl.-Ing. Reinhard Bäckmann (Autor), 2008, Die Zeit als Einflussgröße und Strukturvariable in Gruppenprozessen und in der Gruppenentwicklung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/118151

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