Für diese Arbeit steht die Phraseologie als Gesamtbestand der Phraseologismen im Zentrum der Betrachtung, da nicht die Entstehung, sondern die Übersetzbarkeit und Übertragbarkeit im Mittelpunkt stehen.
Um die Übersetzbarkeit von Phraseologismen zu untersuchen, bedarf es zu Beginn dieser Arbeit einer Auseinandersetzung mit der Terminologie der Phraseologie. Zunächst wird die Frage nach den Bestandteilen der Phraseologie geklärt und deren Grundbegriffe erläutert. Phraseologie wird in der Forschung häufig in zwei Bereiche unterteilt. Die Phraseologie im weiteren Sinne beinhaltet die Menge der Phraseologismen, die aus mehr als einem Wort bestehen (Polylexikalität) und die den Sprechenden als Kombination bekannt sind (Festigkeit). Phraseologie im engeren Sinne ergänzt diese Charakteristika um die Idiomatizität. Hierbei wird die Stärke der Diskrepanz zwischen der phraseologischen Bedeutung und der wörtlichen Bedeutung des ganzen Ausdrucks untersucht. Je größer der Unterschied, desto stärker idiomatisch ist die Phraseologie. Es gibt also ein unabsehbares Inventar 'vorgefertigter' Kombinationen von Wörtern, welches von Muttersprachler_innen oder fortgeschrittenen Lernenden genutzt wird. Welche Gruppierungen dazugehören und welche nicht, hängt von den je nach Forscher_in festgesetzten Kriterien ab.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Terminologie der Phraseologie
3. Problematik der Terminologie
4. Herausforderungen beim Übersetzen
5. Strategien zur Suche nach Äquivalenzen
6. Fallbeispiele aus der Kinder- und Jugendliteratur
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Herausforderungen bei der Übersetzung und Übertragbarkeit von Phraseologismen zwischen dem Sprachenpaar Deutsch und Spanisch, wobei der Fokus auf dem Erhalt der ursprünglichen Bedeutung und Funktion liegt.
- Grundlagen der phraselogischen Terminologie
- Die Rolle der Idiomatizität in der Übersetzung
- Kulturspezifische Herausforderungen und Varietäten
- Analyse von Übersetzungsbeispielen aus der Kinderliteratur
Auszug aus dem Buch
Die Problematik der Idiomatizität beim Übersetzen
Es darf jedoch nicht missverstanden werden, dass der Idiomatizität keine Beachtung geschenkt wird. Ob der Übersetzer gerade diesen Bestandteil des phraseologischen Ausdrucks oder den Phraseologismus als solchen überhaupt erkennt, ist das Hauptproblem bei Übersetzungen.
Den einleitenden Teil abschließend wird nun die Problematik der Terminologie erwähnt. In dem im „Handbuch Spanisch“ erschienenen Artikel „Phraseologismen und andere fixierte Ausdrücke“ werden Phraseologismen (Ph) und „fixierte Ausdrücke (FA) wie Kollokationen, Formeln, Parömien (Sprichwörter, Sprüche u. ä.)“ (Zuluaga, 2012, S. 257) voneinander getrennt betrachtet. Eine gemeinsame Eigenschaft ist, dass diese Anreihungen von Wörtern in immer denselben Strukturen auftreten. Dies wird phraseologische Fixiertheit genannt (vgl. Zuluaga, 2012, S. 257). Der Einfachheit halber werde ich mich im Verlauf dieser Arbeit an die durch Burger, Campo und Palm vorgegebenen Definitionen halten und den Begriff „Phraseologismus“ für alle Ausdrücke verwenden, die phraseologisch fixiert sind.
