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Antisemitismus und Antizionismus in der DDR

Title: Antisemitismus und Antizionismus in der DDR

Seminar Paper , 2006 , 15 Pages , Grade: 2,0

Autor:in: Mathias Herbst (Author)

Politics - Region: Other States
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Summary Excerpt Details

Die DDR verstand sich als antifaschistischer Staat, wobei sie sich nicht als
Rechtsnachfolgerin des Deutschen Reiches ansah1. Gab es in der DDR
Antisemitismus? Und wenn ja, wie kann ein antifaschistisches Land antisemitisch
sein?
Im Zusammenhang mit der Auseinandersetzung des Themas, fragte ich
verschiedene ehemalige DDR-Bürger, was sie dazu denken. Alle ohne Ausnahme
waren der Meinung, dass es in der DDR keinen Antisemitismus gab, da die DDR ja
als antifaschistisch galt.
Doch war dies wirklich so? Im Folgenden werde ich näher auf die verschiedenen
Formen des Antisemitismus eingehen, eng verbunden mit dem Phänomen des
Antizionismus.
Nach dem Ende des 2. Weltkrieges, wurde das ehemalige Deutsche Reich unter den
Siegermächten aufgeteilt. Aus der amerikanischen, britischen und französischen
Besatzungszone ging später die Bundesrepublik Deutschland hervor, während aus
der sowjetischen Besatzungszone die DDR gegründet wurde. Die DDR verstand sich
nicht als Rechtsnachfolgerin des Deutschen Reiches. Geschaffen werden sollte ein
antifaschistisches sozialistisches, totalitäres System, ganz nach dem Vorbild der
damaligen UdSSR. Durch die antifaschistische Staatsdoktrin sind viele im 2.
Weltkrieg geflüchtete Juden wieder in ihre ehemalige Heimat zurückgekehrt, in der
Hoffnung ein neues, ganz normales Leben ohne Verfolgung und Diskriminierung
aufbauen zu können. Doch scheinbar war dies nicht ganz so einfach, wie von vielen
erhofft.
Die Spitze der DDR war der Meinung, dass man durch die Abschaffung des
Kapitalismus und des Privateigentums alle Ursachen des Faschismus „ausgerottet“
habe. Die Verbrechen, welche an den Juden verübt wurden, waren „nur“
Ablenkungsversuche, um ein kapitalistisches System aufbauen zu können. Genauer
gesagt, richtete sich die Judenvernichtung im Dritten Reich zunächst gegen das
jüdische Proletariat. Später dann ab 1938 wurde die Vernichtung der Juden damit
erklärt, dass es dabei mehr um die monopolistischen Kreise innerhalb des deutschen
Kapitalismus ging, wobei die kapitalistischen Juden eine Art Blitzableiterfunktion
hatten. Die Vernichtung der Juden im Dritten Reich war für die SED nur ein Verbrechen unter vielen. Die Priorität lag nach ihren Aussagen bei der Verfolgung
und Ermordung der kommunistischen Widerstandkämpfer3.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Antizionismus in der DDR

3. Antisemitismus in der DDR

3.1. Der Fall Paul Merker

3.2. Die Lage der jüdischen Gemeinden in der DDR

4. Schlussbemerkung

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle und Ausprägung von Antisemitismus und Antizionismus im politischen System der DDR. Dabei wird insbesondere der Frage nachgegangen, wie sich ein Staat, der sich als antifaschistisch definierte, in seinem Handeln gegenüber jüdischen Bürgern und dem Staat Israel verhielt und welche politischen Mechanismen diesem Handeln zugrunde lagen.

  • Die antifaschistische Staatsdoktrin der DDR und deren Auswirkungen auf die jüdische Bevölkerung.
  • Die Entwicklung des staatlichen Antizionismus in der DDR-Außenpolitik.
  • Der Zusammenhang zwischen stalinistischer Einflussnahme und der Verfolgung jüdischer Akteure in der DDR.
  • Die strukturelle Diskriminierung jüdischer Gemeinden und die Instrumentalisierung des Antisemitismus.

Auszug aus dem Buch

3. Antisemitismus in der DDR

Das Dritte Reich war durch eine konsequente antisemitische Politik bekannt. Nach der Niederlage der deutschen Truppen und der Übernahme und Aufteilung des Deutschen Reiches unter den Besatzungsmächten kam die Hoffnung auf, dass der weit verbreitete Antisemitismus gebrochen war und die Menschen aus ihren Fehlern gelernt hatten. Besonders auf dem Gebiet der sowjetischen Besatzungszone, auf dem sich der deutsche antifaschistische Staat herausbilden sollte, dachte man, Antisemitismus wird in dieser Gesellschaft keine Chance mehr haben. Allerdings belehrt uns die Geschichte etwas Besserem.

Wie bereits erwähnt gab es antijüdische Tendenzen und Kampagnen in der Sowjetunion auf der Grundlage des stalinistischen Systems. Diese Kampagnen wurden dann auf Grund der Besatzungsmacht auch auf die SBZ ausgedehnt.

