Psychotraumatologie bei Kindern

In nicht-klinischen Einrichtungen


Diplomarbeit, 2004
121 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Psychotraumatologie
2.1 Historische Entwicklungen
2.2 Diagnostische Sichtweisen der Psychotraumatologie
2.2.1 Definition der Traumabegriffs
2.3 Kurz- und Langzeitfolgen einer Traumatisierung
2.4 Das Verlaufsmodell und kritische Anmerkung zu kategorischen Diagnoseverfahren

3. Traumatisierung im Kindesalter
3.1 Entwicklungen des Kindes
3.1.1 Die Entwicklungslinie des Bindungsverhaltens:
3.1.2 Entwicklung des Selbst
3.2 Kindheitstrauma und Entwicklungsaspekte
3.3 Traumafolgen und Merkmale bei Kindern
3.4 Risiko- und Schutzfaktoren
3.4.1 Risikofaktoren
3.4.2 Schutzfaktoren

4. Traumatherapie bei Kindern
4.1 Diagnostische Unterschiede bei Erwachsenen und Kindern
4.2 Therapeutische Grundsätze einer Traumaintervention bei Kindern
4.3 Psychotherapeutische Ansätze zur Behandlung traumatisierter Kinder
4.3.1 Kognitive Verhaltenstherapie
4.3.2 EMDR
4.3.3 Psychodynamische Traumatherapie (PTT)
4.4 Zur Problematik in der therapeutischen Beziehung und Behandlung bei traumatisierten Kindern

5. Zusammenfassung der Psychotraumatologie

6. Psychotraumatologie und Soziale Arbeit
6.1 Sozialpädagogische Institutionen und deren Gegenstandsbereich im Themenkontext
6.2 Aufgaben sozialpädagogischer Einrichtungen im Kontext von Traumatisierungen
6.3 Zur Unsicherheit im Umgang mit traumatisierten Kinder

7. Regionale Erhebung in sozialpädagogischen Einrichtungen über den Bekanntheitsgrad der Psychotraumatologie
7.1 Vorstellung der Erhebung
7.2 Darstellungen der Befragungsergebnisse
Einrichtungsspezifische Darstellung
Berufsspezifische Darstellung und schließlich in

8. Zusammenfassung der Ergebnisse und Schlussbemerkung

Literaturverzeichnis

Anhang zur Diplomarbeit

1. Einleitung

Kürzlich erwähnte ein prominenter Sportler während einer Fernsehübertragung aus einem Wintersportort, dass sich der mediale und öffentliche Druck auf die Teilnehmer des Wettbewerbs „ traumatisierend“ auswirken würde und diese somit keine konstanten Leistungen mehr erbringen könnten.

Die Verwendung von fachbezogenen Termini lässt sich derzeit häufig im alltäglichen Sprachgebrauch wieder finden, ohne dass damit ein Bezug zur tatsächlichen Thematik hergestellt wird. Die Nutzung des o.a. Terminus wirkt im genannten Falle irreführend, denn was sich tatsächlich hinter dem Begriff „Trauma“ verbirgt, bleibt den allermeisten Menschen verschlossen und eröffnet sich erst dann, wenn sich Betroffene oder Behandelnde mit den physischen und psychischen Folgen eines tief erschütternden Ereignis auseinandersetzen müssen.

Der inflationäre Gebrauch dieser Begrifflichkeit, der sowohl im Alltagsleben der Öffentlichkeit, wie auch in der Fachwelt wieder zu finden ist, weist vielleicht aber auch darauf hin, welche Bedeutung die Erforschung und Behandlung von tatsächlich traumatisierten Menschen gewonnen hat. Die medizinisch-psychologische Fachwelt, die sich mit den psychischen Folgen extremer seelischer Belastungen auseinandersetzt, sieht sich derzeit einer kaum zu überblickenden Flut an Forschungsergebnissen und deren Interpretationen aus diesem Bereich ausgesetzt. „Das Forschungsfeld ist inzwischen fast unüberschaubar breit und vielfältig geworden und jeden Monat wird eine Fülle neuer Studien und Überblicksarbeiten zum Thema veröffentlicht“ (Butollo, Hagl, 2003, S.9). Es scheint gerade so, als wäre der vor allem von den Psychoanalytikern Freud und Janet im wissenschaftlichen Sinne geprägte Begriff und deren Erkenntnisnotwendigkeit mit einigen wenigen Ausnahmen aus einem Tiefschlaf erwacht, um sich nun im o.g. Forschungsbereich zu etablieren.

Analog zur medizinischen „Traumatologie“, die körperliche Wunden und Verletzungen meint, ist der Begriff der „Psychotraumatologie“ entstanden, der seinerseits von einer Gruppe, bestehend aus Medizinern, Rechtswissenschaftlern und Psychologen, geprägt wurde und die „Lehre der seelischen Verletzungen“ zum Gegenstand hat (vgl. Fischer u. Riedesser, 2003, S.15). Wer traumatischen Situationen ausgesetzt ist oder war, reagiert oftmals mit einer Vielzahl von Folgesymptomen, sowohl auf der physischen als auch psychischen Ebene. Erwachsene Menschen verfügen jedoch meist über Bewältigungsstrategien, die ihrer altersgemäßen Entwicklung entsprechen. Oftmals sind sie in der Lage, die Gedanken an die traumatische Situation, auftauchende Bilder und Erinnerungen erfolgreich zu verdrängen, so dass es nicht zu einer Ausbildung von Symptomen kommen muss. Vor allen Dingen können sie sich aber verbal äußern und sich kontextbezogen mitteilen. Sie sind i.d.R. dazu in der Lage, ihre seelische Verfassung darzustellen und können somit einer angemessenen Hilfe zugeführt werden. Kindern sind die Darstellungen ihres Erlebens und gar die Einarbeitung eines solchen Erlebnisses als etwas von außen Kommendes, an dem sie nicht schuld sind, kaum möglich. Für Kinder stellen traumatisierende Situationen eine schwere Erschütterung des sich in der Entwicklung befindlichen Welt- und Selbstverständnisses dar. (vgl. Fischer u. Riedesser, 2003, S.276). Sie fühlen sich vielleicht alleingelassen, da die Eltern die Reaktionen des Kindes aufgrund des Erlebnisses nicht verstehen oder unterschätzen. Doch selbst wenn Eltern ein betroffenes Kind beispielsweise in Behandlung zu einem Kinder- und Jugendpsychotherapeuten geben, ist eine spezifische Behandlung und Aufarbeitung des traumatischen Ereignisses aus zweierlei Gründen nicht gewährleistet. Zum einen ist die Landschaft der Kinder- und Jugendpsychotherapeuten ohnehin sehr rar gesät und zum anderen sieht eine Ausbildung dieser Berufsgruppe keine expliziten traumaspezifischen Inhalte vor. In dieser Arbeit wird zu fragen sein, ob pädagogische Fachkräfte, wie Sozialpädagogen, Sozialarbeiter, Lehrer u.a., die in ihrem Arbeitsfeld traumatisierten Kindern begegnen und sich oftmals mit unangemessenen Reaktionen dieser auf eher alltägliche Situationen konfrontiert sehen, diese Verhaltensweisen in Verbindung mit außergewöhnlichen Situationen der Kinder bringen können, zumal es den Kindern selbst vielleicht kaum gelingt, ihre Gefühle und Bedürfnisse angemessen zu äußern. Somit könnte den Kindern eine wirkungsvolle Hilfe von einer spezifisch geschulten Fachkraft versperrt sein, so dass eine Grundlage für eine psychopathogene Störung gelegt ist, auch wenn es hierzu noch einer Vielzahl an weiteren noch darzustellenden Faktoren bedarf. Gerade im Kontext des alltagspädagogischen Arbeitsfeldes ist es ein Anliegen dieser Arbeit, aufzuzeigen, wie sich traumatische Situationen in der Entwicklung des Kindes auswirken und welche Folgen eine inadäquate Intervention haben kann. Hierbei spielen v.a. Ergebnisse der Psychotraumatologie eine große Rolle. Des Weiteren sollen diagnostische Merkmale einer posttraumatischen Reaktion im Kindesalter aufgezeigt und kritisch betrachtet werden. Im weiteren Verlauf will diese Arbeit Problemstrukturen sozialpädagogischer Einrichtungen im Hinblick auf das Arbeitsthema beleuchten und deutlich machen, wie wichtig eine Auseinandersetzung mit dieser Thematik ist und welche Aufgaben sich hieraus für die pädagogischen Fachdisziplinen ergeben, da anzunehmen ist, dass gerade diese Fachkräfte sich primär und oftmals zuallererst mit verhaltensauffälligen Kindern auseinandersetzen müssen. Bewahrheitet sich diese These, so würde dies eine Forderung nach flexiblen Handlungsmustern in sozialpädagogischen Einrichtungen, deren Arbeitsfeld nicht in der klinischen Betreuung liegt, implizieren, um ein effektives Hilfsangebot für Kinder und Eltern im Kontext einer Traumatisierung anbieten zu können. Eine regionale Befragung zum Bekanntheitsgrad der Psychotraumatologie soll Aufschluss darüber geben, inwieweit sozialpädagogische Einrichtungen in der Lage sind, traumatisierten Kindern angemessen zu begegnen.

Primäres Ziel dieser Arbeit soll es jedoch sein, die Frage zu stellen, inwieweit die Diskussion über die Psychotraumatologie in das traditionelle Feld der Sozialen Arbeit vorangeschritten ist, denn es ist m. E. davon auszugehen, dass einerseits ein dringender Bedarf an einer fachübergreifenden Kooperation besteht, die sich nicht nur auf spezifische Einrichtungen beschränken darf, und andererseits für die Profession der allgemeinen Sozialen Arbeit die Möglichkeit besteht, sich weiter im Feld der Nachbardisziplinen zu etablieren, was vielleicht, aufgrund von sicherlich effektiveren Arbeitsergebnissen, auch positive Impulse von Seiten der finanzpolitisch Verantwortlichen zur Folge hätte.