Bevor einige Beispiele von Übersetzungen genannt werden können, wird der folgende Teil die generelle Problematik oder auch die besondere Herausforderung des Übersetzens behandeln. Autor_innen verfassen einen Ausgangstext immer in einer bestimmten Situation, die durch kulturspezifische und soziale Umstände beeinflusst wird. Spannend ist bei Übersetzungen aus dem Spanischen, in welcher Region die Verfassenden leben. Es ist offensichtlich, dass nicht nur das lateinamerikanische vom auf der iberischen Halbinsel gesprochenen Spanisch abweicht, sondern auch weitere regionale Unterscheidungen zu machen sind. Im wissenschaftlichen Kontext werden diese, für die Translation notwendigen Unterscheidungen, auch Varietäten genannt. Kennt der oder die Übersetzende bestimmte Ausdrücke oder Phraseologismen nicht, so wird die Übersetzung scheitern, beziehungsweise die vom Autor oder von der Autorin erwünschten Bilder und Assoziationen können nicht hervorgerufen werden (vgl. Cox, 1996, S. 72). Mit anderen Worten: „Übersetzen bedeutet mehr, als etwas sinngetreu wiederzugeben“ (Cox, 1996, S. 72); das Übersetzte muss, einfach formuliert, in den gesamten Kontext passen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Thematik der Übersetzbarkeit von Phraseologismen und Darlegung der zentralen Zielsetzung der Arbeit.
2. Terminologie der Phraseologie: Erläuterung grundlegender Definitionen der Phraseologie, differenziert nach weiterem und engerem Sinne sowie deren theoretische Einordnung.
3. Problematik der Terminologie: Auseinandersetzung mit der Abgrenzung von Phraseologismen zu fixierten Ausdrücken und Festlegung der für die Arbeit verwendeten Terminologie.
4. Herausforderungen beim Übersetzen: Analyse der Schwierigkeiten durch regionale Varietäten, kulturelle Kontexte und die Notwendigkeit der sinnhaften Übertragung.
5. Strategien zur Suche nach Äquivalenzen: Diskussion von Hilfsmitteln wie ideologischen Wörterbüchern und die Notwendigkeit, kulturell eingebettete Bedeutung statt wörtlicher Entsprechung zu suchen.
6. Fallbeispiele aus der Kinder- und Jugendliteratur: Praktische Analyse von Übersetzungen aus Erich Kästners Werk, unterteilt in gelungene und unpassende Übertragungen.
Schlüsselwörter
Phraseologie, Übersetzbarkeit, Übertragbarkeit, Deutsch, Spanisch, Idiomatizität, Äquivalenz, Lexem, Varietät, Translationswissenschaft, Kulturtransfer, Wortverbindungen, Phraseologismus, Translation, Sprachvergleich.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit untersucht die Herausforderungen bei der Übersetzung von festen Wortverbindungen (Phraseologismen) zwischen dem Deutschen und dem Spanischen.
Welche Themenfelder werden zentral behandelt?
Im Mittelpunkt stehen die theoretische Terminologie der Phraseologie, die Problematik der Idiomatizität sowie die praktischen Schwierigkeiten bei der Suche nach Äquivalenzen in verschiedenen Sprachvarietäten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu zeigen, dass beim Übersetzen von Phraseologismen weniger die wortwörtliche Bedeutung als vielmehr die sinnhafte Übertragung in einen passenden kulturellen und sozialen Kontext entscheidend ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin kombiniert eine theoretische Literaturanalyse zu phraselogischen Grundbegriffen mit einer praktischen Analyse von Übersetzungsbeispielen aus der Kinder- und Jugendliteratur.
Welche Aspekte stehen im Hauptteil im Fokus?
Der Hauptteil befasst sich mit der Abgrenzung von Phraseologismen, den Herausforderungen durch regionale Sprachunterschiede und der Analyse konkreter Beispiele aus der Übersetzung von "Emil und die Detektive".
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Phraseologie, Äquivalenz, Translationswissenschaft, Idiomatizität und interkulturelle Sprachvermittlung beschreiben.
Warum ist das Beispiel aus "Emil und die Detektive" so relevant?
Es dient als Vorzeigebeispiel, um zu demonstrieren, wie kreativ Phraseologismen im Übersetzungsprozess behandelt werden können – sowohl erfolgreich durch passende Äquivalente als auch fehlerhaft durch Verlust des phraseologischen Werts.
Welche Rolle spielt die Idiomatizität bei der Übersetzung?
Sie stellt die größte Hürde dar, da die Diskrepanz zwischen wörtlicher und phraseologischer Bedeutung bei Nichtbeachtung zu Missverständnissen oder zum Verlust des humoristischen/umgangssprachlichen Charakters führt.
- Citation du texte
- Malin Boeckers (Auteur), 2018, Übersetzbarkeit und Übertragbarkeit von Phraseologismen am Beispiel des Sprachenpaares Deutsch – Spanisch, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1183274