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Die Wohnungsknappheit in Ost- und Westdeutschland unter dem Aspekt alternativer Lösungen am Beispiel der Wohnungsgemeinnützigkeit

Title: Die Wohnungsknappheit in Ost- und Westdeutschland unter dem Aspekt alternativer Lösungen am Beispiel der Wohnungsgemeinnützigkeit

Master's Thesis , 2022 , 166 Pages , Grade: 3

Autor:in: Daniela Petrova (Author)

Urban and Regional Planning
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Summary Excerpt Details

In Anbetracht steigender Immobilienpreise und Mieten, vermehrter Zwangsräumungen und Wohnungsknappheit sowie zunehmender Unzufriedenheit und Verdrängung unterer und mittlerer Bevölkerungsschichten stehen die gegenwärtige Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und sämtliche Unternehmen vor erheblichen Herausforderungen. Die Pandemie, ausgelöst durch das Coronavirus, sowie die rasche Digitalentwicklung treffen auf jahrzehntelang dauernde Prozesse, wie die Kommodifizierung, Privatisierung und Finanzialisierung öffentlicher Wohnungsbestände, die Deregulierung und globale Verflechtung von Immobilien- und Finanzmärkten, die Wettbewerbsorientierung lokaler Politik und die Vermarktlichung des Gutes Immobilien
.
Im Fokus der Untersuchung stehen die folgenden Fragen: Hinsichtlich welcher Aspekte hat sich die Wohnungspolitik in den Jahren durch marktspezifische politische Instrumente verändert? Welche spezifische Bedeutung hat die Wohnungsgemeinnützigkeit 2.0 für die Wohnungsbeschaffung in West- und Ostdeutschland? Darüber hinaus werden Alternativen der bestehenden Ansätze einer strukturierten Wohnraumversorgung aufgegriffen. Folglich ist das Ziel dieser Arbeit, im Bereich der Immobilienwirtschaft mit dem Thema Wohnungsgemeinnützigkeit einen Schwerpunkt zu setzen, um für die Zeit während und nach der Pandemie sowie während des heutigen sozialen Umbruchs Lösungen für die Wohnungsnot in den großen Städten aufzuzeigen.

Dabei wird im Rahmen dieser Masterarbeit mittels der grundlegenden Literaturrecherche und der einschlägigen Experteninterviews untersucht, welche derzeitigen Konzepte und Strategien angeboten werden und welche Unterschiede auf dem ostdeutschen Wohnungsmarkt bestehen. Infolgedessen wird dargelegt, welche Chancen und Risiken die Einführung von NWG verspricht und welche zukünftigen Erwartungen es für die Entwicklung der Branche allgemein gibt. Anzumerken hierbei ist, dass die Politik die notwendigen Rahmenbedingungen schaffen muss, die dabei helfen, die Herausforderungen für die Wohnungsunternehmen bei der Immobilienvermittlung bzw. -beratung problemlos zu überwinden. Durch das Aufzeigen, welchen Effekt der vorindustrielle und industrielle Fortschritt in der Immobilienwirtschaft auf globaler Ebene sowie das Neuausrichten von bestehenden sozialpolitischen Instrumenten und Geschäftsmodellen mit sich bringt, soll dem Leser mit dieser Arbeit vermittelt werden, wie wichtig es ist, dass die gemeinwohlorientierte Wohnungspolitik ihren Platz heutzutage findet.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

