Der Umgang des öffentlich-rechtlichen Fernsehens in Deutschland mit esoterischen Inhalten


Hausarbeit, 1998
12 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einführung

2. Die offene Diskussion

3. Versteckte Esoterik im Fernsehen

4. Schlussfolgerung

5. Literaturverzeichnis

1 EINFÜHRUNG

Die Geschichte der Esoterik im modernen Rahmen beginnt mit den Spiritisten und Okkultisten des 19. Jahrhunderts. Zahlreiche Elemente dieser Geistesströmungen sind bis heute aktuell in der Beweisführung und Weltsicht der Esoteriker. Deutlich wird dies zum Beispiel in Äußerungen wie der Erich von Dänikens, „jahrhundertelanges Nachdenken von klugen und sicherlich integren Gelehrten“ habe „weder Antworten noch Beweise erbracht zur Frage von Gott und den Göttern.“[1]

Hier tritt bereits ein Musterbeispiel für esoterisches Denken auf, das schon typisch war für Okkultisten wie die Anhänger des „Golden Dawn“, nämlich einfach nur Antworten zu geben auf Probleme, die man selbst erfunden hat. Falsche und verfälschte Rückgriffe auf angebliches Geheimwissen alter Kulturen sind dafür nach wie vor en vogue: für die Okkultisten war es das Wissen der Druiden, obwohl das ja, laut Caesar, nur von Druidenmund zu Druidenohr weitergegeben wurde, für die Esoteriker sind es Ägypten, China und Tibet.

Solche Verdrehungen sind sogar oft zwischen den Zeilen eingestanden, so z.B., wenn Gregoire Kolpaktchy sich wünscht: „Aus diesem Schweigen wird eine esoterische Ägyptologie entstehen können.“[2]

Ausdehnen kann man diese Denkweise, die nach Geheimnissen sucht und nicht nach Antworten, auf alle Gebiete: Ursprüngliche Romane werden zu Tatsachenberichten, wie im Fall des „Picknick am Valentinstag“, einem Roman von Joan Lindsay von 1967, der noch heute durch die UFO- Literatur als Fallbeispiel geistert;[3] oder der Volksglaube muss herhalten als Kramkiste für angeblich jahrhundertealte Mythen, wie der um die Vampire und Graf Dracula, der erstmals fassbar wird in Militärgerichtsakten der k.u.k.-Monarchie über eine geheimnisvolle Epidemie 1725 im serbischen Ort Kisolova, ohne jeden Bezug zum historischen Vlad Draculea Tepes aus dem 16. Jhd., der Zeit der Türkenkriege, den dann erst Bram Stoker 1897 herstellte.[4]

Eine Grundvoraussetzung für die weite Akzeptanz solchen Umgangs mit Geschichte und Wissen ist, dass Themenbereiche angesprochen werden, die nur als Halbwissen, wenn überhaupt, Eingang in die Allgemeinbildung gefunden haben. Also beispielsweise alle Wissensgebiete, für deren Untersuchung Kenntnisse alter und seltener Sprachen vonnöten sind:

Ägyptologie, Sinologie oder die verschiedenen Theologien der großen Religionen. Daraus resultieren dann Vorwürfe an die Schulwissenschaft seitens der Esoteriker wie der Erich von Dänikens: „Seit x-Generationen streiten sich die klugen Köpfe über den Sinn irgendeines Wörtchens, über den Stamm einer Silbe, die Bedeutung eines Anhängsels.“[5] Stattdessen fordert er die Anerkennung von Intuition und Phantasie als Hilfsmittel in der Wissenschaft.[6]

Solchen Argumentationen ist schwer genug zu begegnen, wenn sie schwarz auf weiß gedruckt vorliegen. Dargeboten im Fernsehen, unter dem Zeitdruck durch den vom Sendeplan eng begrenzten Rahmen und die stark komprimierte Darstellung mit Hauptakzent auf dem Bild, sind sie für den in der Materie nicht Bewanderten kaum zu durchdenken.

Einige Sendungen grenzen dabei hart an Gehirnwäsche.[7] Andererseits sind auch zu stark auf ein rein wissenschaftliches Denken fixierte Anti-Esoteriker oftmals mit geradezu inquisitorischem Eifer bei der Sache und missbrauchen das Medium Fernsehen in eigentlich derselben Weise, wie die „Missionare“ der Esoteriker.[8]

Am bedeutendsten aber ist die bereits erfolgte Durchdringung der Allgemeinbildung mit esoterischen „Erkenntnissen“ und die Rolle, die das Fernsehen als einer der Hauptbildungsvermittler in unserer Kultur dabei spielt.

Diese Hausarbeit möchte zunächst Beispiele aufweisen für die offene Diskussion der beiden Positionen pro und contra Esoterik in den Programmen der öffentlich-rechtlichen Sender. Anschließend soll die Rolle dieser Sender bei der Vermittlung esoterischer Ansichten in Sendungen, die vordergründig gar nichts mit dieser Thematik zu tun haben, untersucht werden. In erster Linie werde ich mich dabei als Beispiel an die Serie „Die großen Rätsel“ (WDR) halten.

