Die folgende Arbeit beschäftigt sich mit den kulturellen Ursachen von Umweltzerstörung und stellt in diesen Zusammenhang die Frage, ob die Ursachen des fatalen Umgangs mit der Natur religiöser Art sind.
Eng damit verbunden sind die Fragen, welchen Einfluss die christliche Naturtheologie auf das Entstehen eines anthropozentrischen Weltbildes sowie auf das Entstehen eines Fortschrittoptimismus, der die Wahrnehmung ökologischer Probleme lange Zeit verhinderte, ausübte.
Deshalb wird zunächst untersucht, ob das sog. „Dominum terrae – Gesetz“ des Alten Testaments die Vorraussetzung für ein anthropozentrisches Weltbild bildete.
Danach beschäftigt sich diese Arbeit mit der christlichen Naturtheologie bzw. mit der Verschmelzung antiker und christlicher Naturvorstellungen, da diese die geistesgeschichtliche Wurzeln des Naturbildes der New Science, mit deren Entstehen ein fataler Umgang mit der äußeren Natur eng verbunden ist, bildete.
Da auch der kapitalistischen Ökonomie ein großer Einfluss auf die Zerstörung der Umwelt nachgesagt wird, befasst sich diese Arbeit im 4. Kapitel mit den metaphysischen Grundlagen der naturwissenschaftlichen und technischen Naturbeherrschung sowie der modernen Ökonomie und fragt nach ihren christlichen Hintergründen.
Als bedeutende Vertreter ihrer jeweiligen Disziplin werden Francis Bacon, der Vater der modernen Naturwissenschaften, sowie Adam Smith, der Begründer der klassischen Ökonomie, genauer unter die Lupe genommen.
Zu beachten ist, das es sich bei dieser Arbeit zu einem großen Teil um die Übernahme von theoretischen Konstrukten wissenschaftlicher Arbeiten handelt.
Um die Fragestellung nach den religiösen Ursachen beantworten zu können, muss man sich zunächst einmal mit der Frage beschäftigen, ob kulturelle Prädispositionen das Umweltverhalten der Menschen denn überhaupt in relevanter Weise beeinflussen können?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Vorüberlegungen: Können kulturelle Prädispositionen Umweltverhalten in relevanter Weise beeinflussen?
3. Die christliche Anthropozentrik
3.1 Das Dominium terrae - Gesetz
3.2 Die Verschmelzung christlicher und antiker Naturvorstellungen
4. Die metaphysischen Grundlagen der naturwissenschaftlichen und technischen Naturbeherrschung sowie der modernen Ökonomie
4.1 Das symbolische Feld der „oeconomia naturae“
4. 2 Der Fortschrittoptimismus
4.3 Die Mechanisierung des Weltbildes
4.4 Francis Bacons Programm der Naturbeherrschung
4.5 Die ökonomische Gesellschaftstheorie des Adam Smith
5.Schlussteil
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen kulturellen Prädispositionen, insbesondere christlich geprägten religiösen Vorstellungen, und dem fatalen Umgang des Menschen mit seiner natürlichen Umwelt. Die zentrale Forschungsfrage ist, ob die historischen Wurzeln der modernen Umweltkrise religiöser Art sind und inwieweit metaphysische Konzepte die naturwissenschaftliche und ökonomische Naturbeherrschung beeinflusst haben.
- Einfluss der christlichen Naturtheologie auf das anthropozentrische Weltbild
- Bedeutung des „Dominum terrae“-Gesetzes für die Naturwahrnehmung
- Rolle des Fortschrittoptimismus und der Mechanisierung des Weltbildes
- Analyse der Ansätze von Francis Bacon und Adam Smith im historischen Kontext
Auszug aus dem Buch
4.1 Das symbolische Feld der „oeconomia naturae“
Ein symbolisches Feld „übergreift einzelne Wissensgebiete und bildet [...] einen Verdichtungsraum von Grundplausibilitäten über den Aufbau der Welt.“
Das symbolische Feld der „oeconomia naturae“ geht von einer teleologisch und gesetzlich geordneten Wirklichkeit aus. Die Natur ist also harmonisch, gut und vollkommen. Die Natur wurde von Gott so eingerichtet, das sie nach Abschluss des Schöpfungsakts sich selbst überlassen werden kann.
Die Ökonomie der Natur bzw. das „design of nature – Argument“ stützt sich hauptsächlich auf die Annahme, das es sehr unwahrscheinlich ist, dass aus chaotischen Bewegungen komplexe Ordnungen entstehen können. Die Ordnung ist daher auf ein ordnendes Prinzip bzw. auf eine Intention zurückzuführen.
