Persönlichkeit als Prädiktor für Affinität, Einstellung und Vertrauen gegenüber Computersystemen

Eine Untersuchung zur Mensch-Computer-Interaktion


Bachelorarbeit, 2020

73 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhalt

Abstract

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

2. Theoretischer Hintergrund
2.1 Persönlichkeit des Menschen
2.2 Fünf-Faktoren-Modell der Persönlichkeit
2.3 Persönlichkeit in der Mensch-Computer-Interaktion
2.4 Affinität, Einstellung und Vertrauen gegenüber Computersystemen
2.5 Transfer in ausgewählte Anwendungsbereiche
2.5.1 Bildungsbereich
2.5.2 Arbeitsbereich
2.5.3 Gesundheitsbereich

3. Methodisches Vorgehen
3.1 Systematische Literaturanalyse
3.2 Quantitative Datenerhebung

4. Empirische Untersuchung
4.1 Untersuchungsdesign
4.2 Operationalisierung der Variablen
4.3 Stichprobenbeschreibung
4.4 Datenerhebung und Datenaufbereitung
4.4.1 Fragebogenkonstruktion
4.4.2 Gütekriterien
4.4.3 Ethische Richtlinien
4.4.4 Kritische Auseinandersetzung mit der Erhebungsmethode
4.5 Datenanalyse und Datenauswertung

5. Ergebnisse
5.1 Deskriptive Ergebnisdarstellung
5.2 Inferenzstatistische Ergebnisdarstellung

6. Diskussion und Ergebnisinterpretation

7. Fazit

Anhang

Literaturverzeichnis

Abstract

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der menschlichen Persönlichkeit als Prädiktorvariable in der Mensch-Computer-Interaktion. Konkreter wird im Rahmen einer quantitativen Online-Befragung nach Zusammenhängen in der Ausprägung der Big-Five-Persönlichkeitsdimensionen und den psychologischen Konstrukten der Affinität, Einstellung und dem Vertrauen von Probandinnen und Probanden gegenüber Computersystemen gesucht. Die Ergebnisse der Untersuchung zeigen leichte bis moderate Zusammenhänge bestimmter Ausprägungen der Persönlichkeitsdimensionen und der untersuchten Konstrukte, wobei Unterschiede zwischen den einzelnen Persönlichkeitsdimensionen beobachtet werden konnten. Insgesamt konnten die Big-Five-Persönlichkeitsdimensionen im Rahmen dieser Untersuchung nicht eindeutig als Prädiktorvariable identifiziert werden. Zwischen den Konstrukten der Affinität, Einstellung und Vertrauen konnten moderate bis starke positive Zusammenhänge beobachtet werden.

Ein Transfer in den Bildungs-, Arbeits- und Gesundheitsbereich verdeutlicht die Relevanz einer thematischen Auseinandersetzung mit der Mensch-Computer-Interaktion. Die zunehmende Digitalisierung und Technisierung der Handlungs- und Erlebenswelt des Menschen macht eine vermehrte Auseinandersetzung mit den Einflussfaktoren in der Mensch-Computer-Interaktion unabdingbar.

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Affinität, Einstellung und Vertrauen im Kontext der Mensch-Computer- Interaktion (eigene Darstellung)

Abb. 2: Untersuchungsdesign (eigene Darstellung)

Abb. 3: Einfluss der unabhängigen Variablen auf die abhängige Variable (eigene Darstellung)

Abb. 4: Geschlechtsverteilung der Stichprobe (eigene Darstellung)

Abb. 5: Altersverteilung der (eigene Darstellung)

Abb. 6: Lebensstatus der befragten Teilnehmerinnen und Teilnehmer (eigene Darstellung)

Abb. 7: Aufteilung des semantischen Raumes der Persönlichkeitserfassung (eigene Darstellung)

Abb. 8: Durchschnittliche Antworttendenz zu dem Adjektivpolen, N = (eigene Darstellung)

Abb. 9: Streudiagramm-Matrizen Neurotizismus (SPSS)

Abb. 10: Streudiagramm-Matrizen Extraversion (SPSS)

Abb. 11: Streudiagramm-Matrizen Offenheit für neue Erfahrungen (SPSS)

Abb. 12: Streudiagramm-Matrizen Gewissenhaftigkeit (SPSS)

Abb. 13: Streudiagramm-Matrizen Verträglichkeit (SPSS)

Abb. 14: Streudiagramm-Matrizen Konstrukte (SPSS)

Tabellenverzeichnis

Tab. 1 : Überblick der primären und sekundären Suchbegriffe.

Tab. 2: Übersicht der Poladjektive zur Erfassung der Big-Five-Persönlichkeitsdimension

Tab. 3: Fragestellungen des Pretests

Tab. 4: Deskriptive Werte der Persönlichkeitserfassung

Tab. 5: Deskriptive Werte der Konstrukterfassung

Tab. 6: Spearman-Rho Korrelation für Neurotizismus

Tab. 7 : Spearman-Rho Korrelation für Extraversion

Tab. 8 : Spearman-Rho Korrelation für Offenheit für neue Erfahrungen

Tab. 9 : Spearman-Rho Korrelation für Gewissenhaftigkeit

Tab. 10 : Spearman-Rho Korrelation für Verträglichkeit

Tab. 11: Spearman-Rho Korrelation für Affinität, Einstellung und Vertrauen

1. Einleitung

In Zeiten der zunehmenden Technisierung und Digitalisierung der Welt, in der die Interaktions-schnittstellen zwischen Computersystemen und dem Menschen immer bedeutender werden, spielt die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der Mensch-Computer-Interaktion eine wichtige Rolle. Der Umgang des Menschen mit Computersystemen wird zunehmend über die soziale Teilhabe des Individuums an seiner Gesellschaft entscheiden, da die Integration von Computer als technisch komplexe Systeme in die menschliche Handlungs- und Erlebenswelt weiter zunehmen wird. Insbesondere ein Transfer in den Bildungsbereich, Arbeitsbereich und Gesundheitsbereich wird die Relevanz des untersuchten Themas verdeutlichen und die bereits gegenwärtige Rolle von Computersystemen aufzeigen. Die zunehmende Präsenz von Computersystemen in der Umwelt des Menschen bedeutet nicht, dass alle Menschen adäquat mit Computersystemen umgehen können und dass die Interaktion mit Computersystemen zu einem Wohlempfinden führt. Denn auch der Mensch stellt ein biologisch komplexes System mit zahlreichen Facetten dar, welches im Rahmen der Mensch-Computer-Interaktion seiner Aufmerksamkeit bedarf. Ein einflussreicher Faktor in der Vorhersage von menschlichen Verhalten und Erleben stellt die Persönlichkeit dar, welche bereits als Prädiktorvariable Gegenstand verschiedener wissenschaftlicher Untersuchungen zur Mensch-Computer-Interaktion war. Diese Untersuchungen kamen jedoch zu unterschiedlichen, zum Teil widersprüchlichen Ergebnissen, was die menschliche Persönlichkeit als Prädiktorvariable in der Mensch-Computer-Interaktion angeht. Um weitere Erkenntnisse zum Untersuchungsgegenstand sammeln zu können, wird im Rahmen dieser Arbeit die menschliche Persönlichkeit als Prädiktorvariable auf andere psychologische Konstrukte, wie der Affinität, Einstellung und dem Vertrauen des Menschen gegenüber Computersystemen im Rahmen einer quantitativen Online-Befragung untersucht. Dabei gilt es gezielter, differentielle Besonderheiten des Menschen, welche durch die Persönlichkeit hervorgerufen werden, in der Interaktion des Individuums mit Computersystemen zu untersuchen. Hier besteht die Annahme, dass diese differentiellen Besonderheiten des Menschen auch zu Unterschieden in dem Verhalten und Erleben des Menschen in der Mensch-Computer-Interaktion führen können und dass sich diese auf die Affinität, auf die Einstellung und auf das Vertrauen des Menschen gegenüber Computersystemen auswirken. Der vielfältige Persönlichkeitsbegriff wird durch das lexikalische Big-Five-Persönlichkeitsmodell eingegrenzt, welches die menschliche Persönlichkeit in die fünf Hauptdimensionen Neurotizismus, Extraversion, Offenheit für neue Erfahrungen, Gewissenhaftigkeit und Verträglichkeit unterteilt. Das Ziel dieser Arbeit ist es, Zusammenhänge zwischen den Big-Five-Persönlichkeitsdimensionen sowie der Affinität, Einstellung und dem Vertrauen von Probandinnen und Probanden zu untersuchen und zu beschreiben. Dabei soll stets der Mensch mit seiner individuellen Persönlichkeit als Akteur in der Mensch-Computer-Interaktion im Fokus der Untersuchung stehen.