Will man die Aufgabenfelder, aber auch Problemstrukturen im Arbeitskontext erkennen, führt kein Weg daran vorbei, sich intensiv mit dem Gebiet der Psychotraumatologie, sowie den Folgen und Auswirkungen eines Traumas auseinander zu setzen. Somit mag manches Kapitel als sehr ausführlich dargestellt wirken, aber gerade hieraus ergibt sich m.E. sowohl die Wirksamkeit der Traumaforschung als auch die möglichen Aufgaben der Sozialen Arbeit.

2. Psychotraumatologie

Wie bereits in der Einführung angedeutet, begründete sich die Psychotraumatologie aus der Notwendigkeit verschiedener Fachrichtungen heraus, sich psychischen Traumata in einer dynamischen, interdisziplinären Weise zu nähern und somit einer kategorisch- symptomorientierten Diagnostik und Behandlungstendenz entgegenzutreten. Dieses neue Fachgebiet wurde vor allem von Prof. Dr. Gottfried Fischer und seinen Kollegen aus verschiedenen Fachdisziplinen ins Leben gerufen. Die Motivation, ein bestehendes Forschungsfeld interdisziplinär zu institutionalisieren, führte 1991 zu der Gründung des „Freiburger Instituts für Psychotraumatologie“ und somit zu der Prägung dieses Begriffes (vgl. Fischer u. Riedesser, 2003, S. 15). Fischer u.a. definieren die Psychotraumatologie als die „Erforschung seelischer Verletzungen in Entstehungsbedingungen, aktuellem Verlauf sowie ihren unmittelbaren und Langzeitfolgen“ (ebd. S.15). Es ist bezeichnend, dass in dieser Definition, obwohl von überwiegend medizinisch-psychoanalytisch orientierten Fachkräften geschöpft, keine explizite psychotherapeutische Ausrichtung zu erkennen ist, sondern eine Zusammenführung von verschiedenen Fachrichtungen vorgesehen ist. Unabhängig davon fanden in den USA schon seit längerer Zeit Bemühungen statt, extreme Lebensereignisse systematisch zu untersuchen. In ihrem Werk zur Psychotraumatologie beschreiben Fischer und Riedesser die Einführung des Begriffes der „Traumatologie“, der ihrer Ansicht nach v.a. durch den Kinderpsychiater Donovan geprägt wurde (vgl. ebd. S. 16). Danach unterscheidet Donovan, anders als Fischer u.a., zwar zwischen medizinischen und psychologischen Traumata, fügt jedoch beide Disziplinen unter diesen Begriff zusammen (vgl. ebd. S. 17). Aufgrund der vergangenen und vielfach noch vorherrschenden Paradigmen der Medizin, in der die Wahrnehmung von seelischen Wunden vernachlässigt wurde und noch wird, sehen Fischer u.a. einen Sinn darin, die traditionelle chirurgische Traumatologie von einer Traumatologie der Seele abzugrenzen, um der Gefahr zu entgehen, die Psychotraumatologie nicht zu einer sekundär-medizinischen Teilwissenschaft werden zu lassen (vgl. Fischer u. Riedesser, 2003, S.17 f.).

Zusammenfassend bedeutet dies, dass sich die Psychotraumatologie als eine eigenständige, medizinisch-psychologische Disziplin in das Gebiet der Wissenschaften einordnet, um einer systematischen Erforschung durch eine Vielzahl von Nachbardisziplinen und einer sich daraus ergebenden Behandlung für Menschen, die sich mit traumatischen Situationen verschiedenster Art konfrontiert sehen, gerecht zu werden.

Um sich ein eingehendes Bild dieses neueren Forschungsfelds machen zu können, soll nun im Folgenden genauer auf die sich daraus ergebenden Punkte, wie. z.B. die historische Entwicklung der Psychotraumatologie und die Definition des Traumabegriffs eingegangen werden. Als Grundlagenwerk gerade für den ersten Teil dieser Arbeit dient, neben einer Vielzahl von anderen Werken, v.a. das von Fischer und Riedesser in der dritten Auflage erschienene „Lehrbuch der Psychotraumatologie“ (s. Literatur). Dies scheint schon deswegen nachvollziehbar, da sich eine Vielzahl von Wissenschaftlern in deutschsprachigen Ländern an diesem Werk orientieren (s. z.B. Butollo u. Hagl, 2003)

2.1 Historische Entwicklungen

Ein umfassender Einblick in einen Themenkomplex und somit eine Erstellung von Theorien und Behandlungskonzepten, lässt sich im Allgemeinen nur dann erreichen, wenn man aktuelle wissenschaftliche Befunde mit ihrer Entwicklungsgeschichte verknüpft. Allzu oft wurden und werden gerade im medizinischen Sektor Behandlungsstrategien ans Licht gebracht, die sich lediglich am aktuellen Stand der Forschung orientieren, was dann zu eher einseitig- statischen Ergebnissen und Behandlungsmethoden führt. (vgl. Fischer u. Riedesser, 2003, S.31) Ein solches Vorgehen bezogen auf die Psychotraumatologie würde ihr den Sinn entziehen, da sie ja den Anspruch erhebt, sämtliche relevante Faktoren einer traumatischen Folgestörung in die Theorie und Praxis mit einzubeziehen. In der Einleitung wurde beschrieben, dass sich die Erforschung von seelischen Folgestörungen nach einem traumatischen Erlebnis in einer Art Nichtbeachtung befand. Dies änderte sich erst grundlegend in den letzten Jahren und beinhaltete eine Aufarbeitung unter Einbezug der Vergangenheit.

Im wissenschaftlichen Sinne der Entstehungsgeschichte der Psychotraumatologie ist grundsätzlich festzustellen, dass sich die Motivation von Forschungsbemühungen fast immer aus weitreichenden besonderen Ereignissen, insbesondere Kriege und Verfolgungen, ergeben hat und bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts zurückzuverfolgen ist. Im chronologischen Rückblick[1] erscheint bei den meisten Autoren der englische Chirurg Erich Erichsen, der das sog. „Railway- Spine-Syndrom“ untersuchte, zu allererst. Aufgrund von Arbeits- und Verkehrsunfällen im beginnenden Zeitalter der Eisenbahnexpansion wies er auf traumarelevante Symptome, wie z.B. Angst, Schlafstörungen, Alpträume und Konzentrationsschwächen hin, die er mit einer Verletzung des Rückenmarks in Verbindung brachte. Andere Beurteilungen, wie z. B. die von dem Psychiater H. Page wiesen auf eine nichtorganische Genese hin, die Oppenheim begrifflich als „traumatische Neurose“ prägte. Die Fachliteratur ist sich darüber einig, dass die wohl wichtigsten Impulse für die Geschichte der Psychotraumatologie aus Frankreich stammen. An den Untersuchungen der Ätiologie der Hysterie, die an der Pariser Salpetriere unter dem Hypnosearzt Charcot stattfanden, beteiligten sich zeitweilig auch Sigmund Freud und Pierre Janet. Beide vertraten die Ansicht, dass der „Hysterie“ eine Störung infolge eines in der Kindheit liegenden Traumas des Kindesmissbrauchs zugrunde liegend sei. Während Freud diese pauschalisierte Theorie relativierte und, vereinfacht gesagt, die Wurzel zur Entstehung von psychogenen Störungen eher in der psychisch-konstruierten Welt des Patienten vermutete, weshalb Kritiker ihm vorwarfen, tatsächliche Traumata außen vor zu lassen[2], hielt Janet an seinem Standpunkt einer Traumaätiologie aufgrund von seelischen Verletzungen fest. Erst mit der Wiederaufnahme der Diskussion über psychische Folgesymptome nach traumatischen Erlebnissen, fanden seine Arbeiten, z.B. zur Dissoziation und zur inneren Handlungswelt traumatisierter Menschen, Anerkennung, und dienen der heutigen modernen Psychotraumatologie mit als Forschungsgrundlage.

Im Folgenden waren Untersuchungen vor allen Dingen von den Weltkriegen und deren physischen und psychischen Auswirkungen bei Soldaten geprägt, letztere allerdings nahmen i.S. eines positivistischen Paradigmas einen eher marginalen Stellenwert in der Fachwelt ein. Das bedeutete, dass psychische Symptome wie z.B. das „Kriegszittern“ oftmals durch Hypnose behandelt, als „Simulation“ und „Rentenbegehren“ diskriminiert wurde und somit auszumerzen galt. Diese Denkweise hält sich, wenn auch in weit weniger ausgeprägter Form, auch heute noch hartnäckig.

Die Auseinandersetzung mit den Folgen des Holocaust, etwa zehn Jahre nach Ende des zweiten Weltkrieges, erbringen bis heute immer neue Erkenntnisse in der Verarbeitung traumatischer Erlebnisse. Bemerkenswert ist jedoch, dass Untersuchungsergebnisse wie z.B. von Krystal in den USA und Venzlaff in Deutschland, die darauf hinwiesen, dass eine Extremtraumatisierung grundsätzlich psychopathogene Störungen hervorrufen kann – d.h. also unabhängig von solch schrecklichen Ereignissen wie Kriegen und Verfolgungen, sondern auch in einer häuslichen sozialen Umgebung, z.B. aufgrund von körperlicher Misshandlung – jahrzehntelang kaum Beachtung fanden. Es ist vor allem der in den siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts feministischen Bewegung zu verdanken, dass sich auch die aktuelle medizinisch-psychologische Forschung mit Traumatisierungen durch gesellschaftliche und häusliche Gewalt auseinander setzt. Hierzu werden in der Fachwelt übereinstimmend die Grundlagenwerke von Burgess und Holmstrom sowie Herman aufgeführt. Dennoch beschreibt z.B. Riedesser, dass die Fachwelt sich nicht nur in der Vergangenheit, sondern auch noch aktuell in einer „ Trauma-Blindheit“ befinde, die sich nur durch eine wachsende Sensibilität für diese Thematik reduzieren ließe (vgl. Riedesser in Brisch/ Hellbrügge, 2003, S. 160).

