Diese Arbeit liefert eine Antwort auf die Frage, wie Literarisches Lernen durch digitale Medien, in diesem Fall durch die Serie "Haus des Geldes", möglich ist. Die Relevanz der Frage leitet sich daraus ab, dass digitale Medien im 21. Jahrhundert immer stärker zum Alltagsbegleiter werden und so das Lesen von Büchern zu einer Seltenheit wird. Deshalb ist die Frage nach der Förderung der literarischen Kompetenz umso wichtiger. Hierfür werden alle zentralen Begriffe und Definitionen ausführlich erklärt. Ebenso wichtig für die Frage ist die Medienentwicklung. Daher zeigt die Arbeit die Entwicklung von 1980 bis heute auf und nennt Risiken sowie Potenziale.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das Medienzeitalter
3. Lesekompetenz vs. Literarische Kompetenz
3. 1. Kompetenzbegriff
3. 2. Lesekompetenz
3. 3. Das Literarische an Literatur
3. 3. 1. Die ästhetische Erfahrung
3. 4. Literarische Kompetenz
3. 4. 1. Ulf Abraham
3. 4. 2. Kaspar Heinrich Spinner
3. 4. 2. 1. Die elf Aspekte
4. Literarisches Lernen durch Serien
4. 1. La Casa de Papel
4. 1. 1. Inhalt und Figuren
4. 2. Subjektive Involviertheit und genaue Wahrnehmung
4. 3. Sprachliche Gestaltung aufmerksam wahrnehmen
4. 4. Perspektiven literarischer Figuren nachvollziehen
4. 5. Narrative und dramaturgische Handlungslogik verstehen
4. 6. Mit Fiktionalität bewusst umgehen
4. 7. Szenische Darstellung verstehen
4. 8. Sich auf Unabschließbarkeit des Sinnbildungsprozesses einlassen
4. 9. Prototypische Vorstellungen von Gattungen/ Genres gewinnen
4. 10. Literaturhistorisches Bewusstsein entwickeln
5. Literarische Kompetenz im Adoleszenzalter
6. Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Frage, inwieweit die literarische Kompetenz durch audiovisuelle Serien gefördert werden kann, wobei die spanische Serie La Casa de Papel als primäres Fallbeispiel dient. Dabei wird analysiert, wie theoretische Modelle zum literarischen Lernen, insbesondere die Aspekte nach Kaspar Heinrich Spinner, auf moderne Medienformate übertragen und zur Kompetenzentwicklung genutzt werden können.
- Entwicklung des Medienzeitalters und Einbindung audiovisueller Medien in den Bildungskontext
- Differenzierung zwischen Lesekompetenz und literarischer Kompetenz
- Anwendung der literaturdidaktischen Aspekte von Spinner auf eine ausgewählte Seriensequenz
- Untersuchung der Bedeutung der Adoleszenzphase für den Erwerb literarischer Kompetenz
Auszug aus dem Buch
4. 3. Sprachliche Gestaltung aufmerksam wahrnehmen
Bei der sprachlichen Gestaltung ist neben der tatsächlich getätigten Aussage auch die Tonart äußerst wichtig. Nachdem sich Rio dem Missgeschick freiwillig schuldig gesprochen hat, nimmt Berlin ihn zur Seite und führt in dahin, wo er plant ihn töten zu lassen. Auf dem Weg dahin lässt Berlin Rio erklären, wie das passiert konnte. Während der Kommunikation spricht Berlin auffällig langsam und betont die Wörter übertrieben. Dabei gibt er Rio bei allen seinen Aussagen Recht und gibt sich als verständnisvoll aus. In den ersten beiden Folgen zeigt sich Berlin als aggressive Figur, weshalb die verständnisvolle Art bereits einen Verdacht beim Rezipienten hervorruft. Aber auch ohne diese Kenntnis, wird durch die sprachliche Gestaltung Berlins deutlich, dass er seine Aussagen nicht ernst meint und Rios Rechtfertigung ins Lächerliche zieht.
Auch die Stilfigur der Metapher taucht häufig auf. So tauchen ab der 10. Minute gleich zwei auf. Berlin nennt einen der Geiseln eine Sportskanone, wenngleich er keine Kanone ist. Er bezeichnet ihn deshalb so, weil er sehr sportlich ist und daher Arbeit für die Geiselnehmer verrichten kann. Kurz darauf fragt er eine andere Geisel (Arturito), ob er handwerklich begabt sei. Er antwortet darauf, dass er zwei linke Hände habe. Damit meint er nicht, dass er tatsächlich zwei linke Hände hat, sondern, dass er äußerst ungeschickt und handwerklich nicht begabt ist. Durch die sprachlichen Gestaltungen innerhalb der Serie, soll der Rezipient erlernen können, dass es einen elementaren Unterschied zwischen dem Gesagten und dem tatsächlich Gemeinten gibt. Darüber hinaus soll er verschiedene Redewendungen kennenlernen und die Bedeutung von Tonart und Sprachtempo.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit führt in die Relevanz moderner Unterhaltungsmedien im 21. Jahrhundert ein und formuliert die Forschungsfrage zur Förderung literarischer Kompetenz durch Serien.