Der Antisemitismus in der DDR tauchte im Laufe der Jahre immer unterschiedlich auf. Kurz nach dem Ende des 2. Weltkriegs, war man der Meinung, dass der Schock des Holocausts noch so tief sitzt, dass es zu keinem neuen Antisemitismus in diesem Gebiet geben wird. Das war auch der Grund, warum viele Juden wieder in ihre alte Heimat zurückkehrten. Des Weiteren definierte sich die DDR als ein antifaschistischer Staat – und welcher antifaschistische Staat könnte antisemitisch sein? Direkt nach dem Krieg vertraten noch verschiedene Politiker, darunter auch Walter Ulbricht und Wilhelm Pieck die Meinung, dass ein Großteil des deutschen Volkes an den Naziverbrechen schuldig sei. Auch ein Aufruf der KPD im Jahre 1945 sagte, dass Millionen Deutsche blind dem Naziregime verfallen waren.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung hinterfragt den antifaschistischen Selbstanspruch der DDR vor dem Hintergrund, dass auch in diesem Staat antisemitische Tendenzen existierten, und skizziert das Ziel der Untersuchung.

2. Antizionismus in der DDR: Dieses Kapitel erläutert, wie die DDR-Regierung den Zionismus als ideologischen Gegner betrachtete und wie die außenpolitische Haltung gegenüber Israel, insbesondere während des 6-Tage-Krieges, instrumentalisiert wurde.

3. Antisemitismus in der DDR: Das Kapitel analysiert die spezifischen antisemitischen Kampagnen in der DDR und deren ideologische Begründungen innerhalb des sozialistischen Systems.

3.1. Der Fall Paul Merker: Die Ausführungen behandeln den Schauprozess gegen Paul Merker als prominentes Beispiel für die Verfolgung und Diskriminierung, die unter dem Deckmantel des Antizionismus gegen jüdische Funktionäre durchgeführt wurde.

3.2. Die Lage der jüdischen Gemeinden in der DDR: Dieses Kapitel beschreibt die Repressalien gegen jüdische Gemeinden, deren Autonomieverlust und die erschwerten Bedingungen für jüdisches Leben in der DDR.

4. Schlussbemerkung: Die Schlussbemerkung fasst zusammen, dass die DDR den Holocaust nie vollständig aufgearbeitet hat und den Antisemitismus strategisch für innerparteiliche Machtkämpfe instrumentalisierte.

Schlüsselwörter

Antisemitismus, Antizionismus, DDR, SED, Antifaschismus, Holocaust, Paul Merker, Stalinismus, Israel, jüdische Gemeinden, Verfolgung, Diskriminierung, Schauprozess, Ideologie, Außenpolitik.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht das ambivalente Verhältnis der DDR zu jüdischen Bürgern und zum Staat Israel unter Berücksichtigung der offiziellen antifaschistischen Staatsdoktrin.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Im Fokus stehen die staatlich verordnete antizionistische Außenpolitik, die Verfolgung jüdischer Parteimitglieder sowie die strukturelle Unterdrückung jüdischer Gemeinden.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie die DDR trotz ihres antifaschistischen Selbstverständnisses antisemitische Ressentiments in der Bevölkerung und auf politischer Ebene instrumentalisierte.

Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?

Die Untersuchung basiert auf einer historischen Analyse von Literatur, parteipolitischen Beschlüssen und der Auswertung zeithistorischer Berichte.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil analysiert den Antizionismus in der Außenpolitik, die spezifische Verfolgung durch Prozesse (wie im Fall Paul Merker) und den Umgang mit jüdischen Institutionen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Antisemitismus, Antizionismus, SED-Politik, Antifaschismus und der Umgang mit dem Erbe des Nationalsozialismus in der DDR.

Welche Rolle spielte der Fall Paul Merker in der DDR?

Der Fall Merker diente als zentrales Beispiel für die antisemitischen Schauprozesse, bei denen hochrangigen Funktionären zionistische Umtriebe unterstellt wurden, um sie politisch zu diskreditieren.

Warum änderte sich die Haltung der DDR gegenüber Israel Ende der 1980er Jahre?

Die Kursänderung war primär wirtschaftlich motiviert, da die marode DDR-Wirtschaft Kredite aus dem Westen benötigte und die USA Bedingungen für eine Normalisierung der Beziehungen knüpften.

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Details

Title
Antisemitismus und Antizionismus in der DDR
College
Otto-von-Guericke-University Magdeburg  (Institut für Politikwissenschaft)
Course
Antisemitismus im europäischen Vergleich
Grade
2,0
Author
Mathias Herbst (Author)
Publication Year
2006
Pages
15
Catalog Number
V118343
ISBN (eBook)
9783640215058
ISBN (Book)
9783640215157
Language
German
Tags
Antisemitismus Antizionismus Antisemitismus Vergleich
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Mathias Herbst (Author), 2006, Antisemitismus und Antizionismus in der DDR, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/118343
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