Man stelle sich nun einmal vor, man kehrt nach 17 Monaten aus dem Ausland in die Heimat zurück und findet sein trautes Heim, einen prunkvollen, auf dem Gründungshügel Roms, dem Palatin, befindlichen Palast, gekennzeichnet von Brandschatzung und Plünderung vor. So muss es Cicero ergangen sein, als er 57 v. Chr. aus dem, so sagt er, selbstgewählten Exil in seine Heimatstadt Rom zurückkehrte. Ein Teil seines Grundstückes wurde verkauft, ein anderer Teil dem Heiligtum der Göttin Libertas geweiht. Wer war für diesen Verlust verantwortlich?
Es war der Volkstribun P. Clodius Pulcher. Der Mann, wegen dem Cicero aus Rom geflohen war. Der Widersacher, der Erzfeind, der Todfeind, der nach der lex de capite ciuis Romani durch das zweite Gesetz, der lex de exsilio Ciceronis , Ciceros Rückkehr aus dem zunächst freiwilligen Gang ins Exil unmöglich machte. Glaubhaft also, dass sich durch diese Emotion in der Verhandlung gegen Clodius, für Cicero ein überragendes Meisterwerk seiner von mächtiger Leidenschaft inspirierten Redegewalt entstanden ist, dass der Jugend nicht schuldig bleiben dürfe. Eine Ansicht die in der Nachwelt und bei Historikern nicht immer auf Zustimmung stößt. Doch weshalb geht die Meinung des Interpreten und seiner Analytiker auseinander?
Oft wird die ausschweifende Wortfülle der Rede kritisiert, die kaum den eigentlichen Sachverhalt versucht zu klären. Die Entscheidung der pontifices zugunsten von Cicero, sei nicht durch die Erbringung von juristisch fundierten Argumenten begründet, sondern lediglich über die Macht der Emotion möglich gemacht. Konnte Cicero dieses Rededuell tatsächlich nur über die emotionale und leidenschaftliche Ebene für sich entscheiden? Weshalb konnte er durch die juristischen Argumente allein kein positives Gutachten erwarten?
Um die Argumentationsstrategie der Rede „de domo sua“, die am 29. September 57 vor dem Kollegium der Pontifices gehalten wurde, analysieren zu können, muss man vorerst zwei wichtige Untersuchungen vornehmen. Den Kern der Rede – das Fundament seiner Argumente – bilden 1. die Angriffe auf Clodius vor politisch- rechtlichem und persönlichem Hintergrund, und 2. die Selbstinszenierung seiner Person und Charakterisierung seines Schicksals als Sorge um das Allgemeinwohl der res publica. Welches Verhältnis herrschte also zwischen den Rednern Clodius und Cicero? Lassen sich bereits vor dem Exil mögliche Angriffsflächen für Cicero finden, um seine Position während des Rededuells zu stärken?
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Historischer Kontext
- Cicero und Politik
- Cicero vs. Clodius
- De Domo Sua – Argumentationsstrategie
- Juristische Ebene
- Emotionale Ebene
- Fazit
- Literaturverzeichnis
- Quellen/Übersetzungen
- Forschungsliteratur
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die Arbeit untersucht die Rede "De domo sua" von Cicero und analysiert die Argumentationsstrategie des Redners im Kontext seiner Auseinandersetzung mit dem Volkstribun Publius Clodius Pulcher. Ziel ist es, das Verhältnis zwischen juristischen und emotionalen Argumenten in der Rede zu beleuchten und die Bedeutung der Selbstinszenierung Ciceros für den Erfolg seiner Verteidigung zu erforschen.
- Der historische Kontext der Rede "De domo sua" und die politische Situation im Römischen Reich
- Die Beziehung zwischen Cicero und Clodius und die Hintergründe ihrer Fehde
- Die Argumentationsstrategie Ciceros in "De domo sua" mit Fokus auf juristische und emotionale Elemente
- Die Rolle der Selbstinszenierung und der Charakterisierung des eigenen Schicksals in Ciceros Rede
- Die Bedeutung der Rede "De domo sua" für die politische Karriere Ciceros und die Geschichte der römischen Rhetorik
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung stellt die Rede „De domo sua“ in den Kontext des verlorenen Palastes Ciceros und der politischen Auseinandersetzung mit Clodius. Sie skizziert die zentralen Fragen, die im weiteren Verlauf der Arbeit untersucht werden.
Das Kapitel „Historischer Kontext“ beleuchtet die politische Situation in Rom im Jahr 64 v. Chr. und beschreibt Ciceros Aufstieg zum Konsulat sowie die Entstehung des „ersten Triumvirats“. Die Bedeutung der Ereignisse für die spätere Fehde mit Clodius wird erörtert.
Im Kapitel „Cicero und Politik“ wird die Beziehung zwischen Cicero und Clodius analysiert. Es werden die verschiedenen Konfliktpunkte und die Rolle Clodius' im Exil Ciceros beleuchtet.
Das Kapitel „Cicero vs. Clodius“ fokussiert auf die juristische und emotionale Argumentationsstrategie der Rede „De domo sua“. Es werden die rhetorischen Mittel Ciceros und ihre Wirkung auf das Publikum untersucht.
Schlüsselwörter
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Rede „De domo sua“ von Cicero im Kontext der römischen Republik. Die Schlüsselbegriffe sind: Cicero, Clodius, Rhetorik, Argumentationsstrategie, juristische und emotionale Ebene, Selbstinszenierung, politische Auseinandersetzung, Exil, Roman Republic.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in Ciceros Rede "De domo sua"?
Cicero kämpft nach seiner Rückkehr aus dem Exil vor dem Kollegium der Pontifices um die Rückgabe seines Grundstücks auf dem Palatin, das sein Feind Clodius geweiht hatte.
Wer war Ciceros Hauptwidersacher Clodius?
Publius Clodius Pulcher war ein Volkstribun, der Ciceros Exil durchsetzte und dessen Besitz plündern und zerstören ließ.
Welche Argumentationsstrategien nutzt Cicero?
Er kombiniert juristische Argumente gegen die Rechtmäßigkeit der Weihung mit starken emotionalen Appellen und einer gezielten Selbstinszenierung als Retter des Staates.
Warum wurde die "Wortfülle" der Rede oft kritisiert?
Kritiker bemängeln, dass Cicero oft vom eigentlichen Sachverhalt abschweift, um Clodius persönlich anzugreifen und sein eigenes Schicksal zu heroisieren.
War die Rede für Cicero erfolgreich?
Ja, die Pontifices entschieden zu seinen Gunsten, was ihm ermöglichte, sein Haus auf Staatskosten wieder aufzubauen und seine politische Würde wiederherzustellen.
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- Jannik L. (Autor), 2017, Ciceros Kampf um seinen Palast. Kontext und Argumentationsstrategie der Rede "de domo sua", Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1185817