2. Theoretischer Hintergrund

Zunächst soll ein Überblick über das Untersuchungsthema gegeben werden, welcher eine Auseinandersetzung mit der Definition der menschlichen Persönlichkeit beinhaltet sowie das Fünf-Faktoren-Persönlichkeitsmodell vorstellt und kritisch behandelt. Darüber hinaus wird die Persönlichkeit als menschliche Variable in der Mensch-Computer-Interaktion erörtert. Die im empirischen Teil untersuchten Variablen Affinität, Einstellung und Vertrauen gegenüber Computersystemen sollen beschrieben und erläutert werden. Im Anschluss wird eine Transferleistung des Untersuchungsthemas in ausgewählte Anwendungsbereiche die Relevanz des Themas auch für die Praxis verdeutlichen.

2.1 Persönlichkeit des Menschen

Zum einem biologisch begründet, auf der anderen Seite von der Umwelt geschaffen, macht die Persönlichkeit den Menschen zu dem, was ihn ausmacht. Was den Menschen ausmacht, spiegelt sich sowohl in seinen Handlungen, in der Art zu denken und in der Weise wider, wie der Mensch seine Lebenswelt erlebt und empfindet. Die Vielfältigkeit und Komplexität der Persönlichkeit wird zum einem durch die Betrachtung der Varietät an Menschen deutlich, zum anderen durch die Betrachtung der Persönlichkeit selbst, welche zugleich eine Konstanz aufweist und auf der anderen Seite zu einem bestimmten Grad von Entwicklung und Veränderung geprägt ist.

Das Interesse daran, die Charakteristika des Menschen greifbar zu machen, geht bis in die antike Typenlehre von großen Philosophen und Ärzten vergangener Zeit wie Hippokrates (Vier-Säfte-Lehre) und Aristoteles (Typenlehre durch Blutbeschaffenheit) zurück. Die Beschaffenheit von Blut und Körpersäften wie Schleim, Galle und Wasser sollten die Wesenszüge des Menschen erklären und einordnen. Auch in der heutigen Zeit wird für die Erklärung der Persönlichkeit die Biologie des Menschen herangezogen, diese bezieht sich jedoch auf die Genetik und auf die Beschaffenheit und Entwicklung des menschlichen Gehirns. Der Begriff der menschlichen Persönlichkeit versteht sich gegenwärtig vor allem als psychologisches Konstrukt, welches meist erst durch das Verhalten von Menschen beobachtbar und greifbar gemacht werden kann. Nach der American Psychological Association widmet sich die Erforschung der Persönlichkeit zwei großen Bereichen: dem Verständnis individueller Unterschiede in den Persönlichkeitsmerkmalen einer Person sowie zu verstehen, wie die einzelnen Teile der Persönlichkeit zu einem Ganzen zusammenkommen (vgl. American Psychological Association, 2020). Durch die Komplexität des Persönlichkeitsbegriffs ist es in der Vergangenheit nicht gelungen, eine einheitliche Definition der Persönlichkeit formulieren zu können, welches nur die Vielfältigkeit dieser unterstreichen kann.

Nach Asendorpf (2018) stellt die Persönlichkeit individuelle Besonderheiten der körperlichen Erscheinung und der Regelmäßigkeiten des Verhaltens und Erlebens des Individuums dar, welche sich in nichtpathologische Persönlichkeitseigenschaften widerspiegeln (vgl. Asendorpf, 2018, S. 8). Das Besondere an der Persönlichkeitsdefinition von Asendorpf ist, dass er sowohl die Komponente der körperlichen Erscheinung als auch der Pathologie miteinbezieht, welches zum einem aufzeigt, wie das Individuum seine Persönlichkeit durch Äußerlichkeiten nach außen trägt und wie die menschliche Persönlichkeit sowohl 'gesund' als auch 'gestört' sein kann. Unter einer Störung der Persönlichkeit werden insbesondere soziale, unflexible, wenig angepasste und normabweichende Verhaltensauffälligkeiten verstanden (vgl. Fiedler, 2016, S. 34), welche jedoch im Rahmen dieser Arbeit nicht weiter behandelt werden sollen.

Eine andere Definition der Persönlichkeit von Rauthmann (2016) beschreibt diese als Gesamtheit und Organisation von stabilen Mustern des Erlebens und Verhaltens innerhalb einer Person, die sie kennzeichnen und von anderen Personen unterscheiden (vgl. Rauthmann, 2016, S. 3). Die Persönlichkeitsdefinition nach Rauthmann bezieht sich hier insbesondere auf die Konstanz, welche der menschlichen Persönlichkeit zugrunde liegt, in dem sie als Organisation von stabilen Mustern beschrieben wird. Hier wird auch deutlich, dass Persönlichkeit etwas ist, dass Menschen voneinander unterscheidet und diese letztendlich durch ihre Einzigartigkeit zum Individuum macht. Eine weitere Definition der Persönlichkeit unterteilt diese in drei Bereiche, nämlich in universale Merkmale der menschlichen Natur, in individuelle Unterschiede und der individuellen Einmaligkeit des Menschen (vgl. Lawrence, 2005, S. 30 f.). Die Auseinandersetzung mit der individuellen Einmaligkeit und Einzigartigkeit der menschlichen Persönlichkeit stellte bereits der Psychologe Gordon Allport in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts in den Fokus der Persönlichkeitsforschung, welche insbesondere den Menschen mit seiner einzigartigen Persönlichkeitsentwicklung und dem Werden im Prozess der menschlichen Individuation in den Mittelpunkt seiner Arbeit rückte. Nach Allport (1983) stellt die menschliche Persönlichkeit weniger einen abgeschlossenen Punkt dar, sondern einen fortlaufenden, hochgradig individuellen Prozess, in dem die stabilen Züge der Persönlichkeit anhaltenden Veränderungen unterworfen ist (vgl. Allport, 1983, S. 27). Dies verdeutlicht noch einmal mehr, damals sowie heute, den schmalen Grat der Stabilität und Veränderung, welcher der menschlichen Persönlichkeit unterlegen ist.

Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass die menschliche Persönlichkeit ein latentes Merkmal ist, welches durch Verhaltensweisen und Äußerlichkeiten zum Teil manifest gemacht werden kann. Dass die Persönlichkeit Menschen voneinander unterscheidet, jedoch auch erlaubt, Menschen mit ähnlichen Persönlichkeitseigenschaften zu Cluster und Gruppen einzuordnen. Ein wichtiges Merkmal der Persönlichkeit sind die Stabilität und Konstanz von Persönlichkeits-eigenschaften, welche auch über einen längeren Zeitraum stabil bleiben. Auf der anderen Seite ist die Persönlichkeit des Menschen durch Entwicklung geprägt und kann sich durch Störungen verändern. Die Persönlichkeit, als komplexes Resultat aus Genetik, Umwelt und wohl auch aus den persönlichen Überzeugungen einer Person, dient dabei, Vorhersagen über das Verhalten von Individuen mit der Umwelt, Mitmenschen und Gegenständen sowie Lebensereignissen zu machen (vgl. Rauthmann, 2016, S. 45). Einen Überblick über die menschliche Persönlichkeit sollen aus der Persönlichkeitspsychologie entstandene Persönlichkeitsmodelle bieten, welche sich in ihrem Ansatz und in der Auffassung darüber, wie die menschliche Persönlichkeit beschrieben werden kann, unterscheiden. Eines der bekanntesten Persönlichkeitsmodelle für die Beschreibung der menschlichen Persönlichkeit stellt das Fünf-Faktoren-Modell dar, welches nachfolgend näher beschrieben werden soll.