Diese optimistische Vorstellung vom harmonischem Naturhaushalt war seit der Mitte des 17. Jahrhunderts dominant und blieb bis ins 18. Jahrhundert, bis zur französischen Revolution, vorherrschend. Die Gegner der Revolution reaktivierten das Modell der „natura lapsa“, nach der die Natur wegen dem Sündenfall der Menschheit, einem ständigen Verfall ausgesetzt ist (decay of nature).
Dieses Feld bestimmte dann die politische Ideologie der Gegenrevolution und dann der Konservation. Dennoch behielt das Optimismusprogramm noch in weiten Bereichen seine motivierende und orientierende Kraft bis in unser Jahrhundert und sorgte dafür, das eine angemessene Wahrnehmung unserer Gesellschaft für ökologische Probleme lange Zeit nicht entstand.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit führt in die Fragestellung ein, ob religiöse Ursachen den heutigen Umgang mit der Natur maßgeblich mitbestimmt haben.
2. Vorüberlegungen: Können kulturelle Prädispositionen Umweltverhalten in relevanter Weise beeinflussen?: Es wird dargelegt, warum zur historischen Rekonstruktion des Naturverhältnisses die Kultur und nicht das Individuum als Untersuchungsgegenstand dienen muss.
3. Die christliche Anthropozentrik: Dieses Kapitel hinterfragt die Rolle des biblischen „Dominum terrae“-Gebots und die Verschmelzung antiker und christlicher Naturvorstellungen.
4. Die metaphysischen Grundlagen der naturwissenschaftlichen und technischen Naturbeherrschung sowie der modernen Ökonomie: Hier werden die metaphysischen Konzepte der New Science und der klassischen Ökonomie anhand von Schlüsseldenkern analysiert.
5.Schlussteil: Das Fazit stellt fest, dass die Umweltkrise nicht auf eine einzige Ursache reduzierbar ist, ordnet aber die christliche Metaphysik als grundlegende Rückversicherung für die moderne Naturbeherrschung ein.
Schlüsselwörter
Umweltgeschichte, Anthropozentrik, Dominium terrae, Naturbeherrschung, New Science, Christliche Naturtheologie, Oeconomia naturae, Fortschrittoptimismus, Mechanisierung, Francis Bacon, Adam Smith, Umweltzerstörung, Metaphysik, Naturverhältnis, Kapitalistische Ökonomie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die kulturellen und insbesondere religiösen Ursachen, die dem modernen, fatalen Umgang des Menschen mit der Natur zugrunde liegen.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Fokus stehen die christliche Naturtheologie, die Entwicklung anthropozentrischer Weltbilder sowie die wissenschafts- und ökonomiegeschichtlichen Grundlagen der Naturbeherrschung.
Was ist die primäre Forschungsfrage der Arbeit?
Die Arbeit geht der Frage nach, ob die historischen Wurzeln der modernen Umweltkrise religiöser Art sind und wie diese das heutige Umweltverhalten prägen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?
Die Arbeit nutzt eine kulturwissenschaftliche Analyse von theoretischen Konstrukten und historischen Denkmustern, um religiöse Einflüsse auf Naturvorstellungen aufzuzeigen.
Welche Inhalte werden im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit dem „Dominum terrae“-Gebot, der Mechanisierung des Weltbildes sowie den Programmen von Francis Bacon und Adam Smith unter dem Aspekt ihrer christlichen Hintergründe.
Welche Schlagworte charakterisieren diese Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Anthropozentrik, Naturbeherrschung, Fortschrittoptimismus, Oeconomia naturae und Umweltgeschichte.
Inwiefern hat der „Fortschrittoptimismus“ die Umweltwahrnehmung beeinflusst?
Der Fortschrittoptimismus schuf ein Vertrauen in die Unerschöpflichkeit der Natur und verhinderte durch den Glauben an eine „glanzvoll angeordnete Zukunft“ lange Zeit die Wahrnehmung ökologischer Probleme.
Warum wird Adam Smith in dieser umweltgeschichtlichen Arbeit analysiert?
Smith wird als Begründer der klassischen Ökonomie untersucht, da seine Gesellschaftstheorie eine selbstregulierte Harmonie annimmt, die auf den metaphysischen Grundlagen der „oeconomia naturae“ basiert.
- Citation du texte
- Magister Artium Dennis Barkmin (Auteur), 2002, Die kulturellen Ursachen von Umweltzerstörung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/118402