Unternehmen sehen sich einer zunehmend schwierigeren Marktlage ausgesetzt. Das Angebot übertrifft die Nachfrage, was zu steigenden Anforderungen der Kunden führt. Resultierend hat sich das Qualitätsverständnis von der eindimensionalen Produktqualität zu einem mehrdimensionalen Qualitätsbegriff entwickelt.
Das Total Quality Management als umfassendes Qualitätskonzept begegnet dieser Entwicklung mit einem erweiterten Kundenbegriff. Aus Blickwinkel des TQM müssen zur Schaffung von Qualität alle Betroffenen auch zu Beteiligten werden. Die Anforderungen aller (internen, externen, direkten und indirekten) Kunden werden zur Basis und ihr Erreichen oder gar Übertreffen zum Ziel des unternehmerischen Handelns. Um dies zu ermöglichen müssen die Kundenerwartungen identifiziert und die Prozesse zur Umsetzung kontinuierlich optimiert werden.
Anders als zuvor bekannte Ansätze von Qualitätsmanagementsystemen ist TQM als ein integratives Managementsystem zu begreifen, welches Qualität ins Zentrum des unternehmerischen Handelns stellt. Es verbindet die Techniken zur Schaffung von Qualität nach dem mehrdimensionalen Begriff mit einem umfassenden Verständnis für die sozialen Zusammenhänge einer Organisation. Man spricht vom TQM daher auch als Management eines sozio- technischen Systems.
Die Umsetzung des TQM bedeutet in erster Linie die Änderung der Unternehmenskultur und damit der Denkweise aller Mitarbeiter. Statt starrer Hierarchien verlangt eine nach TQM – Prinzipien arbeitende Organisation nach flexiblen, flachen Strukturen. Teamarbeit wird zum Arbeitsumfeld, in dem Mitarbeiter deutlich mehr Kompetenzen und Verantwortung erhalten. Um diese Herausforderungen auch erfüllen zu können, wird Qualifizierung und Weiterbildung essentiell. Aufgabe der Vorgesetzten wird die Motivation und Unterstützung der Mitarbeiter durch Schaffung optimaler Arbeitsbedingungen. Dazu gehört insbesondere ein lockeres, auf Vertrauen aufbauendes Arbeitsklima.
Diese Änderungsanforderungen machen die Einführung des TQM zu einem äußerst anspruchsvollen und langwierigen Prozess. Damit er trotzdem gelingt, können z. B. die Modelle von Quality Awards herangezogen werden. Der Kriterienkatalog des MBNQA, sowie das Modell der EFQM werden vorgestellt. Es wird aufgezeigt, wie die Selbstbewertung nach diesen Konzepten als Implementierungshilfe dienen, und die Hauptursachen für das Scheitern einer TQM – Einführung durch die systematische und schrittweise Vorgehensweise vermieden werden können.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Qualität - Eine Begriffsklärung
2.1 Definitionsansätze nach Garvin
2.1.1 Die transzendente oder absolute Sichtweise
2.1.2 Die produktbezogene Sichtweise
2.1.3 Die anwenderbezogene Sichtweise
2.1.4 Die fertigungsbezogene Sichtweise
2.1.5 Die wertbezogene Sichtweise
2.2 Qualitätsmerkmale nach Oess
2.3 Der mehrdimensionale Qualitätsbegriff im TQM
3 Entwicklung der Qualitätskonzepte - Von der Qualitätsprüfung zum Qualitätsmanagement
4 Normierung von Qualitätsmanagementsystemen
4.1 Historischer Überblick
4.2 Die ISO 9000 – Reihe
5 Prozess- und Kundenorientierung nach ISO 9000
5.1 Prozesse – Eine Begriffsklärung
5.2 Die Prozessorientierung im weitesten Sinne
5.3 Die Kundenorientierung
6 Prozess- und Kundenorientierung im TQM
6.1 Die Prozessorientierung im engeren Sinne
6.2 Der erweiterte Kundenbegriff im TQM
6.2.1 Der direkte Kunde
6.2.2 Der indirekte Kunde
7 TQM - integratives Management eines sozio-technischen Systems
7.1 TQM – Definition
7.2 Merkmale des TQM
7.3 Die TQM - Philosophie als Voraussetzung einer erfolgreichen Umsetzung
7.4 Das sozio- technische System
7.4.1 Das soziale System
7.4.2 Das technische System
8 Quality Awards als Implementierungshilfe von TQM
8.1 Der Malcolm Baldrige National Quality Award (MBNQA)
8.2 Der European Quality Award (EQA)
8.3 Kritische Würdigung der Quality Awards und ihrer Modelle
8.3.1 Selbstbewertung als grundlegende Implementierungshilfe
9 TQM in der Kritik - Darstellung und Auswege
9.1 Implementierungsschwierigkeiten – Hauptkritikpunkte am TQM
9.2 Ursachen für Implementierungsschwierigkeiten
10 Zusammenfassende Bewertung
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit zielt darauf ab, das Konzept des Total Quality Management (TQM) als integratives Managementkonzept darzustellen, seine Voraussetzungen zu analysieren und kritisch zu hinterfragen, um aufzuzeigen, wie es langfristig die Zukunftsfähigkeit von Unternehmen sichern kann.