2.2 Fünf-Faktoren-Modell der Persönlichkeit

Costa & McCrae waren der Meinung, dass fünf Persönlichkeitsdimensionen nötig sind, um die menschliche Persönlichkeit zu beschreiben und entwickelten daraufhin Persönlichkeitsskalen, um die Persönlichkeitseigenschaften messen zu können (vgl. Flett, 2007, S. 54 f.). Das Fünf-Faktoren-Modell (FFM) stellt ein lexikalisches Persönlichkeitsmodell dar, welches sich aus der Untersuchung von tausenden Eigenschaftswörtern herauskristallisiert hat und damit eine beständige Beschreibung der menschlichen Persönlichkeit in den meisten Kulturen zulässt (vgl. Montag, 2016, S. 16). So lässt sich die menschliche Persönlichkeit im Rahmen des Fünf-Faktoren-Persönlichkeitsmodells mit den fünf Hauptdimensionen neuroticism (Neurotizismus), extraversion (Extraversion), openness to new experience (Offenheit für neue Erfahrungen), conscientiousness (Gewissenhaftigkeit) und agreeableness (Verträglichkeit) beschreiben. Da es sich um Hauptdimensionen der Persönlichkeit handelt, werden diese auch oft unter dem Begriff der „Big Five“ der Persönlichkeit behandelt, welcher durch den Forscher Goldberg im Jahr 1993 geprägt wurde (vgl. Flett, 2007, S. 54). Die fünf Persönlichkeitsdimensionen des lexikalischen Ansatzes werden im Folgenden näher beschrieben.

Neurotizismus

Der Neurotizismus beschreibt die emotionale Empfindsamkeit oder die emotionale Ansprache des Menschen in seiner Interaktion und seinem Erleben mit und von der Umwelt (vgl. Rauthmann, 2016, S. 21). Auf dem Merkmalskontinuum der Persönlichkeitsdimension befindet sich der Neurotizismus zu der emotionalen Stabilität, welche sich in einer ausgeglicheneren und unbefangenen Persönlichkeit ausdrückt. Da in dem Big-Five-Persönlichkeitsmodell hohe Persönlichkeitswerte erreicht werden sollen, besteht zunehmend die Tendenz, den Begriff Neurotizismus gegen den der emotionalen Stabilität aufgrund seiner Positivität auszutauschen. Die menschliche Persönlichkeit, welche durch hohe Neurotizismus-Werte charakterisiert ist, wird in dem Big-Five-Modell insbesondere als ängstlich, nervös, reizbar, niedergeschlagen, launisch und verletzlich beschrieben (vgl. Rauthmann, 2016, S. 21).

Extraversion

Die Persönlichkeitsdimension der Extraversion bezieht sich zum einem auf die Beschreibung von Eigenheiten des Individuums auf die Interaktion und Kommunikation im direkten sozialen Kontakt mit anderen Menschen und Objekten und zum anderen auf die Beschreibung von Unterschieden im Temperament, in der Aktivität, Aufmerksamkeit sowie in den Affektzuständen des Menschen (vgl. Asendorpf, 2018, S. 28). Dabei befindet sich die Extraversion auf dem Merkmalskontinuum zu der Introversion, welche das andere Ende der Dimensionsskala definiert. Der Begriff der Introversion, erstmals durch den Schweizer Psychiater Carl Gustav Jung in den 1920er-Jahren eingeführt, charakterisiert dabei nicht das Gegenteil zu der Extraversion, sondern ist durch eine geringe Ausprägung von extravertierten Persönlichkeitseigenschaften gekennzeichnet. Nach Jung (1930) besitzt der Mensch beide Mechanismen, welche erst durch ein relatives Überwiegen von extravertierten oder introvertierten Eigenschaften den Persönlichkeits-typus ausmachen (vgl. Jung, 1930, S. 8). In dem Fünf-Faktoren-Persönlichkeitsmodell steht die Persönlichkeitsdimension der Extraversion oftmals für eine starke Ausprägung von Geselligkeit, Herzlichkeit, Dominanz, Energie, Heiterkeit und Enthusiasmus und charakterisiert ein erhöhtes Bedürfnis des Individuums nach zwischenmenschlicher Interaktion, Stimulation und Freude (vgl. Rauthmann, 2016, S. 21).

Offenheit für neue Erfahrungen

Persönlichkeiten mit hohen Offenheitswerten erfreuen sich insbesondere an neuen Erfahrungen sowie dem Unbekannten und zeigen ein hohes Interesse daran, sich mit neuen Inhalten auseinanderzusetzen und diese kennenzulernen. In dem Fünf-Faktoren-Modell der Persönlichkeit wird die Persönlichkeitsdimension der Offenheit mit dem Interesse an und der Beschäftigung mit neuen Erlebnissen und Eindrücken beschrieben (vgl. Rauthmann, 2016, S. 21). Durch ihre aufgeschlossene Art für neue Erfahrungen werden Persönlichkeiten mit hohen Offenheitswerten insbesondere als intellektuell, wissbegierig, fantasievoll und unkonventionell bezeichnet (vgl. Rauthmann, 2016, S. 21), wohingegen eine niedrige Ausprägung von Offenheitswerten in der Persönlichkeit mit einer Fantasielosigkeit, Engstirnigkeit und Nüchternheit charakterisiert wird (vgl. Asendorpf, 2018, S. 26).

Gewissenhaftigkeit

Gewissenhafte Personen legen vor allem Wert auf das umsichtige, ordentliche und beharrliche Ausführen von Aufgaben und Tätigkeiten in unterschiedlichen Lebenskontexten (vgl. Asendorpf, 2018, S. 26). Daher werden Persönlichkeiten mit einer hohen Ausprägung an Gewissenhaftigkeit im Rahmen des Big-Five-Persönlichkeitsmodells als fleißig, pflichtbewusst, strukturiert, planend und selbstdiszipliniert beschrieben (vgl. Rauthmann, 2016, S. 21). Die Ausprägung der Gewissenhaftigkeit kann insbesondere in den arbeitstechnischen und bildungstechnischen Bereichen eine Aussage darüber treffen, wie pflichtbewusst das Individuum seine Aufgaben und Tätigkeiten bearbeitet. Denn eine niedrige Ausprägung der Persönlichkeitsdimension führt nach dem Big-Five-Persönlichkeitsmodell zu einem nachlässigen und gleichgültigen Umgang des Individuums mit Arbeitsanforderungen (vgl Rammsayer, 2010, S. 234). Charakterisiert wird das Individuum hier als unüberlegt, unordentlich und chaotisch (vgl. Asendorpf, 2018, S. 26).

Verträglichkeit

Verträgliche Persönlichkeiten sind insbesondere durch altruistische Verhaltensweisen gegenüber anderen Menschen gekennzeichnet. Darüber hinaus sind sie durch eine wohlwollende, verständnisvolle, kooperative und harmoniebedürftige Art charakterisiert (vgl. Rammsayer, 2010, S. 234). Die Persönlichkeitsdimension der Verträglichkeit wird im Rahmen des Big-Five-Persönlichkeitsmodells stets im sozialen Kontext verstanden und stellt somit eine soziale Verträglichkeit des Individuums in der Beziehung zu anderen Menschen dar und wie es letztendlich mit anderen Personen umgeht (vgl. Rauthmann, 2016, S. 21). Eine niedrige Ausprägung der Verträglichkeit verändert die Charakteristika des Individuums in sozialen Kontexten. Bei niedrigen Verträglichkeitswerten neigt der Mensch insbesondere zu einem misstrauischen und weniger freundlichen Verhalten gegenüber anderen Personen. Das Individuum wird hier als egoistisch, selbstbezogen oder hartherzig im sozialen Miteinander beschrieben (vgl. Asendorpf, 2018, S. 26).

