Colin Crouch beschreibt in seinem Werk Postdemokratie den Verlauf der Demokratie hin zu einer Postdemokratie. Dabei bezieht er den Zusatz Post- sowohl auf die Bedeutung danach, als auch kategorisch auf die Bedeutung nicht mehr. Wie genau Crouch den Begriff der Postdemokratie diagnostiziert und welchen Einfluss dieser auf die heutige Soziale Arbeit hat, wird im Folgenden erläutert.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Definition der Postdemokratie nach Colin Crouch
3 Postdemokratie und die Soziale Arbeit
4 Postdemokratiediagnose in der heutigen Zeit
5 Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Konzept der Postdemokratie nach Colin Crouch und analysiert dessen Implikationen sowie die daraus resultierende Relevanz für das Berufsfeld der Sozialen Arbeit in der heutigen Zeit.
- Grundlagen der Postdemokratiediagnose nach Colin Crouch
- Verhältnis zwischen demokratischen Idealen und postdemokratischen Zuständen
- Einfluss der Postdemokratie auf die Aufgaben und Ziele der Sozialen Arbeit
- Aktuelle gesellschaftliche Relevanz der Diagnose im Kontext von Lobbyismus und Partizipation
Auszug aus dem Buch
Definition der Postdemokratie nach Colin Crouch
Der Begriff der Postdemokratie nach Colin Crouch kann als eine weiterführende bzw. fortlaufende oder auch rückschrittige Form der Demokratie beschrieben werden. Hier erscheint es zunächst relevant, Crouchs Form der Demokratie zu veranschaulichen, bei welcher er „(halbwegs) freie und faire Wahlen“ (Crouch 2008, S.7) als ein elementares Merkmal neben der aktiven Beteiligung und Gestaltung des öffentlichen Lebens sieht. Er beschreibt, dass die Demokratie nur dann gedeihen kann,
„wenn die Masse der normalen Bürger wirklich die Gelegenheit hat, sich durch Diskussionen und im Rahmen unabhängiger Organisationen aktiv an der Gestaltung des öffentlichen Lebens zu beteiligen – und wenn sie diese Gelegenheit auch aktiv nutzt.“ (ebd. S. 8 f.).
Der Begriff der Demokratie wird im Deutschen Grundgesetz wie folgt verankert: „(2) 1Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus. 2 Sie wird vom Volke in Wahlen und Abstimmungen und durch besondere Organe der Gesetzgebung, der vollziehenden Gewalt und der Rechtsprechung ausgeübt.“ (Art. 20 Abs. 2 GG). Somit lässt sich hier ein Zusammenhang zwischen Crouchs Verständnis der Demokratie und der deutschen, gesetzlichen Ausführung der Demokratie ziehen. Jedoch kritisiert Crouch, dass eben diese beschriebene Art der Demokratie nicht mehr der heutigen Demokratie entspricht, sondern in seine Vorstellung der nachdemokratischen Phase, die Postdemokratie, verfällt. Die Wirtschaft wandelt sich, von einer Industriellen- zu einer Dienstleistungsgesellschaft. Crouch veranschaulicht dies anhand der geometrischen Form einer Parabel. Ein vordemokratisches System entwickelt sich hin zu einem demokratischen Höhepunkt/Scheitelpunkt.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik der schwindenden Substanz demokratischer Prozesse ein und stellt das Werk von Colin Crouch sowie das Ziel der Arbeit vor.
2 Definition der Postdemokratie nach Colin Crouch: Dieses Kapitel definiert den Begriff der Postdemokratie, erläutert das von Crouch genutzte Parabel-Modell und beschreibt die Symptome des Wandels von einer aktiven Bürgergesellschaft hin zu einem System der elitären Expertensteuerung.
3 Postdemokratie und die Soziale Arbeit: Hier wird der Bezug zur professionellen Sozialen Arbeit hergestellt, wobei insbesondere die Befähigung zur Partizipation und die lebensweltorientierte Soziale Arbeit als notwendige Gegenpole zur postdemokratischen Apathie diskutiert werden.
4 Postdemokratiediagnose in der heutigen Zeit: Das Kapitel reflektiert die Aktualität der Diagnose anhand aktueller politischer Bewegungen und der anhaltenden Verstrickung von privater wirtschaftlicher und politischer Macht.
5 Schlussbetrachtung: Die Arbeit schließt mit der Erkenntnis, dass die Demokratie Gefahr läuft zu erodieren, und betont die Notwendigkeit von zivilgesellschaftlichem Engagement und politischer Sensibilisierung.
Schlüsselwörter
Postdemokratie, Colin Crouch, Soziale Arbeit, Partizipation, Demokratie, Lobbyismus, Lebensweltorientierung, Empowerment, Politikverdrossenheit, politische Teilhabe, Dienstleistungsgesellschaft, Wahlbeteiligung, demokratische Krise, politische Bildung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Diagnose der Postdemokratie nach Colin Crouch und deren Auswirkungen auf die heutige Gesellschaft und die Soziale Arbeit.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind das Demokratieverständnis, der Einfluss von Lobbyismus und Expertenregimen sowie die Rolle der Sozialen Arbeit bei der Stärkung demokratischer Teilhabe.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, Crouchs Diagnose darzustellen und kritisch zu hinterfragen, welche Relevanz diese für die Soziale Arbeit besitzt und wie aktuell die Postdemokratie-These heute ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Auseinandersetzung und Literaturanalyse der einschlägigen Schriften von Colin Crouch sowie ergänzender Quellen zur Sozialen Arbeit.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung des Postdemokratie-Begriffs, die Ableitung von Handlungserfordernissen für die Soziale Arbeit und eine Diskussion zur Aktualität der Diagnose.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Postdemokratie, Partizipation, politische Bildung, Empowerment, Demokratiegefährdung und lebensweltorientierte Soziale Arbeit.
In welchem Zusammenhang steht die Soziale Arbeit laut Autorin zur Postdemokratie?
Die Soziale Arbeit wird als professionelle Instanz gesehen, die durch Empowerment und Lebensweltorientierung dem Trend der politischen Apathie entgegenwirken und Adressaten zur Teilhabe befähigen soll.
Wie wird der Übergang zur Postdemokratie metaphorisch beschrieben?
Crouch verwendet das Bild einer Parabel, bei der ein System zu einem demokratischen Höhepunkt aufsteigt und anschließend in einen postdemokratischen Zustand mit abnehmendem Bürgerinteresse und wachsendem Lobbyismus übergeht.
- Arbeit zitieren
- Anja Diefenbach (Autor:in), 2020, Die Diagnose der Postdemokratie nach Colin Crouch, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1182103