In Zeiten der aktuell vorherrschenden Corona-Pandemie bilden sich viele Subgruppen und es herrscht ein reger Austausch. Insbesondere in sozialen Netzwerken können sich verschiedene Persönlichkeiten eine Reichweite aufbauen und dazu nutzen ihre Meinungen zu verbreiten; doch auch in den Massenmedien finden sich viele neue Gesichter, deren Meinungen weit verbreitet werden. Dies legt einen neuen Fokus auf das Konzept des „Meinungsführers“. Die hiesige explorative Forschungsarbeit verfolgt einen neueren Ansatz. Die Probanden haben sich nicht selbst anhand dieser Kriterien bewertet, sondern eine ihnen bekannte Person, die derzeit häufig in der deutschen Medienlandschaft auftritt, beurteilt. Ziel der Arbeit ist es aufzuzeigen, welche Eigenschaften und Verhaltensweisen eines Meinungsführers aus Sicht der Meinungsfollower identifiziert werden können. Die derzeitige Forschungslücke in diesem Bereich kann durch diese Vorgehensweise weiter untersucht werden.
Die Corona-Pandemie hat nicht nur Auswirkungen auf die Wirtschaft, sondern hinterlässt auch Spuren in der deutschen Medienlandschaft. Die tägliche Mediennutzung der Deutschen ist laut Media Activity Guide von 11,5 Stunden im Jahr 2019 auf über 12,5 Stunden im Jahr 2020 gestiegen. Damit erreichte der Wert einen neuen Höchststand und die Tendenzen für 2021 sind weiterhin steigend. Onlinemedien werden zudem verstärkt als Nachrichtenmedien genutzt (ebd.). So bilden diese Plattformen viele Möglichkeiten für die Nutzer, sich über verschiedene Themen auszutauschen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitende Worte
2 Theoretische Einordnung
2.1 Die klassische Meinungsführerschaft
2.2 Parasoziale Meinungsführerschaft
2.3 Third-Person-Effekt
2.4 Konstrukte
2.4.1 Vertrauen und Glaubwürdigkeit
2.4.2 Responsivität
2.4.3 Kompetenz
2.4.4 Netzwerk
2.5 Forschungsrelevanz
3 Methode
3.1 Methodenbegründung und -vorstellung
3.2 Der Pretest
3.3 Die Haupterhebung
4 Darstellung der Ergebnisse
5 Diskussion
5.1 Einfluss auf die eigene Person und Einfluss auf andere
5.2 Wahrnehmungen und Eigenschaften der Medienpersonen
5.3 Zusammenfassung der Erkenntnisse: Eigenschaften eines Meinungsführers
5.4 Diskussion über Untersuchung
5.4.1 Stärken der Untersuchung
5.4.2 Limitationen der Erhebung
6 Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, das klassische Konzept der Meinungsführerschaft im Kontext der Corona-Pandemie zu explorieren und durch die Einbeziehung externer Medienpersonen zu objektivieren. Dabei wird untersucht, welche spezifischen Eigenschaften und Verhaltensweisen von Medienfiguren dazu führen, dass diese von Rezipienten als Meinungsführer wahrgenommen werden und welchen Einfluss sie auf die Einstellungen und Verhaltensweisen der Nutzer ausüben.
- Explorative Analyse der parasozialen Meinungsführerschaft
- Einfluss von Medienpersonen auf das Selbst und andere Personen
- Konstruktanalyse: Vertrauen, Kompetenz, Responsivität und Netzwerk
- Überprüfung des Third-Person-Effekts
- Objektivierung des Meinungsführerkonzepts mittels empirischer Daten
Auszug aus dem Buch
2.1 Die klassische Meinungsführerschaft
Meinungsführer begegnen uns fast täglich. Jeder kennt diese eine Person, die in bestimmten Themengebieten ein enormes Interesse aufweist. Sei es Politik, Gesellschaft oder andere relevanten Themen, derjenige besitzt ein überdurchschnittliches Wissen und kommuniziert dieses offen nach außen. In den meisten Fällen findet dadurch eine Beeinflussung Anderer statt. Diese Menschen lassen sich als Meinungsführer definieren (Geise, 2021). Anders ausgedrückt kann man Meinungsführer als Akteure bezeichnen, die durch persönliche oder medienvermittelte Kommunikation Meinungen, Einstellungen und auch das Verhalten von Dritten beeinflussen.
Den Grundstein der Meinungsführerforschung bildet die „The People’s Choice“ Studie von 1944, welche auf der Analyse von Umfragedaten zur amerikanischen Präsidentschaftswahl 1940 basiert. Durchgeführt wurde diese von Lazarsfeld, Berelson und Gaudet. Diese Studie gilt als Beginn der Meinungsführerforschung, da zum ersten Mal der persönliche Einfluss empirisch erfasst wurde (Schach, 2018). Im Großen und Ganzen ging es auch in den darauffolgenden Untersuchungen darum, welche Rolle der Meinungsführer im Meinungsbildungsprozess einnimmt. Das Forschungsinteresse bei der „The People’s Choice“ Studie lag auf der Frage, wie der Prozess der politischen Meinungsführung abläuft.