- Grundlagen und Definitionen von Qualität
- Entwicklung von der klassischen Qualitätsprüfung zum TQM
- Prozess- und Kundenorientierung (ISO 9000 vs. TQM)
- Rolle von Quality Awards (MBNQA und EFQM) bei der Implementierung
- Kritische Analyse von Implementierungsschwierigkeiten
Auszug aus dem Buch
7.4 Das sozio- technische System
Ein sozio- technisches System besteht aus dem technischen Subsystem, dem sozialen Subsystem, sowie engen Beziehungen zwischen diesen beiden. Aufgrund der Beziehungen der Subsysteme untereinander reicht eine Gestaltung der Einzelsysteme zur Optimierung des Gesamtsystems nicht aus. Stattdessen müssen beide Systeme so miteinander verknüpft werden, dass sowohl die Potentiale des technischen, als auch des sozialen Systems bestmöglich genutzt werden. Dies ist Aufgabe des TQM, welches damit zum integrativen Managementkonzept wird, solange es wirklich umfassend verstanden und umgesetzt wird.
Bild 10 stellt diesen Ansatz in enger Anlehnung an Oess vor. Das Spinnennetz symbolisiert dabei die enge und komplizierte Verknüpfung der beiden Subsysteme.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den Wandel der globalen Marktbedingungen und die zunehmende Bedeutung von Qualität als strategischer Wettbewerbsvorteil.
2 Qualität - Eine Begriffsklärung: Dieses Kapitel differenziert verschiedene Qualitätsansätze und führt den mehrdimensionalen Qualitätsbegriff ein, der als Ausgangspunkt für TQM dient.
3 Entwicklung der Qualitätskonzepte - Von der Qualitätsprüfung zum Qualitätsmanagement: Hier wird der historische Wandel von der einfachen Endkontrolle hin zu umfassenden Qualitätsmanagementsystemen in vier Stufen beschrieben.
4 Normierung von Qualitätsmanagementsystemen: Das Kapitel erläutert die Bedeutung und Entstehungsgeschichte der ISO 9000-Reihe als internationaler Standard.
5 Prozess- und Kundenorientierung nach ISO 9000: Hier werden die prozessorientierten Ansätze der Norm ISO 9000 und deren Fokus auf die Erfüllung von Kundenanforderungen detailliert.
6 Prozess- und Kundenorientierung im TQM: Das Kapitel grenzt das TQM-Verständnis der Prozess- und Kundenorientierung von der ISO 9000 ab und führt den erweiterten Kundenbegriff (interne/indirekte Kunden) ein.
7 TQM - integratives Management eines sozio-technischen Systems: Dieses Kapitel definiert TQM als ganzheitliches Führungskonzept, das soziale und technische Aspekte zu einem integrativen Ganzen verbindet.
8 Quality Awards als Implementierungshilfe von TQM: Es wird analysiert, wie Modelle wie der MBNQA oder der EFQM als strukturierte Werkzeuge zur Implementierung von TQM dienen können.
9 TQM in der Kritik - Darstellung und Auswege: Hier werden häufige Kritikpunkte an TQM adressiert und Lösungsansätze für eine erfolgreiche Implementierung aufgezeigt.
10 Zusammenfassende Bewertung: Das abschließende Kapitel resümiert das Potenzial von TQM als effektives Mittel zur strategischen Unternehmensführung.
Schlüsselwörter
Total Quality Management, Qualitätsmanagement, Prozessorientierung, Kundenorientierung, Sozio-technisches System, ISO 9000, MBNQA, EFQM, Qualitätsmodell, Unternehmensführung, Prozessmanagement, Selbstbewertung, Nullfehlerprinzip, Stakeholder, Wettbewerbsvorteil
Häufig gestellte Fragen
Was ist das Hauptanliegen dieser Arbeit?
Die Arbeit untersucht das Total Quality Management (TQM) als ganzheitliches Managementkonzept und bewertet dessen Eignung zur langfristigen Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen.
Welche zentralen Themen werden behandelt?
Die zentralen Themen umfassen die Definition von Qualität, die historische Entwicklung von Qualitätsmanagement, den Vergleich zwischen ISO 9000 und TQM sowie die Bedeutung von Quality Awards für die praktische Umsetzung.
Was ist das primäre Ziel des TQM laut der Arbeit?
Das primäre Ziel ist die Schaffung einer Qualität, die alle Prozesse und Ebenen durchdringt und Kundenanforderungen durch kontinuierliche Verbesserung nicht nur erfüllt, sondern übertrifft.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär genutzt?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse und einer deskriptiven Darstellung von Modellen, unterstützt durch aktuelle Managementtheorien und Fallbeispiele aus der Praxis.
Was steht im Fokus des Hauptteils?
Der Hauptteil analysiert die Verbindung von sozialen und technischen Subsystemen innerhalb einer Organisation und zeigt auf, wie man durch Selbstbewertungsprozesse die TQM-Implementierung steuern kann.
Welche Keywords beschreiben diese Arbeit am besten?
Die wichtigsten Schlagworte sind TQM, Prozessorientierung, Kundenorientierung, Sozio-technisches System, MBNQA und EFQM.
Wie unterscheidet sich der Kundenbegriff im TQM von der ISO 9000?
Während die ISO 9000 primär den externen Kunden im Fokus hat, erweitert das TQM diesen Begriff massiv, indem es Mitarbeiter als interne Kunden und gesellschaftliche Gruppen als indirekte Kunden (Stakeholder) explizit einbezieht.
Warum wird die Selbstbewertung als entscheidend für die Implementierung angesehen?
Die Selbstbewertung dient als Werkzeug zur Standortbestimmung und Fortschrittskontrolle, das Unternehmen hilft, Schwachstellen zu identifizieren und die gesamte Organisation auf die TQM-Prinzipien auszurichten.
Welche Rolle spielt die Führung laut dem Autor?
Die Führung trägt die absolute Vorbildrolle; ohne ein klares Engagement und die Übersetzung der TQM-Philosophie in die Unternehmenskultur ist ein Gelingen der Einführung laut dem Autor nicht möglich.
- Quote paper
- Roy Jaekelmann (Author), 2007, Total Quality Management - Darstellung, Voraussetzungen und Kritik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/118518