Diese Aussage zeigt, dass sich die moderne Psychotraumatologie in einer konstituierenden Phase befindet. Es ist für diese Disziplin also notwendig, sich an einer sich im Wandel befindlichen Gesellschaftsstruktur zu orientieren, um ihren Ansprüchen gerecht zu werden.

Zum Schluss dieses Abschnitts sei angemerkt, dass der hier aufgeführte historische Abriss nicht den Anspruch auf Vollständigkeit erhebt, denn dies würde ein eigenes und weit umfangreicheres Werk als diese Arbeit unter verschiedenen Gesichtpunkten ergeben. Vielmehr sollte hier eine Art Draufsicht konstruiert werden, die es möglich machen soll, historische und moderne Zusammenhänge im Arbeitskontext zu verknüpfen, denn weder das Leben noch die Historie verläuft statisch, sondern ist dynamischen Prozessen unterlegen. Besonders für den Bereich der Psychotraumatologie bedeutet dies, verschiedene in der Vergangenheit konstruierte Forschungs- und Handlungskonzepte in einer Zusammenführung zur Anwendung zu bringen[3]. Diesbezüglich schließt der Abschnitt mit folgendem Zitat von Fischer: „Faszinierend ist die Beobachtung, dass Forschungsrichtungen mit zunächst völlig unterschiedlichem Ausgangspunkt und unterschiedlichen Begriffssystemen sich zunehmend auf die Wechselwirkung zwischen Individuum und Umwelt zu konzentrieren beginnen, sobald sie sich mit Phänomenen der Traumatisierung befassen“ (Fischer u. Riedesser, 2003, S. 43).

2.2 Diagnostische Sichtweisen der Psychotraumatologie

Um es zu Beginn dieses Abschnitts vorwegzunehmen: eine kategorische Aufzählung und Deutung von Symptomen oder Syndromen im Kontext einer Akut- oder chronifizierten Folgestörung eines traumatischen Erlebnisses bedingt bei weitem nicht die Diagnostik und Handlungsstrategien der modernen[4] Psychotraumatologie. Vielmehr wird bei der Durchsicht der Literatur deutlich, wie groß die Bemühungen der Autoren, insbesondere Fischers und Riedessers, sind, taxonomisch-diagnostische Kriterien und individuell-dynamische Merkmale einer posttraumatischen Folgeerscheinung zusammenzufügen. Deutlich wird im Umkehrschluss aber auch, dass die Diagnosemanuale der APA, DSM I – IV (analog dazu das ICD 10), deren aktuelle diagnostische Ausführungen später betrachtet werden sollen, nur ein unvollständiges, sich oftmals mit anderen psychischen Störungen überschneidendes Bild von Symptomen im Zusammenhang mit Traumastörungen aufweisen und somit kein Gesamtbild, sondern lediglich eine Momentaufnahme aus einer individuellen Biographie widerspiegeln (vgl. Fischer u. Riedesser, 2003, S. 43). Dennoch sind sie aus der diagnostischen Orientierung nicht wegzudenken. Demnach wird von den Autoren von einer „allgemeinen und einer speziellen“ Psychotraumatologie gesprochen.

Allerdings bedeutet dies nicht, dass nun das eine oder das andere Modell ausschließliche Priorität besitzt, sondern dass die Kriterien beider Kategorien betrachtet werden müssen. Hierauf soll aber noch im weiteren Verlauf eingegangen werden (s.2.4). Zunächst nähert sich die Arbeit erst einmal dem Grundsätzlichen, nämlich der Definition und Differenzierung des Begriffes „Trauma“. Daran schließt die Einordnung in eine allgemeine und spezielle Psychotraumatologie an, die sich u.a. aus der kritischen Betrachtung der Diagnosemanuale ergibt.

2.2.1 Definition der Traumabegriffs

Eine Definition beinhaltet im Allgemeinen eine genaue Bestimmung eines Begriffes durch dessen Auseinanderlegung und Erklärung seines Inhaltes, sowie der Abgrenzung zu anderen Termini. Wie wichtig dies ist, wurde bereits in der Einordnung der Begriffsdefinitionen der Traumatologie und der Psychotraumatologie gezeigt. (s. Kap.2). Eine Definition des Begriffs „Trauma“ stellt sich als ausgesprochen schwierig dar und dies sowohl i. S. eines alltäglichen, als auch in einem wissenschaftlichen Gebrauch. Im alltäglichen Gebrauch wird der Traumabegriff in Bezug auf eine Vielzahl von Ereignissen, Befindlichkeiten, bis hin zu finanzpolitischen Misslagen verwendet. Freilich hat diese Nutzung des Begriffes nur im geringen Maße mit der ursprünglichen Bedeutung (Trauma = gr; Verletzung, Wunde) zu tun, führt aber m.E. zu einer unangemessenen Inflationierung und Missdeutung. Im weiteren Sinne mag dies zunächst kaum Auswirkungen zeigen. Schaut man sich jedoch die Nähe einzelner fachlicher Institutionen, wie z.B. die der Sozialen Arbeit oder ambulanter Psychotherapie zum Alltagsleben ihres Klientel an, so besteht durchaus die Möglichkeit einer undifferenzierten Übernahme und somit u.U. auch eine Bagatellisierung dieses Begriffes und seines Inhaltes. Eine undifferenzierte, epidemiologische Darstellung gerade im Bereich der sexuellen Kindheitstraumata, können zudem zu einer generellen Tätervorstellung führen (vgl. Fischer u. Riedesser, 2003, S. 282).

Um auf die Schwierigkeit i.S. einer wissenschaftlichen Definition des Traumabegriffs einzugehen, soll nun noch einmal auf das in der Einleitung aufgeführte Statement des Sportlers zurückgegriffen werden. Dieser beschreibt, dass sich aufgrund öffentlichen Druckes eine Stagnation der Leistung einstellt. Der Sportler sei somit nicht mehr in der Lage, den Druck zu kompensieren, und könne als Folge keine Höchstleistung mehr erbringen. Eine Verbindung zu einer traumatischen Verletzung, die schwere, oftmals irreversible physische und psychische Folgeschäden mit sich bringt, kann hier wohl nicht gezogen werden. Vielmehr wird hier eine Stresssymptomatik angedeutet. Die Unterscheidung zwischen Stress- und Traumareaktion in der Definition des Traumabegriffs führt oftmals auch in der Fachwelt zu einer Spaltung. 1952 wurde die „ Gross stress reaction“ in das Diagnostische und statistische Manual psychischer Störungen (DSM 1952) der Amerikanischen Psychiatrischen Vereinigung (APA, 1952) aufgenommen (vgl. Flatten, 2003, S.46). Auch heute ist der Stressbegriff in der aktuellen, amerikanischen Auflage des DSM IV zu finden (APA, 1996) Namentlich wird er im angloamerikanischen Sprachgebrauch als „posttraumatisches Stresssyndrom“ (Posttraumatic Stress Disorder, PTSD) bezeichnet. Fischer u.a. halten die Begriffsverbindung von Stress und Trauma im deutschen Sprachgebrauch für problematisch. „In deutschen KZ-Gutachterverfahren der Nachkriegszeit wurde der Stressbegriff beispielsweise dazu verwendet, ein Trauma auszuschließen.“ ( Fischer u. Riedesser, 2003, S. 46). Stress wurde und wird hier als eine Belastungssituation verstanden, die i.d.R. eine traumaspezifische Modifikation der physischen und psychischen Systeme in entsprechendem Ausmaße ausschließt, was bedeutet, dass anhaltende oder verzögert eingetretene Symptome nicht in Verbindung mit einem extremen Ereignis stehen, sondern eher biologische Entstehungsfaktoren unterliegen würden. Weiterhin geben die Autoren zu bedenken, dass in dem Betrachter des diagnostischen Begriffs der „Posttraumatischen Belastungsstörung“ durch die Vorsilbe „post“ das Bild entstehen könnte, dass das Trauma vorüber wäre, was bei weitem nicht der Fall ist (vgl. Fischer u. Riedesser, 2003, S. 46). Die Autoren schlagen zusammenfassend folgende Definition des Begriffs „Trauma“ vor:

„Vitales Diskrepanzerlebnis zwischen bedrohlichen Situationsfaktoren und den individuellen Bewältigungsmöglichkeiten, das mit Gefühlen von Hilflosigkeit und schutzloser Preisgabe einhergeht und so eine dauerhafte Erschütterung von Selbst- und Weltverständnis bewirkt“ (Fischer u. Riedesser, 2003, 375; Riedesser in Brisch/ Hellbrügge, 2003, S. 161).