1.1 Problemstellung

1.2 Ziel der Masterarbeit

1.3 Forschungsfrage

1.4 Methodische Vorgehensweise

2 Theoretische Grundlagen

2.1 Die ökonomische und gesellschaftliche Ausgangsbasis

2.1.1 Vorindustrielle Sozialordnung

2.1.2 Wohnungsnot und Industrialisierung

2.2 Eingriff des Staates

3 Umwandlung der Wohnungspolitik zur Wohnungsmarktpolitik

3.1 „Familienprinzip“ gegen „Individualprinzip“

3.2 Die Umwandlung der Wohnung in ein Wirtschaftsgut

3.2.1 Wohnungsfrage als Einkommensfrage/Kostenfrage

3.2.2 Wohnversicherung

3.2.3 Individualförderung – Wohngeldzuschuss

3.3 Soziale Umverteilung im Wohnungssektor

3.4 Wohnungspolitische Differenzen in Ost und West

3.4.1 Historische Hintergründe des Eigentums in den neuen Bundesländern

3.4.2 Spezifika des ostdeutschen Wohnungsmarktes

3.4.3 Kritik – Alternativen zum Wohnungsabriss

4 Die Wohnungsgemeinnützigkeit

4.1 Theoretische Grundlagen

4.1.1 Historische Entwicklung

4.1.2 Theorie Mackscheidt/Krischausky

4.2 Gemeinwohlorientierte Wohnungspolitik

4.2.1 Mietwohnungsknappheit – die Situation des deutschen Mietwohnungsmarktes

4.2.2 Der Paradigmenwechsel fängt im Osten an

4.3 Die Neue Wohnungsgemeinnützigkeit (NWG)

4.3.1 Wohnungsgemeinnützigkeit 2.0 – rechtliche Bezugsrahmen

4.3.2 Befürchtungen und Gegenargumente

4.3.3 Die Umsetzung der NWG als Lösungsansatz

4.3.4 Der Gesetzentwurf und die Etablierung eines Non-Profit-Sektors

5 Empirische Untersuchung

5.1 Durchführung der Experteninterviews

5.2 Strukturiertes Leitfadeninterview

5.3 Auswahl der Interviewpartner

5.4 Auswertung der Experteninterviews

5.4.1 Die Transkription

5.4.2 Die Interpretation

5.4.3 Die Kategorien

5.5 Darstellung der Untersuchungsergebnisse

5.5.1 Verbindung zum Thema Wohnungsgemeinnützigkeit

5.5.2 Entwicklung der Branche – Alternativen und Differenzen in Ostdeutschland

5.5.3 Wohnungsgemeinnützigkeit 2.0

5.5.4 Zusammenhang

6 Zusammenfassung der Ergebnisse und Ausblick

Zielsetzung & Themen

Ziel dieser Masterarbeit ist es, einen fast 100-jährigen Zyklus der Wohnungspolitik zu analysieren, um Lösungen für die aktuelle Wohnungsknappheit in großen Städten zu finden, wobei der Fokus auf dem Konzept der "Wohnungsgemeinnützigkeit" und einer möglichen Wiedereinführung (NWG 2.0) als Alternative zur gegenwärtigen marktorientierten Politik liegt.

  • Wandel von der Wohnungspolitik zur Wohnungsmarktpolitik
  • Die Wohnungsgemeinnützigkeit als historisches und zukünftiges Instrument
  • Wohnungspolitische Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland
  • Empirische Untersuchung mittels Experteninterviews
  • Alternativen zur bestehenden Wohnraumversorgung in der Pandemiezeit

Auszug aus dem Buch

3.2.1 Wohnungsfrage als Einkommensfrage/Kostenfrage

Entsprechend der Einstufung der Wohnung als Wirtschaftsgut und der Wohnungsnachfrage als Einkommensfrage bzw. Kostenfrage, die die Problematik der ungerecht hohen Gewinne beinhaltet, folgt automatisch die Debatte über einen adäquaten Weg, der die ausreichende Wohnungsversorgung realisieren kann. Laut Häring findet dieser Weg einen Ausdruck in einer zumutbaren Anhebung der Löhne: „Es wurde davon ausgegangen, dass durch eine entsprechende Einkommenspolitik, die in der originären Einkommensverteilung einsetzt, zumindest eine auf Pauschalsätzen aufbauende, tragbare Wohnkostenbelastung verwirklicht werden könne.“

Eine solche politische Zielsetzung bringt aber viele Schwierigkeiten mit sich, denn die bestehende Wirtschaftsordnung hat keine adäquaten politischen Instrumente zur Verfügung. Ursache dafür ist, laut Häring, die eingespielte Organisation der Einkommensaushandlung und Einkommensfestsetzung. Die Marktpolitik steht offensichtlich erneut über der Wohnungsnot bzw. über der Wohnungspolitik.

Das erste Hindernis bei der Realisierung einer solchen politischen Zielsetzung sieht der Autor in den autonomen Tarifparteien und in der autonomen Tarifverhandlung. Die Tarifautonomie – sie stellt einen Gestaltungsspielraum dar, in dem die Tarifparteien (Arbeitgeber und Gewerkschaften) die Freiheit von dem obersten Gesetzgeber, dem Staat, bekommen haben, um Beschäftigungsverhältnisse frei durchzusetzen und zu vereinbaren – macht es unmöglich, die Einkommensverteilung durch das Diktat des Staates zu realisieren und wohnungspolitische Zielvorsetzungen für eine soziale Anhebung der Löhne nach sozialen Gesichtspunkten vorzunehmen. Der größte Teil der Einkommen in Deutschland wird zwischen Tarifparteien ausgehandelt. Die Realisierung einer wirksamen einkommenspolitischen Lösung der Wohnungsfrage ist auch deshalb schwer umsetzbar, weil sie der marktwirtschaftlichen Ordnung widerspricht. Bei der Umsetzung einer solchen Einkommensstaffelung sollte das Familienprinzip berücksichtigt werden oder die Familiengröße sollte eine wesentliche Rolle spielen, was gleichbedeutend mit der Abkehr von der leistungsorientierten Einkommensbemessung ist. Laut Häring ist die Umsetzung einer familienorientierten Wohnungspolitik wegen der herrschenden Marktgesetze heutzutage nach einer gerechten Einkommensverteilung nicht realisierbar.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den Wandel der Wohnungspolitik zur Wohnungsmarktpolitik, stellt die Problematik der Wohnungsknappheit dar und definiert die Zielsetzung sowie Forschungsfragen der Arbeit.

2 Theoretische Grundlagen: Dieses Kapitel erörtert die ökonomischen und gesellschaftlichen Grundlagen, die vorindustrielle Sozialordnung und die Auswirkungen der Industrialisierung auf die Wohnungsnot sowie staatliche Eingriffe.