Die fünf Persönlichkeitsdimensionen des Big-Five-Modells stellen weniger Kategorien der Persönlichkeit dar, sondern eher Skalen, auf denen Merkmalsausprägungen möglich sind. Die Persönlichkeitsdimension kann als Kontinuum sowohl eine starke als auch eine schwache Ausprägung beinhalten, was der Beschreibung der menschlichen Persönlichkeit einen größeren Spielraum zulässt und der Vorstellung der Persönlichkeit als ein facettenreiches und komplexes Konstrukt gerecht wird. Trotz (oder gerade wegen) des häufigen Einsatzes des Fünf-Faktoren-Modells in der Persönlichkeitsforschung, gab es immer wieder kritische Auseinandersetzungen mit dem lexikalischen Persönlichkeitsmodell. So bemängelte Asendorpf (2018) das Fundament des sprachlichen Ansatzes, auf dem sich das Fünf-Faktoren-Modell der Persönlichkeit stützt, da nach seiner Ansicht die Sedimentation von sozialen Erfahrungen in der Sprache das Big-Five-Modell nur begrenzt nutzbar macht und dass durch kulturbedingte blinde Flecken und verzerrte Wahrnehmungen davon, wie sich Menschen voneinander unterscheiden, zu verzerrten Befunden in der empirischen Persönlichkeitspsychologie führen, wenn nur die Sprache genutzt wird (vgl. Asendorpf, 2018, S. 29). Auch Rammsayer & Weber (2010) kritisierten den reinen lexikalischen Ansatz des Persönlichkeitsmodells, da persönlichkeitsbezogene Begriffe insbesondere in der Alltagssprache von Menschen mehrdeutig interpretiert und je nach Kontext variieren können. Sie befanden außerdem, dass es sich bei den Persönlichkeitsdimensionen des Big-Five-Persönlichkeitsmodells lediglich um linguistische Kategorien handelt, welche keine weiteren Ausführungen über die Struktur der Persönlichkeit erlauben (vgl. Rammsayer, 2010, S. 235). Der Kritik trotzend, erwies sich das Fünf-Faktoren-Modell jedoch als zuverlässig, da sich die Fünf-Faktoren-Struktur der menschlichen Persönlichkeit als zeitlich stabil erwiesen hat und der Unterstellung eines beliebigen lexikalischen Ansatzes entgegengewirkt wurde, indem die Big Five in verschiedenen Kulturen und Altersgruppen immer wieder repliziert werden konnten (vgl. Rammsayer, 2010, S. 236). So räumte auch Asendorpf (2018) dem Big-Five-Persönlichkeitsmodell den Vorteil eines Koordinatensystems ein, da sich viele Eigenschafts-dimensionen den Big Five zuordnen lassen, was wiederum die Forschung übersichtlicher macht und die Zusammenfassung der Befunde zu ähnlichen Dimensionen in Form von Metaanalysen ermöglicht (Asendorpf, 2018, S. 31).

Vorhersagen von unterschiedlichen Themenkomplexen und sozialwissenschaftlichen Inhalts-variablen durch die Big-Five-Persönlichkeitsdimensionen konnten bereits in verschiedenen Studien bewiesen werden (vgl. Rammstedt, 2007, S. 14). Diese Erkenntnisse führen zu der Annahme, dass die Big-Five-Persönlichkeitsfaktoren auch einen Einfluss auf die Affinität, Einstellung und das Vertrauen des Menschen in der Mensch-Computer-Interaktion haben und somit die Vorhersage von Verhalten und Erleben des Menschen mit Computersystemen beschreiben können. Trotz der vergangenen Kritik an dem Big-Five-Persönlichkeitsmodell, stellt dieses auch für diese Untersuchung ein geeignetes wissenschaftliches Modell dar, um den Persönlichkeitsbegriff einzugrenzen und zu beschreiben. Dabei sollen die fünf Persönlichkeitsdimensionen des Modells dabei helfen, eine inhaltliche Beziehung von der menschlichen Persönlichkeit zu den psychologischen Konstrukten der Affinität, Einstellung und Vertrauen zu ermöglichen.

2.3 Persönlichkeit in der Mensch-Computer-Interaktion

Mit der zunehmenden Interaktion des Menschen mit Computersystemen wird auch eine verstärkte Auseinandersetzung damit notwendig, welche Faktoren einen Einfluss auf die Mensch-Computer-Interaktion haben, sowohl von der technischen als auch von der humanistischen Seite. Trotzdem die menschliche Persönlichkeit als dynamisches, psychologisches Konstrukt nicht direkt erfassbar ist, kommt sie in den Verhaltensweisen und Verhaltenstendenzen des Menschen zum Vorschein und hat einen Einfluss auf diese. Das betrifft sowohl die Interaktion mit der Umwelt und anderen Menschen als auch die Interaktion mit Gegenständen und Objekten. Die Interaktion des Menschen mit dem Computer als technischer Gegenstand wird als Mensch-Computer-Interaktion (HCI; Human-Computer-Interaction) oder als Mensch-Maschine-Interaktion (HMI; Human-Maschine-Interaction) bezeichnet. Die Abgrenzung beider Begrifflichkeiten gestaltet sich zunehmend schwieriger, da immer mehr technische Geräte Ein- und Ausgabegeräte enthalten, welche typischerweise früher nur bei Computeranwendungen zu finden waren (vgl. Heinecken, 2012, S. 4) und dadurch nicht immer eindeutig zwischen Maschine und Computer unterschieden werden kann. Computersysteme sind bereits heute in vielen unterschiedlichen Geräten und Maschinen integriert (vgl. Dix, 2005, S. 7). Das Computersystem stellt dabei schon längst keinen reinen Gebrauchsgegenstand mehr für den Menschen dar, welcher nur seinen pragmatischen Zweck erfüllen muss. So beschrieb Rudolph (1988) den Computer als Etwas, auf denen die Menschen ihre Wünsche, Hoffnungen, Träume und Alpträume projizieren und das Computermodelle etwas Verführerisches an sich haben, weil diese im Konzept des Unbewussten den Kontakt zu Bereichen der menschlichen Seele ermöglichen, welche sowohl bedrohlich als auch faszinierend sind (vgl. Rudolph, 1988, S. 68 ff.). Daran anknüpfend bieten interaktive Systeme, wie Computersysteme, dem Menschen ganze künstliche Welten, welche aus Räumen, Orten, Gegenständen, Umgangsformen oder Verbindungen bestehen können (vgl. Oberquelle, 2008, S. 159) und in denen sich die menschliche Seele über die Realität hinaus ausleben kann. Konkret stellt der Computer eine komplexe Maschine dar, welche elektronisch, digital und basierend auf binärer Logik arbeitet und funktioniert (vgl. Norman, 2008, S. 43), um diese künstlichen und virtuellen Welten für oder durch den Menschen zu erschaffen.

Wissenschaften rund um die Mensch-Computer-Interaktion beschreiben insbesondere die Wechselbeziehung und Kommunikation von Menschen und (interaktiven) Computersystemen und wie die Schnittstellen zwischen Menschen und Computer erklärt und optimiert werden können. Dabei stellt die Mensch-Computer-Interaktion ein interdisziplinäres Forschungsgebiet dar, welches Beiträge aus der Psychologie sowie aus der Informatik und anderen Disziplinen enthält (vgl. Reiterer, 2013, S. 431). So befasst sich die Forschung unterschiedlicher Forschungsgebiete zur Mensch-Computer-Interaktion vor allem mit der Analyse, Gestaltung und Bewertung von benutzergerechten interaktiven Computeranwendungen (vgl. Reiterer, 2013, S. 431). Dies ergibt sich insbesondere durch die komplexen und facettenreichen Komponenten, welche bei der Mensch-Computer-Interaktion aufeinandertreffen, da hier im Rahmen von Interaktions-schnittstellen ein besonders komplexes menschliches System auf ein technisch-komplexes System trifft. Die Erforschung der menschlichen Persönlichkeit als Teil dieses komplexen menschlichen Systems in der Mensch-Computer-Interaktion wurde erstmals in den 70er- und 80er-Jahren in verschiedenen Studien untersucht. Die Ergebnisse waren zunächst ernüchternd – einige Untersuchungen aus der Mitte der 80-Jahre konnten keinen wesentlichen Effekt der menschlichen Persönlichkeit auf das Lernen von Programmieren, von Online-Recherchen und von Textbearbeitungen am Computer feststellen. Viele frühere Studien konnten außerdem keinen Zusammenhang zwischen der Persönlichkeitsdimension der Intro- und Extraversion und der Computerprogrammierung finden (vgl. Norman, 2008, S. 241). Neuere Studien zur Untersuchung der Persönlichkeit als Einflussfaktor auf die Nutzung des Internets oder auf die Technikakzeptanz von Probandinnen und Probanden konnten jedoch erste Erkenntnisse zu persönlichkeitsbedingten Unterschieden in der Nutzung von digitalen Technologien erzielen. In einer Studie zu der Persönlichkeit in der Technikakzeptanz von Smartphone-Nutzern konnte festgestellt werden, dass Menschen mit einer hohen Ausprägung an Verträglichkeit eine höhere Neigung besitzen, Smartphone-Technologien als nützlich wahrzunehmen und wiederum Menschen mit einer hohen Ausprägung an Neurotizismus, Smartphone-Technologien als weniger nützlich empfinden. Personen, dessen Persönlichkeit insbesondere von Offenheit für neue Erfahrungen geprägt war, empfanden den Umgang mit Smartphone-Technologien außerdem als einfacher (vgl. Özbek, 2014, S. 549). Die Erkenntnisse verdeutlichen zunächst erste persönlichkeitsbedingte Unterschiede in der subjektiven Wahrnehmung der Smartphone-Nutzer gegenüber der Anwendung ihrer Smartphone-Technologien

