Im Folgenden soll ein Überblick darüber gegeben werden, wie sich konkret die politische Gewalt – Stichwort latenter Bürgerkrieg – in den letzten Jahren der Weimarer Republik vollzogen hat. Ein Schwerpunkt soll dabei auf den Zeitraum unter dem Kabinett von Papen gelegt werden. Um jedoch die Entwicklung der politischen Geschehnisse im Zusammenhang mit der Gewalt besser nachvollziehen zu können, wird zunächst auf die beiden Jahre zuvor unter dem Kabinett Brüning eingegangen. Zur Vervollständigung wir ebenso in kurzem Umfang das Kabinett Schleicher mit Blick auf die vorliegende Thematik abgehandelt. Als literarische Basis werden dabei vorwiegend die Werke „Weimars Ende“ von Dirk Blasius sowie „Politische Gewalt in der Weimarer Republik 1918 – 1933“ von Dirk Schumann dienen. Die restliche verwendete Lektüre gehört zur Forschungsliteratur, die – wie erwähnt – den Bürgerkriegs-Aspekt lediglich am Rande behandelt.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
I.) Kabinett Brüning: Die Jahre 1930 – 1931
II.) Das Kabinett von Papen: Das blutige Jahr 1932
II.1) Die politische Lage spitzt sich zu: Ohlau und Altona
II.2) Die Potempa-Problematik
II.3) Das Ende des Kabinetts von Papen: Wahlkämpfe und ein „Kriegsspiel“
III.) Das Kabinett von Schleicher: vergebliches Streben nach „innerem Frieden“
Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Stellenwert politischer Gewalt in den letzten Jahren der Weimarer Republik und analysiert, inwiefern ein latentes Bürgerkriegsszenario die Regierungsführung der Kabinette Brüning, von Papen und Schleicher beeinflusste und zu staatlichen Gegenmaßnahmen führte.
- Analyse politischer Auseinandersetzungen zwischen paramilitärischen Verbänden.
- Untersuchung der Regierungsstrategien und Notverordnungen zur Sicherung der Staatsautorität.
- Darstellung eskalierender Ereignisse wie des „Altonaer Blutsonntags“ und der „Potempa-Problematik“.
- Beleuchtung des Zusammenhangs zwischen Bürgerkriegsangst und politischem Machtverfall.
Auszug aus dem Buch
Die politische Lage spitzt sich zu: Ohlau und Altona
Die Vossische Zeitung, ein liberales Organ der bürgerlichen Presse mit unabhängigen Status, beschrieb heftige, politische Auseinandersetzungen: „Auf den Straßen knallen Schüsse. Täglich werden Verletzte als Opfer der Unruhestifter in die Spitale gebracht, sind Tote zu beklagen. Es ist, als wenn ein Blutrausch die Menschen ergriffen hätte […]“ Die Zeitungen stellten mit diversen, schwammigen Umschreibungen vom Bürgerkriegsbegriff die Furcht der Bevölkerung vor den innerpolitischen Geschehnissen heraus.
Neben der NSDAP gehörte die KPD zu den Hauptverantwortlichen für die Zuspitzung der politischen Kämpfe im Juli-Wahlkampf `32. Die Kommunisten reagierten auf ihre Weise auf die Aufhebung des SA-Verbots. Ein von Gewalt geprägter Sprachstil in vielen Proklamationen der KPD provozierte weitere Ausschreitungen. Der Berliner Polizeipräsident Grzesinski wies entsprechend Nationalsozialisten und Kommunisten politische Verantwortlichkeit zu.
Am 10. Juli `32 erreichten die Unruhen einen Höhepunkt in Form von einer heftigen Straßenschlacht in der schlesischen Kreisstadt Ohlau. Während eines Treffens von Reichsbanner und Eiserne Front kamen SA-Mitglieder von einem Sportfest aus in den Ort. Mitglieder der beiden Kampfverbände prügelten zunächst auf SA-Männer ein, ein Mitglied des Reichsbanners erschoss dabei zwei Nationalsozialisten. 13 weitere Menschen wurden verletzt. Der Kampf wurde schließlich durch Eingreifen von Polizei-Einheiten beendet, die Nationalsozialisten forderten dennoch im Nachhinein den Ausnahmezustand und die Absetzung des sozialdemokratischen Polizeipräsidenten. (S. 64) Sie brachten die Regierung in Zugzwang, indem sie sich als Opfer des Bürgerkriegs darstellten, obwohl sie ihn anderweitig selbst forcierten.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung definiert den Begriff des Bürgerkriegs und skizziert die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der politischen Gewalt in der Endphase der Weimarer Republik unter den Kabinetten Brüning, von Papen und Schleicher.