Diese Definition macht deutlich, wie die psychische, biologische und auch soziale Struktur eines Menschen durch ein außergewöhnliches Erlebnis kurz oder langfristig erschüttert wird. Innerhalb dieser Begriffserklärung befindet sich ein breites Spektrum von verschiedenen traumatischen Erlebnissen, die sowohl in ihrer Heftigkeit, als auch in ihrem zeitlichen Ausmaß differieren. Die folgende Auflistung zeigt auf, welche Ereignisse traumatische Folgen haben können (nach Riedesser, in Brisch/ Hellbrügge, 2003, S.161):

Möglichkeiten von Traumatisierungen

A) Naturkatastrophen (natural disaster)

- Erdbeben
- Vulkanausbrüche
- Hurrikane
- Überschwemmungen

B) von Menschen hervorgerufene Katastrophen (man made disaster)

- technologische Katastrophen
- Verkehrsunfälle (Auto, Schiff, Zug, Flugzeug)
- Großbrände und ökologische Katastrophen , z.B. Kernkraftunfälle
- Katastrophen als Folge menschlicher Aggressivität und Grausamkeit: Geiselnahme, Kidnapping, Terrorismus, Folter, Vergewaltigung, Krieg, Genocit

C) Katastrophen innerhalb der Familie

- Emotionaler, körperlicher und sexueller Missbrauch, massive Vernachlässigung
- Erleben schwerer Gewalttätigkeiten
- Schwere Trennungserlebnisse
- Schwere eigene und familiäre Erkrankungen, Tod

Riedesser stellt diese Aufzählung in eine bewusste Reihenfolge, die sich von oben nach unten in ihrem Potential, Menschen, insbesondere Kinder, seelisch zu verletzen, steigern (vgl. ebd. S.161).

Nach der Definition des Traumabegriffs und der Darstellung der möglichen Traumatisierungssituationen, soll nun versucht werden, ein Bild von denkbaren Folgestörungen, die ein Trauma mit sich bringen kann, aufzuzeigen.

2.3 Kurz- und Langzeitfolgen einer Traumatisierung

Ein traumatisches Ereignis zu erleben stellt keine Seltenheit dar. Das Ausmaß der Belastungen, die ein betroffener Mensch in Folge eines Traumas durchlebt, kann u.U. immens sein und zu einer psychischen Erkrankung führen. Viele Menschen sind in der Lage, die Schrecken eines einmaligen Traumas soweit zu verdrängen, dass ihr Leben nicht von den Erinnerungen daran beeinflusst wird. Unter bestimmten Voraussetzungen jedoch kann es gerade bei Kindern, die noch nicht über bestimmte Verdrängungsmechanismen verfügen, zu einer schweren Traumafolgestörung kommen. Die Ausbildung einer solchen Störung hängt von vielen Aspekten, wie z.B. der Art des Traumas oder des Umgangs mit traumatischen Ereignissen in der Umwelt ab.

Die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) gibt bzgl. der Häufigkeit der Entstehung einer Posttraumatischen Belastungsstörung nach DSM IV folgende Zahlen an (www.uni-duesseldorf.de/AWMF/ll/psytm010.htm):

- Ca. 50% Prävalenz nach Vergewaltigung
- Ca. 25% Prävalenz nach anderen Gewaltverbrechen
- Ca. 20% bei Kriegs- und 15% bei Verkehrsunfallopfern
- Ca. 15% bei schweren Organerkrankungen (Herzinfarkt, Malignome)

Die Lebenszeitprävalenz für PTSD in der Allgemeinbevölkerung liegt zwischen 2% und 7%. Diese Zahlen machen deutlich, dass die Möglichkeit, nach einem Trauma eine posttraumatische Folgestörung zu erleiden, ausgesprochen hoch ist. Die Prävalenz subsyndromaler Störungen, in Folge eines Traumas, ist hierin noch nicht enthalten. Diese liegen lt. der AWMF in einem wesentlich höheren Bereich Weiter oben wurden die Möglichkeiten von Traumatisierungen aufgelistet Wie bereits beschrieben, weist Riedesser darauf hin, dass die Aufzählung einer Hierarchie unterliegt. Das bedeutet, dass z.B. die in der Abbildung aufgeführten Situationen unter C weit größere Schäden zur Folge haben können, als die Möglichkeiten unter Punkt A. Dies wird auch durch die Prävalenzraten bestätigt.

Alle aufgeführten Situationen etwa der Gruppen A und B haben zumeist direkte Folgen gemeinsam, die der Diagnose einer „Akuten Belastungsstörung“ (308.3) des DSM IV entsprechen. Die Folgen eines traumatischen Ereignisses werden zumeist in einem zeitlichen Verlauf in drei Phasen erlebt (verkürzt aus: Fischer u. Riedesser, 2003, S. 156):

1. Schockphase : Es treten intensive Emotionen auf wie Panik, Verwirrtheit oder aber eine Erstarrung im Sinne eines Abwehrprozesses gegen eine emotionale Überschwemmung, die bis zur Gefühlstaubheit gehen kann. In der Schockphase gilt es zunächst, den Betroffenen physisch wie psychisch zu stabilisieren. In dieser Phase ist es außerordentlich wichtig, dass dem Betroffenen in angemessener Weise begegnet wird. Das bedeutet für Ersthelfer, wie z.B. Polizei, Sanitäter usw., dass zunächst eine sichere und beruhigende Umgebung geschaffen werden sollte. Zeitlich lässt sich diese Phase etwa in einem Rahmen von einer Stunde bis zu einer Woche feststellen.
2. Einwirkungsphase: Diese Phase offenbart sich in Form von Vermeidung / Verleugnung des Erlebnisses, sowie Intrusionen (sich aufdrängende Erinnerungsbilder, Gefühle, Gedanken, Träume, Wahrnehmungen), die zu einem Hyperarousal (erhöhtes Erregungsniveau mit Gereiztheit, Aggressivität, Nervosität) führen können.
3. Erholungsphase: Mit dem Durcharbeiten des Erlebten wird versucht, das Trauma in das erschütterte Welt- und Selbstverständnis zu integrieren. Es können danach Erinnerungen zugelassen werden, ohne dass es zum Kontrollverlust bei hoher Affektivität kommt.

Wie bereits angedeutet, ist der natürliche Heilungsprozess von der Art und Schwere der Verletzung und von einer Vielzahl subjektiver und objektiver Faktoren abhängig. Sind diese günstig, so kann es nach einem gewissen Zeitraum zu einem vollständigen Rückgang von Symptomen bzw. einer Integration der traumatischen Erfahrung kommen. Die meisten Menschen, die ein einmaliges Trauma erleben, sind mit entsprechender Unterstützung, beispielsweise durch ausgebildete Ersthelfer, durch ein verständnisvolles soziales Umfeld, oder aber auch durch therapeutische Hilfe in der Lage, ein relativ normales, prätraumatisch orientiertes Leben zu führen. Das Trauma ist zwar nicht aus dem Leben des Betroffenen verschwunden, aber es kann integriert werden, so dass es nicht zu einer Ausbildung traumaspezifischer, lebenshemmender Bewältigungsstrategien, wie z.B. negativen Verdrängungs- oder Vermeidungsverhalten, kommt. Das DSM IV gibt in den Kriterien der „Akuten Belastungsstörung“ ein Zeitfenster von höchstens 4 Wochen an, in denen sich diese Störung manifestiert und i. S. der o.g. Phasen wieder abklingt. Bei ungünstigen Faktoren kann es zu aus dem Trauma resultierenden Langzeitfolgen kommen. Dieser Gesichtpunkt deutet darauf hin, wie wichtig die Rolle einer traumabegleitenden Person ist. Vor allem in der Erholungsphase müssen dem Betroffenen ein Gefühl des Schutzes, sowie Ruhe und Verständnis für das Durcharbeiten des Traumas geboten werden. Eine frühzeitige Konfrontation mit der traumatischen Umgebung, einem ständig wechselndem Helferkreis und einer Aussetzung stressbesetzter Situationen können nicht nur zu einer Retraumatisierung, sondern zu einer Chronifizierung führen. „Die fortlaufende Unterbrechung der Erholungsphase liegt u.E. auch der kumulativen Traumatisierung nach Khan zugrunde (...)“ (ebd. S. 157).

Allerdings ist festzuhalten, dass eine Chronifizierung von traumareaktiven Symptomen nicht allein der Handlungsangemessenheit eines Helfers unterliegt, sondern von prävulnerablen und Umweltfaktoren, sowie von der Art und der Schwere bzw. der Dauer des traumatischen Ereignisses abhängig ist. Gerade von der psychischen und physischen Stabilität des Betroffenen, sowie von der Motivation, Hilfe anzunehmen, hängt es ab, inwieweit sich eine Traumafolgestörung ausbildet, oder ob ein von außen unterstützter Selbstheilungsprozess zur Integration des Ereignisses verhilft. Unter Umständen ist es dem Betroffenen nicht einmal möglich, angemessene Hilfe anzunehmen: entweder, weil aktivierte Schutzreaktionen dies von vornherein verhindern, weil sein Selbstbild derart aufgebaut ist, alle Lebenssituationen allein zu meistern, oder ganz einfach deswegen, weil er nicht weiß, dass ein traumatisches Erlebnis Veränderung im Handeln und Erleben mit sich bringt und fachliche Unterstützung sinnvoll ist. Somit kann es passieren, dass Betroffene sich aller fachlich notwendigen Hilfen, aufgrund von Informationsmangel generell, oder aufgrund anderer persönlicher Gründe zumindest innerlich, entziehen, was zur Ausbildung einer traumaspezifischen Symptomatik führen kann. Diese sich daraus entwickelnden Verhaltensmuster bestimmen das Leben des Betroffenen. Des weiteren ist es möglich, dass frühere psychische Probleme reaktiviert werden. Gerade im Behandlungskontext wird es für den traumatisierten Menschen wie auch für den professionellen Helfer schwierig, die akuten Gefühlszustände in

Zusammenhang, sowohl mit der traumatischen Situation, als auch mit dem Wiederaufleben einer alten Problematik, zu bringen und beide Faktoren angemessen zu berücksichtigen. Fischer und Riedesser geben im Kontext dieser schwierigen Konstellation an, dass sich das gesamte Erscheinungsbild der Posttraumatischen Belastungsstörung bereits nach einigen Wochen ausbilden kann, „(...) indem verschiedene pathogene Kreisläufe und Dynamiken zusammentreffen.“ (ebd. S. 157).

