Angststörungen. Eine sozialpsychologische Betrachtungsweise am Modell der Risikogesellschaft


Hausarbeit, 2008

18 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Angststörung und ihre Formen
a) Die generalisierte Angststörung
b) Panikstörung
c) Phobien
d) Zwangsstörungen
e) Posttraumatische Belastungsstörung

3. Erklärungsmodelle für Angststörungen
a) Der biologische Ansatz
b) Das psychodynamische Modell
b) Das behavioristische Modell
c) Das kognitive Modell

4. Ulrich Beck – Das Konzept der Risikogesellschaft

5. Zusammenhänge von Angst und Risiko
a) Generalisierte Angststörung
b) Phobien und Zwangsstörungen
c) Panikstörungen

6. Zusammenfassung und Fazit

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Bei dem Gefühl der Angst handelt es sich um einen völlig normalen, menschlichen Gefühlszustand, der ebenfalls zu unserem alltäglichen Leben dazugehört, wie etwa die Liebe, die Freude oder auch der Ärger. Bei der Angst selbst handelt es sich in aller Regel um eine Reaktion auf bedrohliche, ungewisse oder auch als unkontrollierbar beurteilte Ereignisse und Situationen. Das Gefühl dient in erster Linie der Überwindung oder der Vermeidung von Gefahr und ist ein notwendiger, wenn aber auch unangenehmer, Teil des Lebens. Man könnte sogar soweit gehen und sagen, dass es sich bei der Angst um ein biologisch festgelegtes Alarmsignal handelt, welches ähnlich wie Fieber oder Schmerz das Überleben des Menschen und der gesamten Menschheit sichert. Angstsituationen sind aber nicht nur rein biologisch bestimmt, wie man bis zu dieser Stelle meinen könnte. Sie sind immer auch sozial vermittelt und durch die jeweilige Kultur geformt, wie z. B. der Anspruch, das ein Mann niemals Angst zeigen dürfe. Mit Hilfe dieser sozialen und kulturellen Vermittlungsprozesse traten Ängste über die Jahrhunderte hinweg immer wieder als Massenphänomene mit geradezu ansteckendem Charakter auf. Diese Entwicklung macht uns deutlich, dass Angst auch immer eine existenzielle Dimension mit sich bringt. Da wäre zum Beispiel die Angst etwas Wichtiges, wie den Beruf oder einen nahe stehenden Angehörigen zu verlieren, was uns zeigt, das uns in unserem Leben etwas außerordentlich wichtig ist. Auch die Angst zu versagen kann ein Teil dieser existenziellen Dimension sein und weist uns auf die Bedeutung der Leistung in der modernen Leistungsgesellschaft hin. Hieraus lassen sich ohne Probleme essentielle Zukunftsängste ableiten, die aus einer sich ständig wandelnden Welt mit bedrohlichen Zukunftsaussichten resultieren und uns deutlich machen, das wir uns mittlerweile in einem Zeitalter befinden, das auch das Zeitalter der Angst genannt werden kann. Eine Vielzahl an Menschen entwickelt gravierende Angststörungen, die über das normale Ausmaß einer gesunden selbst schützenden Angst hinausgehen, da sie die ständigen Bedrohungen des Lebens nicht mehr akzeptieren können. Angststörungen sind heute die häufigste psychische Erkrankung bei Frauen. Bei Männern kommen sie direkt nach der Alkoholkrankheit am zweithäufigsten vor. Es handelt sich hierbei um eine ernst zu nehmende Krankheit, deren Nichtbewältigung zu gravierenden, depressiven Erschöpfungszuständen führen kann. Ohne Behandlung nimmt die Krankheit in der Regel einen schlechteren Verlauf als die Depression (vgl. Morschitzky 2002).