3 Umwandlung der Wohnungspolitik zur Wohnungsmarktpolitik: Der Hauptteil analysiert den Übergang von einer bedarfsorientierten Wohnungspolitik zu einem marktgetriebenen System, diskutiert Instrumente wie das Wohngeld und beleuchtet die spezifischen Entwicklungen in Ost- und Westdeutschland.

4 Die Wohnungsgemeinnützigkeit: Dieses Kapitel widmet sich der historischen Entwicklung und der theoretischen Begründung der Wohnungsgemeinnützigkeit sowie den aktuellen Bestrebungen zur Etablierung einer "Neuen Wohnungsgemeinnützigkeit" (NWG).

5 Empirische Untersuchung: Hier werden die Experteninterviews methodisch erläutert, die Kategorien für die Analyse definiert und die Untersuchungsergebnisse im Detail dargelegt.

6 Zusammenfassung der Ergebnisse und Ausblick: Das abschließende Kapitel fasst die zentralen Erkenntnisse aus Theorie und Empirie zusammen und gibt einen Ausblick auf die zukünftige Bedeutung der Wohnungspolitik.

Schlüsselwörter

Wohnungsgemeinnützigkeit, Wohnungspolitik, Wohnungsknappheit, Wohnungsmarkt, soziale Umverteilung, Mietwohnung, Experteninterviews, Individualprinzip, Familienprinzip, Dekommodifizierung, Wohnungsbau, Sozialwohnungen, Marktmechanismus, Neue Wohnungsgemeinnützigkeit, NWG

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es grundsätzlich in dieser Masterarbeit?

Die Arbeit analysiert den historischen und gegenwärtigen Wandel der deutschen Wohnungspolitik hin zu einer Wohnungsmarktpolitik und untersucht, ob das Konzept der Wohnungsgemeinnützigkeit als Lösungsansatz für die heutige Wohnungsknappheit dienen kann.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die zentralen Themen sind die Entwicklung der Wohnungspolitik seit der Industrialisierung, die Rolle staatlicher Instrumente wie Wohngeld, die Unterschiede zwischen ost- und westdeutschen Wohnungsmärkten und das Potenzial einer "Neuen Wohnungsgemeinnützigkeit".

Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?

Das Ziel ist es, unter Einbeziehung von Expertenwissen aufzuzeigen, wie durch eine gemeinwohlorientierte Wohnungspolitik bezahlbarer Wohnraum in Zeiten sozialer Umbrüche und Pandemien nachhaltig gesichert werden kann.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wurde eine Kombination aus Literaturrecherche (Sekundärforschung) und einer qualitativen empirischen Studie in Form von strukturierten Experteninterviews mit Vertretern aus der Immobilienbranche, Mietervereinen und der Wissenschaft durchgeführt.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil befasst sich mit der Umwandlung der Wohnung in ein Wirtschaftsgut, der Rolle des Staates, der historischen und theoretischen Fundierung der Wohnungsgemeinnützigkeit sowie der detaillierten Auswertung der geführten Interviews.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit lässt sich maßgeblich durch die Begriffe Wohnungsgemeinnützigkeit, Wohnungsknappheit, Wohnungsmarktpolitik, Soziale Umverteilung und Dekommodifizierung beschreiben.

Warum wird speziell das "Wiener Modell" diskutiert?

Das Wiener Modell dient als Vergleichsbeispiel für eine funktionierende gemeinwohlorientierte Wohnraumversorgung, wobei die Experten kontrovers diskutieren, inwieweit dieses Modell auf deutsche Verhältnisse übertragbar ist.

Welche Rolle spielt die ostdeutsche Erfahrung in der Untersuchung?

Die Arbeit analysiert spezifische ostdeutsche Entwicklungen, wie die historischen Hintergründe des Volkseigentums, die Leerstandsquoten nach der Wende und die Herausforderungen bei der Modernisierung von Beständen.

Wie bewerten die Experten die Einführung einer "Neuen Wohnungsgemeinnützigkeit" (NWG)?

Die Meinungen der Experten sind geteilt; während einige eine stärkere staatliche Regulierung und Gemeinnützigkeit befürworten, warnen andere vor Investitionsbremsen und Bürokratie und betonen die Notwendigkeit von Anreizen anstatt Verpflichtungen.

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Details

Title
Die Wohnungsknappheit in Ost- und Westdeutschland unter dem Aspekt alternativer Lösungen am Beispiel der Wohnungsgemeinnützigkeit
College
University of Applied Sciences Burgenland
Grade
3
Author
Daniela Petrova (Author)
Publication Year
2022
Pages
166
Catalog Number
V1185685
ISBN (PDF)
9783346648822
ISBN (Book)
9783346648839
Language
German
Tags
Wohnungsgemeinnützigkeit Wohnungspolitik Wohnungswirtschaft Wandel Sozialbau Wohnungsmarkt Real estate
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Daniela Petrova (Author), 2022, Die Wohnungsknappheit in Ost- und Westdeutschland unter dem Aspekt alternativer Lösungen am Beispiel der Wohnungsgemeinnützigkeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1185685
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