Personen, die gerade von anderen, oftmals nahe stehenden Personen kurz- oder langfristig physisch und/oder psychisch verletzt wurden und zudem bestimmte vulnerable Vorprägungen aufweisen, oder im Falle eines Kindheitstraumas in einer bestimmten Entwicklungsstufe stehen, können eine Vielzahl von Folgesymptomen entwickeln, die sich nicht allein mit der Beschreibung einer diagnostisch festgelegten „Posttraumatischen Belastungsstörung“ (PTBS) darstellen lassen. In den Leitlinien der AWMF wird eine Übersicht traumareaktiver Entwicklung dargestellt, aus der eine Entstehung einer Vielzahl von psychopathologischen Störungen aufgrund einer traumatischen Situation hervorgeht (s. Anhang, Abb.1).

Ein Blick auf diese Grafik macht deutlich, dass die Ursache der ersichtlichen Folgen ein Trauma darstellt, und dass das Ziel einer Behandlung die Bewältigung und die Integration dessen ist. Der pathogenetische Verlauf zeigt zudem das ausgesprochen breite Spektrum an Krankheitsmöglichkeiten, wie z.B. einen Suchtmittelabusus bis hin zu der Möglichkeit der Entwicklung einer Persönlichkeitsstörung auf. Verschiedene Autoren vermuten bzgl. des Substanzmittelmissbrauchs den Versuch, Intrusionen und traumatische Ängste, die der Betroffene oftmals nicht in Zusammenhang mit einem Trauma bringen kann, weil die traumatische Situation weit in der Vergangenheit zurückliegt, i.S. einer Selbstmedikation beherrschbar machen zu können (vgl. Post, 1997 in Fischer u. Riedesser, 2003, S. 125). Wichtig hierbei ist anzumerken, dass es oftmals in der Familie des Betroffenen einen Suchthintergrund gab, der traumatisierende Momente enthält. Bei der Diagnostik und Behandlung einer Suchtmittelerkrankung ist somit auch ein subtraumatischer Verarbeitungsmechanismus als mögliche Ursache mit einzubeziehen. Neben der in diesem und anderen Krankheitsbildern oft auftretenden Gewalt von Seiten der Bezugsperson ist es z.B. für ein Kind eine schwere Traumatisierung, wenn ein Elternteil, vielleicht durch eigene psychische Erkrankungen, emotional nicht verfügbar ist. In der Fachwelt wird hierbei von einer „Transgenerationalen Traumaweitergabe“ gesprochen Die aufgeführte Leitlinie der posttraumatischen Störungen erhebt m.E. die Forderung an jeden Therapeuten, ein multidimensional- diagnostisches Vorgehen anzuwenden, um ein Trauma als Ursache für Folgestörungen zumindest als Möglichkeit mit einzubeziehen. Im nächsten Abschnitt folgt ein kurzer Einblick des Verlaufsmodells der Psychotraumatologie nach Fischer und Kollegen. Um die Dynamik des Verlaufs eines Traumas zu verdeutlichen, wird parallel dazu ein kritischer Blick auf das Diagnosemanual DSM-IV gerichtet.

2.4 Das Verlaufsmodell und kritische Anmerkung zu kategorischen Diagnoseverfahren

Grundsätzlich ist bei der Durchsicht der aktuellen Literatur festzustellen, dass sich die Fachwelt zwar einig über den diagnostisch zu eng gefassten Kriterienrahmen des DSM-IV und des ICD 10 bzgl. einer Traumafolgestörung ist, jedoch variieren die Meinungen in der Auseinandersetzung mit einzelnen Kriterien. So ist die Notwendigkeit über den Einbezug traumarelevanter Überschneidungskriterien, wie z.B. die dissoziative Störung, oder traumareaktiver somatischer Erkrankungen oftmals umstritten, und dies, obwohl oben angesprochene und andere Folgen nachweislich in direktem oder indirektem Zusammenhang mit der traumatischen Situation stehen (vgl. Flatten, in Seidler u.a., 2003, S.40 f.). Zudem setzt die Vergabe der Diagnose PTBS die Erfüllung aller sechs Kriterien voraus. Es erscheint aufgrund der Dynamik eines Traumas allerdings fraglich, ob diese Faktoren, auch mittels psychometrischer Tests, immer nachweisbar sind und erfüllt werden. In der Fachwelt ist dennoch die Tendenz zu erkennen, dass die „Posttraumatische Belastungsstörung“ (PTBS) offenbar die Kerndiagnose darstellt und einen populären Stellenwert zur Erklärung traumareaktiver Störungen einnimmt. Trotz der unbestreitbaren Wichtigkeit dieser Diagnose wirft dies die Frage auf, ob die medizinisch - psychologischen Disziplinen in kategorisch - diagnostischen Paradigmen verhaftet sind und somit eine allumfassende Syndromatik benötigt, womit sich alle möglichen Ko-Morbiditäten differenzialdiagnostisch erfassen und erklären lassen, ohne die spezifische Dynamik eines Traumas beachten zu müssen. Vielleicht wird gerade hieran die Notwendigkeit eines Zusammenschlusses einzelner Forschungs- und Therapiebereiche, wie sie von der Psychotraumatologie vollzogen wird, deutlich, wobei jeder einzelne Bereich für sich genommen einsehen muss, dass sich eine Störung in Folge eines Traumas nicht linear mit eben in seiner Disziplin inhärenten Deutungsmustern erklären lässt.

Ein weiteres Kriterium, das derzeit in der Fachwelt diskutiert wird, ist der Zusammenhang von traumatischen Erlebnissen und einer möglichen Veränderung neuronaler Strukturen. (s. 3.4). Der Einbezug neurobiologischer Aspekte in die gängigen Diagnosekriterien macht insofern Sinn, dass ein Nachweis auf hirnphysiologische Veränderungen im Zusammenhang mit bestimmten Symptomen auf ein Trauma hinweisen kann. Gerade bei der Schwierigkeit von betroffenen Personen, sich nicht an ein bestimmtes Ereignis erinnern zu können, weil dieses aufgrund einer psychischen Amnesie verdrängt oder abgespalten ist, kann der Blick auf veränderte Hirnstrukturen hilfreich sein.

Die Diagnostik und Differenzialdiagnostik im Bereich der PTBS ist weit ausdifferenziert. Dennoch lässt sich aus systematischen Punkten selten ein dynamisches Bild nachzeichnen. Dies ist aber gerade im Bereich des individuellen Erlebens eines Traumas und dessen Folgen unausweichlich, da diese nur teilweise einer allgemein gültigen Kausalität unterliegen.

Folgestörungen nach traumatischen Erfahrungen können sich auf der intrapsychischen Ebene, im Bereich der Zwischenmenschlichkeit und auf der physischen und physischen Ebene ergeben (vgl. Riedesser in Brisch/ Hellbrügge, 2003, S.161). Bezüglich der Psychotraumatologie sind diese aber nicht voneinander abzugrenzen, sondern im traumaätiologischen Sinne mit einzubeziehen. Das bedeutet, dem Traumaopfer in seiner eigenen, inneren und äußeren Widersprüchlichkeit zu begegnen. Widersprüchlichkeit bedeutet, dass eine traumatische Erfahrung, die nicht in das Selbst- und Weltbild des Betroffenen integriert werden kann, dazu führt, dass die Selbstheilungsversuche im Konflikt zu bestehenden Strukturen steht. Fischer und Riedesser beschreiben diesbezüglich ein ökologisch-dialektisches „Verlaufsmodell der psychischen Traumatisierung“, aus dem sich auch die Beschreibung des Traumabegriffs ergibt (vgl. Fischer u. Riedesser, 2003, S. 61 f.). Die ökologische Sichtweise sieht die traumatisierende Erfahrung aus der Sicht des Umweltbezuges und dem reziproken Verhältnis zwischen Person und Umwelt. Dialektisch meint den Einbezug der Sichtweise aus der Innenwelt (subjektive Sicht) des Betroffenen und der Außenwelt (objektive Sicht) eines Betrachters (vgl. ebd. S. 62 f.). Das Verlaufsmodell gliedert sich,

stark vereinfacht dargestellt, in drei Phasen (verkürzt aus Fischer u. Riedesser, 2003, S. 63):

1. Traumatische Situationen sind dadurch gekennzeichnet, dass eine subjektiv zwingend notwendige und angemessene Handlung nicht möglich ist.
2. Traumatische Reaktion ergibt sich aus der Paradoxie aus der Notwenigkeit und gleichzeitigen Unmöglichkeit, angemessen auf eine extreme Situation zu reagieren. Diese Aussage lässt die unglaubliche Hilflosigkeit eines Menschen erahnen.
3. Traumatischer Prozess ist der immer währende Versuch, das existenzbedrohende und unbegreifliche Ereignis in den bestehenden Lebensentwurf zu integrieren.

Trotz dreierlei verschiedener Momente ist hierbei zu beachten, dass sich die Phasen immer in einer sich ergänzenden Dynamik befinden. „ Ein Verstoß gegen die Regel des Modells ist zum Beispiel die isolierte Untersuchung einzelner Phasen ohne Rücksicht auf die Verlaufsgestalt“ (ebd. S. 64).

