Finnlands Sonderweg im Zweiten Weltkrieg

Zwischen Kriegs- und Neutralitätspolitik


Hausarbeit (Hauptseminar), 2008

17 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Die Entwicklungen bis Kriegsausbruch
1.1. Finnlands Situation
1.2. Deutsch-finnische Entwicklungen
1.3. Sowjetisch-finnische Entwicklungen

2. Der Kriegsverlauf in Finnland
2.1. Der Winterkrieg
2.2. Der Zwischenfrieden
2.3. Der Fortsetzungskrieg
2.4. Finnlands Rückzug aus dem Krieg

Auswertung

Quellen- und Literaturverzeichnis

Einleitung

Hatte Finnland in den Jahren zwischen den beiden Weltkriegen zunächst unterschiedlichste politische Strategien ausprobiert, so war es in den direkten Vorkriegsjahren, nach schwedischem Vorbild, zu einer Politik der Neutralität die Großmächte betreffend übergegangen. Mit Beginn des Weltkrieges musste es jedoch feststellen, dass es sich dadurch selbst isoliert hatte. Nach dem verlorenem Winterkrieg gegen die Sowjetunion, kämpfte es, neben Deutschland, erneut gegen diese.

Mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs änderte sich das Bild der „Alten Welt“ grundlegend. Das Deutsche Reich lag am Boden und die Siegermächte begannen Europa „neu“ aufzuteilen. Während die westlichen Alliierten einen demokratischen Wiederaufbau verfolgten, begann die Sowjetunion die Gebiete der mit dem Dritten Reich verbündeten, beziehungsweise von diesem besetzen Staaten – Polen, die Tschechische Republik, die Slowakei, Ungarn, Rumänien, und Bulgarien – zu okkupieren und gestaltete diese nach eigenem Vorbild um. Finnland bildet hier die einzige Ausnahme. Weder wurde es von den West-Alliierten besetzt, noch von der Sowjetunion okkupiert oder in das entstehende sowjetische Blocksystem integriert. Es konnte seine, nach der Unabhängigkeit von Russland, errungene Souveränität, seine demokratischen Institutionen, sowie seine marktwirtschaftliche Ordnung und sein Gesellschaftssystem erhalten.

Diese Seminararbeit beschäftigt sich mit der Frage, warum das demokratische Finnland auf der Seite des nationalsozialistischen Deutschlands in den Krieg eintrat und warum es nach dem Ende des Krieges wieder als eigenständiger neutraler Staat weiter existieren durfte.

Der erste Abschnitt dieser Arbeit soll zunächst einen Überblick über die Ausgangslage vor Ausbruch des Krieges geben. Dazu wird kurz auf die Situation Finnlands seit seiner Gründung 1917, auf die Entwicklungen zwischen Finnland und Deutschland, sowie auf die Entwicklungen zwischen Finnland und der Sowjetunion eingegangen werden.

Der Hauptteil beschäftigt sich mit dem Kriegsverlauf in Finnland. Dabei wird in chronologischer Reihenfolge zunächst der Winterkrieg zwischen Finnland und der Sowjetunion betrachtet. Im darauf folgenden Abschnitt soll kurz auf die Zeit zwischen Winter- und Fortsetzungskrieg eingegangen und die Frage wie es zu dieser deutsch- finnischen Zusammenarbeit kommen konnte, näher beleuchtet werden. Im Anschluss daran beschäftigt sich diese Arbeit schließlich mit dem Fortsetzungskrieg. Dabei soll abschließend auf Finnlands Bemühungen zum Austritt aus dem Krieg eingegangen werden.

Den Abschluss bilden dann eine Auswertung des dargelegten Kriegsverlaufes und die Frage, wie Finnland diesen Sonderweg im Kontext des Zweiten Weltkriegs beschreiten konnte.

1. Die Entwicklungen bis Kriegsausbruch

1.1. Finnlands Situation

Am 6. Dezember 1917 erklärte Finnland, welches seit 1809 als Großfürstentum zum Zarenreich gehörte, zeitgleich mit der Machtübernahme der Bolschewiki und des beginnenden russischen Bürgerkrieges, seine Unabhängigkeit von Russland. Lenin sah in der finnischen Selbständigkeit keine Bedrohung der sowjetischen Herrschaft und erkannte diese im Januar 1918 an. Es folgte die Anerkennung durch die skandinavischen Nachbarstaaten, Deutschland und Frankreich.1 Kurz darauf herrschte in Finnland von Januar bis Mai 1918 ein Bürgerkrieg zwischen sozialistischen und konservativen Kräften. Die „Roten Garden“ wurden von den noch in Finnland stationierten revolutionären Soldaten der russischen Armee unterstützt, wodurch der Krieg „auch Züge eines finnisch-russischen Krieges trug“2. Trotzdem gelang es den bürgerlichen Kräften, unter Führung von Carl Gustav Mannerheim, den Krieg für sich zu entscheiden. Der Kern der finnischen Truppen bestand aus dem Jäger-Bataillon 27, das in Deutschland ausgebildet wurde und maßgeblich am Erfolg Mannerheims beteiligt war.3

