Davids Sieg über die Philister

(2. Samuel 5, 17-25)


Quellenexegese, 2008

16 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Textkritik

3. Sprachliche Analyse
3.1. Sprachliche Form
3.2. Kontextanalyse
3.3. Pragmatik

4. Entstehungsgeschichte des Textes
4.1. Literarkritik
4.2. Überlieferungskritik

5. Formale und inhaltliche Vorgaben des Textes
5.1. Form- Gattungskritik
5.2. Traditionskritik

6. Klärung von Einzelaspekten

7. Zusammenfassung der Ergebnisse

8. Anhang

9. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Ich habe mich in meiner Exegesearbeit für diese Bibelstelle entschieden, da mich das strategische Vorgehen in Bezug auf die Kriegsvorbereitung und das damit einhergehende Vertrauen auf Gott sehr begeistert hat.

Wenn man die Kriegsvorbereitung heutzutage in Vergleich dazu setzt, lässt sich ein gewaltiger Kontrast feststellen. Wer die bessere Strategie entwickelt, das stärkere Gefolge hat und dazu die vernichtensten Waffen benutzt, fühlt sich klar überlegen und gut gerüstet für den Kampf. David jedoch verlässt sich nicht auf seine Rüstung, sondern vertraut allein auf Gott. Im ersten Moment könnte man meinen, dass er völlig riskant und unterlegen gegen die Philister vorgeht, doch der zweifache Sieg bestätigt David in seiner Entscheidung.

Auch wenn das Vertrauen Davids noch so beeindruckend wirkt, schockiert sogleich die Tatsache, dass der gütige Gott einen Krieg unterstützt und somit gegen die Philister vorgeht. Die Philister sind ebenso Geschöpfe Gottes wie es auch David ist. Dennoch hat der Herr Partei ergriffen und geht zusammen mit David gegen sie vor. Dies hat ebenso mein Interesse an dieser Bibelstelle geweckt, denn die Geschichte bewirkte bei mir eine gewisse paradoxe Glaubenssicht. Zum einen lernt man den hilfsbereiten und Vertrauen erweckenden Gott kennen, zum anderen schockiert die Tatsache, dass Gott einen Konkurrenten unterstützt und damit sogar die eigene Niederlage herbeizwingt.

Ich werde in meiner Exegesearbeit nun so vorgehen, dass ich zuerst die rev. Lutherübersetzung, die Einheitsübersetzung, die rev. Gute Nachricht Übersetzung und die Bibel in gerechter Sprache miteinander vergleiche. Diese vier Texte sind meiner Meinung nach für die Analyse gut geeignet.[1]

Anschließend werde ich dann die weitere Analyse dieser Bibelstelle fortsetzen und dafür die rev. Lutherübersetzung verwenden.[2]

Nach der Analyse folgt noch die Klärung von Einzelaspekten und schließlich die Zusammenfassung meiner Ergebnisse.

2. Textkritik

Bei der nun folgenden Textkritik werden die rev. Lutherübersetzung (LU), die Einheitsübersetzung (EH), die rev. Gute Nachricht Übersetzung (GN) und die Bibel in gerechter Sprache (BGS) verwendet.[4][3]

Gleich zu Beginn der Bibelstelle fällt auf, dass bei allen vier Bibelübersetzungen die Geschichte mit unterschiedlichen Überschriften eingeleitet wird. Bei der BGS wird sie ganz ausgelassen, sodass 2. Samuel 5 wie eine in sich geschlossene Geschichte wirkt. Ganz neutral wird bei der EH mit den Worten „Der Krieg mit den Philistern“ in die Geschehnisse eingeleitet. Bei der LU und der GN hingegen ist bei der Überschrift bereits der Ausgang der Geschichte vorweggenommen. Bei der GN besagt sie, dass David den Angriff der Philister abwehren konnte. Die LU betitelt den Text mit: „Davids Sieg über die Philister“ .

