Wie beeinflusste die NS-Ideologie den Unterricht in der Volksschulunterstufe zwischen 1933 und 1940?
Um einen Einblick in die Veränderungen der Unterrichtsinhalte in der Volksschule zu bekommen, wird im zweiten Kapitel zunächst die Volksschule vor der Machtergreifung während der Weimarer Republik beleuchtet. Darauf folgt dann die Darstellung der ersten Veränderungen in der Schule unmittelbar nach der Machtergreifung Adolf Hitlers 1933. Nachdem im dritten Kapitel die NS-Ideologie der Nationalsozialisten näher betrachtet wurde, wird im vierten Kapitel zunächst auf die allgemeinen Erziehungsziele des Nationalsozialismus eingegangen, die von Adolf Hitler und seinen politischen Sympathisanten manifestiert wurden. Dabei wird auch der Unterschied zum Erziehungsverständnis in der Weimarer Republik aufgezeigt. Anschließend werden in Kapitel fünf die gelehrten Unterrichtsinhalte und die damit verbundene Ideologievermittlung untersucht. Ein besonderes Augenmerk wird dabei auf das Fach Heimatkunde und die Themengebiete Rassenkunde und Vererbungslehre gelegt. Im Anschluss daran wird ein Blick auf den Sportunterricht als weiteres wichtiges Fach im bestehenden Fächerkanon der Volksschulunterstufe geworfen. In diesem Kapitel wird dabei vor allem Bezug zu den Richtlinien für die Erziehung und den Unterricht in der Volksschule genommen, die im Jahre 1937 und 1939 erschienen sind. Abschließend wird im Fazit noch einmal Bezug zu der Frage genommen, inwiefern die NS-Ideologie den Unterricht und das Fächerrepertoire der Volksschulunterstufe beeinflusst haben.
Inhaltsverzeichnis
1.Einleitung
2. Die Volksschule im Nationalsozialismus
2.1 Die Volksschule im Wandel
2.2 Der Stellenwert der Volksschule im Nationalsozialismus
3. Elemente der nationalsozialistisch zu vermittelnden Ideologie
3.1 Die Rassenideologie
3.1.1 Rassenkunde
3.1.2 Antisemitismus
3.2 Das Führer-Gefolgschaftsprinzip
3.3 Die Volksgemeinschaftsideologie
3.4 Das Eliteprinzip
4. Erziehung in der Volksschulunterstufe
4.1 Allgemeine Erziehungsziele im Nationalsozialismus
4.2 Das oberste Erziehungsziel der Schule
5. Unterricht in der Volksschulunterstufe
5.1 Der „Bildungsauftrag“ der Volksschulunterstufe
5.2 Veränderungen im Fächerkanon der Volksschulunterstufe
5.2.1 Reichsrichtlinien der unteren vier Jahrgänge von 1939
5.2.2 Veränderungen im Fach Heimatkunde
5.2.3 Die Rolle des Sportunterrichts im Nationalsozialismus
5.2.4 Veränderungen im Stundenrepertoire der Mädchen und Jungen
5.2.5 Einführung neuer Unterrichtsgebiete
5.3 Veränderungen der Methoden, Lernformen und Verhaltensweisen der Lehrenden in der Volksschule
6. Schluss/Fazit
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Hausarbeit untersucht die spezifischen Veränderungen in der Erziehung und dem Unterricht in der Volksschulunterstufe zwischen 1933 und 1940. Dabei liegt der Fokus darauf, wie die nationalsozialistische Ideologie die Bildungsziele, Lehrinhalte und Methoden grundlegend umgestaltete, um die Schülerinnen und Schüler auf die Anforderungen des NS-Staates vorzubereiten.
- Strukturelle Neuausrichtung des Schulwesens durch ideologische Vorgaben
- Vermittlung von Rassenideologie, Führerkult und Volksgemeinschaftsgedanken
- Anpassung des Fächerkanons und Einführung neuer Unterrichtsgebiete wie der „Stunde der Nation“
- Rolle des Sportunterrichts als Instrument vormilitärischer Erziehung
- Veränderung der Lehrerrolle und der didaktischen Methoden zur ideologischen Beeinflussung
Auszug aus dem Buch
3.1.1 Rassenkunde
Kernpunkt von Hitlers Ausführungen in seinem Buch Mein Kampf ist der Rassengedanke. Unter den Begriff Rasse wird eine Gruppe von Menschen verstanden, die über weitgehend gleiche leibliche und seelische Eigenschaften verfügen (vgl. Günther 1934, S. 6). Im Verständnis der NS-Rassenkunde wurde von insgesamt fünf vorkommenden Hauptrassen ausgegangen: der nordischen, westischen, dinarischen, ostischen sowie der ostbaltischen und fälischen Rasse. Die nordische Rasse stellte dabei das rassische Ideal des Nationalsozialismus dar (vgl. Günther 1934, S. 22). Hitler beschrieb die nordisch-arische Rasse als schöpferische Rasse, der die menschliche Kultur sowie alle Ergebnisse von Kunst, Wissenschaft und Technik zu verdanken ist (vgl. Hitler 1932, S. 317 in: Nyssen 1979, S. 20). Dem gegenüber standen nach Hitler die außereuropäischen Rassen (vgl. Ortmeyer 1996, S. 25).