Eine weitere Studie zu der Technikakzeptanz von Behrenbruch et al. (2013) konnten eine signifikante Wirkung zwischen der Persönlichkeits-dimension der Extraversion und dem Vertrauen des Menschen gegenüber technischen Gegenständen nachweisen (vgl. Behrenbruch, 2013, S. 311). Die Ergebnisse der beiden Studien verdeutlichen dabei sehr gut, dass die Big-Five-Persönlichkeitsdimensionen einen Einfluss auf die Technikakzeptanz der untersuchten Probanden hatten. Weitere Untersuchungen zu der Internetnutzung konnten aufzeigen, dass die menschliche Persönlichkeit einen Einfluss darauf hat, wie und für welchen Zweck Probandinnen und Probanden das Internet nutzen. So konnte beobachtet werden, dass extravertierte Persönlichkeiten das Internet eher dafür nutzen, um ihr Bedürfnis nach Kommunikation und Zwischenmenschlichkeit zu befriedigen und das wiederum besonders gewissenhafte Persönlichkeiten das Internet eher dazu nutzen, um Informationen zu recherchieren und um Leistung zu erbringen (vgl. Renner, 2005, S. 465). Zunehmend häufiger diskutiert wird außerdem der Ähnlichkeitsfaktor der menschlichen Persönlichkeit des Nutzers sowie der virtuellen Persönlichkeit von Computersystemen und die auf den Hinblick subjektiven Wahrnehmung des Menschen auf die Nutzung und Handhabung dieser virtuellen Agenten. Persönlichkeitsmerkmale eines Nutzers und dessen wahrgenommene Ähnlichkeit der Persönlichkeit der virtuellen Agenten können die Wahrnehmung und das Verhalten des Nutzers gegenüber den virtuellen Agenten maßgeblich beeinflussen und es erscheint hinsichtlich dieser Erkenntnisse sinnvoll, virtuelle Agenten und Computersysteme auf die Persönlichkeits-eigenschaften der Nutzer zuzuschneiden, um eine persönlichkeitsfördernde Interaktions-schnittstelle zwischen Mensch und Computersystem zu schaffen (vgl. Zhou, 2019, S. 10:32). Frühere und gegenwärtige Studien kommen hier offensichtlich zu unterschiedlichen Ergebnissen, was die menschliche Persönlichkeit als Prädiktor in der Mensch-Computer-Interaktion angeht. Dies ist möglicherweise darauf zurückzuführen, dass sich die Technik sowie auch der Mensch selbst, weiterentwickelt haben, in dem die Computersysteme in der Lebenswelt des Menschen heute eine weitaus bedeutendere Rolle spielen, als noch vor 50 Jahren und seitdem auch um einiges komplexer und leistungsfähiger geworden sind. So kann nicht immer davon ausgegangen werden, dass Studienergebnisse aus den 80er-Jahren in einem heutigen technisch fortgeschrittenen Kontext der Mensch-Computer-Interaktion noch an gleicher Aussagekraft besitzen. Zumindest sollten diese in Zuge von heutiger und zukünftiger Forschung zur Mensch-Computer-Interaktion kritisch hinterfragt werden. Trotz zum Teil widersprüchlicher Erkenntnisse zu der Persönlichkeit in der Mensch-Computer-Interaktion, kann angenommen werden, dass die menschliche Persönlichkeit einen Einfluss auf andere intrapsychische Variablen in der Mensch-Computer-Interaktion hat (vgl. Norman, 2008, S. 241).

Zum heutigen Zeitpunkt hat sich gezeigt, dass sich die Vielfalt an Benutzerschnittstellen durch die Integration von Computern und Rechenleistung in Alltagsgegenständen der Menschen erheblich erhöht hat (vgl. Oberquelle, 2008, S. 157) und dass davon ausgegangen werden kann, dass sich die Interaktionsschnittstellen zwischen Mensch und Computer auch zukünftig noch weiter vervielfältigen werden. Die Vervielfältigung von Interaktionsschnittstellen von Mensch und Computer birgt sowohl Chancen als auch Risiken für die Lebens-, Handlungs- und Entscheidungswelt des Menschen, denn einige Menschen verbringen den Großteil ihres täglichen Lebens in der Interaktion mit Computersystemen, wohingegen sich manche Menschen in der Nutzung von Computersystemen, wie Smartphones, unwohl fühlen (vgl. Behrenbruch, 2013, S. 306). Das Wohl- und Unwohlempfinden des Individuums in der Nutzung von Computersystemen könnte auf die Persönlichkeitsmerkmale zurückgeführt werden, da bereits einige Studien gezeigt haben, dass intrapsychische Unterschiede in Form von persönlichkeitsbedingten Einflüssen und Vorlieben auch zu individuellen Unterschieden in der Mensch-Computer-Interaktion führen können und dass anzunehmen ist, dass die Persönlichkeitsdifferenzen auch zu Unterschieden in der Affinität, der Einstellung und dem Vertrauen des Menschen gegenüber Computersystemen führen können. Erkenntnisse aus persönlichkeitspsychologischen Untersuchungen zu der Mensch-Computer-Interaktion könnten insbesondere dabei helfen, Computersysteme so zu gestalten, dass diese persönlichkeitsfördernd auf den Menschen wirken. Die Persönlichkeitsförderlichkeit von Computersystemen beinhaltet vor allem die Ausführbarkeit von Computer- und Softwareprogrammen, eine Beeinträchtigungsfreiheit bei der Nutzung und Handhabung von Computersystemen sowie der Schutz des Individuums vor Schädigung durch Computersysteme (vgl. Hamborg, 2007, S. 202). Gerade, weil der Computer als auch der Mensch besonders facettenreiche, vielfältige und komplexe Systeme darstellen, die scheinbar in gemeinsamer Interaktion noch komplexer und unüberschaubarer werden, ist eine weitere Auseinandersetzung mit dieser unerlässlich. Insbesondere in einer zunehmend technisierten und digitalen Umwelt wird der Schutz und die Persönlichkeitsförderung des Individuums in der Mensch-Computer-Interaktion in unterschiedlichen Lebens- und Handlungsbereichen, wie dem Bildungs-, Arbeits- und Gesundheitsbereich eine zunehmende Rollen spielen, welche im weiteren Verlauf der Arbeit konkreter beschrieben werden sollen.

2.4 Affinität, Einstellung und Vertrauen gegenüber Computersystemen

Zunächst wird unter der Affinität eine Wesensverwandtschaft verstanden, welche zu einer Anziehung führt. Im Zuge der Konzipierung und Evaluation eines Fragebogens zu der allgemeineren Erfassung der Technikaffinität von Menschen, definieren Karrer et al. (2009) die Affinität für Technik als Persönlichkeitseigenschaft, welche mit einer positiven Einstellung, einer Begeisterung und einem gewissen Vertrauen gegenüber technischen Geräten einhergeht sowie mit einem hohen Interesse und einer hohen Akzeptanz von Technik verbunden ist (vgl. Karrer, 2009, S. 194). Bricht man diese Definition auf den Umgang mit Computern runter, so versteht man unter der Affinität für Computersysteme eine Vorliebe und Begeisterung für computergestützte Systeme sowie einem erhöhten Vertrauen und einer erhöhten Akzeptanz von diesen. Computeraffine Personen haben außerdem ein verstärktes Interesse, sich mit Computer-systemen auseinanderzusetzen und diese im Alltag einzusetzen. Insgesamt haben computeraffine Personen eine positive Einstellung gegenüber Computersystemen. So können insbesondere Persönlichkeitseigenschaften des Individuums, welche sich als Interaktionsstil gegenüber Computersystemen manifestiert haben, als wesentlicher Faktor in der Interaktion und der Affinität des Menschen mit technischen Geräten wahrgenommen werden (vgl. Attig, 2018, S. 2) und sollten daher stärker in den Fokus der Forschung zur Mensch-Computer-Interaktion gerückt werden.