Weitere Unterschiede sind bei der Wortwahl der verschiedenen Übersetzungen zu finden. Die Absicht der Philister, aufgrund welcher sie David aufsuchten, ist laut LU, „[...] um sich Davids zu bemächtigen“. Bei der BGS machten sich die Philister auf den Weg, „[...] um David aufzuspüren“. Das Vorhaben, „[...] David gefangen zu nehmen“, wird in der EH beschrieben. Den Plan, den König über Israel „[...] in ihre Gewalt zu bringen“, haben die Philister laut der GN. Im weiteren Verlauf des Textes sind immer wieder Ausdrücke zu finden, die sich in den vier Übersetzungen unterscheiden. Diese sind sowohl für den Inhalt, als auch für die Aussage der Geschichte meist nicht von Bedeutung. Oftmals tragen sie aber zu einem besseren Verständnis der Erzählung bei. Dies ist auch in Vers 17 der Fall. Die LU verwendet an dieser Stelle den Begriff „Bergfeste“, welcher leicht missverstanden werden kann. Die EH und die GN liefern stattdessen das Wort „Bergfestung“, dessen Bedeutung verständlicher ist. Bei der BGS ist der Ausdruck „Festung“ zu finden. Dieser ist zwar noch einfach gewählt, jedoch ergibt sich somit Platz für einen Interpretationsspielraum, da man unter Festung nicht gezwungenermaßen eine Bergfestung versteht.

In Vers 18 ist in der EH zu lesen, dass die Philister lediglich in der Rafaiterebene „umherstreiften“, die GN besagt aber, dass sie die Ebene sogar „besetzten“, wohingegen die LU und die BGS davon ausgehen, dass sich die Philister dort ausbreiteten. In der BGS ist zum einzigen Mal die Rede von dem „Tal von Refaim“. Diese Wortwahl der jeweiligen Übersetzung ist auch in Vers 22 zu finden.

Bei der ersten Anfrage an Gott in Vers 19 grenzt sich die BGS von den anderen drei Übersetzungen ab, da sie als Einzige die Bezeichnung „Gott“ verwendet. Die LU, GN und EH verwenden den Ausdruck „Herr“. Den ganzen Text über halten die jeweiligen Übersetzungen strikt an dieser Wortverwendung fest und weichen nicht davon ab.

Weitere Differenzen zeigen sich in Vers 23. Die LU erzählt von dem Bakawald, welcher aus „Bakabäumen“ (V. 24) besteht. Auch die GN und die EH verwenden diesen Begriff. Die BGS gebraucht als einzige Übersetzung die Umschreibung Baka-Sträucher, was bei dem Leser der heutigen Zeit eine andere Assoziation hervorrufen könnte.

Auch am Schluss des Textes sind Unterschiede zu erkennen: In der LU schlug David die Philister „von Gibeon an bis hin nach Geser“, in der EH schlug er sie „im ganzen Gebiet“ zwischen Geba und Geser, in der BGS „von Geba bis nach Geser hin“ und in der GN trieb er die Philister „von Geba bis nach Geser zurück“.

3. Sprachliche Analyse

Im weiteren Verlauf der Arbeit wird sich lediglich auf die rev. Lutherübersetzung beschränkt.[5]

3.1. Sprachliche Form

Die Geschichte von Davids Sieg über die Philister ist größtenteils in einem einfachen und leicht verständlichem Wortschatz verfasst. Dennoch sind vereinzelt Begriffe zu finden, welche mit unserem heutigen Sprachverständnis nicht auf den ersten Blick nachvollziehbar sind.

Beispiele hierfür wären „Bergfeste“ (V. 17), „durchbrochen“ (V. 20) und „Wipfeln“ (V. 24).