In einem Amtsblatt des Reichsministeriums für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung im Jahre 1935 wird die besondere Bedeutung der nordischen Rasse gegenüber der anderen Rassen erneut deutlich. Hier wird ausdrücklich betont, dass „das nordisch-bestimmte Rassengemisch des heutigen deutschen Volkes gegenüber andersrassigen, fremdvölkischen Gruppen, besonders also dem Judentum gegenüber herausgestellt werden“ (Reichsministerium für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung 1935, S. 44) muss.
Das NS-rassenkundliche Ideal von der Gestalt der nordischen Rasse waren hohe Beine, breite Schultern und eine schmale Hüfte (vgl. Günther 1934, S. 38). Die nordische Rasse verkörperte also einen schlanken aber dennoch kräftigen Körper. Der Schädel sollte nach NS-Rassenkunde langschädlig und schmalgesichtig gebaut sein, sodass ein scharfer Gesichtsschnitt erkennbar ist (vgl. Günther 1934, S. 38).
Zudem war die nordische Rasse mit weichem, hellen Haar, blauen Augen und einer rosigweißen Hautfarbe gekennzeichnet (vgl. Günther 1934, S. 22).
Zusammenfassung der Kapitel
1.Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema der NS-Ideologie im Volksschulunterricht ein und stellt die zentrale Fragestellung der Arbeit bezüglich des Zeitraums von 1933 bis 1940 vor.
2. Die Volksschule im Nationalsozialismus: Hier wird der Wandel des Schulsystems nach 1933 analysiert, einschließlich der Zentralisierung durch das Reichserziehungsministerium und dem veränderten Stellenwert der Schule gegenüber anderen Erziehungsinstanzen.
3. Elemente der nationalsozialistisch zu vermittelnden Ideologie: Dieses Kapitel erläutert die Kernkonzepte der NS-Weltanschauung, insbesondere Rassenlehre, Führerprinzip, Volksgemeinschaft und das Eliteideal.
4. Erziehung in der Volksschulunterstufe: Es werden die allgemeinen Erziehungsziele im Nationalsozialismus und der spezifische Auftrag der Schule zur Formung des nationalsozialistischen Menschen analysiert.
5. Unterricht in der Volksschulunterstufe: Dieses umfangreiche Kapitel untersucht die inhaltliche Umgestaltung der Schulfächer, die Rolle des Sports sowie die Einführung neuer Unterrichtsgebiete und methodischer Ansätze.
6. Schluss/Fazit: Das Fazit fasst zusammen, wie trotz der Beibehaltung alter Lehrpläne eine tiefgreifende ideologische Umgestaltung des gesamten Bildungsauftrags erreicht wurde.
Schlüsselwörter
Nationalsozialismus, Volksschule, NS-Ideologie, Rassenkunde, Volksgemeinschaft, Erziehungsziele, Unterrichtsgestaltung, Führerprinzip, Lehrpläne, Sportunterricht, Wehrertüchtigung, Geschichtsunterricht, Propaganda, Heimatkunde, Indoktrination
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die Veränderungen von Erziehung und Unterricht in den unteren vier Jahrgängen der Volksschule zwischen 1933 und 1940 unter dem Einfluss der nationalsozialistischen Ideologie.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen umfassen die Vermittlung der Rassenideologie, die Bedeutung der Volksgemeinschaft, die Einführung des Führerprinzips im Unterricht und die Anpassung der Fächer an nationalsozialistische Ziele.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Ziel ist es zu untersuchen, wie durch ausgewählte Fächer und neue Richtlinien die nationalsozialistischen Erziehungsziele innerschulisch umgesetzt wurden.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine auf Literaturanalyse basierende Hausarbeit, welche amtliche Maßnahmen, Erlasse und fachwissenschaftliche Texte der damaligen Zeit sowie spätere historische Analysen auswertet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die ideologischen Grundlagen, die allgemeinen Erziehungsziele im NS-Staat sowie eine detaillierte Analyse der Veränderungen in den verschiedenen Schulfächern, besonders Heimatkunde, Sport und den neu eingeführten Gebieten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Publikation?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie NS-Indoktrination, Reform der Volksschule, ideologische Fächergestaltung, Rassenkundeunterricht und Wehrertüchtigung charakterisieren.
Warum konzentriert sich der Autor speziell auf die Volksschulunterstufe?
Der Fokus liegt auf den unteren vier Jahrgängen, da etwa 90 % der damaligen Jugendlichen diese Schulform besuchten und somit die Mehrheit der Bevölkerung direkt von diesen ideologischen Maßnahmen betroffen war.
Welche Rolle spielte die sogenannte "Stunde der Nation"?
Das Fach "Stunde der Nation" diente, wie am Beispiel Oldenburg erläutert, als zusätzliches Instrument, um ausschließlich nationalsozialistische Weltanschauung und den Führerkult gezielt in den Schulalltag zu integrieren.
- Citar trabajo
- Vivian Hummel (Autor), 2020, Erziehung und Unterricht in der Volksschulunterstufe in der Zeit des Nationalsozialismus, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1185279