Einstellungen sind länger andauernde und in der Regel stark festgelegte Orientierungen auf soziale Objekte und repräsentieren die Art und Weise des Individuums, wie es sich auf diese sozialen Objekte in seinen Gedanken, Gefühlen, Bewertungen und Verhaltensabsichten richtet (vgl. Mummendey, 2014, S. 26). Zwar gibt es auch immer wieder kurzzeitige und schnell wieder aufhebbare Einstellungen im Individuum, welche kognitiv nicht stark verankert sind. Diese sollen jedoch im Rahmen dieser Arbeit nicht näher betrachtet werden, da der Fokus hier auf langanhaltende Einstellungen gegenüber Computersystemen liegt. Computersysteme stellen solch soziale Objekte dar – mit ihnen kann das Individuum interagieren, kommunizieren, lernen und arbeiten. Eine positive oder negative Einstellung gegenüber des Einstellungsobjektes ist dabei ausschlaggebend, ob sich der Mensch dem Computersystem zugewandt fühlt oder diesem eher ablehnend gegenübersteht. Durch die Konstruktion von stabilen Persönlichkeitseigenschaften in der menschlichen Seele kann es zu unterschiedlichen kognitiven und affektiven Tendenzen kommen, welche das Verhalten und Erleben des Menschen gegenüber verschiedenen Objekten beeinflusst (vgl. Mummendey, 2014, S. 27).

Das Vertrauen versteht sich als Konstrukt, welches auf eine generalisierte Erwartungshaltung sowie auf Lernerfahrungen des Menschen basiert, das aus positiven vorangegangenen Erfahrungen zu einem vertrauensbasierten Verhalten führt (vgl. Mielke, 1991, S. 7). Eine bestimmte Erwartungshaltung kann das Individuum sowohl anderen Mitmenschen als auch verschiedenen Objekten, wie Technologien und elektronischen Geräten gegenüber haben. Eine auf positive Erfahrungen basierende Interaktion mit Computersystemen in der Vergangenheit sollte demnach zu einem zukünftigen vertrauensbasierten Verhalten gegenüber computer-gestützten Systemen führen und den Computer in der Erwartungshaltung des Menschen als zuverlässig, sicher und glaubwürdig einordnen. Dabei kann es aufgrund von intrapsychischen Prozessen im Individuum zu Differenzen in dem Erleben und der Wahrnehmung von positiv und negativ erlebten Erfahrungen mit Objekten kommen.

Durch die nachfolgende Abbildung (Abb. 1) wird die Beziehung zwischen den drei Konstrukten sowie der Persönlichkeit als mögliche Prädiktorvariable verdeutlicht. Dabei stellt der Gesamtrahmen des Dreiecks die Mensch-Computer-Interaktion dar, da sie den wissenschaftlichen Rahmen dieser Arbeit darstellt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Trotzdem die Konstrukte der Affinität, der Einstellung sowie des Vertrauens eigenständige Begrifflichkeiten und für sich eigenständige Konzepte darstellen, können diese im Hinblick auf die Untersuchung zu der Persönlichkeit in der Mensch-Computer-Interaktion nur schwer voneinander getrennt werden. Grundsätzlich setzt die Affinität, also die Vorliebe des Menschen für bestimmte Dinge, auch eine positive Einstellung und ein gewisses Maß an Vertrauen, sowohl in den Gegenstand, als auch in die eigene Person voraus, mit dem, für was der Mensch eine Vorliebe hegt, auch umgehen zu können. So sollte auch das Vertrauen in etwas, zu einer positiven Einstellung und zu einer gewissen Affinität führen. Die Einstellung wiederum entscheidet, je nachdem ob sie positiv oder negativ eingestellt ist, auch über das Vertrauen, was der Mensch zu bestimmten Objekten und der Umwelt aufbauen kann. So ist auch die Affinität abhängig von der Einstellung des Menschen: dem gegenüber, dem der Mensch nicht positiv eingestellt ist, wird der Mensch auch keine Affinität entwickeln.

2.5 Transfer in ausgewählte Anwendungsbereiche

Für Menschen sollte die Interaktion mit Computersystemen zu einer natürlichen Erweiterung der Erlebnis- und Erfahrungswelt werden, in dem sich diese in die menschliche Interaktionswelt einweben, ohne zu stören, ohne neue Barrieren und ohne neue Risiken zu schaffen (vgl. Herczeg, 2015, S. 291). Dabei ist die persönliche Interaktions- und Handlungswelt des Menschen auch abhängig von seinen individuellen Besonderheiten und Eigenarten, welche darüber entscheiden, was als störend oder risikoreich erlebt und empfunden wird. Eine Beschreibung der menschlichen Persönlichkeit in psychologischen Modellen wie dem Big-Five-Persönlichkeitsmodell ermöglichte, diese individuellen Besonderheiten und Eigenarten des Individuums in verschiedene Dimensionen oder Bereiche der Persönlichkeit einzuordnen. Im weiteren Verlauf soll die Rolle des Computersystems als Teil der menschlichen Handlungswelt in dem Bildungs-, Arbeits- und Gesundheitsbereich beschrieben und eingeordnet werden, um die praktische Relevanz der Thematik zu verdeutlichen.

Die erfolgreiche Nutzung von computergestützten Kommunikations- und Informationsangeboten ist nicht nur zunehmend für Menschen aller Gesellschaftsschichten relevant, sondern entscheidet auch zunehmend über den persönlichen Erfolg und über die gesellschaftliche Teilhabe von Menschen (vgl. Herczeg, 2015, S. 290 f.). Denn nach Allport (1983) wird der Mensch in seinem Streben nach Individualität und in seinem Prozess der Persönlichkeitsentwicklung zwei Arten des Werdens vereinen wollen; einmal das Persönliche und auf der anderen Seite das der Gemeinschaft, in der er lebt und interagiert (vgl. Allport, 1983, S. 40). Daher ist selbst für den individuellen Menschen mit seiner einzigartigen Persönlichkeit die Teilhabe an einer Gemeinschaft oder Gesellschaft von Bedeutung. Der Frage nach einer Gefährdung dieser Teilhabe durch einen persönlichkeitsbedingten Umgang mit Computersystemen in den unterschiedlichen Handlungs- und Lebensbereichen des Menschen, sollte nachgegangen werden. Daher ist insbesondere die Überführung von theoretischen Erkenntnissen in die Persönlichkeits-forschung auf verschiedene Variablen, wie der Affinität, Einstellung und dem Vertrauen gegenüber Computersystemen in der Mensch-Computer-Interaktion von Bedeutung, um den Einsatz und die Gestaltung von Computern in verschiedenen Handlungsbereichen so einzusetzen, dass eine persönlichkeitsfördernde Interaktion des Menschen mit dem Computer ermöglicht wird. Denn wer von der menschlichen Persönlichkeit als mögliche Prädiktorvariable in der Forschung absieht, verschenkt eine wichtige potentielle Varianzquelle in der Vorhersage von menschlichen Verhalten und Erleben (vgl. Renner, 2005, S. 465) und somit auch in dem Umgang des Individuums mit Computersystemen in unterschiedlichen Lebensbereichen.