Insgesamt ist der Text leicht zu lesen, da der Satzbau einfach und übersichtlich

strukturiert ist. Abgesehen von Vers 17, 18, 22 und 25 wird jeder Vers mit „und [...]“ eingeleitet, was zum einen sehr auffällig ist und zum anderen die einfache Sprache der Bibelstelle nochmals bestätigt. Durch den Wechsel von direkten Reden, Fragen, Antworten und Aussagesätzen, erhält der Text eine gewisse Lebhaftigkeit, welche wiederum ein Merkmal für die einfache Sprache ist. Des weiteren wird dem Leser durch die metaphorische Darstellung „[...] meine Feinde vor mir durchbrochen, wie Wasserfluten durchbrechen.“, die Handlung sehr anschaulich gemacht.

Die Geschichte wurde im Präteritum verfasst, lediglich die Gesprächssequenzen fallen, aufgrund der Zeitänderung in das Präsens, aus der Reihe. Dies verleiht der Erzählung eine gewisse Spannung, welche dem Leser ermöglicht, sich gut in das Geschehen hinein versetzen zu können.

Bei der genaueren Betrachtung der Konversation von David und dem Herrn, kristallisiert sich die Machtposition des Herrn deutlich heraus, denn seine Antworten sind alle durch den Imperativ gekennzeichnet. Sie erscheinen daher höchst autoritär und bewirken folglich Davids strikte Einhaltung der Befehle.

Der letzte Vers rundet die Handlung der Geschichte ab und stellt sogleich eine Art Resümee beziehungsweise ein Schlussfazit dar.

3.2. Kontextanalyse

Bei der Betrachtung des Kontextes der Bibelstelle ist auffällig, dass sich der vorangehende und nachfolgende Text mit ähnlichen Themen beschäftigt. Somit fügt sich die Bibelstelle in den Gesamtkontext des 2. Samuelbuches logisch und ohne Brüche, in Bezug auf die Geschehnisse, ein. David steht als König von Israel immer im Vordergrund und stellt mit seiner guten Beziehung zu Gott eine sehr beeindruckende Verhaltensweise bezüglich des Glaubens dar.

Da ab Kapitel 5 die politische Laufbahn und Machtherrschaft Davids über Israel beginnt, ist wiederum zu erkennen, dass sich die Bibelstelle als eine weitere Station seines Amtes gut in das Gesamtgeschehen einfügt.

Wie gut sich der Text in das Gesamtbild eingliedern lässt ist auch daran zu sehen, dass die Geschichte ohne den Kontext nur kaum zu verstehen wäre und wie eine Kurzgeschichte mit offenem Anfang und Ende wirken würde.

3.3. Pragmatik

Anhand der Bibelstelle lässt sich ganz deutlich ein textpragmatisches Ziel erkennen: Es soll dem Leser nahe gebracht werden, sich vor schwerwiegenden Entscheidungen immer die Meinung einer Vertrauensperson, welche auch eine Art autoritäre Instanz darstellen kann, einzuholen. David hat die Entscheidung zu treffen, ob beziehungsweise wie er gegen die Philister vorzugehen hat. Alleine fühlt er sich nicht im Stande, diese Entscheidungen vorzunehmen und befragt dazu Gott. Er legt großen Wert auf die Meinung des Herrn und vertraut ihm sogar so weit, dass er ohne Zweifel oder nochmaliges Nachfragen den Rat annimmt und befolgt. Dies soll veranschaulichen, dass der Mensch nicht immer in der Lage ist, die richtige Entscheidung zu finden, aber Hilfe bei anderen Personen oder, wie im Fall Davids, bei Gott finden kann. Wichtig ist es auch, dass man das Vertrauen besitzt eine Hilfe, ohne sich weiter darüber Gedanken zu machen, annehmen zu können.

