Eine immer wichtigere Rolle übernimmt Tourismus in Wirtschaft und Gesellschaft. Es ist nahezu normal geworden, mindestens einmal im Jahr zu verreisen. Allerdings ist der Tourismus schon lange kein Massenmarkt mehr. Durch Wettbewerbsbedingungen verschärfen sich die zunehmend bevorzugte Individualreisen sowie steigende, differenzierte Qualitätsansprüche der Reisenden. Um dem enormen Informationsbedarf gerecht werden zu können, benötigt der Markt eine weit reichende Infrastruktur, welche sowohl die Ansprüche der Kunden als auch die der Touristiker erfüllt. Dies hat die Entwicklung der Computerreservierungssysteme (CRS) hervorgerufen, die als der traditionelle Vertriebsweg gelten.1
Die bedeutendste technologische Entwicklung ist das Internet. Seine Akzeptanz steigt zunehmend und die Anzahl der Personen mit Zugang zum Netz hat sich bereits vom Jahr 2000 mit ungefähr 14 Mio. auf ungefähr 40 Mio. im Jahr 2008 erhöht.2 Von dieser Entwicklung profitieren die Low-Cost-Carrier (LCC), Ryanair und Co. sind schon fast zur Normalität geworden. Individuelle Kurztrips mit einer Billigairline werden immer häufiger geplant. Der direkte Vertriebsweg, der die Reisemittler übergeht, profitiert von der steigenden Akzeptanz des Internets in der Bevölkerung. Inwieweit dies sich auf die Agenturen auswirkt, ob ihre Existenz wirklich durch die Billigflieger gefährdet ist, wie sie reagieren können und welche Maßnahmen traditionelle Airlines ergreifen, soll in der vorliegende Arbeit aufweisen.
Eine Einführung in die Branche der Reisebüros wird zunächst einmal im zweiten Kapitel gegeben. Der Fokus des darauf folgenden Kapitels liegt auf den Computerreservierungssysteme, die das traditionelle Vertriebsmedium der Reisemittler darstellen. Es werden die Entstehung, Aufbau und Ziele sowie Leistungskomponenten eines Reservierungssystems beschrieben. Das vierte Kapitel veranschaulicht mit Hilfe von Daten, inwieweit die Internetakzeptanz der Bevölkerung gestiegen ist. Anschließend folgt die Analyse der Vertriebsstrategien der LCC. Kapitel sechs befasst sich mit einer möglichen Chance, die den Reisebüros bleibt, um doch noch Profit aus dem Geschäft mit den Billigfliegern zu schlagen. Da auch die traditionellen Airlines den harten Konkurrenzkampf zu spüren bekommen, wird in Kapitel sieben auf deren Reaktionen eingegangen, bevor ein abschließendes Fazit die Ergebnisse noch einmal zusammenfasst.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Einführung in die Reisebürobranche
2.1 Begriffserklärung
2.2 Arten von Reisebüros
2.3 Die Stellung der Reisemittler im Tourismus
3 Computerreservierungssysteme
3.1 Bedeutung und Entstehung von CRS
3.2 Ziele eines CRS
3.3 Aufbau eines CRS
3.4 Leistungskomponenten eines CRS
4 Die zunehmende Internetnutzung
5 Der Vertriebsweg der Low-Cost-Airline
5.1 Definition des Begriffs „Low Cost Airline“
5.2 Die vertriebliche Strategie von Rynair
5.3 Die vertriebliche Strategie der anderen Low-Cost-Airline
6 Mögliche Chance für die Reisemittler
7 Die Reaktion der traditionellen Airline
8 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den Einfluss von Low-Cost-Carriern auf traditionelle Reisebüro-Vertriebswege vor dem Hintergrund der zunehmenden Internetnutzung und analysiert Strategien für eine erfolgreiche Marktbehauptung von Reisemittlern.
- Strukturen und Funktionen von Computerreservierungssystemen (CRS)
- Entwicklung und Einfluss des Internet-Direktvertriebs im Tourismus
- Vertriebsstrategien der Low-Cost-Carrier im Vergleich zu Reisebüros
- Anpassungsmöglichkeiten traditioneller Fluggesellschaften (Nettopreismodell)
- Zukunftsperspektiven für Reisebüros durch Beratungs- und Servicequalität
Auszug aus dem Buch
3.1 Bedeutung und Entstehung von CRS
„Computerreservierungssysteme sind computergesteuerte Systeme, die Informationen über Fluggesellschaften, Flugpläne, Verfügbarkeiten, Tarifen und deren Anwendungsbestimmungen beinhalten, Reservierungen ermöglichen und Ticketausstellungen unterstützen. Neben Leistungen von Airlines beinhalten CRS auch Leistungen von Hotels, Mietwagenunternehmen, Reiseveranstaltern, Bahnen und so weiter.“ Computerreservierungssysteme, die durch eine globale Präsenz gekennzeichnet sind, werden auch als Globale Distributionssysteme (GDS) bezeichnet.