Eine solche Sichtweise schließt die Gefahr aus, dass Behandlungs- oder Diagnosemodelle entweder nur psychische, biologische, oder nur von außen kommende Faktoren beinhalten, sondern dass die oftmals konfliktbeladene Dynamik einer Traumafolgestörung im Blickpunkt steht. Das bedeutet aber auch, dass es ein äußerst schwieriges Unterfangen ist, Folgen einer bestimmten traumatischen Situation aufgrund der inneren und äußeren Einflussfaktoren zu diagnostizieren, da diese selten linear-kausalen Entstehungsmustern folgen und sowohl von der physischen, psychischen Entwicklung und Konstitution des Betroffenen, als auch von Umweltaspekten abhängig sind (hierzu etwa: Endres u. Moisl, 1998, S.18).

Trotz der oben genannten Schwierigkeit einer systematischen Analyse stellt das Diagnosemanual DSM IV (1996) (analog hierzu das ICD 10 unter F43.1 und F43.0) Symptomrichtlinien für Kriterien einer „Akuten Belastungsstörung“ und einer „Posttraumatischen Belastungsstörung“ (PTBS) auf (Kriterien s. Anhang Abb. 2 u.3). Wie schon weiter oben beschrieben, führt dieses statische Diagnosekonstrukt von Folgesymptomen zu einer Vielzahl von Schwierigkeiten. Oftmals werden z.B. die aufgeführten Kriterien B und C der PTBS nicht in einer regelmäßigen Abfolge erlebt, sondern stehen zeitversetzt im Zusammenhang alternativer, erneuter Reize. Manche Betroffenen leben bisweilen sogar ohne Symptome und es kommt erst zu einer Posttraumatischen Reaktion, wenn sie sich mit einer erneuten reizreaktiven Situation konfrontiert sehen, die in ihren Formen und Auswirkungen ganz unterschiedlich sein können (vgl. Fischer u. Riedesser, 2003, S. 46). Allerdings verläuft diese Symptomfreiheit oftmals auf Kosten der Lebensqualität. Ein betroffener Mensch kann sich zwar in seiner Umwelt unauffällig (symptomfrei) zeigen, leidet z.B. jedoch innerlich an starken dissoziativen Störungen. Er spaltet seine Gefühle, bis hin zu Körperwahrnehmung, vielleicht aus Gründen einer generellen, wenn auch objektiv nicht realen Bedrohung von außen, ab. Bei der Durchsicht der einzelnen Symptomkriterien wird deutlich, dass die Vergabe einer der Diagnosen nach dem DSM-IV einer gewissen Kausalität unterliegt. Die alleinige Übernahme dieser Kriterien in die Psychotraumatologie würde dem Sinn einer individuellen Analyse und Behandlung widersprechen. Dennoch übernehmen Fischer und Riedesser die Kriterien der PTBS aus dem DSM-IV. Sie sehen in ihr die „basale“ Darstellung von „Grunddimensionen“ einer traumatischen Reaktion und schlagen für den deutschen Sprachgebrauch wegen den weiter oben aufgeführten Schwierigkeiten einer direkten Übernahme der englischen Bezeichnung der „Posttraumatic Stress Disorder“ (PTSD) die Definition „basales psychotraumatisches Belastungssyndrom vor ( bPTBS) (ebd. S.46 f.). Neben diesen grundständigen Symptomen ist aber eine Vielzahl von weiteren Faktoren in der Abklärung und Behandlung zu beachten. Ein zu einseitiges, diagnostisches Handeln ausschließlich nach den Kriterien einer PTBS des DSM-IV verleitet u.U. dazu, für alle traumatischen Situationen ein und denselben reaktiven Verlauf zu vermuten. Aber nicht jede traumatische Situation hat dieselben Folgen, und es entwickelt sich bei weitem nicht immer eine PTBS. Fischer u. Riedesser beschreiben diesbezüglich das Teilgebiet der „speziellen Psychotraumatologie“ (sPTBS). „Die Erkenntnisse der Allgemeinen und Differenziellen Psychotraumatologie werden hier auf Situationstypen bezogen. Diese rufen situationsspezifische Reaktionen und Prozesse hervor“ (Fischer u. Riedesser, 2003, S.252). Das bedeutet, dass neben den Grunddimensionen einer traumatischen Reaktion, die traumatische Situation, wie z.B. Kindheitstrauma, Vergewaltigungstrauma oder Foltersyndrom u.a., einen spezifischen Verlauf hat, der in den diagnostischen und Behandlungsrahmen mit hineinfließen muss. Zusammenfassend bedeutet dies nichts anderes, als dass die Diagnostik auf dem Gebiet der Traumafolgestörungen differenzierter dargestellt werden muss, damit es zu einer weitreichenden Hilfeleistung kommen kann. Allerdings ist zu vermuten, dass nicht jeder stationär oder ambulant tätige Psychotherapeut über traumaspezifische Kenntnisse verfügt, und somit ist er gezwungen, sich an gültigen Diagnosemanualen zu orientieren. Vielleicht weiß der Kliniker, dass z.B. eine Borderline-Störung oftmals einer traumatischen Kindheit vorausgegangen ist, aber meist wird er versuchen, die primäre Störung zu behandeln, nicht aber die darunter liegende Traumadynamik. Es ist also notwendig, dass eine weitreichende Integration der Psychotraumatologie sowohl in den klinischen als auch generell im gesamten psychosozialen Bereich vonstatten geht. Die anhaltende, kontroverse Diskussion wird m.E. dazu beitragen, dass sich starre Behandlungs- und Diagnosemuster in diesem Kontext auflösen und zu insgesamt förderlichen therapeutischen Ansätzen unter Berücksichtung der Individualität des Betroffenen führen. Es wird nicht mehr „nur“ nach neurobiologischen Fehldispositionen oder „nur“ nach psychischer Instabilität zu suchen sein, sondern das gesamte Selbst- und Weltbild des betroffenen Menschen steht im Fokus einer Behandlung. Dies allerdings nur dann, wenn sich diese Diskussion nicht nur auf tradierte Diagnosekriterien einer „Posttraumatischen Belastungsstörung“ konzentriert, sondern diese traumarelevante Diagnose als ein, neben vielen anderen, grundsätzliches pathogenes Störungsbild akzeptiert wird. Im vorangegangenen Kapitel 2 wurde versucht, ein Bild der allgemeinen Psychotraumatologie zu erstellen. Dies sollte darstellen, wie umfassend ihr diagnostischer Blick ist und die daraus resultierenden Handlungen unter Einbezug sämtlicher Faktoren sind. Aufgrund der Komplexität dieses Fachgebietes und der dazu gehörigen relevanten Bereiche, kann im Rahmen dieser Arbeit nur ein relativ geringer Einblick gegeben werden. Diese vorangestellte Darstellung der Psychotraumatologie soll dazu dienen, die Folgen traumatischer Situationen bei Kindern besser zu veranschaulichen. Kapitel 3 setzt sich nun mit der Entwicklung eines Kindes unter traumatischen Umständen auseinander und zeigt spezifische Symptome und Folgen von traumatischen Situationen auf. Im folgenden Kapitel soll also von der allgemeinen zur speziellen Problematik bei Kindern fokussiert werden, um dann im weiteren Verlauf auch die Möglichkeiten und Grenzen der Sozialen Arbeit mit Kindern deutlich werden zu lassen.

3. Traumatisierung im Kindesalter

Traumatisierungen haben in den allermeisten Fällen mehr oder weniger schlimme und kaum allumfassend begreifende Auswirkungen auf das Leben eines Betroffenen. Dennoch kann ein erwachsener Mensch unter günstigen Umständen und mit einer angemessenen, z.B. therapeutischen Hilfestellung, eine traumatische Situation soweit integrieren, dass sein Leben nicht von der Abwehr von Gefühlen, Reizen, u.a., die an das Trauma erinnern, bestimmt wird. Allerdings geben Fischer und Riedesser an, dass die traumatische Erfahrung auch nach einer erfolgreichen Verarbeitung weiterhin besteht, und unter gegebenen Umständen, d.h. Reizen, die auch nur im entfernten Sinne mit dem Trauma in Verbindung gebracht werden, das erschütterte Welt- und Selbstbild erneut ins Wanken gerät. Die Person ist dann aber oftmals in der Lage, diese Reize angemessen und realitätsnahe einzuordnen (vgl. Fischer u. Riedesser, 2003, S. 208).

Ein Kind, das sich inmitten von lebenswichtigen Entwicklungsaufgaben befindet, wird im Gegensatz dazu durch ein Trauma mit einer ungleich intensiveren Wucht dieses Ereignisses getroffen, da bestimmte Fähigkeiten, die zur Bewältigung und zur Einordnung des Geschehens dienen, noch nicht vorhanden sind. Historisch wurden die katastrophalen Folgen von Vernachlässigung, Kindesmisshandlungen, sexuellem Kindesmissbrach, sowie Trennung und Tod der Bezugsperson lange Zeit vernachlässigt. Bezüglich einer Traumatisierung im Kindesalter unterlag die Fachwelt, wie auch die Öffentlichkeit der schon in Abschnitt 2.1. angesprochenen „Trauma-Blindheit“. Gerade für Letztere war es schwer nachvollziehbar, dass Kinder aufgrund von traumatischen Erlebnissen schwere psychische Folgestörungen entwickelten. Alles in allem scheint es ein Phänomen gerade der europäischen Historie zu sein, dass Kindheitstraumata über Jahrhunderte hinweg nicht in den Fokus der Forschung und Öffentlichkeit gerieten und durch Erziehungspraktiken systematisch und gesamtgesellschaftlich immer wieder reproduziert wurden. So ist die Kindheit im Europa der beginnenden Industrialisierung eine Geschichte weit verbreiteter schwerster Traumatisierungen der Kinder mit katastrophalen Folgen. Dementsprechend mussten sich anzeigende Teile der Fachwelt gegen eine kollektive Verleugnung und Verdrängung aus der Gesellschaft und aus den eigenen Reihendurchsetzen. Traumatisierungen bei Kindern werden in der Regel weniger beachtet und diskutiert als bei Erwachsenen. Barbara Bräutigam (2000) zitiert in Ihrem Werk „Der ungelöste Schmerz“ Garbarino, der 1992 anmerkte, das es über einen langen Zeitraum nur wenig Forschung zu den Auswirkungen von Traumatisierungen bei Kindern gab. „Until the last fifteen years, there has been little research on the effect of external trauma or environmental trauma on children… Ironically, it seems that more research has been conducted on the effect of television violence on children than on the effect of real violence on children“ (Garbarino u.a. 1992, in Bräutigam 2000, S.23) Die Fokussierung der Erforschung traumatogener Störungen lag demnach eher im Bereich erwachsener Menschen, deren Entwicklung bereits altersentsprechend vorangeschritten ist. Es ist also davon auszugehen, dass auch die Diagnostik von Traumafolgestörungen sich auf den Erwachsenenbereich bezieht (vgl. Hofmann u.a. 2003, S.174, s.a. 4.2).