Eine weitere Intention des Textes ist, Vertrauen in Gott zu haben. David wendet sich in seiner schwierigen Lage an ihn, weil er sich so Hilfe und Unterstützung erhofft. Er gibt sich ganz in die Hände des Herrn und denkt gar nicht daran, dass sein Rat falsch sein oder ihn irreführen könnte. Der Leser soll veranlasst werden, Gott mit in sein Leben einzubinden und auch in aussichtslosen Momenten auf ihn zu vertrauen, seine Hilfe anzunehmen und seine Unterstützung nicht in Frage zu stellen. Somit soll vermittelt werden, dass derjenige, der mit Gott geht, den richtigen Weg gehen wird.[6]

4. Entstehungsgeschichte des Textes

4.1. Literarkritik

Die Bibelstelle wurde wohl kaum in einem Werdegang und im Rahmen eines größeren literarischen Zusammenhangs schriftlich fixiert.

Der Anfang und das Ende der Geschichte wirken auf den Leser unverständlich, wenn er sich nicht mit dem Gesamtkontext der vier Königsbücher befasst. Somit ist die Erzählung von Davids Siegeszug keine separate und in sich geschlossene Texteinheit.

Anzunehmen ist auch, dass der Text nicht aus einer Hand verfasst worden ist. Es lassen sich mehrere Indizien dafür finden, welche einen nicht harmonierenden Charakter beziehungsweise Schreibstil darstellen. In Vers 19 wird berichtet, dass David den Herrn um Rat fragt und der Leser erfährt sogleich Davids Anliegen, da seine Frage anschließend ausformuliert niedergeschrieben ist. In Vers 23 befragt David abermals den Herrn. An dieser Stelle folgt nun aber nicht die Frage, sondern sogleich die Antwort des Herrn. Dies lässt wohl darauf schließen, dass es sich hier um mindestens zwei verschiedene Schreiber handeln muss. Es könnte jedoch auch der Fall sein, dass durch die Überlieferung oder durch eine längere Phase der Verschriftlichung des Textes, Textstücke verloren gegangen sind. Weitere Spannungen in der Texteinheit ergeben sich durch die Verfälschung des Grundbestandes des ursprünglich Verfassten. Es lässt sich ein Textminimum erkennen, welches dem Urtext entsprechen könnte. Dieser wurde vermischt mit Textbausteinen anderer Autoren oder sogar ganz anderen Schriften. Ein Beispiel hierfür lässt sich in Vers 18 finden, welcher einen wiederholenden Charakter im Bezug auf den vorhergehenden Vers zeigt. In Vers 17 ist beschrieben, dass die Philister alle heraufzogen und David sich daraufhin zurückzog. Nun hat David höchstwahrscheinlich in seiner Festung das Gebet zu Gott gesucht, da er verunsichert war. In der Bibelstelle wird jedoch in Vers 18 ein weiteres Mal darauf hingewiesen, dass die Philister kommen, bevor David sein Wort an Gott richtet. Somit wird die Aussage wiederholt dargelegt.[7]

[...]


[1] vgl. Anhang I) - IV)

[2] vgl. Anhang I) - IV)

[3] vgl. Anhang I) - IV)

[4] vgl. Anhang I) - IV)

[5] vgl. Anhang I)

[6] vgl. Schmitt, Hans-Christoph: Arbeitsbuch zum Alten Testament. Grundzüge der Geschichte

Israels und der alttestamentlichen Schriften. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG 2005.

[7] vgl. Oeming, Manfred: Bibelkunde Altes Testament. Ein Arbeitsbuch zur Information, Repetition und Präparation. Stuttgart: Verlag Katholisches Bibelwerk GmbH 1995.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Davids Sieg über die Philister
Untertitel
(2. Samuel 5, 17-25)
Hochschule
Universität Regensburg
Veranstaltung
Einführung in die Methode alttestamentlicher Exegese
Note
2,0
Autor
Jahr
2008
Seiten
16
Katalognummer
V118318
ISBN (eBook)
9783640211319
ISBN (Buch)
9783640211357
Dateigröße
500 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Davids, Sieg, Philister, Einführung, Methode, Exegese
Arbeit zitieren
Johannes Müller (Autor), 2008, Davids Sieg über die Philister , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/118318

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