Innerhalb dieser Hausarbeit möchte ich die zentralen Angelpunke von Identität und Legitimität, um die Herkunftserzählungen kreisen, anhand der Historia Langobardorum des Paulus Diaconus näher betrachten. Der Langobarde Paulus Diaconus gilt als einer der bedeutendsten Historiographen des Mittelalters. In seinem Werk Historia Langobardorum zeichnet er die Geschichte seines Volkes nach und zwar zu einem Zeitpunkt, als das Langobardenreich bereits dem Frankenreich zugehörte. Eine Identitätsstiftung und Legitimierung im Kontext einer Herrschaft nach dem Untergang erscheint eigentlich nicht mehr sinnvoll. Dieses Umfeld des Autors führte zu spezifischen Schwerpunkten bei der Identitäts- und Legitimitätsstiftung. Um dies möglichst genau zu erfassen, ist es sinnvoll, den Geschichtsschreiber und sein Werk zunächst in den historiographischen Kontext einzuordnen.
Dabei soll die Überlieferung hier nicht im Sinn der klassischen Quellenkunde auf ihre Authentizität und ihren Tatsachengehalt befragt werden, sondern als Ganzes Untersuchungsgegenstand bleiben. Geschichte war für den historiographischen Geschichtenerzähler Paulus nicht beliebig als Stoff verfügbar, auch wenn er sie bis zu einem gewissen Grad gestalten konnte. Die Spuren dieser Auseinandersetzung eines Geschichtsschreibers mit seiner Geschichte sollen hier an einem Text und seiner Intention skizziert werden. Es soll deutlich werden, wie Paulus auf die Brüche und Widersprüche seiner Situation antwortete, was sich unter anderem in der Vielschichtigkeit des Textes widerspiegelt. Vor diesem Hintergrund kann der anschließende zweite Teil besser erkannt und bewertet werden. Hier steht nun die Darstellung der identitäts- und legitimitätsstiftenden Elemente der Historia Langobardorum im Mittelpunkt.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Auseinandersetzung mit der Geschichte
2.1 Paulus Diaconus und die Historia Langobardorum
2.2 Die Vielschichtigkeit der Historia Langobardorum
2.2.1 Vollständigkeit
2.2.2 Intention und Leserschicht
3 Elemente der Identitäts- und Legitimitätsstiftung
3.1 Der Ursprung der Langobarden
3.2 Das Bild der Könige und Herzöge
3.3 Abgrenzung von den anderen
4 Resümee und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht anhand der "Historia Langobardorum" des Paulus Diaconus, wie Herkunftserzählungen im Frühmittelalter zur Identitätsstiftung und zur Legitimierung politischer Ordnung eingesetzt wurden, insbesondere vor dem Hintergrund des Untergangs des Langobardenreiches und der fränkischen Herrschaft.
- Analyse der "Historia Langobardorum" als historisches Quellenwerk
- Untersuchung von Identitätskonstruktionen durch Herkunftsmythen
- Erforschung der Rolle von Herrschaftslegitimation im Kontext politischer Umbrüche
- Betrachtung der Abgrenzung zu anderen Völkern (Byzantiner, Franken, etc.)
- Einordnung des Werkes in den historiographischen Kontext des Mittelalters
Auszug aus dem Buch
2.1 Paulus Diaconus und die Historia Langobardorum
Paulus Diaconus entstammte einer angesehenen langobardischen Adelsfamilie aus dem Herzogtum Friaul, die 569 im Gefolge König Alboins nach Italien gelangte und die laut eigenen Erzählungen des Paulus auf eine lange Geschichte zurückblicken konnte.
Der junge Paulus genoss am langobardischen Königshof zu Pavia eine gediegene grammatisch-rhetorische und juristische Ausbildung, die noch von der Tradition römischer Bildung lebte.
Zu keinem langobardischen König gewann Paulus ein so vertrautes Verhältnis wie später zu Karl und dessen Hof, auch wenn er zumindest nach Ausweis späterer Quellen zeitweise als Schreiber und politischer Berater bei König Desiderius, dem letzten Langobardenkönig, beschäftigt war. Vor dem Untergang des Langobardenreiches im Jahr 774 schrieb Paulus seine Historia Romana, ein für Herzog Arichis und seine Frau Adelperga, der Tochter des letzten Langobardenkönigs Desiderius, in 16 Büchern verfasstes Werk.