Mittlerweile haben sich vier führende Anbieter herausgebildet: Sabre, Amadeus, Galileo und Worldspan. Die Systeme halten Informationen über alle verfügbaren Leistungen der Anbieter bereit und ermöglichen die Datenübermittlung und schließlich den Verkauf des Dienstleistungsprodukts. Sie können als Absatzhelfer gesehen werden, die die räumliche Distanz zwischen Leistungsanbieter und Kunde überwinden. Die Reservierungssysteme sind aufgrund der Deregulierung der Luftverkehrsmärkte, der Entwicklung der Datenverarbeitungs- und Kommunikationstechnologie, der steigenden Passagierzahlen und des Trends zur kurzfristigen Buchung entstanden. Die Liberalisierung von Flugplänen und Tarifen als Folge Deregulierung sorgte für eine ohne elektronische Hilfe nicht mehr zu bewältigende Angebotsvielfalt.
Wegen der interkontinentalen Zeitverschiebung muss ein Reservierungssystem rund um die Uhr zugänglich sein, damit jedes Reisebüro weltweit schnell und zuverlässig Auskunft über freie Kapazität geben kann. Des Weiteren kommt es durch den Wegfall von langwierigen Koordinierungs- und Genehmigungsprozeduren zu einer Verschärfung der Wettbewerbs-situation. Die Fluggesellschaften können schneller reagieren und Frequenzen durchführen. Voraussetzung für eine erfolgreiche Umsetzung neuer Preisstrategien ist allerdings, dass sämtliche Vertriebsagenturen unverzüglich über die neuen Angebote informiert werden müssen. Dies ist jedoch nur noch mit Hilfe eines CRS zu bewältigen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Rolle des Tourismus und die technologische Entwicklung durch das Internet und CRS, welche den Markt der Reisemittler zunehmend unter Druck setzt.
2 Einführung in die Reisebürobranche: Dieses Kapitel definiert die Rollen von Reisemittlern und Reiseveranstaltern und klassifiziert die verschiedenen Arten von Reisebüros sowie deren Stellung im touristischen Distributionssystem.
3 Computerreservierungssysteme: Es werden die Entstehung, die Ziele, der Aufbau sowie die spezifischen Leistungskomponenten von CRS erläutert, die als technisches Rückgrat für Reisebüros dienen.
4 Die zunehmende Internetnutzung: Das Kapitel analysiert anhand von Statistiken die steigende Bedeutung des Internets als Informations- und Buchungsmedium und zeigt die Auswirkungen auf das Kundenverhalten auf.
5 Der Vertriebsweg der Low-Cost-Airline: Hier wird die Distributionspolitik von Low-Cost-Carriern analysiert, wobei besonders die Unterschiede zwischen Ryanair und anderen Billigfliegern hinsichtlich der Vertriebsstrategien hervorgehoben werden.
6 Mögliche Chance für die Reisemittler: Das Kapitel diskutiert, wie Reisebüros durch individuelle Pakete, Servicequalität und fachkundige Beratung trotz der Konkurrenz durch den Direktvertrieb der Airlines wettbewerbsfähig bleiben können.
7 Die Reaktion der traditionellen Airline: Es wird untersucht, wie etablierte Fluggesellschaften wie die Lufthansa auf den Wettbewerbsdruck reagieren, insbesondere durch die Einführung von Nettopreismodellen und Nullprovisionen.
8 Fazit: Das Fazit fasst die Notwendigkeit der Kooperation zwischen Airlines und Reisebüros zusammen und sieht das Internet eher als ergänzendes Marketinginstrument denn als bloße Bedrohung.
Schlüsselwörter
Reisebüro, Reisemittler, Computerreservierungssystem, CRS, Low-Cost-Carrier, Billigfluggesellschaften, Internetvertrieb, Direktvertrieb, Nettopreismodell, Nullprovision, Touristik, Yield Management, Serviceentgelt, Kundenzufriedenheit, Distributionsstruktur
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den Wandel der Vertriebswege in der Tourismusbranche durch den Aufstieg von Low-Cost-Carriern und das Internet.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Schwerpunkten zählen die Rolle der Reisebüros, die Funktion von Computerreservierungssystemen, die Strategien von Billigfliegern und die Reaktion traditioneller Airlines auf veränderte Marktbedingungen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Reisebüros trotz des direkten Online-Vertriebs durch Billigflieger und neue Provisionsmodelle ihre Existenzberechtigung und Wettbewerbsfähigkeit sichern können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse sowie der Auswertung von Branchenberichten und aktuellen Statistiken zur Internetnutzung im Reisebereich.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die technische Funktionsweise von CRS, die Analyse der zunehmenden Internetnutzung, die Vertriebsstrategien der Low-Cost-Carrier und die darauf folgenden Anpassungsstrategien traditioneller Fluggesellschaften.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind CRS, Low-Cost-Carrier, Reisemittler, Nettopreismodell und die digitale Transformation des Reisevertriebs.
Warum stellt das Internet für viele Reisebüros eine Herausforderung dar?
Durch die Möglichkeit der direkten Buchung beim Leistungsträger entfallen oft die Vermittler, zudem nutzen Kunden das Reisebüro zunehmend nur noch als Informationsquelle, buchen aber selbst online.
Was bedeutet das Nettopreismodell für die Zusammenarbeit zwischen Airline und Reisebüro?
Es führt zu einer Entkopplung der Provision: Der Reisemittler erhält keine Provision mehr vom Produzenten, sondern verlangt ein direktes Service-Entgelt vom Kunden für seine Beratungsleistung.
- Citation du texte
- Leyla Dogan (Auteur), 2008, Einfluss der LCC auf die traditionellen Vertriebswege, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/118200