2.5.1 Bildungsbereich

Seitdem der Computer sowie privat als auch im schulischen Bereich präsent ist, ist dieser zum umstrittenen Gegenstand von öffentlichen und pädagogischen Diskussionen geworden (vgl. Sinhart-Pallin, 1990, S. 11). Im Bildungsbereich bekommt insbesondere das Lernen, also die Aneignung von Fähigkeiten und Fertigkeiten mithilfe von Computersystemen einen neuen Stellenwert sowie die Aneignung mit Computersystemen umgehen zu können, was heute bereits als Medien- und IT-Kompetenz als vierte Kulturtechnik beschrieben wird. So wird der Computer zum einem als Lehr- und Lernmaschine eingesetzt, welche einen computergestützten Unterricht zulässt, sowie als Unterrichtsgegenstand, in dem Kenntnisse über die Bedienung der technischen Anforderungen von Computersystemen vermittelt werden (vgl. Sinhart-Pallin, 1990, S. 15).

Mit einer verordneten Innovation der Schul- und Bildungswelt kam zunächst die dringende Frage nach menschengerechten Computersystemen und deren Softwareprodukte für die Integration in den menschlichen Handlungsraum der Bildungswelt auf (vgl. Daldrup, 1996, S. 13), welche Schülerinnen und Schüler sowie Studentinnen und Studenten die Teilhabe an eine zunehmend digitalen Gesellschaft ermöglichen sollen. Denn die Teilhabe und Integration des Individuums in die Gesellschaft wird zunehmend auch eine Frage von technischen und digitalen Kompetenzen sein und wie der Mensch mit der digitalen Entwicklung Schritt halten kann. Dafür ist auch eine zunehmende Integration von Computersystemen in den Lebens- und Handlungsraum von jungen Menschen erforderlich. 81% der deutschen Haushalte, in denen Kinder im Alter von sechs bis 13 Jahren aufwachsen, besitzen einen Computer oder Laptop, wobei jedes fünfte Kind einen eigenen Computer oder Laptop besitzt (vgl. Impfs, 2018, S. 27). Unterschiede zeigen sich in der Verfügbarkeit von Tablets und Smartphones in deutschen Haushalten. Etwa 38% der deutschen Familien in denen Kinder im Alter von sechs bis 13 Jahren aufwachsen, besitzen ein Tablet. Davon besitzen 9% der Kinder ein eigenes Tablet, wobei jedoch ein Großteil der befragten Kinder keine Berührungspunkte zu dem Tablet als Computersystem haben. 39% der befragten Kinder besitzen ein eigenes Smartphone (vgl. Impfs, 2018, S. 28). Die Erkenntnisse zum Medienumgang von Kindern verdeutlichen klare Unterschiede in der Verfügbarkeit und Nutzung von verschiedenen Computersystemen bei Kindern. So ist der klassische Computer in deutschen Haushalten am ehesten für Kinder erreichbar, jedoch liegt das Smartphone im persönlichen Besitz der Kinder deutlich vorne. Dabei ist anzunehmen, dass Kinder und Jugendliche zukünftig durch den technologischen Fortschritt stärker mit verschiedenen Computersystemen in Berührung kommen werden und das der Umgang mit interaktiven Computersystemen zunehmend im Bildungsplan von Unterrichtenden Einzug erhalten wird, um insbesondere den jungen Menschen auf eine technologisierte und digitale Umwelt vorzubereiten. Eine Studie zu den computer- und informationsbezogenen Kompetenzen von deutschen Schülerinnen und Schüler der achten Jahrgangstufe verdeutlichten hier Aufholbedarf im internationalen Vergleich. So verfügen 30% der deutschen Schülerinnen und Schüler lediglich rudimentäre Fertigkeiten und basale Wissensbestände im kompetenten Umgang mit neuen Technologien und digitalen Informationen. Insgesamt erreichten die deutschen Schülerinnen und Schüler nur mittelmäßige Leistungen im Bereich der computer- und informationsbezogenen Kompetenzen im internationalen Bereich (vgl. Wilfried, 2014, S. 16). Die Ergebnisse der Studie verdeutlichen, dass davon auszugehen ist, dass Deutschland ohne eine konzeptionelle Verankerung digitaler Medien in schulische Lehr- und Lernprozesse auch zukünftig nicht über das mittlere Leistungsniveau im internationalen Bereich hinauskommen wird (vgl. Wilfried, 2014, S. 17). Die erwähnten Studien verdeutlichen nicht nur den Druck hinsichtlich des technologischen Wandels und Fortschrittes auf das junge Individuum, sondern auch, dass es deutliche Unterschiede in der Nutzung von verschiedenen Computersystemen bei Kindern und Jugendlichen, wie Computer, Laptops, Tablets oder Smartphones gibt, was eine Auseinandersetzung mit der Mensch-Computer-Interaktion im Bildungsbereich umso bedeutender macht. Auch hier sollte die Persönlichkeit des Lernenden als menschlicher Faktor in der Mensch-Computer-Interaktion als Einflussfaktor untersucht werden. Denn in der Persönlichkeit einer jeden Schülerin und eines jeden Schülers steckt ein individuelles Lernverhalten, welches mit unterschiedlichen kognitiven Vorlieben verbunden ist (vgl. Abrahamian, 2004, S. 28). Somit kann die menschliche Persönlichkeit neben dem Einfluss auf das individuelle Lernverhalten des Individuums möglicherweise ebenfalls als Einflussgröße auf die Affinität, Einstellung und des Vertrauens des Lernenden gegenüber Computersystemen zur Wissensaneignung dienen. Dabei sollte entscheidend sein, ob das Individuum aufgrund von individuellen Persönlichkeitsstrukturen das Computersystem als Lernpartner akzeptiert oder eher ablehnt. Das Bild des Computers als Lernpartner und Denkwerkzeug für die Aneignung von Wissen, Fähigkeiten und Fertigkeiten ist von der Vorstellung einer Mensch-Maschine-Interaktion geprägt (vgl. Hasebrook, 2017, S. 55), in der sich Mensch und Computer gegenseitig beeinflussen. Dabei wird der Computer als Lernpartner auf der einen Seite von dem Lernenden als menschlich erlebter Lernpartner wahrgenommen, der durch die Aufbereitung und Darstellung von Informationen die menschliche Vorstellungskraft und Handlungsmöglichkeit erweitern kann. Auf der anderen Seite erbringen Computer heute immer mehr autonome und für den Menschen unkontrollierbare Leistungen, welche die Wahrnehmung des Computers als menschenähnlichen Lernpartner trüben und die subjektiv wahrgenommene Handlungsmöglichkeit des Individuums sogar einschränken können (vgl. Hasebrook, 2017, S. 45). Wie auch in dem Lernprozess einer Mensch-Mensch-Interaktion, spielt das Vertrauen gegenüber des Lernpartners eine wichtige Rolle in der Aneignung von Wissen und Fertigkeiten, da der Lernende oftmals keine andere Wahl hat, als darauf zu vertrauen, dass der Lehrende ihm Wissen, Fähigkeiten und Fertigkeiten nach Richtigkeit vermittelt. Dabei ist anzunehmen, dass es hier keinen Unterschied macht, ob der Lehrende eine menschliche Person oder ein Computersystem darstellt. Auch die Affinität und die Einstellung des Lernenden gegenüber Computersystemen dürfte eine Rolle im Lernprozess spielen, da von ihr maßgeblich abhängen könnte, ob sich der Lernende den Computer als Lernpartner wählt oder doch eher für eine menschliche Person entscheidet. Abrahamian et al. (2004) fanden in ihrer Studie zur Persönlichkeit in der Mensch-Computer-Interaktion heraus, dass persönlichkeitsbewusste Schnittstellen in der Mensch-Computer-Interaktion eine signifikante Auswirkung auf die Lernleistung von Lernenden haben und das Benutzerschnittstellen, die dem eigenen Persönlichkeitstyp entsprachen, als zufriedenstellender empfunden wurden (vgl. Abrahamian, 2004, S. 34 f.). Zur Implementierung persönlichkeitsbewusster und persönlichkeits-fördernder Schnittstellen in der Mensch-Computer-Interaktion ist es zunächst jedoch wichtig, den Faktor der Persönlichkeit von Lernenden stärker in den Fokus der Forschung zu rücken, da in vielen Studien zunächst nur soziodemografische Faktoren, wie das Geschlecht, der soziale Status oder das Alter berücksichtigt werden und intrapsychische Variablen, wie individuelle Persönlichkeitsmerkmale oftmals außen vorgelassen werden. Soll der Computer jedoch als Medium im Unterricht als unterstützendes Instrument für die Konstruktion von Lehrprozessen auf der einen Seite und als unterstützendes Instrument für individuelle Lernprozesse des Lernenden auf der anderen Seite eingesetzt werden (vgl. Sinhart-Pallin, 1990, S. 26), so muss auch stärker auf das Individuum mit seinen Differenzen und Besonderheiten in seinem Umgang mit Computersystemen eingegangen werden.