2. Das Medienzeitalter: Dieses Kapitel skizziert den Wandel der Mediennutzung, von der Dominanz des Fernsehens hin zur orts- und zeitunabhängigen Nutzung über mobile Endgeräte.
3. Lesekompetenz vs. Literarische Kompetenz: Es erfolgt eine theoretische Abgrenzung der Begriffe sowie eine Definition des Literarischen unter Einbeziehung von Modellen von Abraham und Spinner.
4. Literarisches Lernen durch Serien: Das Kernkapitel wendet die zehn relevanten Aspekte des literarischen Lernens konkret auf die Serie La Casa de Papel an.
5. Literarische Kompetenz im Adoleszenzalter: Hier wird der Zusammenhang zwischen der Adoleszenzphase und der Wirksamkeit medialer Identifikationsangebote für die literarische Bildung beleuchtet.
6. Fazit: Die Ergebnisse werden zusammengeführt und die Eignung von Serien zur Förderung der literarischen Kompetenz, insbesondere für Jugendliche, bestätigt.
Schlüsselwörter
Literarische Kompetenz, Lesekompetenz, Medienpädagogik, Serienanalyse, La Casa de Papel, Kaspar Heinrich Spinner, Ulf Abraham, Literarisches Lernen, Adoleszenz, Fiktionalität, Rezeptionsästhetik, Medienkompetenz, Intermedialität, Figurenkonstellation, Ästhetische Erfahrung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht, ob und wie moderne audiovisuelle Serien – konkret die Serie La Casa de Papel – dazu beitragen können, die literarische Kompetenz bei Jugendlichen zu fördern.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Arbeit verknüpft die Bereiche Medienpädagogik und Literaturdidaktik, beleuchtet den Wandel des Medienzeitalters und analysiert spezifische Lernprozesse durch digitale Medien.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, nachzuweisen, dass literarisches Lernen nicht an schriftliche Texte gebunden ist, sondern durch eine strukturierte Analyse von Seriensequenzen gezielt geschult werden kann.
Welche wissenschaftlichen Methoden kommen zur Anwendung?
Es wird eine theoretische Fundierung durch Literaturdidaktik (insb. Spinner und Abraham) vorgenommen, die anschließend qualitativ auf das Fallbeispiel der Serie angewendet wird.
Was ist der inhaltliche Schwerpunkt des Hauptteils?
Der Hauptteil widmet sich der Anwendung von Spinners Aspekten des literarischen Lernens (wie Perspektivwechsel, Handlungslogik, Fiktionalität) auf konkrete Szenen der Serie.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit am besten beschreiben?
Zu den Kernbegriffen zählen literarische Kompetenz, Medienzeitalter, Adoleszenz, Fiktionalität und literarisches Lernen.
Warum wird die Serie La Casa de Papel als Fallbeispiel gewählt?
Die Serie weist eine hohe narrative Komplexität auf, bietet vielschichtige Figuren und gesellschaftskritische Motive, die sich hervorragend für literaturdidaktische Analysen eignen.
Welche Bedeutung misst der Autor der Adoleszenzphase bei?
Der Autor argumentiert, dass die Adoleszenz eine entscheidende Phase für die Identitätsfindung ist, in der fiktionale Helden als Modell zur Verarbeitung eigener Konflikte dienen können.
Werden die elf Aspekte von Spinner unverändert angewendet?
Nein, der Autor integriert einen Aspekt in einen anderen, sodass im praktischen Teil mit zehn Aspekten gearbeitet wird, da audiovisuelle Medien spezifische Anpassungen erfordern.
Welches Fazit zieht die Arbeit bezüglich des schulischen Unterrichts?
Das Fazit betont, dass audiovisuelle Medien eine ernstzunehmende Ergänzung im Literaturunterricht sind, da sie eine Brücke zwischen der fiktiven Welt und der Lebensrealität der Lernenden schlagen.
- Citar trabajo
- Mersida Dacic (Autor), 2018, Inwiefern kann die literarische Kompetenz durch Serien gefördert werden? Dargelegt anhand der Serie "La Casa de Papel", Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1185895