Psychische Traumata haben immer Einfluss auf die Entwicklung eines Kindes. Das bedeutet z.B., dass sich Kinder die Schuld für die traumatische Situation geben, da sie aufgrund ihres Entwicklungsstandes nicht in der Lage sind, die komplexen Zusammenhänge des Geschehens zu erkennen (vgl. Fischer u. Riedesser, 2003, S.272). Vielfach bleibt eine Unterstützung von Seiten der Bezugspersonen versagt, weil diese entweder selbst die Initiatoren oder Betroffene des Traumas sind, oder weil sie die Kinder in ihrem Verhalten nicht verstehen können. Elin Hordvik, eine norwegische Psychologin, schlägt in ihrem Aufsatz „Was ist ein psychisches Trauma; Methoden zur Behandlung“ vor, mit den betroffenen Kindern zu sprechen und sie „(…) mit jener Situation, die ihre emotionale Reaktionen hervorrufen, konfrontiert und sie ermutigt, das eingeprägte traumatische Erlebnis auszudrücken“ (Hordvik,1998, S.39). Von der Tatsache einmal abgesehen, dass ein Kind in unserer Gesellschaftsstruktur immer noch „zu wenig zu sagen hat“, ist dieser Vorschlag m. E. irreführend, denn er suggeriert, dass ein Helfer nur richtig zuhören und das Kind mit den traumatischen Reizen konfrontieren muss, um eine Linderung der Leiden und somit eine Besserung des Zustandes des Kindes herbeiführen kann. Stellen wir nun einmal das komplizierte Gebilde der Traumadynamik, die in der Psychotraumatologie erklärt wird, den Ausführungen Hordviks gegenüber, so dürfte klar werden, dass es bei weitem nicht so einfach ist, wie die Autorin es darstellt. Oftmals ist es eher so, dass ein Kind aus verschiedenen Gründen nicht über traumatische Situationen sprechen kann. Darüber hinaus ist es genauestens abzuwägen, ob ein Kind überhaupt in der Lage ist, eine Konfrontation durchzustehen, ohne dass der Helfer Gefahr läuft, das Kind erneut bzw. nachhaltig zu traumatisieren. M. E. sollte sich ein Autor solcher Schriften genau überlegen, welche Ratschläge er Helfern wie „Lehrern, Nichtfachleuten und anderen Erwachsenen“ (ebd, S.39) gibt, denn allzu oft werden solch vereinfachte Darstellungen von Menschen, die an dem Kind verzweifeln, es aber verstehen und ihm helfen wollen, nur allzu gern aufgenommen.

Das Gebiet der Traumatisierung im Kindesalter unterliegt einer hohen Komplexität und dies gerade bzgl. altersspezifischer Entwicklungen und der Art der traumatischen Situation. Nicht immer müssen es außergewöhnliche, offensichtliche Ereignisse sein, die ein Kind traumatisieren. Vielmehr sind es Situationen – wie zu Beginn dieses Kapitels erwähnt, die im von der Öffentlichkeit nicht einsehbaren Kreis der Familien stattfinden und eben deswegen lange Zeit zu einem Unverständnis für traumareaktive Folgen bei Kindern führten, da sie nicht in die Wahrnehmung der Allgemeinheit gelangten. Aussagen wie „Das Kind ist ja noch zu klein und es hat es ja nicht so mitbekommen“ sind auch aktuell noch anzutreffen. Leonore Terr bemerkte 1990, dass Kinder wahrscheinlich über traumatische Erlebnisse erzählen würden, jedoch schenkten die allermeisten Erwachsenen dem kaum Aufmerksamkeit. Ein Grund hierfür könnte in der Schuldzuweisung an die eigene Person liegen, da Eltern sich vielleicht ein Versagen in der Schutzfunktion vorwerfen. Eltern würden nach L. C. Terr auch kaum danach fragen. „ Sogar Ärzte scheuten davor zurück, nach den wahren Erlebnissen der Kinder zu fragen. Wenn während einer Katastrophe niemand etwas sagen würde, würden es die Kinder vielleicht nicht bemerken. Wenn Kinder nicht an Erlebnisse erinnert würden, könnten sie vielleicht vergessen“ (Terr, 1990 in Bräutigam, 2000, S.22). Heute kann die Fachwelt sehr eindrücklich nachweisen, dass z.B. eine Trennung des Kindes von der Mutter durch Tod oder Scheidung, aber auch eine emotionale Abwesenheit, z.B. durch eigene psychische Beeinträchtigungen der Bezugsperson wie Depression, Angsterkrankungen u.a., schlimmste Folgen für das Kind nach sich ziehen und die Entwicklung – und somit auch das Leben des Kindes – bis ins Erwachsenenalter bestimmen kann. In der Fachöffentlichkeit werden für die Entwicklung der empirischen, meist psychoanalytisch orientierten Traumaforschung von Kindern übereinstimmend die Namen S. Freud, A. Freud, E. Erikson, R. Spitz, J. Bowlby, sowie die Eheleute A. u. J. Robertson genannt (s. Endres u.a., 1998, S.14; Fischer u. Riedesser, 2003, S.270, u.a.). Bei folgenden Darstellungen sollte deutlich werden, dass „die Zeit nicht alle Wunden heilt“, und dass es nicht mit einfachen Handlungsmustern getan ist, Kinder zu verstehen und ihnen angemessen zu helfen. Vielmehr sollte diesbezüglich schon in Kapitel 2 deutlich geworden sein, wie vielfältig sich Prozessverläufe, Symptome und auch Diagnosen in Folge eines Traumas, die noch im späteren Leben getroffen werden, darstellen und oftmals in der Auseinandersetzung zu einer professionellen „Behandlungskapitulation“, statt zu einem dynamischen Behandlungsansatz führen. Weiterhin wird ebenfalls deutlich, dass die Psychotraumatologie einen immer größeren Stellenwert im stationären und ambulanten Bereich der psychosozialen Hilfeleistungen einnehmen muss.

3.1 Entwicklungen des Kindes

Um zu verstehen, wie sich ein Trauma auf die Entwicklung eines Kindes auswirkt, scheint eine Darstellung von grundsätzlichen Entwicklungsstufen, sofern dies aufgrund der Individualität eines jeden Kindes und der Fülle von Forschungsergebnissen überhaupt möglich ist, angebracht. Gerade in Bezug auf die Auswirkung eines Traumas ist eine erschöpfende Ausführung kaum zu gestalten, da sich die Fachwelt der Entwicklungspsychologie in der Diskussion einer Neugestaltung althergebrachter Denkmuster, zum Beispiel bzgl. der Entwicklung von Affekten des Kindes, befindet.

Die Komplexität traumatischer Phänomene ist, wie bereits mehrfach beschrieben, in ihrer spezifischen Auswirkung auf ein Individuum durch eine generelle Beschreibung wie z.B. im DSM-IV nur unzureichend erfasst. Dies gilt insbesondere für den Bereich der Diagnostik bei Kindern und Jugendlichen. Nach Riedesser ermöglicht es eine entwicklungspsychologische Betrachtungsweise des Kindes als eine „bio-psycho-soziale“ Einheit, die Persönlichkeit an einem bestimmten Punkt zu erfassen und zu erklären (vgl. Riedesser, 2003, S. 161). Daraus lässt sich ein Verständnis entwickeln, wie das Kind eine traumatische Situation individuell in seiner spezifischen Entwicklung erlebt und verarbeitet. Dieses Verständnis bezieht sowohl schädliche Vorerfahrungen als auch Bewältigungsstrategien mit ein.

