Zunächst befasst sich diese Hausarbeit mit den linguistischen Grundlagen der s-Schreibung. Als Basis dienen hierbei Lotzes Aufsatz "ß-Schreibung bei neutralisierter Artikulation der s-Laute" sowie Peter Gallmanns Skript "Wortschreibung - s-Laute und s-Schreibung". Darauf aufbauend erfolgt eine tiefgründige Aufgabenanalyse am Beispiel des Lehrbuchs "Wortstark plus 5" sowie dem dazugehörigen Werkstattheft aus dem Jahr 2009 vom Schroedel-Verlag. Um zu klären, ob der Einsatz des Lehrmaterials im Deutschunterricht sinnvoll wäre, sollen die einzelnen Aufgaben nach inhaltlicher Richtigkeit, Relevanz für den Lernfortschritt sowie didaktischer Konzeption bewertet werden. Anschließend stellt die Arbeit im dritten Schritt Unterrichtsalternativen vor, welche die Vermittlung der s-Schreibung vereinfachen können. Neben der bereits aufgeführten Fachliteratur werden dazu der Rechtschreibrahmen Baden-Württembergs sowie Laser und Rieglers Aufsatz Entdeckungen am <ß> einbezogen. Abschließend sollen im Fazit die wichtigsten Punkte aller Abschnitte zusammengefasst werden, um einen Gesamtüberblick zu geben.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die linguistischen Grundlagen der s-Schreibung
3. Beispielanalyse Wortstark plus 5
3.1 Fachwissenschaftliche Analyse
3.2 Fachdidaktische Analyse
4. Alternative Vermittlungsansätze zur s-Schreibung
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht kritisch die Vermittlung der s-Schreibung im Deutschunterricht. Dabei wird analysiert, inwieweit aktuelles Lehrmaterial den fachwissenschaftlichen Erkenntnissen über s-Laute und regionale Aussprachevarietäten (insbesondere der s-Neutralisierung) gerecht wird, um daraus didaktische Handlungsempfehlungen abzuleiten.
- Linguistische Grundlagen der s-Laute und s-Schreibung
- Kritische Analyse des Lehrmaterials "Wortstark plus 5"
- Problematik der s-Neutralisierung in verschiedenen Dialektregionen
- Fachdidaktische Evaluation von Rechtschreibgesprächen
- Entwicklung und Diskussion alternativer Vermittlungsansätze
Auszug aus dem Buch
3.1 Fachwissenschaftliche Analyse
Sowohl Lehrbuch als auch Werkstattheft nehmen eine Dreiteilung der Thematik vor und beginnen mit der Überschrift „s-Laute – mal so, mal so“. Im Buch soll zunächst anhand mehrerer Wortpaare ein Rechtschreibgespräch geführt werden, wobei der Fokus der Lernenden auf die Sonorität gerichtet wird. Die Grundlage zum Erlernen der s-Schreibung bildet demnach die Stimmbeteiligung bei der Aussprache der s-Laute. Mithilfe von Bienensummen und Schlangenzischen wird im Heft ebenso der Unterschied von stimmhaftem [z] und stimmlosem [s] hervorgehoben. Ein ausschließlich an der Stimmhaftigkeit orientierter Zugang ist jedoch nicht schülergerecht, da auf diese Weise distinktivere Merkmale ausgeblendet werden und eine Differenzierung der s-Laute extrem schwer fällt.
Darüberhinaus thematisiert das Lehrmaterial nicht die Problematik der s-Neutralisation, weshalb Schüler*innen, deren Artikulation von einem „Zusammenfall der beiden standardsprachlichen s-Laute“ (Lotze 2016: 260) betroffen ist, hier ein künstlicher Zugang zur s-Schreibung vorgegeben wird. In ihrer Alltagssprache realisieren sie den artikulatorischen Unterschied von [z] und [s] nicht, weshalb ihnen die Basis für das vom Lehrmaterial vorgeschlagene Vorgehen schlichtweg fehlt. Dadurch besteht die Gefahr, dass jene in Selbstzweifel verfallen und sich als persönlich unfähig betrachten (vgl. Lotze 2016: 263). Um dies zu vermeiden, müsste bereits an dieser Stelle interveniert und eine angemessene Erklärung für Fünftklässler*innen gefunden werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik der s-Schreibung ein und erläutert die Zielsetzung der Arbeit, Lehrmaterialien auf Basis fachwissenschaftlicher Erkenntnisse zu prüfen.
2. Die linguistischen Grundlagen der s-Schreibung: Dieses Kapitel erläutert die phonologischen Besonderheiten der s-Laute und die Herausforderungen durch regionale Aussprachevarietäten wie die Neutralisierung.
3. Beispielanalyse Wortstark plus 5: Hier erfolgt eine detaillierte fachwissenschaftliche und fachdidaktische Untersuchung des Lehrbuchs und des Werkstatthefts hinsichtlich ihrer Eignung für den Unterricht.
4. Alternative Vermittlungsansätze zur s-Schreibung: In diesem Teil werden alternative didaktische Konzepte vorgestellt, die regionale Varietäten berücksichtigen und Lernenden den Erwerb der s-Schreibung erleichtern sollen.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und betont die Notwendigkeit einer differenzierten, schülergerechten Didaktik, die über einfache Ausspracheübungen hinausgeht.
Schlüsselwörter
s-Schreibung, Orthografieunterricht, s-Neutralisierung, Fachdidaktik, Rechtschreibgespräch, Phonologie, Sonorität, Lehrbuchanalyse, Artikulation, Sprachbewusstsein, Lernwörter, Deutschunterricht.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert kritisch, wie das Thema s-Schreibung im aktuellen Deutschunterricht und in gängigen Lehrwerken vermittelt wird.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die linguistischen Grundlagen der s-Laute, die Problematik der s-Neutralisierung in Dialekten und die fachdidaktische Aufbereitung dieser Inhalte.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu klären, ob das analysierte Lehrmaterial den fachwissenschaftlichen Anforderungen entspricht und wie eine schülergerechte Vermittlung gestaltet sein sollte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine fachwissenschaftliche und fachdidaktische Aufgabenanalyse auf Basis aktueller linguistischer Forschungsliteratur.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil erfolgt eine kritische Beispielanalyse des Werks "Wortstark plus 5" sowie die Vorstellung alternativer, didaktisch reflektierter Lösungsansätze.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie s-Schreibung, Orthografieunterricht, s-Neutralisierung, Fachdidaktik und Rechtschreibstrategien charakterisiert.
Warum wird der rein an der Stimmhaftigkeit orientierte Ansatz kritisiert?
Der Ansatz wird kritisiert, weil er in Regionen mit s-Neutralisierung für Schüler zu erheblichen Verständnisproblemen führt und fachwissenschaftlich veraltet ist.
Welche Rolle spielt die "s-Neutralisierung" für den Unterricht?
Die s-Neutralisierung bedeutet, dass Schüler in manchen Regionen keinen auditiven Unterschied zwischen den s-Lauten hören, weshalb ein Unterricht, der nur auf diesen Unterschied setzt, für sie unbrauchbar ist.
Welche Alternative wird für die Eszett-Schreibung vorgeschlagen?
Es wird vorgeschlagen, Wörter mit Eszett verstärkt als Merkwörter zu behandeln und die Rechtschreibstrategien durch Vokallängenanalyse und Wortfamilienbildung zu unterstützen.
- Quote paper
- Felix Hutschenreuter (Author), 2021, Herausforderungen der s-Schreibung im Orthografieunterricht, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1184304