In der Diskussion um die Potenziale des Lehrens und Lernens mit neuen Medien werden regelmäßig neue Entwicklungen aufgegriffen. Seufert (2007) sieht in der kritischen Reflexion der aktuellen Trends („Trend Catching“) eine wichtige Aufgabe der Bildungsverantwortlichen verschiedenster Bildungseinrichtungen (S.2).
„Podcasting“ stellt einen dieser neuen Trends dar. Nach einer Umfrage des Essener Instituts für Medien- und Kompetenzforschung erwarten vier von fünf Experten eine steigende Akzeptanz von Podcasts in der beruflichen Weiterbildung (MMB, 2006, S.2). Viele erhoffen sich von dieser Entwicklung auch neue Impulse für das Lehren und Lernen mit neuen Medien im Sinne eines so häufig angemahnten „Paradigmenwechsels im Lernen [...], das heißt hin zu einer lernerzentrierten Perspektive und zum Lernen als aktiven, sozialen Prozess“ (Brahm, 2007, S.24).
In der wissenschaftlichen Diskussion wird derzeit die Frage thematisiert, welche pädagogischen und ökonomischen Potenziale Podcasts als Medien des Web 2.0 für ein effektiveres Lernen besitzen. Die vorliegende Arbeit konzentriert sich insbesondere auf den pädagogischen Teil dieser Fragestellung. Sie zielt darauf ab, didaktische Potenziale und Grenzen von Podcasts zu analysieren und darauf aufbauend ein Rahmenkonzept für einen didaktisch-methodisch sinnvollen Einsatze dieser innovativen Audiomedien zu entwickeln. Es wird daher nicht näher auf die offensichtlichen technischen Vorteile von Podcasts eingegangen, wie z.B. die effektive und bequeme Distribution der Lehrmaterialien. Vielmehr geht es darum, aus einer pädagogischen Perspektive zu diskutieren, wie Podcasts Lehr-Lern-Prozesse verbessern können. Dabei wird ein interdisziplinärer Ansatz verfolgt, der auf Erkenntnisse der Kognitiven Psychologie, der Pädagogischen Psychologie, der Pädagogik und der Medien- und Kommunikationswissenschaft zurückgreift. Insbesondere wird dabei auf die besonders relevanten Prozesse des Hörens, Zuhörens und Lernens eingegangen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Podcasting – Was ist das?
1.2 Potenziale und Anwendungsmöglichkeiten von Podcasts in der Aus und Weiterbildung – Vision und Realität
1.3 Problemstellung
2 Theoretische Grundlagen für den Einsatz von Podcasts in pädagogischen Kontexten
2.1 Kognitionspsychologische Grundlagen – Konzepte auditiver Wahrnehmung, auditiver Aufmerksamkeit und Informationsverarbeitung
2.2 Von der Psychologie des Hörens zur Pädagogik des Zuhörens
2.2.1 Vom Hören zum Zuhören
2.2.2 Das Zuhören - Implikationen für das Lehren und Lernen
2.3 Didaktische Umsetzung – Storytelling als Möglichkeit eines Einsatzes von Podcasts im Rahmen von Blended Learning
3 Entwicklung von Kriterien zur Bewertung und effektiven Ausgestaltung von Podcasts – Pädagogische Perspektive
3.1 Grundlagen der Gestaltung und Bewertung von textbasierten Lernangeboten
3.2 Sprachliche und strukturelle Gestaltung von Podcasts
3.2.1 Zuhörerorientierte Texte – Wortwahl, Satzgestaltung, Textstruktur
3.2.2 Zuhörerorientierte Strukturierung von Podcasts auf einer Makroebene nach pädagogischen Prinzipien
3.3 Inhaltliche Gestaltung von Podcasts
3.4 Förderung von Zuhörfertigkeiten durch Podcasts
3.5 Kriterienkatalog für die Bewertung und Ausgestaltung von Podcasts aus einer pädagogischen Perspektive
4 Erstellen eines Podcasts für den Einsatz in der beruflichen Weiterbildung unter Anwendung des erarbeiteten Kriterienkatalogs – „Spannungen beim Thema Klima“
4.1 Rahmenbedingungen für die Produktion und den Einsatz des Podcasts
4.2 Didaktisch-methodische Ausgestaltung anhand des Kriterienkatalogs
4.2.1 Makro-strukturelle Textgestaltung
4.2.2 Inhaltliche Textgestaltung
4.2.3 Die abschließende Ausgestaltung des Podcasts unter Berücksichtigung der sprachlichen Anforderungen an zuhörerorientierte Texte
5 Zusammenfassung und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert die pädagogischen Potenziale und Grenzen von Podcasts als innovative Audiomedien und entwickelt darauf aufbauend ein Rahmenkonzept für deren didaktisch-methodisch sinnvollen Einsatz in der beruflichen Weiterbildung, wobei der Fokus insbesondere auf Prozessen des Hörens, Zuhörens und Lernens liegt.
- Kognitionspsychologische Grundlagen der auditiven Wahrnehmung und Informationsverarbeitung.
- Entwicklung und Förderung von Zuhörfertigkeiten in konstruktivistischen Lernumgebungen.
- Einsatz von Storytelling als pädagogische Methode zur Gestaltung von Podcasts.
- Erstellung eines integrativen Kriterienkatalogs zur Bewertung und effektiven Ausgestaltung von Podcasts.
- Beispielhafte Produktion eines Podcasts für die berufliche Weiterbildung zum Thema Klimawandel.