2.5.2 Arbeitsbereich

Computersysteme sind aus einer von Digitalisierung, Automatisierung und Technisierung geprägten Arbeitswelt nicht mehr wegzudenken. Umso häufiger und intensiver kommt der Mensch innerhalb seiner Arbeitsumgebung und Arbeitsaufgabe mit unterschiedlichen Computersystemen in Berührung und wird mit diesen konfrontiert. Dies führt dazu, dass Menschen in einer digitalisierten Arbeitswelt vermehrt mit digitalen Technologien, die von Computersystemen ausgehen, kompetent umgehen müssen. Im Jahr 2018 arbeiteten bereits 48% der festen Mitarbeiter in deutschen Unternehmen an einem Arbeitsplatz mit Computern. Darüber hinaus nutzen 35% dieser Mitarbeiter weitere mobile Geräte mit Internetzugang im geschäftlichen Bereich (vgl. Bitkom, 2018, S. 37 f.). Die technische Entwicklung der Arbeitswelt wird auch zukünftig voranschreiten – im Rahmen einer Studie zur Digitalisierung von Büro- und Verwaltungsprozessen gaben 45% der deutschen Unternehmen an, davon auszugehen, dass sich die eigenen Investitionen im Bereich Digitalisierung zukünftig erhöhen werden (vgl. Bitkom, 2018, S. 79). Trotz der intensiven Computernutzung in deutschen Unternehmen finden sich jedoch in der gegenwärtigen Literatur nur wenig konkrete Aussagen über die Auswirkungen der Digitalisierung in der Arbeitswelt für die Implementierung praxistauglicher Arbeitsmodelle in Unternehmen (vgl. Schellinger, 2020, S. 146) und wie innovative Technologien und Computersysteme persönlichkeitsfördernd in die Arbeit von Menschen integriert werden können. So stehen noch heute Fragestellungen zur Digitalisierung von Arbeitsplätzen im Mittelpunkt und wie erfolgsversprechende Arbeitsmodelle für die Büroarbeit implementiert werden können (vgl. Schellinger, 2020, S. 146). Dass potenzielle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter heute sowie zukünftig über adäquate Medien- und IT-Kompetenzen verfügen müssen, kann den meisten Stellenausschreibungen von Unternehmen entnommen werden, die vermehrt den Umgang mit Computersystemen und die Handhabung von Softwareprodukten von Bewerbern voraussetzen. Somit stellt der Umgang des Mitarbeiters mit Computersystemen bereits eine wichtige Schlüsselkompetenz in der Bearbeitung und Bewältigung von Arbeitsaufgaben und -anforderungen in der modernen Arbeitswelt dar. Computersysteme im Arbeitskontext sollen jedoch so eingesetzt werden, dass positive Erlebnisse des Mitarbeiters am Arbeitsplatz unterstützt werden, in dem die effiziente und effektive Nutzung von Technologien des Menschen stets eine positiv erlebte und freudvolle Nutzung darstellt (vgl. Burmester, 2017, S. 158). Neben den Chancen, welche die Arbeit mit Computersystemen und der damit verbundenen Digitalisierung der Arbeit herbergt, welche sich in eine ausgeprägtere Flexibilität, in einer besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie oder in eine effizientere Nutzung von Büroflächen niederschlägt, birgt die Digitalisierung von Arbeitsabläufen auch verschiedene Risiken, da durch Digitalisierung und Technisierung geprägte Arbeitsmodelle Mitarbeiter ängstigen können und nicht jeder Mitarbeiter ein Persönlichkeitsprofil mitbringt, dass selbstorganisiert, flexibel und autonom ist (vgl. Schellinger, 2020, S. 161). Hier bietet sich der Ansatzpunkt der Persönlichkeitsforschung im Rahmen der Untersuchung der Mensch-Computer-Interaktion an, da jede Mitarbeiterin und jeder Mitarbeiter von Individualität und persönlichkeitsbedingten Differenzen geprägt ist. Dass die menschliche Persönlichkeit einen Einfluss auf die Arbeitsleistung des Mitarbeiters hat, wurde bereits in verschiedenen Studien bewiesen. So hat die Ausprägung der Persönlichkeitsdimension Verträglichkeit einen Einfluss auf die kontextbezogene Leistung und die Ausprägung der Persönlichkeitsdimension Gewissenhaftigkeit einen Einfluss auf die aufgabenbezogene Leistung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern am Arbeitsplatz (vgl. Shaffer, 2005, S. 5). Daher ist anzunehmen, dass es ebenfalls Unterschiede in der Affinität, der Einstellung und dem Vertrauen des Mitarbeiters gegenüber der Arbeit mit Computersystemen gibt und dass auch diese Differenzen persönlichkeitsbedingt im Arbeitskontext beschrieben werden können. So können Erkenntnisse über die Auswirkung von Persönlichkeitsvariablen auf die Computernutzung die Qualität der Mensch-Computer-Interaktion verbessern (vgl. McNulty, 2006, S. 4), in dem die Schnittstellen von Menschen und Computer im Arbeitsbereich persönlichkeitsfördernd gestaltet werden. Das Ziel von Untersuchungen zu der Mensch-Computer-Interaktion und der Software-Ergonomie im Arbeitsbereich sollten insbesondere darin bestehen, Computersysteme menschengerecht zu gestalten (vgl. Hamborg, 2007, S. 199 f.). Dabei spielt die Weiter-entwicklung des Mitarbeiters eine besondere Rolle, in dem Arbeitstätigkeiten mit ausreichendem Tätigkeitsspielraum, wie unterschiedlichen Handlungsmöglichkeiten, treffen von eigenen Entscheidungen oder individuellen Zielsetzungen in die Arbeit des Menschen integriert werden und als potentiell persönlichkeitsfördernd am Arbeitsplatz gelten (vgl. Hamborg, 2007, S. 201 f.). Denn insbesondere im Arbeitskontext werden sich Fragestellungen zu der Mensch-Computer-Interaktion nicht mehr damit beschäftigen, ob der Mitarbeiter mit Computersystemen in Interaktion tritt, sondern vielmehr, wie die ohnehin präsenten Interaktionsschnittstellen zwischen Mensch und Computersystem in Unternehmen nachhaltig gestaltet werden können. Insbesondere die interaktionsbezogene Technikaffinität kann darüber Aufschluss geben, wie hoch die Passung zwischen dem Mitarbeiter und der Arbeitsanforderung bezüglich der Interaktion mit technischen Geräten, wie Laptops, Smartphones oder Tablets ist (vgl. Attig, 2018, S. 2). In einer digitalen Arbeitswelt, in welcher der Mitarbeiter zukünftige Arbeitsaufgaben vorrangig mithilfe von Computersystemen bearbeiten wird, ist eine ausreichende Affinität, eine positive Einstellung und ein gewisses Vertrauen des Mitarbeiters gegenüber Computersystemen notwendig. Es besteht die Annahme, dass die menschliche Persönlichkeit mit ihrer Vielfältigkeit hier als intrapsychischer Einflussfaktor auf die drei Konstrukte am Arbeitspatz fungiert.

[...]

Ende der Leseprobe aus 73 Seiten

Details

Titel
Persönlichkeit als Prädiktor für Affinität, Einstellung und Vertrauen gegenüber Computersystemen
Untertitel
Eine Untersuchung zur Mensch-Computer-Interaktion
Hochschule
APOLLON Hochschule der Gesundheitswirtschaft in Bremen
Note
1,0
Autor
Jahr
2020
Seiten
73
Katalognummer
V1181876
ISBN (Buch)
9783346618115
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Persönlichkeit, Persönlichkeitspsychologie, Mensch-Computer-Interaktion, Big-Five, Fünf-Faktoren-Modell
Arbeit zitieren
Katja Schulze (Autor:in), 2020, Persönlichkeit als Prädiktor für Affinität, Einstellung und Vertrauen gegenüber Computersystemen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1181876

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