Sieben Jahre nach der Verbannung seines Bruders Arichis, der an einem Aufstand des Herzogs Rodgauds vom Friaul beteiligt war, begab sich Paulus an den Hof Karls des Großen um mit einem Gedicht die Freilassung seines aufständischen Bruders zu erwirken. Von diesem Zeitpunkt an verschrieb sich Paulus ganz dem Dienst an der karolingischen Sache, wie besonders an den Gesta archiepiscoporum Mettensium deutlich wird.
Auf die Gesta folgten kleinere Werke, ehe Paulus sich in seinen letzten Lebensjahren, nachdem er sich nach Montecassino zurückgezogen hatte, der Arbeit an seinem berühmtesten Werk widmete, der Geschichte des Langobardenvolkes, der Historia Langobardorum. Die Darstellung der Ereignisse erfolgt aus langobardischer Sicht und stellt die wichtigste Quelle zu ihrer Geschichte dar. Mit diesem Werk setzt Paulus seinem Volk ein unvergängliches Denkmal, und das zu einem Zeitpunkt, als das Langobardenreich im eigentlichen Sinn nicht mehr existierte. Schließlich war mit dem erfolgreichen Italienzug Karls des Großen im Jahr 774 das souveräne langobardische Königreich von der historischen Bildfläche verschwunden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik der Identitäts- und Legitimitätsstiftung durch Herkunftsmythen ein und stellt das Werk des Paulus Diaconus als zentralen Untersuchungsgegenstand vor.
2 Auseinandersetzung mit der Geschichte: In diesem Kapitel wird Paulus Diaconus biographisch und historiographisch eingeordnet sowie die Komplexität, Vollständigkeit und Intention der Historia Langobardorum diskutiert.
3 Elemente der Identitäts- und Legitimitätsstiftung: Dieses Kapitel analysiert konkrete Mechanismen im Text, wie den Ursprung der Langobarden, das Königsbild und die Abgrenzung zu anderen Völkern, um die politische Intention des Autors aufzudecken.
4 Resümee und Ausblick: Das Schlusskapitel fasst die zentralen Erkenntnisse über Paulus' Umgang mit der langobardischen Geschichte zusammen und reflektiert über das bleibende Erbe der Langobarden im abendländischen Kulturkreis.
Schlüsselwörter
Identität, Legitimität, Paulus Diaconus, Historia Langobardorum, Langobarden, Frühmittelalter, Herkunftserzählung, Geschichtsschreibung, Königsherrschaft, Frankenreich, Ideologie, Herrschaftslegitimation, Ethnogenese, Mittelalter, Regnum Langobardorum.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die Konzepte von Identität und politischer Legitimität, wie sie Paulus Diaconus in seinem Werk Historia Langobardorum darstellt, besonders im Kontext des Zusammenbruchs des Langobardenreiches.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Zentrum stehen die Funktion von Herkunftsmythen, die Rolle des Königtums bei der Integration eines Volkes und die Einbettung der Langobardengeschichte in den christlich-fränkischen Kontext.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es zu analysieren, ob und wie Paulus Diaconus sein Geschichtswerk nutzte, um Identität für die Langobarden zu stiften oder stattdessen primär die Herrschaft der Franken zu legitimieren.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit verwendet eine historiographische Quellenanalyse, bei der der Text als Auseinandersetzung des Autors mit seiner Zeit und den politischen Verhältnissen (Franken vs. Langobarden) betrachtet wird.
Was wird schwerpunktmäßig im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Ursprungssagen, die Charakterisierung der Könige und Herzöge sowie die Art und Weise, wie sich die Langobarden in der Darstellung des Autors von anderen Völkern abgrenzen.
Welche Schlagworte charakterisieren die Arbeit?
Identitätsstiftung, Legitimität, Paulus Diaconus, Historia Langobardorum, Ethnogenese, Frühmittelalter, Geschichtsschreibung, Herrschaftslegitimation.
Warum spielt die Frage nach der Vollständigkeit des Werkes eine Rolle?
Die Frage nach der Vollständigkeit ist entscheidend, da das plötzliche Ende des Textes Rückschlüsse darauf zulässt, ob der Autor bewusst bestimmte politische Phasen ausklammerte oder das Werk aufgrund seines Todes unvollendet blieb.
Inwiefern beeinflusste die fränkische Herrschaft die Darstellung des Paulus?
Da Paulus unter fränkischer Herrschaft schrieb, diente das Werk auch dazu, die neue Ordnung unter Karl dem Großen zu legitimieren und Handlungsanweisungen für die Führungsschicht zu geben.
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- Caterina Herold (Author), 2008, Entwürfe der Identität und Legitimität im europäischen Mittelalter: Paulus Diaconus und die Historia Langobardorum, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/118481