„Das Krankenhaus, in dem es um Geburt, um Krankheit und Gesundheit, um Sterben und Tod geht, stellt eine gesellschaftliche Einrichtung der personenbezogenen Dienstleistungen von ganz besonderer existenzieller Bedeutung für den Einzelnen und für die Gesellschaft dar. Diese gesellschaftliche Einrichtung ist den Ansprüchen der Professionalität und Humanität sowie dem Anspruch der Wirtschaftlichkeit ausgesetzt, woraus sich spezifische Spannungen
und Zielkonflikte ergeben.“ Wie aus dieser Definition abzuleiten ist, ist das Krankenhaus ein soziales Gebilde, das sich mit Multidimensionalität auszeichnet und das viele Schnittstellen zwischen Professionen und Funktionsbereiche aufweist. Das Krankenhaus wird als „ein eigener Mikrokosmos“ gesehen. Seine inneren Ablaufprozesse sind von erheblichem Wandel beeinflusst. Dieser Wandel hat einen normativ-rechtlichen Charakter und führt maßgeblich zu
Veränderungen im Krankenhausgeschehen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1. Problemstellung der Arbeit
1.2. Zielsetzung und Aufbau der Arbeit
2. Ausgangssituation und Handlungsbedarf für die deutschen Krankenhäuser
2.1. Auswirkungen der veränderten Rahmenbedingungen
2.2. Prognosen für die Krankenhauslandschaft
3. Theoretische Grundlagen neuer Versorgungsformen
3.1. Integrierte Versorgung (IV)
3.1.1. Gesetzliche Änderungen im Überblick
3.1.2. Leistungsgegenstand
3.1.3. Möglichkeiten der Vertragsgestaltung
3.1.4. Stellenwert der Krankenhäuser in der IV
3.2. Organisationen der IV am Beispiel verschiedener IV-Instrumente
3.2.1. Disease Management
3.2.2. Klinische Behandlungspfade
3.3. Mögliche Ansätze und Betriebsstrukturen innerhalb der IV
3.3.1. Managed Care als Lösungsansatz für Probleme des deutschen Gesundheitswesens
3.3.2. Das Medizinische Versorgungszentrum (MVZ) als innovative Versorgungsform
3.3.3. Das MVZ als Bestandteil der Managed Care-Systematik
3.4. Der Netzwerk- und Kooperationsgedanke in der IV
4. Umsetzung neuer Versorgungswege in deutschen Krankenhäusern
4.1. Populationsbezogene Modelle der IV
4.1.1. Das Managed Care-Krankenhaus
4.1.2. Das MVZ (§95 SGB V)
4.1.3. Das Versorgungsmanagement unter dem Prinzip des §73c SGB V
4.2. Gesetzliche Variante der Teilnahme von Krankenhäusern an der ambulanten Versorgung (§116b SGB V)
4.2.1. Krankenhausambulanz im Rahmen von DMPs (§116b Abs. 1 SGB V)
4.2.2. Krankenhausambulanz bei hoch spezialisierten Leistungen, bei Behandlungen seltener Erkrankungen und Erkrankungen mit besonderem Behandlungsablauf (§116b Abs. 2-5 SGB V)
4.3. Zusammenfassung
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die strategische Neuausrichtung deutscher Krankenhäuser im Kontext des demographischen Wandels sowie ordnungspolitischer Reformen. Zentrale Forschungsfrage ist, inwieweit die Integrierte Versorgung (IV) sowie neue Kooperationsformen wie Medizinische Versorgungszentren (MVZ) und Managed Care-Modelle als zukunftsfähige Lösungsansätze dienen können, um Schnittstellenprobleme im Gesundheitswesen zu überwinden und die Wettbewerbsposition stationärer Leistungserbringer zu sichern.
- Herausforderungen des stationären Sektors durch DRGs und Budgetierung
- Strukturelle Grundlagen der Integrierten Versorgung (IV)
- Managed Care als Steuerungsinstrument im Krankenhausumfeld
- Das Medizinische Versorgungszentrum (MVZ) als Bindeglied zwischen ambulanter und stationärer Versorgung
- Netzwerk- und Kooperationsmodelle als Instrumente der Zukunftssicherung
Auszug aus dem Buch
3.3.1. Managed Care als Lösungsansatz für Probleme des deutschen Gesundheitswesens
Erste Managed Care-Ansätze entstanden zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts in den USA. Als erste Managed Care-Organisation (MCO) gilt die Western Clinic in Tacoma, Washington (gegründet im Jahre 1910), die für einen monatlichen Beitrag von 90 (US)-Cent eine umfassende medizinische Versorgung anbot. Inzwischen sind in den USA fast drei Viertel der Arbeitnehmer, die über ihren Arbeitgeber versichert sind, Mitglied in einer Managed Care-Organisation.