Wir befinden uns nun an einem Punkt, an dem man sicherlich vermuten kann, dass die schwerwiegenden gesellschaftlichen Problemlagen ein nicht gerade kleiner Faktor bei der Entstehung und der Häufigkeit von Angststörungen sind. Die Frage ist nun, wie man sich dieser Frage am sinnvollsten nähern kann. Ich möchte mich an dieser Stelle einem Modell widmen, welches der deutsche Soziologe Ulrich Beck in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts entwickelt hat. Beck wurde am 15. Mai 1944 in Stolp in Hinterpommern geboren und ist ein deutscher Soziologe mit einer Professur für Soziologie an der Ludwig-Maximilians-Universität München sowie der London School of Economics and Political Science. Er ist einer der bekanntesten deutschen Soziologen der Gegenwart. Seine Begriffe und Thesen stoßen weit über das allgemeine Fachpublikum hinaus auf Resonanz in der Gesellschaft. In seiner Arbeit befasst er sich unter anderem mit den Themen Globalisierung, dem gesellschaftlichen Wandel, sowie den damit verbundenen Folgen für die Menschheit. Zu nennen wären hier z. B. die Individualisierung oder die soziale Ungleichheit. Im Jahre 1986 veröffentlichte er sein Buch „Risikogesellschaft – Auf dem Weg in eine andere Moderne“ (vgl. Wikipedia 2008). Dieses Werk stellt u. a. die Grundlage für die nun vorliegende Arbeit dar. Ich werde versuchen den Zusammenhang von Angststörungen und den gravierenden, gesellschaftlichen Problemlagen herauszuarbeiten, um zu erkennen, in wie weit diese Entwicklungen und bereits existierenden Tatsachen an der Ausbreitung und dem Entstehen dieser psychischen Erkrankungen verantwortlich sind. Beginnen werde ich hierfür mit einer Darstellung der verschiedenen Angststörungen, um im Anschluss die grundlegenden, psychologischen Erklärungsmodelle näher vorzustellen. Im nächsten Schritt werde ich dann Becks Konzept der Risikogesellschaft näher vorstellen, um im letzten Kapitel die Besonderheiten der einzelnen Störungsbilder näher zu betrachten, um so einen Zusammenhang mit der Risikogesellschaft herzustellen, welcher einige der allgemeinen Erklärungsmodelle noch bekräftigen wird. Eine Zusammenfassung und das dazugehörige Fazit bilden den Abschluss dieser Arbeit.

2. Die Angststörung und ihre Formen

Bei der Angststörung handelt es sich um eine schwerwiegende psychische Erkrankung, welche die Fähigkeit im Alltag zurechtzukommen und das Leben zu genießen stark beeinträchtigt. Bereits 25% der Erwachsenen haben während ihres Lebens bereits Symptome einer Angststörung erlebt, in der eine starke Angst eine Schlüsselrolle spielte. Wir unterscheiden heute fünf unterschiedliche Formen von Angststörungen, die ich im Folgenden kurz vorstellen möchte.

a) Die generalisierte Angststörung

Um eine generalisierte Angststörung nachzuweisen, muss mindestens sechs Monate hindurch ein andauerndes Gefühl der Ängstlichkeit oder Besorgtheit beim Patienten vorhanden sein, welcher keinerlei reale Bedrohung zugrunde liegt. Die Störung selbst konzentriert sich immer auf bestimmte Lebensumstände und die Symptome können sehr stark zwischen den einzelnen Betroffenen variieren. Für eine exakte Diagnose müssen mindestens drei weitere Symptome wie Muskelspannung, leichte Ermüdbarkeit, Ruhelosigkeit, Konzentrationsschwierigkeiten, Reizbarkeit oder Schlafstörungen nachgewiesen werden. Der Erkrankte erlebt eine starke Beeinträchtigung seiner Lebensqualität, da er die Ängste nicht mehr kontrollieren kann und somit seine volle Konzentration auf die Angst richtet. In dieser Phase angekommen sind soziale Kontakte oder die Ausübung eines Berufes kaum noch möglich.

b) Panikstörung

Bei der Panikstörung erlebt der Patient immer wieder unerwartete, schwere Panikattacken, die in der Regel nur wenige Minuten andauern. Sie sind gekennzeichnet von starker Besorgnis, Furcht oder Schrecken, gekoppelt mit körperlichen Symptomen wie Herzrasen, Schwindel, Benommenheit oder Erstickungsgefühlen. Für die Attacken lassen sich nur selten konkrete Auslöser finden, wobei die Krankheit oft in Verbindung mit einer Agoraphobie, d. h. der Angst vor öffentlichen Plätzen, auftritt. Die Patienten verkriechen sich zu hause aus Angst draußen einer Panikattacke zu erliegen und dort dann hilflos und alleine zu sein.

c) Phobien

Bei Phobien handelt es sich um eine ständige irrationale Angst vor einem spezifischen Objekt, einer Aktivität oder einer Situation, die in der Regel stark übertrieben und unbegründet ist. Der Erkrankung stört also in erheblichem Maße die Anpassung an die Erfordernisse des täglichen Lebens. Man unterscheidet zwischen zwei unterschiedlichen Formen der Phobie, nämlich der sozialen und der spezifischen Phobie. Die soziale Phobie äußert sich durch eine ständige irrationale Angst bei der Antizipation öffentlicher Situationen oder der Angst vor eigenen peinlichen Verhaltensweisen. Der Betroffene weiß in aller Regel, dass seine Angst unbegründet ist, dennoch bleibt er dem Zwang hilflos ausgeliefert. Spezifische Phobien sind immer Reaktionen auf verschiedene Objekte oder Situationen, wie zum Beispiel die Angst vor Katzen, Spinnen, Insekten, Höhen, Stürmen, Blut, Nadeln, geschlossenen Räumen, usw.