Durch die Verbindung mit dem russischen Bürgerkrieg, war dieser Krieg aus Sicht der Finnen weniger ein finnischer Bürgerkrieg, als ein Freiheitskrieg gegen Russland. Deshalb blieben die Beziehungen zwischen Finnland und der Sowjetunion in den folgenden Jahren weiter angespannt.4 Die geopolitischen Interessen des mächtigen Russlands bedeuteten von Anfang an eine Gefahr für das finnische Volk. „Die 600jährige Funktion Finnlands als Grenzland und Bastion des schwedischen Reiches gegen die russische Expansion und – vor allem – die bitteren Erfahrungen der Finnen in der letzten Phase der über hundertjährigen Zugehörigkeit zum zaristischen Großreich im Kampf um die Bewahrung der eigenen Identität und Freiheitsräume bestimmte vor allem in den Zwanziger und Dreißiger Jahren das Verhältnis zwischen der Finnischen Republik und dem Sowjetimperium.“5 Die finnischen Interessen bestanden also vornehmlich aus dem Wunsch nach Sicherheit gegenüber der Sowjetunion. Das betraf sowohl die territoriale Integrität als auch den Fortbestand der demokratischen und marktwirtschaftlichen Gesellschaftsordnung. Der große östliche Nachbar galt sowohl als Gefahr für das kapitalistische System als auch für die nationale Selbständigkeit.6

Weil das finnische Parlament befürchtete, in einen Interessenkonflikt mit den Großmächten zu geraten, suchte Finnland mit Beginn der Dreißiger Jahre die Anlehnung an die neutralen skandinavischen Staaten, nachdem eine Zusammenarbeit mit den baltischen Staaten zuvor scheiterte. Seine Sicherheit betreffend musste es im Jahr 1939 in der Folge erkennen, dass es allein stand.7

1.2. Deutsch-finnische Entwicklungen

Seit Gründung der Republik ist Finnland eine gewisse Orientierung in Richtung Deutschland nicht abzusprechen. „Deutschland hatte traditionell großen Einfluss auf die finnische Wissenschaft und Kultur“8. Vor allem in großen Teilen des finnischen Offizierskorps, das seine Grundausbildung überwiegend in Deutschland genossen hatte, gab es eine weit verbreitete Bewunderung für das Deutsche.9 Insgesamt herrschte in den 1920er und 1930er Jahren in Finnland eine anti-sowjetische und pro-deutsche Stimmung vor.10 Dies führte zu einer intensiven finnisch-deutschen Zusammenarbeit auf wirtschaftlichem und militärischem Gebiet. Deutschland wurde ab 1921 zum wichtigsten Importland für Finnland.11 Zunächst setzte sich auch nach der nationalsozialistischen Machtergreifung in Deutschland diese Zusammenarbeit fort. Zwar gab es in Finnland mit der Vaterländischen Volksfront auch eine Bewegung nach faschistischem Vorbild. Doch die Mehrheit der Finnen brachte der Ideologie eine starke Antipathie entgegen, sodass sich diese nicht durchsetzen konnte und das Verhältnis zu Deutschland von da an stetig schlechter wurde.12

Die ersten Reaktionen breiter Kreise der finnischen Öffentlichkeit auf die Entwicklung in Deutschland nach der Machtübernahme Hitlers unterschieden sich im Ganzen nicht von denen in anderen nordeuropäischen Staaten. Charakteristische Züge der faschistischen Ideologie und Politik wie Führerkult und Rassenwahn, vor allem aber der blutige innenpolitische Terror, stießen auf Ablehnung.

[...]


1 Lehmann, Günter, Finnland – Militärpolitik im Schatten einer Großmacht, http://www.sicherheitspolitik-dss.de/gaeste/g1891200.htm, 17.03.2008.

2 Röpstorff, Thomas: Finnland im Spannungsfeld der Großmächte 1939-1941, Kiel 1989, S. 2.

3 Vgl. ebd.

4 Vgl. Bohn, Ingrid: Finnland - Von den Anfängen bis zur Gegenwart, Regensburg 2005, S.206ff.

5 Röpstorff: Finnland im Spannungsfeld, S. 1.

6 Vgl. Menger, Manfred, Deutschland und Finnland im Zweiten Weltkrieg. Genesis und Scheitern einer Militärallianz, Berlin 1988, S.17.

7 Aspelmeier, Dieter: Deutschland und Finnland während der beiden Weltkriege, Hamburg 1967, S. 80.

8 Menger, S. 17.

9 Wegner, Bernd: Finnland und der Zweite Weltkrieg - eine historische Ortsbestimmung (Kommentar zum Vortrag von Prof. Dr. Mauno Jokipii), in: Jäntti / Holtkamp (Hg.): Schicksalsschwere Zeiten, S. 37.

10 Vgl. Lehmann

11 Vgl. Menger, S. 17.

12 Vgl. Aspelmeier, S. 81., siehe hierzu auch Jussila, Osmo/Hentilä, Seppo /Nevakivi, Jukka: Politische Geschichte Finnlands seit 1809 – Vom Großfürstentum zur Europäischen Union, Berlin 1999, S. 183-203.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Finnlands Sonderweg im Zweiten Weltkrieg
Untertitel
Zwischen Kriegs- und Neutralitätspolitik
Hochschule
Universität Rostock
Note
1,7
Autor
Jahr
2008
Seiten
17
Katalognummer
V118329
ISBN (eBook)
9783640213733
ISBN (Buch)
9783640214983
Dateigröße
453 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Finnlands, Sonderweg, Zweiten, Weltkrieg, Winterkrieg, Sowjetunion, Russland
Arbeit zitieren
Raik Dowedeit (Autor), 2008, Finnlands Sonderweg im Zweiten Weltkrieg, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/118329

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