Im Laufe der Studie konnten „Opinion Leader“ identifiziert werden, welche einen großen Einfluss ausübten. Man befragte die Personen zu ihrer persönlichen Einschätzung und identifizierte sie je nach Antwort als Meinungsführer oder Follower. Bekannte Begriffe, die sich bis in die Social Media Welt fortgesetzt haben, wenn man kurz an Influencer und ihre Abonnenten bzw. Follower denkt. Aus dieser Idee der Aufteilung in Meinungsführer und Meinungsfollower wurde das Konzept der „two step flow of communication“ oder auch Zwei-Stufen-Fluss entwickelt. Dieses Konzept beschreibt den Prozess, in welchem Meinungsführer Infos und Input aus den klassischen Medien erhalten und zu den medial weniger aktiven Meinungsfollowern tragen. Die Meinungsführer betreiben eine mittelbare Weitergabe von Informationen. Diese Wiedergabe ist meist mit einer Einflussnahme verbunden, da Meinungsführer manche Informationen eine stärkere Gewichtung geben oder einzelne Aspekte anders hervorheben (Clement, Proppe & Sambeth, 2006). Eine empirische Belegung gibt es hierfür jedoch nicht (Schach, 2018).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitende Worte: Die Einleitung beleuchtet die gestiegene Mediennutzung während der Corona-Pandemie und führt in die Relevanz des Meinungsführerkonzepts ein.
2 Theoretische Einordnung: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Grundlagen der Meinungsführerschaft, einschließlich klassischer und parasozialer Ansätze sowie zentraler Konstrukte.
3 Methode: Hier wird das methodische Vorgehen der Online-Befragung beschrieben, inklusive Pretest, Stimulus-Auswahl und Stichprobenbeschreibung.
4 Darstellung der Ergebnisse: Dieses Kapitel präsentiert die deskriptiven Resultate der Befragung und differenziert zwischen Selbsteinschätzung und Fremdeinschätzung.
5 Diskussion: Die Ergebnisse werden interpretiert, in den wissenschaftlichen Kontext eingeordnet und kritisch hinsichtlich Stärken und Limitationen reflektiert.
6 Fazit und Ausblick: Das Fazit fasst die zentralen Erkenntnisse zusammen und diskutiert Implikationen sowie Ansätze für zukünftige Forschungsvorhaben.
Schlüsselwörter
Meinungsführer, Parasoziale Beziehung, Corona-Pandemie, Third-Person-Effekt, Responsivität, Medienkompetenz, Einflussnahme, Online-Befragung, Influencer, Mediennutzung, Netzwerk, Vertrauen, Glaubwürdigkeit, Kommunikation, Meinungsbildung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Konzept der Meinungsführerschaft unter modernen Bedingungen und analysiert, welche Eigenschaften von bekannten Medienpersonen während der Corona-Pandemie als meinungsführend wahrgenommen werden.
Was sind die zentralen Themenfelder der Studie?
Zentrale Themen sind die parasoziale Meinungsführerschaft, der Einfluss von Medienfiguren auf das Publikum sowie die Bewertung von Vertrauen, Kompetenz, Netzwerk und Responsivität.
Welches primäre Ziel verfolgt die Forschungsarbeit?
Ziel ist die Objektivierung des Meinungsführerkonzepts, indem nicht mehr nur die Selbsteinschätzung der Befragten herangezogen wird, sondern eine externe Einschätzung von realen Medienpersonen durch das Publikum erfolgt.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wurde eine quantitative Online-Befragung durchgeführt, bei der Probanden verschiedene Medienpersönlichkeiten hinsichtlich ihrer Eigenschaften und ihres Einflusses bewerteten.
Welche Inhalte bilden den Hauptteil der Arbeit?
Der Hauptteil umfasst die theoretische Herleitung der Konstrukte, die methodische Fundierung der Online-Erhebung sowie eine detaillierte Darstellung und Diskussion der empirischen Ergebnisse.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Zu den wichtigsten Schlüsselwörtern gehören Meinungsführerschaft, Corona-Pandemie, parasoziale Interaktion, Kompetenzzuschreibung und Medienwirkung.
Welche Rolle spielen die untersuchten Virologen wie Christian Drosten?
Virologen nehmen in der Untersuchung eine besondere Rolle ein, da sie aufgrund ihrer fachlichen Expertise und hohen Medienpräsenz als besonders kompetent und vertrauenswürdig bewertet werden, was sie als einflussreiche Meinungsführer in der Krise charakterisiert.
Warum schneiden Influencer in der Kompetenzbewertung schlechter ab?
Die Ergebnisse deuten auf ein Stigma hin, bei dem Medienpersonen, die primär als YouTuber oder Influencer wahrgenommen werden, trotz hoher Follower-Zahlen als weniger kompetent in komplexen gesundheitspolitischen Themen eingestuft werden.
Was besagt der in der Arbeit behandelte Third-Person-Effekt?
Der Third-Person-Effekt beschreibt die Wahrnehmung der Befragten, dass Medien auf andere Personen einen stärkeren Einfluss ausüben als auf sie selbst.
Welche Erkenntnisse gibt es zur Rolle von Journalisten?
Journalisten werden in der Studie zwar als Akteure im öffentlichen Leben wahrgenommen, im Vergleich zu Experten wie Virologen wird ihnen jedoch weniger spezifische Kompetenz im Umgang mit der Corona-Pandemie zugesprochen.
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- Gina-Marie Müller (Author), 2021, Meinungsführerkonzepte. Darstellung anhand von Medienpersonen im Kontext der Corona-Pandemie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1182685