Auszug aus dem Buch
Die richtige Wortwahl
Häusermann und Käppeli (1994) weisen darauf hin, dass vor allem in Texten, die wissenschaftliche Themen betreffen, Fachwörter die Grundlage für präzise Aussagen bilden. Ein Text muss aber gleichzeitig zuhörerorientiert sein, das heißt das (begriffliche) Wissen der Zielgruppe muss bei der Textproduktion berücksichtigt werden (S.28). Wenn davon auszugehen ist, dass ein Wort den Zuhörern nicht bekannt ist, kann man darauf unterschiedlich reagieren. Das problematische Wort kann z.B. durch ein anderes Wort ersetzt werden. Dabei sollte darauf geachtet werden, dass die Aussage nicht durch einen kleinen Bedeutungsunterschied zwischen den Wörtern eine völlig andere Gesamtbedeutung bekommt (Häusermann & Käppeli, 1994, S.28). Fachbegriffe sagen für einen Experten regelmäßig weit mehr aus, als ihre alltagssprachlichen Synonyme. Da insbesondere Lehrtexte sich oft dadurch auszeichnen, dass verschiedene Fachtermini eingeführt werden (Ballstaedt et al., 1981, S.204), ist es notwendig, über Hilfskonstruktionen wie z.B. Nebensätze die Begriffe zu erklären. Allerdings sollte die Kohärenz des Textes nicht unter diesen Hilfskonstruktionen leiden (vgl. Absatz über Schachtelkonstruktionen in diesem Abschnitt).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Einführung in das Thema Podcasting, Darstellung der Potenziale und Anwendungsmöglichkeiten in der Aus- und Weiterbildung sowie Formulierung der Problemstellung.
2 Theoretische Grundlagen für den Einsatz von Podcasts in pädagogischen Kontexten: Analyse der kognitionspsychologischen Grundlagen auditiver Wahrnehmung sowie Entwicklung eines Konzepts des Zuhörens inklusive didaktischer Umsetzungsmöglichkeiten.
3 Entwicklung von Kriterien zur Bewertung und effektiven Ausgestaltung von Podcasts – Pädagogische Perspektive: Erarbeitung von Gestaltungs- und Bewertungskriterien, die in einem integrativen Kriterienkatalog zusammengefasst werden.
4 Erstellen eines Podcasts für den Einsatz in der beruflichen Weiterbildung unter Anwendung des erarbeiteten Kriterienkatalogs – „Spannungen beim Thema Klima“: Praktische Anwendung des Kriterienkatalogs zur Entwicklung eines konkreten Podcasts im Bereich der beruflichen Weiterbildung.
5 Zusammenfassung und Ausblick: Fazit der Arbeit mit Diskussion der Ergebnisse und Aufzeigen von Perspektiven für zukünftige Forschungen.
Schlüsselwörter
Podcasting, Pädagogische Potenziale, Audiomedien, Zuhören, Kognitionspsychologie, Storytelling, Blended Learning, Wissenskonstruktion, Motivation, Interesse, Kriterienkatalog, Beruflicher Weiterbildung, Sprachrezeption, Informationsverarbeitung, Lehr-Lern-Prozesse.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die pädagogischen Potenziale von Podcasts und entwickelt ein Konzept für deren didaktisch-methodische Ausgestaltung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Felder sind die Kognitionspsychologie der auditiven Wahrnehmung, die Didaktik des Zuhörens sowie Methoden zur Gestaltung von Lerninhalten (Storytelling).
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist die Analyse der Potenziale und Grenzen von Podcasts und die Entwicklung eines Rahmenkonzepts für ihren didaktisch sinnvollen Einsatz.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird ein interdisziplinärer Ansatz verfolgt, der Erkenntnisse aus der Kognitiven Psychologie, Pädagogik und Medienwissenschaft integriert und auf einen Kriterienkatalog überträgt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der theoretischen Fundierung, der Entwicklung von Bewertungskriterien und deren Anwendung in einem Praxisbeispiel (Podcast zur Klimaproblematik).
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Schlüsselwörter umfassen Podcasting, Zuhörfertigkeiten, Storytelling, Blended Learning, Motivation und Kriterienkatalog.
Warum spielt das Storytelling eine so wichtige Rolle für das Konzept?
Storytelling dient als Instrument, um Fachinhalte spannend und identitätsstiftend zu vermitteln, was die intrinsische Motivation und den Lernerfolg fördert.
Wie unterscheidet sich "Zuhören" vom reinen "Hören"?
Zuhören ist ein aktiver, intentionaler Prozess, der die aktive Konstruktion von Wissen und die Integration in bestehende kognitive Strukturen erfordert, während Hören primär reizgesteuert abläuft.
Welche Rolle spielen "Nebentätigkeiten" beim Lernen mit Podcasts?
Podcasts ermöglichen ein "Lernen unterwegs" (Lernraum Straße), bei dem Lerner nebenbei aktiv sind, was hohe Anforderungen an die sprachliche Gestaltung des Podcasts stellt, um Überlastungen zu vermeiden.
Was ist das Ziel des produzierten Praxisbeispiels zum Klimawandel?
Das Beispiel soll zeigen, wie komplexe Fachinhalte durch eine dramaturgische Geschichte in einen für die Zielgruppe (Kaufleute) bedeutsamen Kontext eingebettet und so effektiv vermittelt werden können.
- Quote paper
- Dipl.-Hdl. Christian Schmidt (Author), 2007, Podcasts. Potenziale und Einsatzmöglichkeiten innovativer Audiomedien in pädagogischen Kontexten und Implikationen für ihre effektive Ausgestaltung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/118559