d) Zwangsstörungen

Die Zwangsstörung ist gekennzeichnet durch Ideen, Bilder oder Impulse, die trotz des Unterdrückungsversuchs von Seiten des Patienten, immer wieder auftreten. Man unterscheidet auch hier zwei verschiedene Formen, nämlich zwischen Zwangsgedanken und Zwangshandlungen. Unter Zwangsgedanken verstehen wir einen ungewollten Übergriff auf das Bewusstsein. Sie erscheinen für den Patienten in aller Regel als sinnlos, widerwärtig und völlig inakzeptabel. Es handelt sich dabei um quälende Gedankengänge wie „Habe ich die Tür wirklich abgeschlossen?“ oder „Habe ich den Herd ausgeschaltet?“. Die Betroffenen leiden sehr unter diesen Gedanken und sind kaum noch in der Lage ihrem Leben nachzukommen. Zwangshandlungen sind wiederholte, zweckorientierte Handlungen, die sich durch bestimmte Regeln oder Rituale auszeichnen. Sie sind meist eine Reaktion auf bestimmte Zwangsgedanken, um das daraus resultierende Unbehagen der Situation zu beseitigen. Die Handlungen sind meist immer unvernünftig und eindeutig übertrieben, wie zum Beispiel ein immer wiederkehrender Reinigungs- oder Kontrollzwang.

e) Posttraumatische Belastungsstörung

Die posttraumatische Belastungsstörung zeichnet sich durch ein beständiges Wiedererleben einer traumatischen Situation aus. Dabei handelt es sich meist um leidvolle Erinnerungen, Träume, Halluzinationen oder Flashbacks. Sie sind die Reaktion auf ein erlebtes lebensbedrohliches Ereignis, z. B. eine Vergewaltigung oder Erfahrungen als Soldat im Krieg. Die Störung kann auch dann auftreten, wenn der Betroffene nur Zeuge einer solchen Situation war. Meist ist die Krankheit gekoppelt mit Depressionen, Alkohol- bzw. Drogensucht oder sexuellen Fehlfunktionen (vgl. Gerrig / Zimbardo 2004).

3. Erklärungsmodelle für Angststörungen

Die moderne Psychologie bzw. Psychiatrie kennt vier unterschiedliche ätiologische Ansätze um das Phänomen der Angststörung zu erklären. Diese vier Ansätze werde ich im Folgenden kurz vorstellen.

a) Der biologische Ansatz

Der biologische Ansatz geht von einem evolutionär geprägten Modell der Angstüberlieferung aus. Es besagt, dass bestimmte Ängste die Überlebenschancen unserer Vorfahren erhöht haben und deshalb von Generation zu Generation genetisch weitergegeben wurden. Eventuell werden Menschen deshalb heute mit Ängsten geboren die früher essentielle Gefahrenquellen waren. Dieses Modell erklärt jedoch nicht, wie Phobien entstehen können, die sich auf Objekte beziehen, welche früher noch nicht existierten. Neben diesem evolutionären Ansatz lassen sich aber deutliche Funktionsauffälligkeiten im Gehirn nachweisen, die sich besonders durch ein erhöhtes Niveau bestimmter Neurotransmitter (Botenstoffe) auszeichnen.

b) Das psychodynamische Modell

Das psychodynamische Modell geht davon aus, dass die Symptome einer Angststörung durch zugrunde liegende psychische Konflikte oder Ängste ausgelöst werden, um sich selbst vor psychischem Schmerz zu bewahren. Eine Phobie kann demnach durch ein Objekt ausgelöst werden, welches einen inneren Konflikt symbolisiert. So kann die Brücke z. B. für den Weg von der Familie in eine neue eigenständige Welt stehen. Bei der Zwangsstörung ersetzt die Handlung oder der Gedanke z. B. die gefürchtete Situation oder den Druck.

c) Das behavioristische Modell

Der behavioristische Ansatz besagt, dass den Angststörungen keinerlei innere Konflikte zugrunde liegen. Man geht davon aus, dass es sich bei allen Störungen um klassisch konditionierte Ängste handelt, d. h. ein Objekt wird mit einer angstauslösenden Situation gepaart und löst so die entsprechende Phobie aus. Zwangshandlungen wiederum können vom Patienten ausgeführt werden, um die Angst mit Hilfe der Handlung zu reduzieren.

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Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Angststörungen. Eine sozialpsychologische Betrachtungsweise am Modell der Risikogesellschaft
Hochschule
Hochschule Fulda
Veranstaltung
Individuum und Gesellschaft - Entwicklung im Kontext
Note
1,3
Autor
Jahr
2008
Seiten
18
Katalognummer
V118197
ISBN (eBook)
9783640208050
ISBN (Buch)
9783668094888
Dateigröße
510 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Angststörungen, Eine, Betrachtungsweise, Modell, Risikogesellschaft, Individuum, Gesellschaft, Entwicklung, Kontext
Arbeit zitieren
Mathias Schäfer (Autor), 2008, Angststörungen. Eine sozialpsychologische Betrachtungsweise am Modell der Risikogesellschaft, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/118197

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