In der Literatur wird darauf verwiesen, dass der Begriff Managed Care nicht einheitlich verwendet wird und sich seit ungefähr zwanzig Jahren mit der Entwicklung neuer Versorgungsformen ständig weiterentwickelt. Zu den Hauptzielen von Managed Care zählen die Verbesserung der Behandlungsqualität und die Ökonomisierung der Medizin. Als konstituierende Merkmale sind die Beteiligung der Leistungserbringer am Versichertenrisiko und die Vernetzung von Leistungserbringern zu nennen. An dieser Stelle sollen ohne Anspruch auf Vollständigkeit einige Definitionen dargestellt werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Rolle des Krankenhauses als soziales Gebilde und definiert den Handlungsbedarf des stationären Sektors aufgrund sektoraler Fragmentierung.
2. Ausgangssituation und Handlungsbedarf für die deutschen Krankenhäuser: Dieses Kapitel analysiert die ordnungspolitischen Rahmenbedingungen, insbesondere die Auswirkungen von Fallpauschalen (DRGs) und den steigenden unternehmerischen Druck.
3. Theoretische Grundlagen neuer Versorgungsformen: Hier werden die Konzepte der Integrierten Versorgung (IV), Managed Care und Medizinische Versorgungszentren (MVZ) theoretisch fundiert und als institutionelle Antworten auf Systemdefizite definiert.
4. Umsetzung neuer Versorgungswege in deutschen Krankenhäusern: Das Kapitel bietet eine praxisorientierte Analyse konkreter Modelle wie Managed Care-Krankenhäuser, MVZ-Gründungen und spezielle ambulante Versorgungsformen nach §116b SGB V.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Notwendigkeit einer strategischen Neuausrichtung zusammen und unterstreicht, dass die Transformation hin zu integrierten Versorgungsstrukturen ein langfristiger Prozess bleibt.
Schlüsselwörter
Integrierte Versorgung, Krankenhausmanagement, Managed Care, Medizinische Versorgungszentren, MVZ, DRG, Gesundheitsökonomie, Patientensteuerung, Schnittstellenmanagement, ambulante Öffnung, stationäre Versorgung, Disease Management Programme, DMPs, Kooperation, Netzwerk.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Diplomarbeit primär?
Die Arbeit befasst sich mit der veränderten Rolle deutscher Krankenhäuser in einem sich dynamisch wandelnden Gesundheitsmarkt und untersucht, wie neue integrierte Versorgungsansätze zur Existenzsicherung beitragen können.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Zentrale Themen sind die Einführung von Fallpauschalen, die Möglichkeiten zur ambulanten Öffnung von Kliniken, Konzepte der Integrierten Versorgung sowie die strategische Gründung von Medizinischen Versorgungszentren.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Chancen und Motivationen stationärer Leistungserbringer für die Implementierung integrativer Modelle zu beleuchten und Wege aus der sektoralen Fragmentierung aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?
Die Diplomarbeit verfolgt eine deskriptive Vorgehensweise, die aktuelle gesetzliche Entwicklungen und bestehende Versorgungsansätze auf Basis des derzeitigen Wissensstandes zusammenführt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Erarbeitung der IV-Grundlagen und eine praxisbezogene Analyse von Modellen wie Managed Care-Krankenhäusern und MVZ-Gründungen.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich der Kern der Arbeit beschreiben?
Die Arbeit lässt sich am besten durch Begriffe wie Integrierte Versorgung, stationäre Öffnung, Medizinische Versorgungszentren, Kooperation und Prozessoptimierung charakterisieren.
Wie unterscheidet sich das MVZ von der bisherigen Krankenhausambulanz?
Im Gegensatz zu restriktiven Ermächtigungen ermöglicht das MVZ eine vollumfängliche, fachübergreifende Teilnahme an der ambulanten Versorgung ohne Bindung an persönliche Einzelerlaubnisse.
Welche Rolle spielen Managed Care-Strategien im Krankenhaus?
Sie dienen als Steuerungsinstrument, um durch Qualitätssicherung, Cost Management und Gate-Keeper-Systeme die Versorgungsprozesse effizienter zu gestalten und Patientenströme gezielt zu lenken.
Warum ist die "Ambulanisierung" für Krankenhäuser relevant?
Aufgrund sinkender Verweildauern und wirtschaftlichen Drucks durch das DRG-System ermöglicht sie es Krankenhäusern, ihr Leistungsportfolio zu erweitern und stationären Aufwand effizient in den ambulanten Sektor zu verlagern.
- Citation du texte
- Gergana Toncheva (Auteur), 2008, Die neue Rolle der Krankenhäuser unter besonderer Berücksichtigung der Integrationsversorgung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/118506