Aus den Arbeiten von A. Freud, E. Erikson, aber auch J. Piaget wurde ein Modell von bestimmten Entwicklungslinien entwickelt, das nicht etwa als ein künstliches lineares Konstrukt zu verstehen ist, sondern in dem ein Ineinanderwirken und eine Verflechtung einzelner Entwicklungsstadien stattfindet. Unter anderem beziehen sich diese Phasen auf die Triebentwicklung, sowie auf die Entwicklung von „Ich“ und „Über-Ich“. Diese Betrachtungsweise sieht das Persönlichkeitswachstum als einen dynamischen Prozess an, der auf verschiedenen Ebenen verläuft. Dieses entwicklungspsychologische Modell untersucht also nicht nur intrapsychische Konflikte, die zu infantilen Neurosen führen, sondern fokussiert den Ursprung und die Entwicklungsgeschichte psychischer Strukturen gleichermaßen. Anders gesagt besteht die Anschauung der Entwicklungspsychologie darin, nicht ein rekonstruiertes, sondern das „reale Kind“ in den Mittelpunkt zu stellen (vgl. u.a. Endres u. Moisl, 1998, S. 17). Diese dynamische Betrachtungsweise fragt nach dem Einfluss des Zusammenwirkens von konstitutionellen- (Reifungsschritte, individuelles Erleben) und Umweltfaktoren (soziales Milieu) auf die Entwicklung intrapsychischer Strukturen und deren Funktion im Erleben und Handeln eines Individuums. Eine lineare Sichtweise ist demnach verständlicherweise erst gar nicht möglich und würde nur zu einem unvollständigen Abbild, zu einer – wie weiter oben schon beschrieben – „Momentaufnahme“ führen. Dies macht ebenfalls deutlich, dass eine endgültige Aussage über generelle Traumafolgen nicht möglich ist, sondern bestenfalls grundtypische Annahmen zulässt. Im entwicklungspsychopathologischen Sinne wird ein Geflecht von Entwicklungslinien von Tyson und Tyson folgendermaßen aufgeführt (Tyson und Tyson, 1997 in Endres u. Moisl, 1998, S, 18) :

- Entwicklung der Psychosexualität
- Entwicklung der Objektbeziehungen
- Selbstentwicklung
- Entwicklung der Kognitionen
- Entwicklung des Über-Ich
- Entwicklung der Geschlechtsidentität

Aus entwicklungspsychopathologischer Sicht lässt sich nun untersuchen, welche Faktoren zu Störungen und Beeinträchtigungen jeder einzelnen Entwicklungslinie und somit i.S. einer Verflechtung zu einer Genese von Entwicklungsstörungen führen. Fischer und Riedesser entwickelten im Kontext der Psychotraumatologie auf der Basis dieser Entwicklungslinien einen Referenzrahmen, der eine Übersicht von jeweiligen Entwicklungsaufgaben[5], störungsrelevanten Faktoren und Bewältigungsstrategien ergibt (s. folgernder Abschnitt). Endres und Moisl richten diesbezüglich ihre Betrachtungen auf die Entwicklungslinien der Objektbeziehung bzw. des Bindungsverhaltens und der Selbstentwicklung, da sie gerade diese Bereiche für besonders bedeutsam im Hinblick auf die o.a. Modellkonstellation erachten. Dies macht laut den Autoren schon allein deswegen Sinn, da die Bindungsforschung in Zukunft die psychotherapeutische Intervention erheblich beeinflussen wird (vgl. ebd. S.26).

3.1.1 Die Entwicklungslinie des Bindungsverhaltens:

Der Begründer der Bindungstheorie, J. Bowlby, bezeichnet Bindung als ein menschlich spezifisches Signalsystem, welches dem Menschen sein Überleben garantiert (vgl. Bowlby 1969, in Endres u. Moisl, 1998, S.18). Hiernach entstehen Beziehungen aus der Interaktion zwischen dem Neugeborenen und der primären Bezugsperson (Mutter). Diese Interaktionen hinterlassen Gedächtnisspuren, die zu inneren Arbeitmodellen (IAM) organisiert werden.

Hieraus bilden sich generalisierte Interaktionsrepräsentanzen, die auch dann abgerufen werden können, wenn das primäre Objekt nicht anwesend ist. Kommt es zu einer Trennung von Säugling und Mutter, wird das Bindungssystem aktiviert und löst im Normalfall Verhalten wie Weinen, Suchen, Anklammern und Protest aus, was zu einer erneuten Zusammenführung mit der Mutter führen soll. Diese Verhaltensweisen werden dann erlernt, wenn die Interaktion zwischen Baby und Mutter grundsätzlich positiv getönt ist. Ist die Mutter nicht Willens oder in der Lage, dem Kind liebevoll zu begegnen, so entstehen andere Bindungsverhaltensweisen beim Kind. Mary Ainsworth entwickelte hierzu Untersuchungsverfahren, die sog. „Fremde Situation“ (FS), wonach das Bindungsverhalten bei Trennung untersucht und kategorisch eingeteilt werden kann[6]. Hieraus lassen sich zwei Gruppen Unterscheiden, die in sich weiter differenzierbar sind. Die erste Kategorie (Kategorie B) der sog. „sicher gebundenen Kinder“ bildet die größte Gruppe einer Normalbevölkerung. Diese Kinder verhalten sich während der Trennung von der Mutter erwartungsgemäß, d.h., dass sie sich entweder freundlich gegenüber der netten, aber fremden Person, oder aber irritiert verhalten. Ausschlaggebend jedoch ist, dass die Kinder bei der Wiederkehr der Mutter deren Nähe und Kontakt suchen. Den Kindern dieser Gruppe stehen andere der Kategorie der „unsicheren Bindung“ gegenüber (Kategorie A, C). Die Kinder der Kategorie A zeigen in der Trennungssituation keinen offensichtlichen Stress und ignorieren die Mutter bei deren Wiederkehr, während das Bindungsverhalten der Kategorie C von Ängstlichkeit und extremer Abhängigkeit schon vor der Trennung geprägt ist. Diese Kinder offenbaren eine deutliche Furcht vor der fremden Person und scheinen extrem belastet während der Abwesenheit der Mutter. Bei der Wiederkehr der Mutter ist ein ambivalentes Verhalten zwischen einem Kontaktwunsch und einer Abwehr zu beobachten. Diese Reaktionen lassen den Beobachter erahnen, welcher hohen Belastung das Kind während der Trennung ausgesetzt ist, denn das Kind scheint sich in einer existenziellen Angst zu befinden. Offensichtlich vermutet das Kind, dass sich die so wichtige Bezugsperson auch in Zukunft von ihm abwendet. In Anbetracht dessen, dass sich ein Kind eine oft eintretende Trennung persönlich zuschreibt, wird deutlich, dass es mit einem solchen Bindungsverhalten enorme Bewältigungsanstrengungen unternehmen wird, um den Kontakt zur Mutter wieder herzustellen. Da diese Strategien die Entwicklung des Kindes prägen, ist es nicht weiter verwunderlich, dass ein Mensch auch im späteren Leben diese Mechanismen anwendet, da er z.B. davon ausgeht, dass er immer wieder verlassen wird. Aus dieser Betrachtungsweise geht – wie bereits erwähnt – auch hervor, wie wichtig ein bindungstheoretischer Zugang im therapeutischen Kontext ist. Danach verwundert es jedoch, dass der therapeutische Aspekt der Bindungstheorie so gut wie keinen expliziten Eingang in der bisher primär verwendeten Literatur von Fischer und Riedesser findet. Zwar heben die Autoren ebenfalls die besondere Bedeutung der Bindung des Kindes zu mindestens einer festen Bezugsperson hervor, lassen diese allerdings im Kontext wenig beachtend mit einfließen (vgl. Fischer u. Riedesser, 2003, S. 146f, 278).

Das Bindungsverhalten einer Zusatzkategorie (Kategorie D) ist in der „Fremden Situation“ von widersprüchlichen, desorganisierten Handlungen geprägt. Verhaltensweisen, wie stereotype, verlangsamte Bewegungen, die bis zur Erstarrung reichen, sowie Konfusion und Furcht sind Merkmale eines solchen Bindungsverhaltens. Dieses Verhalten tritt sowohl bei der Trennung von der Mutter, als auch bei deren Wiederkehr auf. Allerdings stellt diese Kategorie keine autonomen Verhaltensweisen dar, sondern vermischt sich mit anderen Kategorien. Während der Beobachter also bei den Bindungstypen der Kategorien A,B,C ein relativ klares Verhalten erkennen kann, wird beim Bindungstyp D ein desorganisiertes Verhalten deutlich, in dem das Kind einer Vielzahl von widersprüchlich Emotionen ausgesetzt ist, und diese in einer noch unausgereiften Art darzustellen versucht. Der Misserfolg, also die Missachtung der Mutter gegenüber dem Kind, führt zu einer hohen Frustration beim Kind und mündet somit in einem Teufelskreislauf.

[...]


[1] siehe hierzu in Übereinstimmung: Streeck-Fischer u.a., 2002, S.12 f.; Flatten, in Seidler u.a., 2003, S. 35 f.; Fischer u. Riedesser, 2003, S.35 f, 317

[2] siehe hierzu: Nitschke in Richter-Appelt, 1997, S. 25 f.; Nitschke in Streeck-Fischer, 1998, S.21 f.

[3] Dieser Sachverhalt ist auch von anderen Autoren, wenn auch eher kritisch, dargestellt worden, z.B. Özkan u.a. 2002, S.7f.

[4] „Moderne Psychotraumatologie“ meint, wie bereits in 2.1 beschrieben, die dynamische Forschung von Traumafolgen, die historische wie aktuelle Untersuchungen mit einbeziehen.

[5] Der Terminus „ Entwicklungsaufgaben“ ist hier nicht im Zusammenhang des von Havighurst entwickelten, gleichnamigen Konstruktes, sondern im allgemeinen Sinne zu verstehen

[6] Zur Erklärung der „ Fremden Situation ( FS), siehe z.B. Dornes 2002, S. 50f.; Grossmann u. Grossmann, in Hüther/ Gebauer, 2003, S.40f.

Ende der Leseprobe aus 121 Seiten

Details

Titel
Psychotraumatologie bei Kindern
Untertitel
In nicht-klinischen Einrichtungen
Hochschule
Hochschule Darmstadt  (Fachbereich Sozialpädagogik)
Veranstaltung
Diplomarbeit zur Abschlussprüfung
Note
1,3
Autor
Jahr
2004
Seiten
121
Katalognummer
V118223
ISBN (eBook)
9783640217625
ISBN (Buch)
9783640217762
Dateigröße
952 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Psychotraumatologie, Sozialen, Arbeit, Kindern, Einrichtungen, Diplomarbeit, Abschlussprüfung
Arbeit zitieren
Werner Schmidtke (Autor), 2004, Psychotraumatologie bei Kindern, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/118223

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