I.) Kabinett Brüning: Die Jahre 1930 – 1931: Dieses Kapitel behandelt die Zunahme paramilitärischer Gewalt durch die verschiedenen politischen Kampfverbände und die Versuche der Regierung Brüning, mit Notverordnungen gegen die politische Terrorisierung vorzugehen.
II.) Das Kabinett von Papen: Das blutige Jahr 1932: Der Fokus liegt auf der Eskalation der Gewalt im Jahr 1932, insbesondere durch die Aufhebung des SA-Verbots, sowie den einschneidenden Ereignissen wie dem Preußenschlag.
II.1) Die politische Lage spitzt sich zu: Ohlau und Altona: Dieses Unterkapitel analysiert konkrete Gewaltexzesse und deren medialen sowie politischen Nachhall, wobei die Ereignisse in Ohlau und der Altonaer Blutsonntag im Mittelpunkt stehen.
II.2) Die Potempa-Problematik: Hier wird der Fall der Ermordung eines KPD-Mitglieds in Potempa untersucht, der zu einem politischen Machtkampf um die Anwendung des neuen, verschärften Strafrechts führte.
II.3) Das Ende des Kabinetts von Papen: Wahlkämpfe und ein „Kriegsspiel“: Dieses Kapitel beschreibt das Scheitern von Papens Regierung an der Verschärfung der innenpolitischen Lage und dem militärischen „Kriegsspiel“ Otts.
III.) Das Kabinett von Schleicher: vergebliches Streben nach „innerem Frieden“: Es wird Schleichers gescheiterter Versuch dargestellt, durch eine Politik des „inneren Friedens“ und eine Querfront-Strategie die Lage zu beruhigen und die Republik zu stabilisieren.
Zusammenfassung: Die Zusammenfassung resümiert den Einfluss der politischen Gewalt auf den Regierungsalltag und den letztendlichen Zusammenbruch der Weimarer Demokratie.
Schlüsselwörter
Weimarer Republik, Politische Gewalt, Bürgerkrieg, Reichspräsidialkabinette, NSDAP, KPD, SA, Notverordnungen, Preußenschlag, Altonaer Blutsonntag, Potempa-Problematik, Staatsautorität, Reichsbanner, Straßenkämpfe, Weimarer Verfassung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Rolle politischer Gewalt in der Endphase der Weimarer Republik und untersucht, wie die verschiedenen Regierungen mit den bürgerkriegsähnlichen Zuständen umgingen.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Zentrum stehen die Auseinandersetzungen zwischen paramilitärischen Organisationen, die staatlichen Reaktionen der Präsidialkabinette sowie die Auswirkungen der zunehmenden Gewalt auf die Stabilität der Weimarer Demokratie.
Was ist die Forschungsfrage der Arbeit?
Die Arbeit untersucht, wie sich die politische Gewalt in den letzten Jahren der Weimarer Republik konkret vollzog und welchen Stellenwert das „Bürgerkriegsszenario“ für die Regierungen der Zeit einnahm.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine historische Analyse, die primär auf einschlägiger Forschungsliteratur (insbesondere Dirk Blasius und Dirk Schumann) sowie zeitgenössischen Dokumenten und Berichten basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil bietet eine chronologische Betrachtung der Regierungszeiten von Brüning, von Papen und Schleicher unter dem speziellen Fokus der politischen Instabilität und Gewalt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind Weimarer Republik, politische Gewalt, Bürgerkrieg, NSDAP, KPD, Notverordnungen und der Machtverfall der demokratischen Institutionen.
Welche Bedeutung hatte der sogenannte „Preußenschlag“ für die politische Situation 1932?
Der Preußenschlag diente als Maßnahme gegen den vermeintlichen Bürgerkrieg, untergrub jedoch die demokratischen Strukturen, indem die preußische Regierung abgesetzt wurde.
Warum konnte die Regierung von Papen das „Potempa-Problem“ nicht erfolgreich lösen?
Obwohl die Täter verurteilt wurden, führte der politische Druck von Seiten der Nationalsozialisten und die gleichzeitige Begnadigung der Täter zur Legitimierung eines inkonsequenten politischen Kurses, der das Vertrauen in die Staatsautorität weiter schwächte.
Warum blieb Schleichers Streben nach „innerem Frieden“ erfolglos?
Trotz Bemühungen, durch Straffreiheitsgesetze und das Zurückfahren von Notverordnungen eine Einigung der Parteien zu erzielen, verhinderte die generelle politische Polarisierung und der Widerstand Hindenburgs eine Stabilisierung der Situation.
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- Simon Schmitz (Author), 2008, Latenter Bürgerkrieg. Die politische Gewalt in den letzten Jahren der Weimarer Republik. Das Kabinett von Papen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1184426