2 Die offene Diskussion

Seit dem Aufkommen des allgemeinen Interesses an der Esoterik in der Folge der 68er-Bewegung mit Bhagwan, Flower-Power und ökologischem Bewusstsein drangen bestimmte Denkmuster in die Allgemeinbildung ein. So begann beispielsweise in Anlehnung an den „Edlen Wilden“ Karl Mays in der Folge Jean-Jacques Rousseaus die Überhöhung der Indianer zu den Heiligen der erstarkenden Ökologiebewegung, allen historischen Erkenntnissen über Umweltzerstörung in präkolumbianischer Zeit zum Trotz. Auf dieser Welle schwimmt auch Kevin Costner, Lakota-Sioux ehrenhalber seit seinem Film „Der mit dem Wolf tanzt“,[9] mit seiner Serie „500 nations“.[10]

Hier zeichnet er wieder dasselbe verklärte Bild vom naturverbundenen Indianer, der dem bösartigen Weisen schutzlos ausgeliefert ist. Die Fakten der historischen Ereignisse der Eroberung Amerikas sind wahrhaftig kein Ruhmesblatt der Menschheitsgeschichte; trotzdem müssen die Tatsachen in jedem Fall für beide Seiten berücksichtigt werden.

Dagegen treten von Zeit zu Zeit beherzte Dokumentationsfilmer an, die den Mut aufbringen, dem Zeitgeist zu trotzen oder doch wenigstens zu versuchen, die vorhandenen Vorstellungen ein wenig mehr mit den Erkenntnissen der ernsthaften Wissenschaft in Einklang zu bringen.

Bemerkenswerte Beispiele dafür sind z.B. die beiden Dokumentationen des Hessischen Rundfunks „Indianer - die besseren Umweltschützer?“[11], deren erste Folge sich mit generellen Mythen um die Indianer beschäftigt, im zweiten Teil dann auf die besonders verehrten Hopi eingeht. Auch hier werden die unbestrittenen Verbrechen der Weißen an den Indianern nicht beschönigt oder bestritten; allerdings erfährt hier der interessierte Zuschauer, dass z.B. die Wüstenbildung in den U.S.-Bundesstaaten Arizona und New Mexico zumindest zum Teil auf indianische Aktivitäten zurückgehen; geradezu Ketzerei in den Ohren vieler Ökologen, beispielsweise bei Greenpeace.[12]

Wirklich interessant im Zusammenhang mit der Esoterikwelle werden solche Berichte dann, wenn aus solchen Informationen, woher auch immer sie stammen mögen, ein fester Bestandteil der Allgemeinbildung geworden ist, wie es durch den hohen Stellenwert, den die Ökologie glücklicherweise mittlerweile in Deutschland hat, geschehen ist. Hier dienen solche Vorbilder wie die Indianer, ob berechtigt oder nicht, durchaus lobenswerten Zielen wie der Vermittlung der Bedeutung des Umweltschutzes an Kinder. Wichtig ist aber festzuhalten, dass durch die selektive Wahrnehmung der Fakten eine unwissenschaftliche Herangehensweise auch auf anderen Gebieten den Kindern als durchaus üblich und möglich vermittelt wird.

Anders ist es, wenn es um endgültig esoterische Ideen geht, deren Vermittlung sich dann nämlich der eben beschriebenen Techniken bedient: Historische Tatsachen werden nur selektiv verarbeitet, Fachkenntnisse außen vor gelassen und wissenschaftliche Methodik durch Phantasie ersetzt. Im Fall von UFOs ist das besonders schön nachzuweisen.

[...]


[1] Hausdorf, S. 9

[2] Kolpaktchy, S. 54

[3] Weltbild 1, S. 49 ff

[4] Terra X 1995: Draculas Schatten

[5] Hausdorf, S. 9 - 10

[6] Hausdorf, S. 11

[7] UFOs - es gibt sie doch! NDR 1994

[8] UFOs - es gibt sie doch! Diskussion, NDR 1994

[9] TIG-Productions 1994

[10] 500 nations: Deutsche Fernsehfassung WDR 1997

[11] Aus Wissenschaft und Forschung, hr, 12. und 19.02.1995

[12] persönliche Gespräche mit Greenpeace-Angehörigen in Neuharlingersiel, 1995

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Der Umgang des öffentlich-rechtlichen Fernsehens in Deutschland mit esoterischen Inhalten
Hochschule
Philipps-Universität Marburg  (ev. Theologie Fachbereich Praktische Theologie)
Veranstaltung
Seminar
Note
2,0
Autor
Jahr
1998
Seiten
12
Katalognummer
V118483
ISBN (eBook)
9783640215461
ISBN (Buch)
9783640215522
Dateigröße
425 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Umgang, Fernsehens, Deutschland, Inhalten, Seminar
Arbeit zitieren
Dipl. theol. Christoph Kaiser (Autor), 1998, Der Umgang des öffentlich-rechtlichen Fernsehens in Deutschland mit esoterischen Inhalten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/118483

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